Die neue Trassenführung. Geradelinig, weil unterirdisch.

Die Trassenführung. Geradlinig, weil unterirdisch.

Noch ist es nicht offiziell verkündet, doch die Spatzen pfeifen es schon seit dem frühen Morgen von den Dächern Bergisch Gladbachs und Kölns. In den lokalen politischen Kreisen wird mit gehörigem Stolz berichtet, dass man sich gemeinsam mit der NRW-Landesregierung auf ein Konzept zur Entlastung des Verkehrs zwischen den beiden Städten verständigt habe. Dieses soll nunmehr zügig umgesetzt werden.

Erinnern wir uns: In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Versuche, den Dauerstau zwischen Köln und Bergisch Gladbach aufzulösen und der Strundestadt einen Anschluss zur Autobahn zu verschaffen. Doch alle Anläufe, diese verkehrspolitische Herausforderung zu lösen, verliefen im Sande.

Gerade einmal neun Monate ist es her, dass die FDP-Fraktionen in Bergisch Gladbach und Köln gleichlautende Anträge zur Planung einer neuen Verkehrstrasse formuliert haben, welche danach parallel in die Stadträte eingebracht wurden.

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Konkret ging es um einen Prüfauftrag für eine Ortsumgehung Dellbrück/Refrath/Holweide. Ausgangspunkt der Trasse sollte die Ortslage Bensberger Straße/Zum Froschkönig in Bergisch Gladbach sein. Enden sollte sie nach den Vorstellungen der Politiker am Autobahnkreuz Merheim mit einer Einmündung in die L286n. Unter anderem berichtete das Bürgerportal Bergisch Gladbach ausführlich über diese Pläne in einem Beitrag vom 11.07.15.

Was zunächst in kleinen Kreisen begann, wurde klammheimlich fortentwickelt. Vertreter aus Köln und Bergisch Gladbach verhandelten mit dem Landesverkehrsminister in Düsseldorf, auch Experten aus dem Bundesverkehrsministerium wurden hinzu gezogen. Dabei, so hört man jetzt, wurde höchst effektiv und ohne jegliche größeren, sonst üblichen parteipolitischen Scharmützel über die Realisierung einer neuen Verkehrstrasse nachgedacht.

Noch bis tief in die letzte Nacht wurde getagt, denn Anfang April wollte man an die Öffentlichkeit gehen. Am heutigen frühen Morgen war es dann so weit, die letzten Hindernisse waren aus dem Weg geräumt.

Anstatt einer oberirdischen neuen Verkehrstrasse soll diese neue Straße nun auf Basis des FDP-Vorschlags komplett unter die Erde verlegt werden. Der Tunnel soll ins einem Streckenverlauf mehrere Aus- und Zuleitungen erhalten.

Die Tunnellösung habe einen entscheidenden Vorteil, wird ein Vertreter der Bergisch Gladbacher Stadtspitze zitiert: „Durch die unterirdische Einrichtung der Verkehrsentlastung ersparen sich beide Kommunen langwierige Auseinandersetzungen mit dem einen oder anderen Grundstückseigentümer, der sich durch eine oberirdische Straßenführung belästigt fühlen würde.“ Die in den vergangenen Jahrzehnten in beiden Städten stets von Weitsicht geprägte Stadtentwicklungspolitik habe diese unterirdische Lösung quasi aufgedrängt.

Bislang hatten die Kosten eine solche Lösung verhindert. Doch finanzielle Aspekte spielen Dank der EZB-Politik des Herrn Draghi zur Freude der Politiker jetzt keine Rolle mehr, das verhalf dem Vorhaben zum Durchbruch.

Ein Mitarbeiter der Bergisch Gladbacher Finanzabteilung erläutert dies nicht ohne einen gewissen Stolz näher: „In der aktuellen Zinssituation müssen die Banken und Sparkassen für Ihre Einlagen bei der EZB zu ihrem großen Ärgernis einen Strafzins von -0,40 Prozent zahlen. Gerade die Sparkassen reißen sich derzeit daher darum, Kommunen Finanzmittel zu einem negativen Zins von nur -0,10 Prozent zu überlassen. „Wir könnten das Tunnelprojekt komplett über Kredite finanzieren und würden für diese Kredite sogar noch Zinsen von der Sparkasse bekommen. Diese würden dann ebenfalls Zinsaufwand sparen, damit hätten wir eine echte Win-win-Situation!“, sagt der Finanzexperte aus  Rathaus.

Die Gesamtbelastung aus den Krediten mit gestaffelten Laufzeiten würde somit nahezu bei Null liegen, die Aufsichtsbehörden hätten bereits Zustimmung signalisiert. Unabhängig davon gehen beide Städte davon aus, dass für das Projekt Landes- und Bundesmitteln bereitgestellt werden.

Die Planung soll nun in beiden Städten im beschleunigten Verfahren eingebracht werden. An der Zustimmung der politischen Gremien in beiden Kommunen wird nicht gezweifelt.

Die NRW-Landesregierung hat einer Hochsetzung der Priorität des Vorhabens auf die Höchststufe bereits zugestimmt. Es ist davon auszugehen, dass Mitte bis Ende 2017 mit dem Bau begonnen werden kann.

Einen Wermutstropfen gibt es jedoch: Die Fahrradfahrer dürfen ja nicht durch den Tunnel fahren, daher muss für diese eine andere Lösung her. So ist geplant, für die Radler einen oberirdischen, sehr attraktiven Fahrradweg zu schaffen.

Wie die neue Radstation am S-Bahnhof beweise, nehme man die Anliegen der Fahrradfahrer sehr ernst, sagt ein Vertreter der Bergisch Gladbacher Stadtverwaltung. Details dürften in Kürze bekannt gegeben werden. Vorschläge aus der Bürgerschaft zur Streckenführung und Ausgestaltung des Radweges sind sehr willkommen.

Martin Wiegelmann

Jurist, aufgewachsen im Ruhrgebiet, wohnt seit 1989 im Rheinland und seit 1996 mit seiner Familie in Bergisch Gladbach.

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4 Kommentare

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  1. Na ja, war einen Versuch Wert. Als Betroffener hab ich 2 Sec. dran Glauben wollen….