„Wir haben nichts anderes erwartet“, sagt Mark vom Hofe, der Vorsitzende des (Rheinisch)-Bergischen Naturschutzvereins (RBN). Damit meint er den überarbeiteten Entwurf des Flächennutzungsplans, der mit seinen weit über 1000 Seiten am Dienstag den Ausschüssen zur Beratung vorliegt. „Wie auch“, fährt er fort, „wenn das Büro, das zusammen mit Stephan Schmickler und Harald Flügge den Plan bis Oktober 2016 erarbeitet hat, auch auswertet und bewertet, was von den 4500 Einwendungen zu halten ist!“

Für den RBN ist diese Verfahrensweise nicht erklärbar, da damit von objektiver Beurteilung keine Rede sein kann und die Abstriche, die jetzt gemacht wurden, nur auf die Einwände der übergeordneten Behörden, insbesondere der Umwelt- und Naturschutzbehörden in der Kreisverwaltung und der Bezirksregierung zurückzuführen sind.

Deshalb, so der RBN, ist jetzt die Politik am Zuge – „Nicht die Verwaltung entscheidet über den Flächennutzungsplan, sondern der Stadtrat, also die Parteien!“, betont vom Hofe. Jetzt sei der Rat gefordert. Er müsse die Verplanung des Ostens und Südens der Stadt radikal stoppen.

Wichtige Fragen an Verwaltung und Rat

Der Rat und seine einzelnen Mitglieder müssen sich letztlich in den Stadtteilen rechtfertigen, warum etwa beliebte Naherholungsgebiete der dort lebenden Bevölkerung jetzt komplett oder teilweise geopfert werden sollten, wie im Bereich Paffrath/Nussbaum.

Oder: Warum etwa Aussagen des Wohnungsbauberichts, demzufolge etwa Herkenrath nur langsam wachsen werde, aber im Bereich Kierdorf, Braunsberg und Goethestraße der größte Hektarzuwachs an Wohnbaufläche ausgewiesen werden solle, ins Gegenteil verkehrt wurden?

FNP: Im Osten nichts Neues – es wird noch schlimmer!

Warum nach wie vor im Osten der Stadt über 20 Hektar Gewerbefläche in Spitze und Voislöhe vorgesehen sind, obwohl die Landstraße schon jetzt in Spitzenzeiten nahezu auf der gesamten Strecke mit erheblichen Stauungen und Verkehrsstörungen zu kämpfen hat? Noch dazu, wenn im Zentrum von Herkenrath exakt an der Straßenkreuzung ein neuer Lebensmittelmarkt mit Discounter und Drogeriemarkt direkt daneben geplant ist?

„Der gesamte Plan beruht auf zwei Säulen, dem Autobahnzubringer und der überlasteten L 289“, sagt der RBN-Vorsitzende, „und beide Verkehrssäulen sind heftig umstritten, benötigen für den jeweiligen Ausbau viel Platz, viel Ausgleich an anderer Stelle im Stadtgebiet, der aber nicht vorhanden ist, und schaffen Lärm, Emissionen und Verluste von Lebensqualität!“

Darüber müssten sich die Parteien im Klaren sein, wenn sie der Verwaltung in diesen beiden Punkten folgen sollten. Nach Auffassung des RBN geht es sicherlich auch um hoch bedeutsame Grünflächen im dichter bebauten Bereich, die wertvolle Funktionen als Trittsteinbiotop, als Frischluftquelle, als klimasenkender Faktor, als Luftaustausch erfüllen.

Was aber mindestens genauso zählt, ist die Tatsache, dass das Stadtbild mit den Schwerpunkten im Osten um Herkenrath und Moitzfeld und im Süden im Bereich Brüderstraße/Neufrankenforst eine komplette Umstrukturierung erfährt und das Kapitel „Klimaschutz“, das in den nächsten Jahrzehnten das Leben beherrschen wird, kaum, besser gesagt: im Denken der Macher keine Rolle spielt. Dem sollte der Stadtrat einen Riegel vorschieben!

