Weaam Eissa gründete Souk Online in Bergisch Gladbach

Im März 2014 landete ihr Flugzeug in Düsseldorf. Sie kam mit ihrem Ehemann und zwei Kindern und sprach kein einziges Wort Deutsch. Inzwischen hat Weaam Eissa in Deutschland Asyl bekommen und in Bergisch Gladbach einen Online-Shop gegründet. Auf der Webseite „Souk Online” verkauft die Frau aus Syrien orientalische Produkte aller Art, ihr Mann kümmert sich um die Kinder.   

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Eissa hat in Syrien Architektur studiert und ist Bauingenieurin. In Deutschland merkte sie, wie schwierig es ist, für die Kinder Bücher in arabischer Sprache zu bekommen. Viele Flüchtlinge kopieren diese Bücher. Aber Issa fand heraus, dass es billiger ist, die Bücher in arabischen Ländern zu bestellen.

Daraus entstand ihre Geschäftsidee: „Ich will Flüchtlingen Produkte anbieten, die es hier vor Ort nicht gibt oder die zu teuer sind”, sagt sie.  Auf einem Markt („Souk”) im Internet.

Die Syrerin hatte Oliver Schillings schon ein Jahr zuvor kennen gelernt, er ist Inhaber der PR-Agentur Alpha & Omega in Bensberg. Er berichtet jetzt: „Wir haben irgendwann überlegt, dass es schön wäre, zusammen ein Geschäft zu gründen. Weaam hatte die Idee, arabische oder syrische Produkte in Deutschland online zu verkaufen. Dann haben wir irgendwann Nägel mit Köpfen gemacht und das Projekt aufgesetzt.”

Oliver Schillings ist als Gesellschafter mit an Bord

Die Souk-Online UG war rasch gegründet, aber wegen der deutschen Bürokratie dauerte dann doch alles etwas länger. „Ich habe viele Hindernisse und Enttäuschungen erlebt”, sagt Eissa. So habe ihr Sachbearbeiter im Jobcenter ihre Pläne nicht Ernst genommen. Sie habe doch drei Kinder. 

Das Unternehmen brauchte nur wenig Startkapital. Das Jobcenter unterstützte das Projekt mit 3000 Euro, Schillings übernahm einen Minderheitsanteil an der Unternehmergesellschaft. Sehr gute Unterstützung und Beratung bekamen die beiden von der Rheinisch-Bergischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft (RBW), berichtet Schillings.

Aber die Formulare von der Zollbehörde und dem Finanzamt zeigten sich als größere Schwierigkeit – weil Eissa sie nicht verstand. Die Sprachbarriere spielte auch für sie eine große Rolle.

Viel Zeit benötigten Eissa und Schillings, um interessante Lieferanten zu finden. Denn Souk Online verkauft viele verschiedene Sachen: Seife für das Gesicht, arabische Kinderbücher und Romane, Kopftücher, Mosaik und Geschenke zum Beispiel.

Gerne würde Eissa noch viel mehr Waren verkaufen. Zum Beispiel arabische Handarbeitsprodukte, die von Frauen oder jungen Menschen hergestellt werden. „Viele Syrer haben Erfahrung in der manuellen Fertigung, aber sie können diese Produkte nicht verkaufen,” erzählt sie. „Deshalb werden wir unser Bestes tun, um diesen jungen Frauen und jungen Männer einen Online-Markt  anzubieten.” Außerdem könnte Souk Online auch Waren von arabischen Produzenten hier in Deutschland aufnehmen.  

Eissa importierte ihre Waren zuerst aus Kuwait, inzwischen auch aus anderen Ländern. Im Gegenzug würde sie gerne kleine Elektrogerät aus Deutschland über Bekannte und Verwandte in die arabischen Länder zu exportieren. 

Hinweis der Redaktion: Autor Adham Seef Aldin stammt selbst aus Syrien. Er ist Journalist und nimmt mit dem Bürgerportal am Projekt „Newscomer” teil. Mit Georg Watzlawek bildet er eines der ersten lokalen „Tandems” und berichtet über Themen aus Bergisch Gladbach. Wenn Sie Vorschläge oder Hinweise haben, melden Sie sich! 

Inzwischen ist die Seite Souk Online im Internet zu finden. Dort werden die Waren auf Arabisch und Englisch präsentiert. Es gibt auch eine Facebookseite mit rund 700 Fans. Auf der Seite kann man die Waren bestellen und elektronisch bezahlen, bevor sie mit der Post ausgeliefert werden. Viele Leute sind allerdings ängstlich, auf einer Website ihre Bankdaten anzugeben.

Zudem gibt es immer noch technische Herausforderungen, die Website ist nie ganz fertig und soll weiter wachsen. „Die Umsätze sind noch niedrig, nicht so hoch wie ich erwartet hätte”, erklärt Eissa. Aber sie gibt sich kämpferisch: „Trotzdem bin ich optimistisch, dass ich genug verkaufen werde.”

