So sieht es derzeit in Bensberg immer noch aus: Löwencenter vor Schloss

Nach fast zwei Jahren ist ein (von zwei) Dauerverfahren gegen die Baugenehmigung für die geplante Marktgalerie in Bensberg beendet. Wann der Abriss beginnt, ist aber nach wie vor offen. Noch immer fehlt ein Prüfbericht für die neue berechnete Statik. Investor Centerscape verweigert nach wie vor jede Auskunft.

„Zur gegebenen Zeit werden die spruchreifen Informationen und Schritte gerne bekanntgegeben. Zum Baubeginn und weiteren Details möchte sich Centerscape momentan nichts äußern, um Spekulationen oder Gerüchte nicht zu nähren”, antwortete Sprecher Oliver Schillings auf eine Anfrage des Bürgerportals.

Schrumpft die Nutzfläche?

Zu den „Details” gehört die Frage, ob im Zug der Anpassung der Baupläne auch die Nutzfläche geändert wurde. Bislang war eine Gesamtmietfläche von 7000 Quadratmetern im Gespräch, nun nennt die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung mit Berufung auf Centerscape „4.100 Quadratmeter Verkaufsfläche und 1.200 Quadratmeter Wohnungen und Büros”.

Damit würde fast ein Viertel der Fläche fehlen, was für die Rentabilität des Gesamtprojekt Auswirkungen haben könnte. Ursprünglich sollten sogar 6000 Quadratmeter Verkaufsfläche und 2500 Quadratmeter für Büros und Wohnungen untergebracht werden. Aber da war auch noch ein Baubeginn für das 1. Quartal 2013 geplant gewesen.

Oberverwaltungsgericht schmettert Berufung eines Anwohners ab

Am Dienstag hatte das Oberverwaltungsgericht Münster die Zulassung einer Berufung im Klageverfahren gegen die Stadt Bergisch Gladbach abgelehnt, teilt die Stadt jetzt mit. Ende 2014 hatte das Kölner Verwaltungsgericht drei Klagen gegen die im Oktober 2013 erteilte Baugenehmigung abgewiesen.

Wie die Stadt weiter berichtet hatten drei Anwohner geklagt, weil sie von der Planung für die Anlieferung des Einkaufszentrum Nachteile erwartet hatte, unter anderem mit Blick auf das benachbarte Hotel Malerwinke. Ein Anwohner sah sich durch die Änderung der Wege in seinen Rechten verletzt.

Einer der Kläge war mit dem Kölner Urteil nicht einverstanden und wollte Berufung einlegen; das wurde jetzt in Münster verweigert – weil es keine „ernstlichen Zweifeln” an der Richtigkeit des Urteils gebe. Unzumutbare Lärmbelästigungen durch die Anlieferung und das Rangieren der LKW sei auf dem Grundstück der Kläger seien nicht erkennbar. Auch würden die denkmalgeschützten Gebäude der Kläger nicht beeinträchtigt.

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Verwaltung sieht sich bestätigt

Die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung sehen sich durch das Urteil bestätigt. Das Urteil sei ein „großer und wichtiger Erfolg”, sagt Elisabeth Sprenger, Leiterin des Fachbereichs Planen und Bauen. Die  Richter des OVG hätten bestätigt, dass die Stadt als Baugenehmigungsbehörde richtig gehandelt und „die  Interessen der Nachbarn hinreichend berücksichtigt” habe.

Bürgermeister Lutz Urbach räumt ein, dass die offenen Rechtsfragen eine große Belastung waren, für den Investor, für die Händler und für die Kunden in Bensberg.

Handel drängt auf Baubeginn

Georg Daubenbüchel, Vorsitzender der Interessensgemeinschaft Bensberger Handel, beschwört nun einen raschen Baubeginn herbei: „Das Einkaufszentrum an der Schlossstraße muss kommen.” Zwar müssten sich Bürger, Kunden und Händler mit den negativen Umständen einer großen Baustelle arrangieren, aber „ein Baubeginn wäre auf jeden Fall positiv zu sehen.“

So könnte es in Zukunft aussehen. Entwurf der Marktgalerie

Der Termin dafür ist allerdings nicht abzusehen. Seit Monaten verweigert der Investor Centerscape dazu jede Information, Anfragen wurden zuletzt nicht einmal mehr beantwortet.

Noch fehlt ein Prüfbericht und ein Urteil

Zudem steht ein weiteres Urteil noch aus – und auch Centerscape hat immer noch nicht alle Hausaufgaben erfüllt. Nach wie vor hat der Investor einen neuen Prüfbericht für die Statik nicht bei der Bauaufsicht eingereicht, bestätigt die Stadtverwaltung.

Der neue Bericht war erforderlich geworden, nachdem ein Nachbar die Verankerung des Baukörpers im Hang abgelehnt hatte und die Statik des Gebäudes neu berechnet wurde.

Und dann läuft noch immer ein Normenkontrollverfahren vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster. Dort wird über die Rechtmäßigkeit des Bebauungsplans gestritten, der wiederum Basis für die Baugenehmigung war.

Das Bauschild steht seit November 2014. Geschehen ist bislang nichts.

Nach eigenen Angaben sieht die Stadtverwaltung dem Ausgang dieses Verfahrens „gelassen entgegen”. Selbst bei einer Niederlage wäre die Baugenehmigung selbst.

Centerscape will nach Angaben der Stadtverwaltung für 20,8 Millionen Euro ein Einkaufszentrum mit 4.100 Quadratmeter Verkaufsfläche und 1.200 Quadratmeter Wohnungen und Büros bauen. Ankermieter seien REWE und dm. Zudem wollten sich ortsansässige inhabergeführte Unternehmen in der neuen Marktgalerie ansiedeln.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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