Unsere Gesellschaft ist im Wandel. Die zunehmende Individualisierung der Bevölkerung und die Auflösung traditioneller Familienformen stellt die Versorgung des Einzelnen im Familienverband immer mehr in Frage.

Das Projekt Amarylis in Bonn

Einher geht dies mit einer älter werdenden Gesellschaft. Aufgrund der demografischen Entwicklung gehen Prognosen davon aus, dass im Jahr 2030 fast ein Drittel der Gesellschaft in Nordrhein-Westfalen zu den Senioren zählen wird. Gleichzeitig ist die Wohnsituation auf die neuen Gegebenheiten noch nicht vorbereitet, es gibt zu wenige barrierefreie und bezahlbare Wohnungen für Senioren.

Die Großfamilie, in der die Großeltern mit den erwachsenen Kindern und Enkeln zusammenleben, bildet in Deutschland nur noch die absolute Ausnahme. Gerade im Alter haben viele daher nur noch die Wahl, auf sich alleine gestellt zu leben oder in ein Altenheim zu gehen. Daher suchen immer mehr Senioren nach neuen Formen des Zusammenlebens.

In vielen deutschen Städten entstehen solch neue Wohnformen, wie z. B. das Projekt “Amaryllis” in Bonn, das „buntStift“ in Bochum oder das „Nachbarschaftliche Wohnen“ in Lindlar.

Einsamer Vorreiter: Wohndorf am Diepeschrather Weg

Das Wohndorf in Hand am Diepeschrather Weg

In Bergisch Gladbach gibt es im Hinblick auf gemeinschaftliches Wohnen bisher nur ein Projekt: Es befindet sich im Stadtteil Hand am Diepeschrather Weg. Hier haben sich Ende der 1980er Jahre 14 junge Familien zusammengetan. Grundstückssuche und Grunderwerb wurden damals von der Stadt unterstützt, die baurechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen.

Das Projekt ist bis heute sehr erfolgreich. Die Familien leben gerne zusammen, es gibt ein hohes Maß an Gemeinschaft. Das Bauen war wirtschaftlich für die jungen Familien darstellbar, und dank engagierter Architekten ist das Projekt auch nach 20 Jahren noch gelungen und vorbildlich. Weitere Angebote gibt es bei uns bislang nicht.

Verein mitein-anders spürt großes Interesse der Bürger

Dies zu ändern hat sich eine private Initiative vorgenommen und im Jahr 2013 den Verein mitein-anders gegründet. Nach nur wenigen Monaten wurden viele Bürgerinnen und Bürger Mitglied in dieser Organisation zur Förderung neuer Wohnformen und unterstreichen so die Notwendigkeit solcher Projekte auch in unserer Stadt.

Um die für eine Umsetzung neuer Wohnformen dringend notwendige politische Rückendeckung zu bekommen, wurde seitens des Vereins nun ein Bürgerantrag an den Rat der Stadt Bergisch Gladbach gestellt. Dieser Antrag steht auf der Tagesordnung des Ausschusses für Anregungen und Beschwerden am Mittwoch, dem 26. Februar um 17 Uhr im Rathaus Bensberg.

Als Vorsitzende des Vereins werde ich dort das Anliegen kurz zusammenfassen und begründen. Im Anschluss erfolgt die Diskussion der Ratsmitglieder sowie deren Entscheidung.

Die zentrale Forderung des Antrags lautet:

Der Verein mitein-anders regt an, dass die Stadt Bergisch Gladbach Bauvorhaben zur Bildung von gemeinschaftlichen Wohnformen, auch im Sinne der Inklusion (z.B. Mehrgenerationenwohnhäuser) fördert. Zu diesem Zweck

  • weist die Stadt Bergisch Gladbach im Rahmen der Bauleitplanung gezielt Grundstücke für solche Wohnformen aus;
  • unterstützt sie entsprechende Initiativen bei der Grundstückssuche.

Diese für ganz Bergisch Gladbach ausgesprochen wichtige Auseinandersetzung wird öffentlich geführt. Alle Menschen, die dieser Idee positiv gegenüber stehen, sind sehr herzlich eingeladen, den Antrag durch ihr Erscheinen zu unterstützen.

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Doro Corts

ist als Architektin Mitarbeiterin der städtischen Bauverwaltung und ehrenamtliche Vorsitzende des mitein-anders e.V. zur Förderung neuer Wohnformen. Der Verein will das Thema des alten- und behindertengerechten Wohnens mit jungen Familien fördern und Interessierte zu Projekten und Projekte zu Investoren...

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