Sascha

„Sascha!“ (Liebenswürdig freundlich verlockend.)

„Sascha!“ (Freundlich.)

„Sascha!“ (Sachlich. Ein Ton tiefer.)

„Sascha!“ (Schon leicht verärgert.)

„Sascha!“ (Energisch. Tadelnd.)

„Hörst du nicht?“ (Strafend. Mit einem leichten Ton der Verzweiflung.)

„Nein, der hört nicht.“ (Das war die Nachbarin.)

„Meistens hört sie ganz gut.“

„Aber jetzt hört er nicht.“

„Sie sagen immer ‚er’. Sie ist aber eine Sie. Warum sagen Sie immer ‚er’?“ „Weil es ein Tier ist, und kein Mensch.“

„Aber Tiere haben auch ein Geschlecht.“

„Das stimmt. Aber ist das so wichtig?“

„Natürlich ist das wichtig. Sie sprechen doch auch von einer Frau nicht als ‚er’, obwohl sie ein Mensch ist.“

„Aber ein Mädchen ist ein Es.“

„Wieso?“

„Es heißt doch ‚das Mädchen’, oder?“

„Ja, das stimmt. Das ist auch eigentlich falsch.“

„Sehen Sie? Nicht mal bei Menschen nehmen wir das so genau. Und Sie würden Ihren Hund ja auch nicht taufen lassen.“

„Wie, nicht taufen lassen?“

„Ja, würden Sie Ihren Hund taufen lassen?“

„Warum sollte ich sie taufen lassen?“

„Mich? Ich bin doch schon getauft.“

„Nein, warum sollte ich Sascha taufen lassen?“

„Na, weil Sie ihn doch behandeln, als wäre er ein Mensch.“

„Wie kommen Sie denn darauf?“

„Weil Sie immer darauf bestehen, dass ich von ihm als ‚sie’ spreche.“

„Von ihm als sie! Sie sprechen vielleicht ein komisches Deutsch.“

Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

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1 Kommentar

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  1. Eine amüsante “Unterhaltung” wie sie sich manchmal ergibt, wenn es Menschen nicht um das Eigentliche (den ungehorsamen Hund) sondern letztlich um Spitzfindigkeiten geht.
    Im übrigen kann man sich in unserer Deutschen Sprache sehr differenziert und genau
    ausdrücken, wenn man es noch gelernt hat. Aber wie in vielen Bereichen wird auf unsere
    Sprache heutzutage immer weniger Wert gelegt.