In der FNP-Ausschuss-Sitzung am 04.07.2017 legt die Verwaltung ihren überarbeiteten FNP-Entwurf vor (Dokumentation siehe unten).

Wir erinnern uns: der erste Entwurf vom letzten Sommer sah riesige neue Flächen für Wohnen und Gewerbe im Osten von Bergisch Gladbach vor, und hat – nicht zuletzt aus diesem Grund – über 4000 schriftliche Eingaben der Bürger hervorgerufen.

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Diese wurden nun ausgewertet, und nach fast einem Jahr legt die Verwaltung nun einen überarbeiteten Entwurf vor – der im Hinblick auf die Perspektiven für Moitzfeld und Herkenrath nur als große Enttäuschung bewertet werden kann.

Dabei ist es schon eine Herausforderung, das genaue Ausmaß der neuen Pläne festzustellen: Statt einfach einen aktualisierten Plan vorzulegen, „versteckt“ man die Änderungen auf vielen kleinen Ausschnitten, die sich über 1000 Seiten Bericht verteilen. Wir haben uns die Arbeit gemacht, und aus diesen Ausschnitten eine neue Übersichtskarte für den östlichen Teil von Bergisch Gladbach erstellt, die hier in groß geöffnet werden kann.

Das Ergebnis ist erschreckend. Obwohl nach Auskunft der Stadt ein Großteil der über 4000 schriftlichen Einwände der Bürger gegen den FNP-Entwurf vom August 2016 sich ausdrücklich mit dem Osten von Bergisch Gladbach beschäftigen, hält die Verwaltung eisern an den großen umstrittenen Gebieten fest. Zwar werden einige offensichtlich nicht durchführbare Flächen zurückgenommen, aber es bleibt dabei, dass die Achse Moitzfeld-Herkenrath die zentrale Wachstumsregion von Bergisch Gladbach sein soll, und zwar für Wohnen und Gewerbe.

Der Osten wird zugebaut!

In Spitze und Voislöhe sollen riesige Gewerbegebiete mit jeweils über 100.000qm mitten in die Landschaft auf die grüne Wiese gebaut werden und durch die Höhenlagen weit ins Bergische Land hinein sichtbar machen, dass die Planer von der Verwaltung die grüne Landschaft und die dörflichen Strukturen im Osten von Bergisch Gladbach offensichtlich nur unter kommerziellen Gesichtspunkten als Bauflächen wertschätzen.

Der Ring riesiger neuer Wohngebiete rund um Herkenrath wurde nur punktuell unterbrochen, aber weiterhin sollen hier weiträumig neue Siedlungen entstehen und einige Gebiete wurden noch weiter ausgeweitet.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache:

  • Von 105 Hektar neuen Wohnflächen in ganz Bergisch Gladbach, sollen in Moitzfeld und Herkenrath alleine 42 Hektar entstehen, das entspricht einem Anteil von 40%!
  • Bei Gewerbe sieht es noch schlimmer aus: 64% der neu vorgesehenen Gewerbefläche von 50 Hektar – das sind 320.000qm – liegen entlang der L289 zwischen Autobahn und Spitze.

Das heißt: Die Verwaltung bleibt bei ihrem Kurs, massiv Grünflächen zu opfern um neue Flächen vermarkten zu können – und die Hälfte aller Flächen, die in ganz Bergisch Gladbach neu ausgewiesen werden, soll in Moitzfeld und Herkenrath liegen!

Offensichtlich soll dieser grüne Höhenzug vollständig geopfert und umfassend urbanisiert werden, um die maßlosen Wachstumsphantasien von Politik und Verwaltung  zu ermöglichen. Die Stadtverwaltung will spekulieren, und die Landschaft und Dorfstrukturen im Osten sollen dafür verkauft und geopfert werden.

Maßloses Wachstum trotz bereits heute bestehendem Verkehrschaos

Jedem der die Gegend kennt, wird sofort klar, dass nur die Realisierung eines Bruchteils dieser Pläne zum sofortigen Verkehrsinfarkt führen werden. Und selbst die Verwaltung räumt genau dies ein: In ihrer aktuellen Verkehrserhebung kommt sie zu dem Schluss, dass die L289 schon heute zu den überlastetsten Straßen im Stadtgebiet gehört und in Spitzenzeiten über 100% ausgelastet ist. Dennoch soll genau diese Straße die zentrale Verkehrsader sein, an der die Hälfte aller neuen Flächen in Bergisch Gladbach angesiedelt werden soll.

Es ist vollkommen schleierhaft, wie dies funktionieren soll – es sei denn die Verwaltung plant intern bereits mit dem Ausbau der deutschen Alleenstraße zur vierspurigen Schnellstraße.

Politik verspricht viel, aber lässt die Planer bislang gewähren

Dieser neue Plan ist umso ernüchternder, als dass die Verwaltung diesen in Abstimmung mit den Politikern im Rat über die letzten Monate erarbeitet hat. Zwar ist es formell noch ein „Verwaltungsvorschlag“, aber offensichtlich haben die Parteivertreter bislang hier nichts von ihren Zusagen durchsetzen können – oder wollen.

Denn sowohl was das Gewerbegebiet Voislöhe, als auch den generellen Umfang der Planungen für den Osten angeht, gab und gibt es klare Zusagen der Politik, die noch vor der Landtagswahl im Mai bekräftigt wurden. Angesichts dieser Zusagen ist der nun vorgelegte Entwurf ein erneuter Schlag ins Gesicht aller engagierten Bürger.

