Der Flächennutzungsplan basiert auf einer Hochrechnung, wieviel Wohnbaufläche in Bergisch Gladbach benötigt wird. Diese Berechnung sei längst überholt, der FNP dürfe in dieser Form nicht verabschiedet werden, argumentiert der Autor.

Hinweis der Redaktion: Der Autor hatte einen längeren Beitrag für den Stammtisch XXL des Bürgerportals zum Flächennutzungsplan vorbereitet und kurz vorgestellt. Hier dokumentieren wir die Ausarbeitung.

Ich konkretisiere meinen Einwand zum „FNP-2035“, den ich auf dem Stammtisch des Bürgerportals versucht habe darzustellen.

In der „Begründung zum FNP-2035“ wird auf den Seiten 141 bis 144 berechnet, wieviel neue Wohnbauflächen in Bergisch Gladbach bis zum Jahr 2035 benötigt werden. Mit dem Ergebnis dieser Berechnung wird dann die Neuausweisung der vielen neuen Wohnbaugebiete des „FNP-2035“ begründet.

Damit ist die Berechnung des Wohnbauflächen-Bedarfs die wichtigste Basis des „FNP-2035“! So steht auch auf S. 141:

„Die Neudarstellung von Siedlungsflächen im Flächennutzungsplan wird durch die Bedarfe für Wohnbauflächen… begründet.“

Nachfolgend zeige ich auf, dass die Berechnung des Wohnbauflächen-Bedarfs durch aktuelle Zahlen widerlegt werden kann und der Bedarf an neuen Wohnbauflächen viel geringer ist, als ermittelt.

Damit verliert der „FNP-2035“ seine wichtigste Basis und darf so nicht verabschiedet werden!

Zur Berechnung des Wohnbauflächen-Bedarfs dient die Tabelle 12 (S. 143). In dieser wird zunächst ermittelt, wieviel Wohneinheiten bis 2035 geschaffen werden sollen (aufgesplittet nach den verschiedenen Bevölkerungsprognosen). Da sich laut „SSR-Schulten“   Bergisch Gladbach irgendwo zwischen Variante 3 „Entwicklung“ und Variante 4 „Zuwanderung“ entwickeln soll, gehe ich nur auf diese beiden Tabellenspalten ein. (Bem.: Ich denke, man braucht nicht darüber zu diskutieren, dass die Varianten 3 + 4 einen erheblichen Ausbau der Infrastruktur (Verkehr, Kindergärten, etc.) voraussetzen!)

Rechts daneben ist die Tabelle 9 (S. 143) dargestellt, in der der „Neubedarf an Wohneinheiten“ bis 2035 berechnet wird, welcher dann in Tabelle 12 wiederzufinden ist.

Da in den Tabellen noch Daten aus dem Jahr 2014 verwendet werden, habe ich nach neueren Daten gesucht und diese auch gefunden. So hat die Statistikdienststelle der Stadt Bergisch Gladbach die Zahlen vom 31.12.2017 veröffentlicht, mit der Angabe, dass es Ende 2017 schon 54.840Haushalte in Bergisch Gladbach gegeben hat.

Setzt man nun die neuen Daten in die Tabellen 9 und 12 ein, und berücksichtigt dann noch, dass überhaupt keine Fluktuationsreserve von 1 Prozent des Wohnungsbestandes geschaffen werden muss, weil es diese schon längst gibt (Begründung nächste Seite), dann verändern sich die Werte in den Tabellen drastisch. 

Zu der Fluktuationsreserve von 1 Prozent zunächst eine Begriffsdefinition, die sich hier findet:

 „Eine Wohneinheit (Wohnung) sind nach außen abgeschlossene, zu Wohnzwecken bestimmte … Räume in Wohngebäuden …, die die Führung eines eigenen Haushalts ermöglichen.“

Haushalte sind Personengemeinschaften, die zusammenwohnen und eine gemeinsame Hauswirtschaft führen“

Auf Seite 142 des „FNP-2035“ werden für Bergisch Gladbach folgende Zahlen genannt:

2014 gab es:             54.876 Wohneinheiten (siehe Tabelle 10)

2014 gab es:             51.448   Haushalte (siehe Tabelle 9)

Damit gab es ca. 3.428 Wohneinheiten, in denen kein Haushalt geführt wurde. Diese Wohneinheiten wurden nicht genutzt und standen leer! Es ist anzunehmen, dass zumindest ca. 550 von den 3.428 Wohneinheiten (16%) davon für „Um- bzw. Zuzugswillige“ zur Verfügung standen. (549 WE entsprechen der geforderten Fluktuationsreserve von 1 Prozent.)

