Dürre auch in Rhein-Berg. Milchbauern mussten Futter zukaufen.

Dürre auch in Rhein-Berg. Milchbauern mussten Futter zukaufen.

In den 2.300 Stellungnahmen der Bergisch Gladbacher Bürger zum Flächennutzungsplan spielte die Klimathematik eine wesentliche Rolle. Nicht erst unter dem Eindruck des diesjährigen Hitzesommers rücken Fragen über die Zukunft unseres Klimas mehr und mehr in den Fokus unseres Interesses.

Viele Bürger sehen durch die Pläne der Stadt, mit dem neuen Flächennutzungsplan Naturflächen und Wald zu opfern, negative Auswirkungen auf unser Regional- und Stadtklima.

In beeindruckender Klarheit hat der Weltklimarat zu Anfang diesen Monats seinen Sonderbericht veröffentlicht und die Industrie- und Schwellenländer zu einem konsequenten Umdenken aufgefordert, soll die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden.

1,5 Grad. Harmlos? Nein, keineswegs.

Vergleicht man beispielsweise für Köln die bislang vorliegenden Werte des Jahres 2018 (Januar bis September) mit den Mittelwerten der Jahre 1981 bis 2010, kommt man auf eine Steigerung der Durchschnittstemperatur um 1,56 Grad.

Die Auswirkungen waren in diesem Sommer deutlich zu spüren, für die Landwirtschaft mit Ausnahme des Obst- und Weinbaus, für Weiden und Wälder, aber natürlich besonders für uns Menschen.

50 Prozent der Menschen leiden unter der Hitze

Ältere werden durch die Sommerhitze besonders belastet. Im Rekordsommer 2003, ähnlich dem von 2018, stieg die Zahl der Patienten in Krankenhäusern wegen Hitze- und Sonnenschäden auf das Doppelte. Nach einer Forsa Umfrage vom August diesen Jahres leidet etwa die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland unter der Sommerhitze.

Das alles sind aber geradezu nur Randerscheinungen in unserer gemäßigten Klimazone, sieht man die Klimaveränderung einmal global. Ein vollständiges Abschmelzen des Eises in der Arktis würde ein Anstieg des Meerwasserspiegels um sieben Meter bedeuten.

Aber schon ein wesentlich geringeres Anwachsen würde viele Großstädte am Meer oder an Flussdeltas überfluten. Selbst aufwändige baulichen Schutzmaßnahmen wären kaum in der Lage, sie noch zu retten.

Treibhauseffekt ist nicht zu leugnen

Nun gibt es eine Minderheit, die den Klimawandel negiert und seine Erscheinungen als eine normale, jedenfalls nicht von Menschen verursachte Schwankung des Wetters ansieht.

Selbstverständlich, jeder darf seine Sicht der Dinge haben. Eines kann aber von niemandem bestritten werden: Der von uns verursachte nachweisbare zunehmende CO2-Ausstoß bewirkt, dass ein Teil der von der Erde ins Weltall abgegebenen Wärme absorbiert wird und zurückstrahlt. Das nennt man Treibhauseffekt.

Ohne ihn würden keine Pflanzen gedeihen, ohne ihn könnten wir auf unserer Erde nicht leben; zu viel von ihm aber schadet uns beträchtlich. Die Erde erwärmt sich immer mehr.

Die damit verbundene Verkarstung und Erosion der Böden wird nicht nur zu großen Ernteausfällen und zur Unfruchtbarkeit des Bodens, sondern auch zu Flüchtlingsströmen noch ungeahnten Ausmaßes führen.

Bei den Rezepten, wie die negativen Folgen des Treibhauseffekts hierzulande eingedämmt werden können, sind sich die Wissenschaftler einig: An erster Stelle stehen Einsatz erneuerbarer Energien statt fossiler Energieträger, Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs zur Begrenzung individueller Autofahrten mit Verbrauch fossiler Energieträger, Ausbau der Radwege, Abbau der industriellen Landwirtschaft, umweltverträgliche Dämmung von Häusern und vieles andere mehr.

Die Probleme sind vielschichtig, aber Aktionismus führt nicht weiter. Beispiel: Solange die Ökobilanz bei Elektroautos erst bei 100.000 km ausgeglichen ist, ist eine Umstellung auf diese Antriebsart (noch) nicht zweckführend.

Das ist erst dann der Fall, wenn die Versorgung der Akkus aus erneuerbarer Energie stammt, und auch dann bleibt die Beschaffung der für ihre Herstellung benötigten so genannten Seltenen Erden problematisch.

Klimakiller Waldvernichtung

Einen wesentlichen Faktor der Klimaverschlechterung stellt die weltweite Vernichtung von Wäldern dar. Der Weltklimarat sieht einen Anteil am Treibhauseffekt von mindestens 11 Prozent mit der Abholzung oder dem Ersatz der Wälder durch ökologisch bedenkliche Plantagen (vor allem Palmöl) begründet.