Schon bald soll ein Mitarbeiter im Kundenservice eingestellt werden, ergänzt Schillings, Arabisch-Kenntnisse wäre da von Vorteil.

Die neue Arbeit hat Eissa inzwischen gezwungen, auf das arabische Kochen für die Familie zu verzichte: „Das ist Nebensache geworden, ich habe zu wenig Zeit,” sagt sie. Ihr Ehemann gebe ihr moralische und häusliche Unterstützung: Er kümmere sich um die Kinder, während sie auf dem Arbeitsplatz ist. Er sei der Meinung, dass die finanzielle Unabhängigkeit und der Verzicht auf Sozialhilfe der beste Weg sei, der staatlich Hilfe und Kontrolle zu entkommen.

Schillings ist bei dem ganzen Projekt stark beteiligt. Auch er ist optimistisch und auch er profitiert von der Zusammenarbeit: „Weaam und ich haben das ganz gut auf die Beine gestellt. Ich habe dabei viel Neues über die kulturellen und mentalen Unterschiede gelernt. Durch Weaams Blick auf die deutsche Bürokratie fallen auch mir Dinge auf, über ich nie nachgedacht hatte.” 

Adham Seef Aldin

ist Journalist aus Syrien und lebt seit 2014 in Bergisch Gladbach. Er ist Teilnehmer des Projektes newscomer.de und freier Mitarbeiter des Bürgerportals.

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21 Kommentare

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  1. Marhaba Weaam Eissalon
    Ich betreue die Syrische Familien und bin in der Flüchtlingshilfe tätig. Ich finde ihre Geschäftsidee toll. Wir brauchen für unsere Syrer Läden in denen sie ein Stück Heimat bekommen. Bitte bieten sie die Produkte auch in Deutsch an. Sie schaffen dass, Shukran Angela

  2. Allen die hier den Gut Menschen raushängen sollten mal Nachrichten, möglichst nicht von Öffentlich Rechtlichen Sendern, möglichst mit klarem Verstand schauen.
    Vielleicht wird euch dann klar das Deutschland und seine Sozialsysteme so nicht mehr lange überleben wird!

    Grüss Gott

  3. Die Dame soll doch wieder in ihre Heimat zurück gehen
    Was ist das für eine Aussage !!!!!
    Genau dieser Aussage und Einstellung zeugt von Fremdenhass
    Verfolgen Sie keine Nachrichten Herr Wurst
    Warum wohl sind denn so Viele Flüchtlinge hier bzw noch unterwegs
    Sie sollten sich die Bilder ansehen die ich gesehen habe dann würden sie zu den eingereisten Menchen (Flüchtlinge ) eine andere Einstellung haben
    Diese Menschen sind nicht freiwillig hier ,da ihre Heimat Häuser Wohnungen durch Krieg zerstört wurden müssten sie fliehen mit wenig Hab und Gut was sie am Leib trugen und tragen konnten
    Ihre Einstellung würde ich an Ihrer Stelle nochmals überdenken
    So wird nur Hass geschürrt
    Wollen wir nicht alle in Frieden leben auch mit Flüchtlingen die sich hier etwas neues aufbauen geht das
    Ich helfe den Flüchtlingen so wie ich kann ,Habe dies bis heute keinen Augenblick bereut
    Denn es kommt viel zurück
    Dankbarkeit
    Und der Krieg unter den Völkern geht leider weiter
    Mich macht das sehr traurig
    Ich wünsche einen guten Erfolg und Elan für den Oneline Markt

  4. Herr Mangold,
    genau ! Wenn dieser Junge das richtige Wissen hat ,konnte er denn nicht von Radikalen in der Irre geführt sein. Die suchen Leute die keine Ahnung haben und überzeugen sie über ihren Propaganda die 100% gegen den Islam ist !

  5. Herr Mangold, es freut mich daß Sie mein Shop angeschaut haben ! Die Bücher sind auf Arabisch weil es sehr einfach ist, Bücher auf Deutsch hier zu kriegen ..meine Kinder haben viel mehr Bücher auf Deutsch als andere …Pixi mini Geschichten sind von Deutsch auf Arabisch übersetzt .Und die Über Islam sind um Bewusstsein zu erhöhen und die richtig Informationen zu bekommen ,daß Relegionen gegen Gewalt sind und schätzen die Morale und Menschlichkeit .Nur mit Wissen können wir Radikalisierung verhindern ,oder ?

  6. Hand auf‘s Herz Herr Mangold, glauben Sie was Sie hier schreiben? Eine Übersetzung würde mehr kosten und Sie würden vermutlich trotzdem nicht glücklich sein. Ist denn diese unternehmerische Eigeninitiative um finanziell auf eigenen Füssen zu stehen nicht genau das was immer von Flüchtlingen (und generell Personen die staatlich unterstützt werden) verlangt wird?