Weniger Wohnflächen, neue Gewerbegebiete, Bahndamm

Brüderstraße: 22 Hektar Gewerbe direkt an der A 4

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RBN

Der (Rheinisch-) Bergische Naturschutzverein ist seit 1975 die Stimme des Naturschutzes im Bergischen Land. Ursprünglich entstanden aus einer Bürgerinitiative engagieren sich Ehrenamtler quer durch das Bergische Land für den Schutz von Natur und Landschaft. Kontakt: info@bergischer-naturschutzverein.de

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3 Kommentare

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  1. Vielen Dank für diese Stellungnahme! Tatsächlich zeigt sich nur wieder, dass der gesamte FNP-Vorentwurf von vorne herein “planlos” erstellt wurde. Es liegt kein stadtplanerisches Konzept zu Grunde, es gibt kein Verkehrskonzept, die zunehmend wichtigen Punkte Klima-, Natur- und Umweltschutz werden völlig außer acht gelassen. Ein Handeln der Verwaltung, wie wir es eher aus den 60ern und 70ern des letzten Jahrhunderts kennen.

    Schockierend ist auch, dass ein Naherholungs-Juwel des Stadtgebietes, die gut zugängliche Nußbaumer Wiese “Peterskaule”, mit ihrem weiten Blick über die Kölner Bucht, nach wie vor mit 7 ha Wohnbebauung zugebaut werden soll. Neben dem Naherholungswert hat diese Wiese eine wichtige übergeordnete Klimafunktion und ist daher zu Recht im Regionalplan als regionale Grünfläche aufgenommen. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Stadtrat diese Fehlplanung radikal stoppt!

  2. Diese “Änderung” des bisherigen FNP-E. unterstreicht die Vermutung, dass die Verwaltung lediglich etwas Wind aus den Segeln der Kritiker nehmen will. Die “Bürgerbeteiligung”, die gesetzlich gefordert ist, wird wieder ad absurdum geführt. Nun müssen die “Bürgervertreter”, die ja letztendlich entscheiden, ihrer Aufgabe gerecht werden und den unsäglichen Interessen, die hinter den Planungen der Verwaltung stehen, eine deutliche Abfuhr erteilen. Es ist unerträglich, wie die Verwaltung zum Nutzen von Wirtschaft und Lobbyisten mit der Gesundheit und der Lebensqualität der Bürger umgeht. Unsere “Stadt im Grünen” geht mit den Vorhaben der Verwaltung vor die Hunde.

  3. Mit Fassungslosigkeit sehe ich auf den redigierten FNP-E. Auch der überarbeitete FNP-Entwurf geht nach wie vor an dem heutigen Wissensstand über Flächenverbrauch, des Schutzes von Klima, Natur und Umwelt, aber vor allen Dingen auch an den Vorstellungen der Bürger vorbei. Er pflastert das ehemalige Stadtgebiet von Bensberg zu, die Stadtteile Lustheide, Refrath, Frankenforst, Bensberg, Bockenberg, Moitzfeld, Herkenrath bis Spitze, mit hier nicht mit der jahrzehntelangen Entwicklung im Einklang stehenden, maßlosen Flächenverbräuchen für Gewerbe und Wohnen. Auch und gerade unter Aspekten des Gemeinwohl ist dieser vorliegende Plan so rundweg abzulehnen. Mein Eindruck ist, der FNP-Entwurf trägt die Handschrift von ortsfremden Freelanzern, die ohne Achtung vor Historie, gewachsenen Strukturen, ökologischen Gegebenheiten und den Vorstellungen der Bürger ein Bürokratiemonster geschaffen haben zur Erfüllung von Vorgehensmodellen und Flächenquoten. Der FNP-E ist für mich ein Spiegelbild von verantwortungslosem Umgang mit unserem Bergischen zu Hause und er verdient so nur rundweg abgelehnt zu werden. Wie wollen wir Leben und Arbeiten in unserer Stadt, hier scheint den „Machern“ vollends die Vorstellung davon zu fehlen und den Externen scheint es egal zu sein.