Dies geschieht vor allen Dingen in den Tropen, weil der Energie- und  Nahrungsmittelbedarf der Industrienationen unermesslich zu sein scheint. Wir, die Industrienationen, sind es also, die in erster Linie die Verantwortung für die Wälder der Welt tragen.

In Deutschland scheint die Waldvernichtung in den Tropen weit weg zu sein. Hierzulande verzeichnen wir sogar einen Zuwachs an Wald. Das ist sicher gut, zumal Monokulturen allmählich durch die Aufforstung unempfindlicherer Mischwälder ersetzt werden.

Nur ist es so, dass Wald wegen seiner unersetzlichen positiven Eigenschaften für das Klima, aber vor allen Dingen in und in der Nähe von Ballungsgebieten gebraucht wird.

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SdW) stellt fest, dass Wälder in städtischer Umgebung eine wichtige Funktion für den Klimaschutz haben, indem sie einen Luftaustausch ermöglichen, Schadstoffe aus der Luft filtern, Sauerstoff produzieren und CO2 binden.

Darüber hinaus sind sie ein idealer Wasserspeicher. Ein ausgewachsener Laubbaum verdunstet an einem heißen Sommertag bis zu 400 Liter Wasser und kühlt somit seine Umgebung ab.

Außerdem sind sie effektive Schattenspender: Mit gerade einmal 15 Meter Kronendurchmesser schafft es ein einziger Laubbaum, eine Fläche von 160 m² mit seinem Schatten zu kühlen. Eine 100jährige Buche bindet eine Tonne Staub im Jahr.

Was macht Bergisch Gladbach?

Werfen wir einmal einen Blick auf unsere Stadt. Alles gut?

Wohl kaum, wenn man sich die Pläne der Stadtverwaltung zum Flächennutzungsplan ansieht. Da sollen nicht nur Grün- und Erholungsflächen geopfert werden, nein, man macht auch vor der Abholzung von Waldgebieten nicht halt. Dabei sind sie aus den genannten Gründen unverzichtbar, gerade in der Kölner Bucht, die zu den wärmsten Regionen in Deutschland zählt. Der kühlende Ausgleich der Wälder ist hier von hoher Bedeutung.

Aber nicht nur das. Der Wald ist für viele Menschen d e r Ort der Erholung. Er bietet vielfältige Erlebnisse, Formen und Farben und ist wegen seiner Ursprünglichkeit und seines natürlichen Charakters unersetzlich, unterstreicht die SdW auf ihrer Webseite.

Doch Wald ist es nicht allein, dem es in Bergisch Gladbach an den Kragen gehen soll. Auch große Teile der einzigartigen bergischen Kulturlandschaft, von denen es dankenswerterweise in unserer Großstadt noch liebenswerte Reste gibt, sollen aufgegeben werden. Bergisch Gladbach mutiert damit immer mehr zu einer gesichtslosen Vorstadt von Köln.

Eine Million Quadratmeter Grün sollen mit dem Flächennutzungsplan geopfert werden. Das spricht gegen jede Vernunft. Die SdW hat ermittelt, dass in Deutschland jeden Tag 74 Hektar freie Landschaft durch Zersiedlung und Versiegelung verbaut oder von Verkehrswegen zerschnitten werden; das entspricht einer Fläche von 106 Fußballfeldern.

Der größte Teil hiervon wird für neue Siedlungs- und Gewerbegebiete benötigt, rund ein Viertel für neue Straßen und andere Verkehrswege.… Damit verbunden sind gravierende (negative) Folgen für Natur und Umwelt sowie für eine effiziente und sozialverträgliche Flächennutzung.

Arroganter Umgang mit der Bürgerschaft

Die Bürgerinnen und Bürger von Bergisch Gladbach haben in ihren Stellungnahmen zum Flächennutzungsplan in vielfältiger Weise auf diese Problematik hingewiesen. Bislang vergeblich.

Der Bürgermeister dieser Stadt nimmt die Stellungnahmen im besten Fall zur Kenntnis, zum großen Teil noch nicht einmal das. Konsequenzen zieht er keine. Er lehnt alle, tatsächlich alle Vorschläge und jede Kritik ab. Und als ob das nicht schon reicht, provoziert er die Bürger, indem er ihre Einwände mit dem Satz abbügelt: „Es gibt kein gesetzliches Recht auf Naherholung in unmittelbarer Nachbarschaft.“

Die Landtagswahl in Bayern hat gezeigt, dass sich die Wählerinnen und Wähler Ignoranz und Arroganz von Parteien und Politikern nicht mehr bieten lassen. Gerade die GroKo in Bergisch Gladbach mit einem Juniorpartner, dessen eigenes Profil man in der FNP-Diskussion vergeblich sucht, sollte sich das hinter die Ohren schreiben.

Eine gute Möglichkeit, einen Neuaufbruch zu wagen, besteht am 19. November 2018, dem Tag, an dem der Rat über den Flächennutzungsplan entscheidet.

Rainer Röhr

ist Bürger aus Schildgen und aktiv bei der Bürgerinitiative Sträßchen Siefen.

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