Wenn die Politik jahrelang zwar verspricht, aber trotz wiederholter Aufforderung nicht liefert und die – ebenfalls mit Parteimitgliedern an zentraler Stelle besetzte Verwaltung – frei waltet und schaltet und die Zusagen der Politik noch süffisant kommentiert („Die Bewertung von „Wahlversprechen“ ist nicht Aufgabe der planerischen Abwägung.“, z.B. S. 739 des Entwurfs) – bleibt der an die Demokratie glaubende Bürger fassungs- und ratlos zurück. Was kann und soll man noch tun? In Zeiten wo „Wutbürger“ und „Protestparteien“ täglicher Diskussionsgegenstand in den Medien sind, müssen sich die lokal tätigen Akteure und insbesondere die Verwaltung und der Bürgermeister fragen, ob es nicht gerade Vorgehensweisen wie diese sind, die solche Entwicklungen befördern.

Aber noch ist nichts beschlossen, und die Hoffnungen und Erwartungen der Bürger ruhen darauf, dass ihre gewählten Vertreter die kommenden Sitzungen und Abstimmungen dazu nutzen, um die Interessen der Bürger gegenüber den Funktionären der Verwaltung durchzusetzen.

Wieder stärker zu Wort melden!

Jetzt ist es an der Zeit, das sich die Bürger im Osten wieder stärker zu Wort melden – so kann es nicht weitergehen. Wir sind sicher alle bereit, einen Beitrag zum Wachstum zu liefern, aber maßvoll und unter Erhalt und Bewahrung der existierenden Strukturen und Landschaft – unsere Region ist nicht die Landschafts-Resterampe für freidrehende Stadtplaner.

Am 04.07.2017 ist die nächste Gelegenheit dazu, bei der Ratssitzung – die dieses Mal wegen des erwarteten öffentlichen Interesses in der IGP Gesamtschule in Paffrath stattfinden wird. Ab 17:00 Uhr haben alle Bürger die Möglichkeit, zuzuhören und zuzuschauen, wie ihre Vertreter im Rat die Bürgerinteressen gegenüber der Verwaltung vertreten – hiervon sollten wir alle Gebrauch machen!

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moitzfeldherkenrath

Bürgerinitiative Moitzfeld-Herkenrath - Für den Erhalt der geschützten Landschaft zwischen Moitzfeld und Herkenrath! Kein Gewerbegebiet Voislöhe!

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3 Kommentare

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  1. Mit Fassungslosigkeit sehe ich auf den redigierten FNP-E. Auch der überarbeitete FNP-Entwurf geht nach wie vor an dem heutigen Wissensstand über Flächenverbrauch, des Schutzes von Klima, Natur und Umwelt, aber vor allen Dingen auch an den Vorstellungen der Bürger vorbei. Er pflastert das ehemalige Stadtgebiet von Bensberg zu, die Stadtteile Lustheide, Refrath, Frankenforst, Bensberg, Bockenberg, Moitzfeld, Herkenrath bis Spitze, mit hier nicht mit der jahrzehntelangen Entwicklung im Einklang stehenden maßlosen Flächenverbräuchen für Gewerbe und Wohnen. Auch und gerade unter Aspekten des Gemeinwohl ist dieser vorliegende Plan rundweg abzulehnen. Mein Eindruck ist, der FNP-Entwurf trägt die Handschrift von ortsfremden Freelanzern, die ohne Achtung vor Historie, gewachsenen Strukturen, ökologischen Gegebenheiten und den Vorstellungen der Bürger ein Bürokratiemonster geschaffen haben zur Erfüllung von Vorgehensmodellen und Flächenquoten. Der FNP-E ist für mich ein Spiegelbild von verantwortungslosem Umgang mit unserem Bergischen zu Hause und er verdient nur rundweg abgelehnt zu werden. Wie wollen wir Leben und Arbeiten in unserer Stadt, hier scheint den Verantwortlichen vollends die Vorstellung davon zu fehlen und den externen scheint es egal zu sein.

  2. Leider erwähnt der Artikel nicht die geplante Straßenbahnverlängerung nach Herkenrath.
    Dank dieser (hoffentlich irgendwann) guten Anbindung sind neue Wohngebiete in Moitzfeld und Herkenrath deutlich sinnvoller als in Hebborn oder Nußbaum, insofern ergibt die Ungleichverteilung durchaus Sinn.

    Beim Thema ‘Gewerbe’ war offenbar der Grundgedanke, dass alle Stadtteile Gladbachs in den Genuss “wunderschöner” großer Hallen mitten im Zentrum kommen sollen, nicht nur die Stadtmitte. Warum nicht ein größeres Mischgebiet aus Wohn- und Bürobebauung statt des geplanten reinen Gewerbegebietes G-Mo6?

  3. Was schert die Politiker ihre Versprechen von gestern und vorgestern. Selbst wenn die CDU signalisierte, diesen Wahnsinn in Moitzfeld und Herkenrath nicht mitzugehen, meinte der Bürgermeister vergangenes Jahr:” Wir ziehen das durch!” und zeigt damit, dass er an den Befürchtungen, Meinungen und Wünschen der dort lebenden Menschen völlig uninteressiert ist. Die Verwaltung meint, mit den Änderungen am FNP-E. einen Teil der Bürgerinitiativen ruhig stellen und einen Keil in deren Front treiben zu können. Da ist der Wunsch Vater des Gedanken, ein Wunsch, den man nicht erfüllen wird.

    Unsere Volksvertreter, die letztendlich entscheiden, wo’s lang geht, sind nun aufgerufen, dem Tun und Lassen der Verwaltung in ihrem Willen, unsere Stadt derart zu verschlimmbessern, ein Ende zu setzen.