Klaus Farber verabschiedet sich vom Integrationsrat

Vor 35 Jahren hat Klaus Farber mit einem Antrag an den Stadtrat dafür, dass in Bergisch Gladbach ein Ausländerbeirat gegründet wurde. Mehr als drei Jahrzehnte lang hat er diesen Integrationsrat begleitet, als Vorsitzender, als Mitglied, als ungeduldiger Antreiber. „34 Jahre sind genug”, sagte Farber am Donnerstag bei einer Abschiedsrede – und nutzte die Gelegenheit, den Mitglieder des Integrationsrats ein paar Dinge ins Stammbuch zu schreiben.

Wir dokumentieren die Rede von Klaus Farber:

„Wenn es  in unserer Stadt nicht gelingt, gemeinsam mit den Vertretern der ausländischen Gruppen rechtzeitig deren Probleme zu erkennen und neben caritativen auch politische Lösungen zu entwickeln, werden in Zukunft weitaus größere soziale Probleme unserer Stadt belasten, als sie uns bisher vorstellbar sind. (Ausländerkriminalität, politische und religiöse Fanatisierung)”

Dieser Text ist nicht von 2017 sondern vom November 1981 – vor 35 Jahre. Er ist Teil eines Briefes, den ich an meine damaligen Ratskollegen der CDU, der SPD und der FDP geschickt habe – mehr Fraktionen gab es damals im Rat nicht. Ist der Text nicht immer noch aktuell?

1982 stellten die Stadtverordneten Wolfgang Bosbach von der CDU, Frau Schmidt-Bolzmann von der FDP und Klaus Farber von der SPD Fraktion an den Rat einen Antrag auf Bildung eines Ausländerbeirates – der damals noch nicht zwingend vorgeschrieben war.

Ende 1982 wurde ich als Vorsitzender gewählt und war bis vor kurzem seit 34 Jahren ununterbrochen teils als Vorsitzender, teils als stellvertretender Vorsitzender tätig. 

Ich könnte nicht sagen: „Wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören,” wirklich nicht. Aber ich denke, 34 Jahre sind genug. Ich kann aber wohl sagen: Ich habe in diesen 34 Jahren eine große Zahl von guten Freunden – vorwiegend mit Migrationshintergrund- gewonnen. Allein das ist ein Grund, mit Freude in die Vergangenheit zu schauen.

Etwas möchte ich Euch aber doch noch als Wunsch für die Zukunft sagen: Versucht doch bitte, den Integrationsrat aus dem politischen Dornröschenschlaf zu wecken. Wer weiß schon in der Bevölkerung von der Existenz des Integrationsrates und von seiner Zielsetzung und besonders seiner politischen Einstellung?

Warum überlasst Ihr es den demokratischen Parteien, die ausländer- und flüchtlingsfeindlichen Parolen und Aktivitäten der AfD zu verurteilen? Auch Ihr solltet dazu Position beziehen.

Der Zuzug von Flüchtlingen beunruhigt immer noch große Teile unserer Bevölkerung, auch in Bergisch Gladbach. Hier wäre ein klares Bekenntnis des Integrationsrats angebracht: ein Bekenntnis zum Asylrecht, zur kontrollierten Einwanderung von Menschen aus Kriegsgebieten und zu verstärkten Anstrengungen, Flüchtlingen mit voraussichtlicher Bleibeperspektive so schnell wir möglich zu integrieren. 

Unsere Bundeskanzlerin fordert von Erdogan nicht ohne Grund die Einhaltung von Menschenrechten und demokratischer Standards. Die Mehrzahl der sogenannten Deutschtürken auch in Bergisch Gladbach erleben in Deutschland, wie Demokratie praktiziert wird, finden aber die Demontage demokratischer Grundrechte in der Türkei in Ordnung. Sollte hier nicht ein Integrationsrat diesen Widerspruch aufdecken und eindeutig Position beziehen?

Ihr habt in den neuen Vorstand 3 praktizierende Muslime aus drei muslimischen Gemeinden gewählt, Freunde von mir. Aber ich habe weder von diesen Gemeinden noch vom Integrationsrat eine öffentliche eindeutige Verurteilung des IS gehört, dass die Grundsätze des IS nicht vereinbar sind mit dem Selbstverständnis unserer muslimischen Gemeinden und Bürger. Ihr sagt, das sei doch selbstverständlich, ist es aber nicht. Vielleicht für euch, aber nicht für die Mehrheit unserer Gesellschaft. Deshalb muss man es für alle deutlich formulieren. 

Ich wünsche Euch für die Zukunft des Integrationsrates Solidarität, Gemeinsamkeit, Gelassenheit und Mut auch zu unbequemen Entscheidungen und Stellungnahmen. 

Klaus Farber

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1 Kommentar

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  1. Nun muss Herr Farber aber aufpassen nicht als Nazi beschimpft zu werden. Ist ja Wahljahr. Wenn ich seinen letzten Absatz so gesagt hätte würde man mich für einen halten obwohl ich keiner bin.
    Meist wird man für weniger schon in die rechte Ecke geschoben. Gegen Flüchtlinge darf man gar nicht’s sagen was kritisch daher kommt ohne gleich einen shitstorm der sogenannten Gutmenschen über sich ergehen lassen zu müssen.

    Ich kenne leider keinen Türken oder Deutsch-Türken der sich eindeutig gegen die Politik von Erdogan wendet. Leider eher der Politik positiv gegenüber steht. In meiner Firma arbeiten mehrheitlich Menschen mit Migrationshintergrund…… ich spreche aus Erfahrung des täglichen Austausch. Ich verurteile solche Sichtweisen nicht, will aber auch nicht unter solchen politischen Gegebenheiten hier leben müssen.

    Zu Kriegsflüchtlingen habe ich die Einstellung…. Sie sind Besucher auf Zeit. Wir werden sie Versorgen und unterbringen, werden sie vorbereiten auf die Rückkehr in ihr Heimatland damit sie dort helfen die gleichen demokratischen Grundrechte zu instalieren die sie hier vorfanden. Eine Integration ist nicht notwendig.

    Herr Farber sprach 1981 aus was heute leider Alltag ist. Wo war die Politik 35 Jahre um genau das zu verhindern. Meine Verständnis zur Politik….. Sie zieht von Wahlkampf zu Wahlkampf……. die Zeit dazwischen ruht sie sich aus…….

    Herr Farber……. Mehr laute Sätze dieser Art, wie in ihrer Abschiedsrede, hätten vielleicht viel bewirkt im denken………