Der Mörder ist einer unter uns, der Täter ist einer unter uns, einer unter uns.

Das Ensemble „8 Richtige” brachte im Theas einen Improvisationskrimi auf die Bühne. Die Schauspieler gaben alles, das Publikum half kräftig mit – und am Ende wurde die haarsträubende Geschichte mit viel Hirnakrobatik gelöst. Eine Fotoreportage.

Auf dem Spielplan stand an diesem Wochenende der Improvisationskrimi „Einer unter uns”, vom Ensemble „8 Richtige”. Das hat mich zum ersten Mal ins Theas gelockt und ich war sehr gespannt, wie man unter Einbeziehung des Publikums einen Krimi lösen und einen Täter finden wollte.

Hintergrund: Theas – das ist Bergisch Gladbachs kleines, lokales Theater mit Theaterschule und einer umfangreichen Angebotspalette für Erwachsene und Kinder. Vor einigen Jahren stand es kurz vor der Schließung, aber es wurde gerettet. Ein Förderverein unterstützt das Theater. Diese dreiSandsäulen zeigen an, wie weit die finanziellen Mittel für die Spielzeiten ausreichen. 2016/2017 ist in trockenen Tüchern, für die Saison 2017/2018 reicht es noch nicht, aber man ist dort zuversichtlich.

Um das Publikum von Anfang an einzubinden standen im Vorraum Eimer auf den Tischen, und man war gebeten, entsprechende Ideen zu notieren und im Eimer zu deponieren.

Eine weitere Möglichkeit bot ein Ja-Nein-Kärtchen, dass man auf seinem Sitz vorfand, mit dem während der Vorstellung abgestimmt wurde.

Dann gings auch schon los. Mit gruselerregenden Flüsterstimmen singend wurden wir von der 4-köpfigen Gruppe „8 Richtige” auf das Mordgeschehen eingestimmt:

Vier Darsteller für 8 Personen – es spielte also jeder zwei Rollen. Das Publikum bekam Arbeit. Zuerst musste das Opfer identifiziert werden. Durch Zuruf ergab sich folgende Leiche:

Anna Schmitz, Friseurin mit dem Hobby Fallschirmspringen und der heimlichen Leidenschaft auf Altaren Tabledance aufzuführen. Sie wurde gefunden in den Pariser Katakomben und die Todesursache war ein Lachanfall. Ja, das Publikum entschied, dass sie sich totgelacht hat.

Auf die gleiche Weise bekamen die anderen Personen ihre Identitäten. Da waren:

Die Kommissarin (Opfer), lässig mit dem Tick ständig Kaugummi zu kauen.

Er gehörte zum Ermittlungsteam und war einer der Verdächtigen. Sein Tick: Er fluchte „merde”.

Ermittlerin mit dem Tick des Nasebohrens. Als Verdächtige Frau Finkenberg Freundin des Opfers, auch Fallschirmspringerin.

Ermittler mit dem Tick, dass er als Übersprungshandlung zu tanzen beginnt. Als Verdächtiger Herr Finkenberg gehörte er einem kirchlichen Verein an und suchte eine Tabledancerin. Delikat!

Man kann die Verstrickungen erahnen, die sich aus diesen Konstellationen ergaben. Es war heiter.

Da liegt nun die Leiche und das Ermittlerteam grübelt sich die Hirne heiß, wie es dazu kommen konnte, dass sie in den Katakomben dem Lachtod erlag, obwohl man ihr doch mit einer Banane Hämatome beigebracht hatte.

Es stellte sich per Abstimmung heraus, dass das Ehepaar Finkenberg am verdächtigsten war. Die Ermittler einigten sich auf mögliche Versionen des Tathergangs, die man in der Pressekonferenz den Reportern erzählen konnte. Danach benötigte das Ermittlerteam eine Pause.

In dieser Pause war ich Luft schnappen und wurde unterhalten vom „Singer on the roof”. Ich weiß nicht, ob noch jemandem aufgefallen ist, wie er sich vom Winde zerzaust dort oben anstrengte und alles gab um die zahlreiche Konkurrenz zu überbieten. Jedem Künstler gebührt Ehre.

Im Stück gings weiter mit der Pressekonferenz. Die Zuschauer-Presse stellte Fragen zum Geschehen, die Antworten wurden aus dem Eimer mit „Sätzen, die Sie schon immer mal in einem Krimi hören wollten” gezogen.

Herr Finkenberg wird verhört.

Frau Finkenberg besingt, wie toll das Leben freischwebend in den Wolken ist

Herr Finkenberg besingt die Liebe zu seiner Frau.

Ab hier verließ mich dann die Qualität meiner Fotos. Die Geschichte und das Publikum fanden heraus, dass nur Frau Finkenberg als Mörderin in Frage kam. Nur ihr konnte es gelingen, Anna Schmitz in den Katakomben so zum Lachen zu bringen, dass sie tot umfiel.

Aber die Liebe ist übermächtig. Darum war es möglich im Zwischenreich zwischen Leben und Tod eine Art Täter-Opfer-Ausgleich zu erwirken, bei dem sich die Emotionen (aus dem Emotions-Eimer) noch so überschlugen, dass am Ende das Opfer der Täterin verzieh.

Haarsträubende Geschichte, aber der Fall war gelöst, das Stück zu Ende.

Das Ensemble muss nach der Vorstellung völlig fertig in die Kissen gesunken sein, bei dem was sie da aus den Vorgaben des Publikums improvisieren mussten. Das erfordert wirkliche Hirnakrobatik und hat mich oft spontan laut lachen lassen.

Es war ein gelungener Abend und machte Lust auf mehr. Wer das Theas besuchen möchte, findet den aktuellen Spielplan auf deren Website und im Bürgerportal, dort gibt es auch viele weiteren Beiträge über das Theas. 

Evelyn Barth

(Frau Wirrkopf) Seit 1980 bin ich Bürger dieser Stadt, das ist fast mein halbes Leben. Nach 6 Jahren Hartz IV genieße ich nun seit Herbst 2012 meine wohlverdiente Rente. Ich lebe gerne hier. Daran, dass ich mehr Zeit als Geld habe, hat sich aber auch mit der Rente nichts geändert. Darum bin ich mit...

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