Ist das ein Bahnhof? Bisher nicht, ab September wird umgebaut.

2,3 Millionen Euro nehmen die DB Station & Service sowie der Nahverkehr Rheinland (NVR) in die Hand, um den S-Bahn-Halt „Bergisch Gladbach” zu einem barrierefreien Bahnhof auszubauen. Das Projekt hat mit dem angestrebten zweigleisigen Ausbau der S-11-Strecke nichts zu tun, wird von den Verantwortlichen aber als wichtiger Schritt zu einem besseren öffentlichen Personenverkehrsnetz in der gesamten Region gesehen.

„Wir gehen an die Sache systemisch ran,” betonte Landrat Hermann-Josef Tebroke in seiner Funktion als NVR-Verbandsvorsteher. Mit der Ertüchtigung des S-Bahnhofs komme die ganze Region ein gutes Stück voran. Denn der Kopfbahnhof habe als Bindeglied zwischen öffentlichem und individuellem Verkehr eine besondere Rolle im gesamten Kreis.

Die Vernetzung müsse aber noch enger werden – durch bessere Busverbindungen in die Region hinein und durch die Anbindung weiterer Park&Ride-Plätze.

Frank Nettesheim (Wupsi), Hermann-Josef-Tebroke (Landrat), Norbert Reinkober (NVR), Kai Rossmann (DB), Harald Flügge (Stadtbaurat), Willi Schmitz (Stadtverkehrsgesellschaft), Udo Wasserfuhr (RVK))

Die Umbauarbeiten beginnen bereits in zwei Wochen. Herzstück ist der Bahnsteig selbst, der bislang in großen Teilen nicht hoch genug ist, um einen barrierefreien Einstieg zu erlauben. Da seine Höhe durch den benachbarten Busbahnhof fest gelegt ist soll nun das Gleis tiefer gelegt werden. Dafür muss das Gleisbett ausgebaggert und der Bahnsteig vom Fundament her erneuert werden.

Links der alte Bahnsteig, rechts der (relativ) neue Busbahnhof

Im September geht es los, ab Dezember müssen Pendler umdenken

Die 150 Meter ebenerdiger Bahnsteig plus Dach, Blindenleitsystem und Lautsprecheranlage schlagen mit 2,3 Millionen Euro zu Buche. 821.000 Euro dafür übernimmt der NVR, den Rest die Bahn, das Land und der Bund.

Hintergrund: Bahnhofsmodernisierungsoffensive „MOF 2“
Der Ausbau erfolgt im Rahmen der Bahnhofsmodernisierungsoffensive „MOF 2“, die 117 Projekte umfasst. Finanziert von Bund, Land und DB sollen dabei die Barrierefreiheit und die Informations- und Aufenthaltsqualität der Bahnkunden verbessert werden. Dafür nvestieren Land, Bund und Bahn in den kommenden Jahren rund 415 Millionen Euro. Bislang sind 486 der 697 Stationen im Land stufenfrei.

Viele Gleise, aber kein zweites Gleis für die S11 bis Dellbrück

Schon Ende September beginnt der Bau eines Behelfsbahnsteigs, der dort anfängt, wo der Bahnsteig jetzt aufhört, erläutert der für Bergisch Gladbach zuständige Bahnhofsmanager Kai Rossmann. Das Provisorium im Dezember in Betrieb genommen werden. Bis zur Neueröffnung, die für Juli 2017 angestrebt ist, müssen die Nutzer der Bahn den etwas weiteren Weg zum Einstieg auf Höhe der Radstation einplanen.

Zweites Gleis erfordert zweiten Bahnsteig – irgendwann

Mit dem geplanten Ausbau der Strecke bis Dellbrück durch ein zweites Gleis und die Taktverdichtung auf zehn Minuten hat die Bahnhofssanierung nichts zu tun. Sollte das zweite Gleis tatsächlich irgendwann mal kommen, würde der Bahnhof Bergisch Gladbach dafür auch einen zweiten Bahnsteig bekommen.

Auf die Frage, wann das sein könnte, gibt derzeit keiner der Verantwortlichen bei Bahn oder NVR eine Antwort. Zunächst werde jetzt zwei Jahre lang geplant, dann könne man konkreter werden, sagte VR-Geschäftsführer Norbert Reinkober.

Am Ende des bisherigen Bahnsteigs auf Höhe der Radstation wird ein Behelfsbahnsteig gebaut, der ab Dezember in Betrieb geht.

Hausaufgaben für die Stadt GL: Tannenbergstraße

Dafür müsse auch die Stadt Bergisch Gladbach ihre Hausaufgaben erledigen – und vor allem bei dem Umbau des Bahnübergangs Tannenbergstraße voran kommen. Die insgesamt drei Bahnübergänge zwischen Gladbach und Dellbrück seien ein komplexes Thema, räumte der neue Stadtbaurat Harald Flügge ein. Die Stadt habe sich vorgenommen, in den kommenden drei Monaten die Planung dafür auf’s Gleis zu setzen.

Den Umbau des Bahnhofs wertete Flügge als Aufwertung, der eine Lücke für mobilitätseingeschränkte und sehbehinderte Menschen schließe.

DB-Vertreter Rossmann bestätigte, dass die Bahn zwar die Grundstücke, die für das zweite Gleis notwendig sind, bereits besitze. Dennoch könnten sich die Bürger entlang der Bahnstrecke in ihren Rechten beeinträchtigt fühlen und klagen. Daher sei eine intensive Information und Beteiligung notwendig.

Ausbau von fünf Bushaltestellen mit 100.000 Euro gefördert

Beim Termin am Bahnhof übergaben die NVR-Vertreter Reinkober und Tebroke auch einen symbolischen Scheck über 100.000 Euro an die Stadt, die damit fünf Bushaltestellen vor allem in der Nähe von Altenheimen barrierefrei ausbauen will:

  • Margarethenhöhe
  • Peter-Walterscheidt-Straße
  • Siebenmorgen
  • Kreishaus
  • Carl-Sonnenschein-Straße

Die Haltestellen erhalten ein Bushochbord. In Kombination mit der Absenkfunktion der Niederflurbusse wird so ein möglichst ebenerdiger Ein- und Ausstieg erreicht. Zusätzlich bekommen die Haltestelle und auch der Busbahnhof Leitstreifen und/oder Auffindestreifen für sehbehinderte Menschen.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

1 Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Es ist ja schön für die bisherigen Nutzer der S-Bahn, dass der Bahnhof jetzt “ausgebaut” wird und damit Ein- und Ausstieg sowie leichter wird und regenfreies Warten möglich. Viel erfogreicher für die gesamte Region wäre das 2. Gleis für die S11 und damit eine wesentliche Verbesserung des ÖNVP. Man kann nur hoffen, dass für einen 2. Bahnsteig schon erste Vorbereitungen mit dem “Ausbau” des Bahnhofs erfolgen – genannt wurde das allerdings noch nirgendwo.