Die Siedlung Nes Ammim in Nordisrael

Ein Dorf im Heiligen Land macht ernst mit dem Frieden: Die Kirche zum Heilsbrunnen lädt zu einem Abend mit Rainer Stuhlmann ein, der von seiner Arbeit in Nes Ammim und Beit  Jala berichtet.

Die gute Nachricht gleich vorweg: Es gibt sie noch, Menschen in Nahost, die sich über Grenzen hinweg für eine gemeinsame Zukunft mit ihren Nachbarn stark machen. Rainer Stuhlmann hat viele von ihnen kennen gelernt – auf beiden Seiten des Grenzzauns, der Israelis und Palästinenser trennt. Für ihn repräsentieren diese Menschen „das andere Gesicht“ beider Völker.

Ausgangspunkt seines Vortrags mit Bildern und Gespräch am Mittwoch in der Kirche zum Heilbrunnen ist das ökumenische Dorf Nes Ammim im Norden Israels. Von dort reiste er regelmäßig mit Freiwilligen-Gruppen nach Beit Jala, der Partnerstadt Bergisch Gladbachs in Palästina.

Stuhlmann, heute Pfarrer im Ruhestand in Köln, berichtet von seiner Arbeit im Heiligen Land – und könnte dabei auch hierzulande den Blick für einen zentralen Aspekt schärfen, der im Schlagwortgetöse des Alltags leicht untergeht.

Von Nes Ammim/Israel nach Beit Jala/Palästina – und zurück:
Bericht und Gespräch mit Rainer Stuhlmann.
Veranstaltet von Städtepartnerschaft Bergisch Gladbach-Beit Jala e.V., Freundeskreis Ganey Tikva an der Kirche zum Heilsbrunnen mit freundlicher Unterstützung der Stadt Bergisch Gladbach
Mittwoch, 5. Dezember, 19.30 Uhr
Kirche zum Heilsbrunnen, Im Kleefeld 23

Stuhlmann leitete in Nes Ammim zwischen 2011 und 2016 das Studienprogramm für Freiwillige aus mehreren europäischen Ländern. Das Dorf mit seinen gut 300 Einwohnern ist mehr als nur ein Fleckchen auf der Landkarte. In einer Konfliktregion, die kaum eine Gelegenheit zum Streit auslässt, zeigt es geradezu mustergültig, dass Juden und Araber durchaus in friedlicher Nachbarschaft leben können.

Nes Ammim wurde 1963 als Lernort für europäische Christen gegründet. Es liegt in einer multiethnischen und multireligiösen Nachbarschaft, weshalb es immer schon einen Dialog auch mit arabischen Israelis gab. Diese nennen sich heute meist Palästinenser. Und sie sind wie in Beit Jala nicht nur Muslime, sondern auch arabisch sprechende Christen.

Vierzig Jahre wurde landwirtschaftliche Aufbauarbeit geleistet (vor allem Rosenzucht), heute fungiert Nes Ammim als Begegnungsstätte vielfältiger Dialoggruppen.

Die Freiwilligen können an umfangreichen Studienprogrammen teilnehmen, die ihnen Land und Leute in Israel und Palästina nahebringen. Regelmäßig stehen auch Seminare im rund 150 Kilometer entfernten Beit Jala auf dem Programm.

Nicht nur die oft jungen Besucher, auch Stuhlmann selbst hat dabei viel gelernt, erklärt er. „Gelernt habe ich vor allem von den vielen Menschen, die für mich ,das andere Gesicht’ Israels und Palästinas repräsentieren – in beiden Teilen des Landes, in der Nachbarschaft und in den lokalen Dialoggruppen. Sie sind die Hoffnung für das Land.“

Was treibt Stuhlmann bei seinen zahlreichen öffentlichen Vorträgen sowie als Buch- und Blogautor an? So formuliert er es selbst:

„Von diesem ,anderen Gesicht’ Palästinas und Israels will ich erzählen. Es sind Menschen, die sich anders verhalten als üblich, die keine Gewalt ausüben. Palästinenserinnen und Palästinenser, die gewaltfrei für Gerechtigkeit kämpfen, und jüdische Israeli, die sie darin unterstützen, statt sie zu bekämpfen.“

Stuhlman erinnert an das heimliche Motto dieser Menschen: „Wir weigern uns, Feinde zu sein.“ Es ist in Bethlehem, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Beit Jala entstanden, im „Zelt der Nationen“.

Begegnungsreisen des Städtepartnerschaftsvereins Bergisch Gladbach-Beit Jala führten wiederholt dorthin, der Leiter dieses internationalen Friedensprojekts, Daoud Nassar, war erst kürzlich bei den Deutsch-Palästinensischen Kulturtagen in Bergisch Gladbach zu Gast.

Die Freunde Israels und die Freunde Palästinas stehen sich in Deutschland oft als erbitterte Gegner gegenüber, bedauert Stuhlmann. „Manchmal sind die Wortwechsel hierzulande aggressiver als der Kampf im Land selber.“

Für sich selbst hat er in Nes Ammim einen dritten Weg gefunden, eine Alternative zur destruktiven Einäugigkeit. Er lebte dort „in doppelter Solidarität“ und hat diese Haltung nach Deutschland mitgebracht:

„Keine neutrale Position, sondern die einer wechselnden Parteinahme, die nachdenklich macht und Hoffnung weckt.“

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