Fazit: Die Anzahl der Haushalte hat sich schon allein in den letzten drei Jahren um ca. 3.400 Haushalte erhöht, ohne dass der FNP überhaupt in Kraft getreten ist und durch ihn neue Wohnbauflächen zur Verfügung gestellt worden sind!

Dazu ein Zitat von S. 50:

Obwohl in den Jahren 2015 bis 2017 keine neuen größeren Wohnbauflächen in Bergisch Gladbach entwickelt worden sind …. .“

Das bedeutet weiter, es müssen überhaupt keine größeren Wohnbauflächen neu erschlossen werden, denn durch die aktuell stattfindende Flächenverdichtung werden schon sehr viele neue Wohn-einheiten geschaffen. Allein in meinem Wohngebiet gibt es eine Vielzahl von Verdichtungsbauten, welche noch in der Bauphase sind, Grundstücke, auf denen kleine EFH durch Häuser mit mehreren Wohnungen ersetzt werden sollen und auch noch viele unbebaute Grundstücke.

Sie können die Debatte am Stammtisch in dieser Aufzeichnung nachverfolgen:

Es besteht sogar die Gefahr, dass durch die vielen geplanten, zusätzlichen Wohnbauflächen sich das Wachstum in Bergisch Gladbach so unkontrolliert beschleunigt, dass noch vor dem Jahr 2025 der Infarkt der Infrastruktur droht. So hat sich für mich die Verkehrsbelastung in den letzten Jahren merklich auf ein fast unerträgliches Maß erhöht, siehe auch die seit 2014 zusätzlich entstandenen 3.400 Haushalte. (Bem. Leider liegt mein Arbeitsplatz westlich von Köln, so dass ich mit dem Fahrrad oder ÖPNV täglich 3 – 4 h unterwegs wäre.)

Auch wird man nicht durch zusätzliche Wohnbauflächen, z.B. in Herkenrath, die fortschreitende Flächenverdichtung in anderen Stadtteilen verhindern.

Deshalb bitte ich Sie, alle im „FNP-2035“ neu ausgewiesenen Wohnbauflächen, welche auf ökologisch, klimatisch oder landschaftlich wertvollen Gebieten geplant sind, sofort aus dem „FNP-2035“ herauszunehmen.

Nur dann kann man gewiss sein, dass diese wertvollen Flächen auch nicht in Zukunft bebaut werden. Weiterhin müssen die verkehrsgünstig gelegenen und für sozialen Wohnungsbau geeigneten Flächen, wie das Gelände des alten Stadthauses, nicht genutztes Zanders-Gebiet, Kalköfen Cox, Köttgen-Gelände, etc., mit in die Planung hereingenommen werden. Hierdurch können weitere, neu ausgewiesenen Wohnbauflächen, welche in schützenswerter Natur liegen, entfallen.

Und bitte aktualisieren Sie zunächst die Datenbasis im „FNP-2035“!

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2 Kommentare

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  1. Die Wohnbebauungsgegner sind es wahrscheinlich deshalb weil sie ihr grünes Umfeld erhalten wollen. Richtig ist, Wald und die grüne Wiese in der Landschaft sollten nicht angetastet werden. Übrig bleibt doch nur, die Bebauung angrenzender Randgebiete zu besiedeln. Das hat doch nichts mit Demokratie zu tun, wenn Kinder von Grundstücksbesitzer vertrieben werden, wenn eine Bebauung möglich ist. Es ist darf doch nicht zulässig sein, wenn Anschlussbebauungen durch Anlegen einer Bienenweide nicht genutzt werden können. Eigennutz zum Schaden anderer ist verwerflich und weder christlich noch sozial.

  2. Sie haben Recht! Aber die Politik möchte Grundstücke für junge Familien haben. Da ist doch eine Abwrackprämie für Altgebäude oder ein freundlicher, schriftlicher Appell wirksamer als die letzte Wiese im Veedel nun auch noch zu betonieren, wie der verfehlte FNP-E dies vorsieht.
    Die Lebensdauer von Häusern ist sehr unterschiedlich, je nachdem wie oft sie saniert wurden oder ob sie massiv sind. Allerdings kenne ich schon viele Leute mit einem Altgebäude, die das Geld für einen Abriss nicht haben. Diese wirklich alten und verwohnten Häuser dümpeln in GL so vor sich, ohne richtig genutzt zu werden.
    Die Jugend hat doch ihre eigenen Vorstellungen an ein Haus und andere Bedarfe: größere Räume als in den 50ern, bessere Dämmung, 2 Büros und nur 1 großes Kinderzimmer etc. Auch die Farben, die Materialien und die Technik soll anders sein.
    Da wäre es doch besser, wenn die Kosten für den Abriss im Grundbuch als Grundschuld gesichert sind und der Bauplatz frei gemacht wird und an eine Familie oder eine Privatperson unter 35 verkauft wird.