Anne Skribbe hat das Cafe Leichtsinn der Katholischen Jugendagentur vor 14 Jahren aufgebaut, geleitet und zuletzt zu einem Vorzeigeprojekt in Sachen Inklusion ausgebaut. „In der Schule ist Inklusion die Regel, aber ab 14 Uhr wird es schwierig. Wir arbeiten daran, das Miteinander von Behinderten und Nicht-Behinderten auch in der Freizeit zu verankern”, sagt Skribbe.

Gerade darum hat sie das Cafe Leichtsinn an Nicole Hoffmann abgegeben – und baut jetzt die „Servicestelle Inklusion, Beratung, Coaching” (InBeCo) auf.

Jeden Donnerstag: Offene Beratung – Inklusion in der Freizeit
InBeCo bietet jeden Donnerstag von 16 bis 18 Uhr eine offene Beratung für Kinder und Jugendliche mit Behinderung und deren Bezugspersonen an. Dabei geht es vor allem um inklusive Freizeitmöglichkeiten im Rheinisch-Bergischen Kreis und folgende Fragen:

  • Du brauchst Unterstützung in einer Freizeitgruppe?
  • Du suchst ein spezielles Angebot in deiner Nähe?
  • Sie suchen ein inklusives Angebot, das den Interessen Ihres Kindes entgegenkommt?
  • Sie suchen eine geschulte Begleitung für Ihr Kind in der Freizeit?

Die Beratung ist kostenfrei. Andere Termine sind nach Vereinbarung möglich. 

Kontakt Telefon 02202 9 36 22–30
E-Mail: katharina.kaul@kja.de 

Die neue Einrichtung stellt sich am 4. Juli ab 18 Uhr mit einer Auftaktveranstaltung und einer Filmpremiere im Bergischen Löwen der Öffentlichkeit vor. Passender weise  mit dem Film „Normalität ist besonders”, der vor allem im Cafe Leichtsinn gedreht worden ist.

Skribbe und ihre Mitarbeiterin Katharina Kaul arbeiten ebenfalls unter dem Dach der Katholischen Jugendagentur (KJS). Sie wollen Ansprechpartnerinnen für alle Einrichtungen, Verbände, Vereine und Initiativen im Rheinisch Bergischen Kreis sein, die ihre Angebote auch für behinderte Kinder und Jugendliche öffnen möchten. Das sind in RheinBerg immerhin 1000 Personen, schätzen die KJA.

Katharina Kaul und Anne Skribbe bauen in der KJA die Servicestelle InBeCo auf.

InBeCo wird (zunächst für vier Jahre) zu 70 Prozent von der „Aktion Mensch” finanziert, in diesem Jahr steuert auch die Sozialstiftung der Kreissparkasse einen Anteil bei. 

Ziel ist es, dass es mehr Orte gibt, an denen eine gleichberechtigte Teilhabe an Freizeitangeboten für junge Behinderte möglich ist. Und zwar nicht in einzelnen Leuchtturmprojekten wie dem Cafe Leichtsinn, sondern dezentral.

„Viele Behinderte werden von Eltern oder Betreuern über weite Strecken zur Schule oder andere Einrichtungen gebracht, ihnen fehlen die natürlichen Anknüpfungspunkte vor Ort”, sagt Skribbe. Vereine, wie der DJK-SSV Ommerborn-Sand mit seinen Behinderten-Fußballmannschaften seien da noch die Ausnahme. 

Zur Sache: Die Katholische Jugendagentur
hat ihren Sitz in der Dr.-Robert-Koch-Straße und ist für den Rheinisch-Bergischen Kreis, Oberberg und Leverkusen zuständig. Sie betreibt insgesamt 50 Einrichtungen und hat mehr als 300 Mitarbeiter. Damit ist sie einer der großen Träger der Jugendarbeit in der Region. Geschäftsführer ist Thomas Droege. Mehr Infos auf der Website.

Konkret wollen Skribbe und Kaul den Trägern von Freizeit-, Ferien- und Bildungsangeboten außerhalb der Schule ermutigen, sich offensiver mit dem Thema Inklusion auseinanderzusetzen. Sie haben beobachtet, dass zwar viele Angebote theoretisch auch für Jugendliche mit Handicap offen sind, nur werde das in der Praxis oft nicht deutlich gemacht. 

Gründe dafür seien häufig Unsicherheiten oder die Sorge, als Einrichtung für Behinderte von den anderen Jugendlichen gemieden zu werden. Hinzu kämen fehlende Kenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit Behinderten. Diese Vorbehalte, Hürden und Barrieren will InBeCo angehen. Dazu bieten Skribbe und Kaul Beratungen, Coaching und Workshops an.

Darüber hinaus soll InBeCo Eltern beraten und Assistenten für die Begleitung von behinderten Jugendlichen schulen. „Dabei geht es um den Aufbau von Vertrauen, denn Eltern behinderter Kinder haben ein hohes Sicherheitssbedürfnis”, berichten die InBeCo-Mitarbeiterinnen. Jede Mutter, jeder Vater sorge sich um seine Kinder, doch bei Behinderten seien es eben existenzielle Sorgen.

Zunächst aber machen Skribbe und Kaul eine Bestandsaufnahme, welche Angebote es im Kreis bereits gibt. Denn in den vergangenen Jahren habe sich einiges getan; nicht nur das Cafe Leichtsinn, sondern alle Jugendzentren stehen Behinderten offen, viele Mitarbeiter sind bereits geschult worden. Aber nur wenige Einrichtungen weisen offensiv draufhin, noch weniger sind miteinander vernetzt. 

„Unser Ziel ist so etwas wie der ADAC-Campingführer, mit einer Fülle von Angeboten und einer Vielfalt von Informationen”, sagt Skribbe. Nur nicht für Camper, sondern für behinderte Jugendliche. 

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

1 Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    als Kulturschaffende in Bergisch -Gladbach plane ich zum Beethovenjubiläum ein Inklusives Projekt, vorwiegend mit schwerhörigen Kindern und Jugendlichen.
    Frage: an welche Einrichtung kann ich mich wenden und wie könnte das kunstpädagogische Projekt ( Materialien usw) gefördert werden.
    Vielen Dank im Voraus.

    Mit freundlichen Grüßen
    Margarete Rettkowski-Felten