  7. Wenn das Jobcenter schon mit 3000€ unterstützt – warum gibt es dann Lehrbücher für Kinder nur auf Arabisch im Shop und keine Übersetzungen ? Und wenn ich dann noch Bücher im Shop finde wie What do we know about Islam? – We and the Quran ja die Intergration schreitet auch in Bergisch Gladbach weiter voran. Peter Mangold

  8. Hallo Frau Weaam Eissa ,

    klasse Idee die Sie dort haben,
    ich wünsche Ihnen dazu viel Erfolg, ich weiß wie schwer es ist

    Eventuell läst sich das ja noch erweitern. Auf der Bensbergerstr. hat doch die Stadt ein Gebäude gemietet neben der Kirche, rechts in dem Gebäude sieht es aus wie ein Kindergarten, die Linke Seite wäre doch bestimmt fü Sie Ideal dort einen kleinen Laden zu eröffnen
    Gruß M.Schmidt

  9. Lieber Herr Wurst,
    wie kommen SIe darauf, dass diese Produkte für uns überflüssig sind???? Schauen Sie doch mal über Ihren Wassersuppentellerand. Da können Sie köstliches entdecken!
    Viel Spaß beim Stöbern!

  10. Ich bedanke mich für Ihre nette Kommentare und Wünsche .Mein Shop wird auch auf Deutsch bald sein ,und die Produkte sind ja nicht nur für Flüchtlinge oder Araber ,mehrere Produkte sind ja für Alle ! Und wir bekommen noch tolle Geschenke für Weihnachten !Darüberhinaus möchte ich auch einpaar deutsche Produkte an den Arabischen Ländern vermarketen.
    Herr Wurst ..können Sie bitte mir erklären was Integration bedeutet ?

  11. Danke für den interessanten Bericht! Auch ich drücke Frau Weaam Issa beide Daumen!!!
    So viel Mut und Kreativität muss belohnt werden.
    Ich war gerade neugierig geworden und wollte mir den Online-Shop einmal anschauen. Leider hatte ich keinen Erfolg und bin unter Souk-Online.com immer auf eine französische Seite gestoßen. Vielleicht kann mir jemand weiterhelfen?

  12. Hallo
    Ich vermute das hat mit der Zielgruppe und eigener Sprachkompetenz zu tun. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht macht es auch Sinn da potentielle Kunden Englisch sprechen.
    M.E. Ist das aber ein tolles pro-Bono Projekt bei der Übersetzung zu helfen.

  13. Prima, dass sich jemand versucht aus der Sozialhilfe heraus zu bringen! Dabei ist es egal, ob es sich um einen ausländischen oder deutschen Mitbürger handelt.
    Vielleicht ist “Herr Wurst” ja selbst ein Sozialschmarotzer der nach dem Motto “Warum soll ich arbeiten – auf der anderen Leute Kosten zu leben ist doch bequemer” lebt.

    Was mich allerdings stört ist, dass Frau Issa ihre online-Angebote nur in arabisch und englisch macht. Hier bin ich mal “rechts”: Wir leben in Deutschland – die Sprache ist deutsch. Also bitte die Seiten auch in deutsch veröffentlichen. Das sollte auch ihren Kunden bei der Integration ein wenig helfen (lesen in deutsch – kontrollieren, ob man alles verstanden hat in arabisch).
    Spätestens wenn die Kinder nicht mehr so gut arabisch wie deutsch sprechen, muss das ohnehin sein.

  14. Herr Wurst (?)
    Ich denke niemand vermisst ihre Einstellung. Freuen Sie sich doch das Frau Issa Eigenverantwortung übernimmt, ein Geschäft gründet und finanziell unabhängig wird. Auf die Gewinne fallen dann auch noch Steuern an – von dem beeindruckenden Unternehmergeist ganz zu schweigen.
    Von dieser hands-on Einstellung und Gestaltungswillen kann sich so mancher inspirieren lassen.
    Ich wünsche Frau Issa viel Erfolg und Wachstum.

  15. Ich habe Weaam als tolle Powerfrau kennengelernt und bin dankbar, sie und ihre Familie inzwischen zu meinen Freunden zählen zu dürfen.
    Ich wünsche ihr mit ihrer Geschäftsidee von Herzen viel Erfolg!

  16. Ihr Kommentar ist unqualifiziert und zeigt, dass Sie den Inhalt nicht verstanden haben. Weaam Issa macht alles richtig! Kompliment! – Wer ist außerdem ‘uns’? Für mich sprechen Sie nicht, Herr Wurst!

  17. Ich finde den Mut und die Takraft von Weaam Issa beeindruckend! Sie hat eine Marktlücke entdeckt und zeigt Unternehmerinnengeist. Ich drücke ihr beide Daumen, dass ihr Online-Shop schnell erfolgreich wird.

  18. Die Dame soll doch wieder in ihre Heimat zurück gehen, dann vermisst sie auch diese für uns überflüssigen Produkte nicht!
    Das zeigt doch das diese Leute sich gar nicht intigrieren wollen.