Ursula Clemens-Schierbaum vor einem Masaki Hagino „Der Wald in mir mit Schnee”, neben Uwe Tillmanns “o.T.”

„Durchdacht und intuitiv“ heißt die erste Ausstellung der neuen Galerie Partout Kunstkabinett in Herkenrath. Vor der Vernissage mit acht Künstlern am Samstag gibt die Galeristin Ursula Clemens-Schierbaum einen ersten Einblick.

„Kunst und Geschichte unbedingt und überall“ verspricht die neue Galerie Partout Kunstkabinett in Herkenrath, die am 12. Januar mit ihrer ersten Vernissage Debüt feiert. Dahinter steht als Galeristin und Ausstellungsmacherin Ursula Clemens-Schierbaum.

Die Kunsthistorikerin ist Kennern der Szene schon ein Begriff, vor allem durch ihr persönliches und fachliches Engagement zum Jubiläum der Kirche St. Antonis Abbas in Herkenrath und durch die dortige Ausstellung mit Friedrich Förder, einem Ihrer Künstler.

Wagemutig hat sie die ehemaligen Maschinenräume ihres Großvaters und seiner Anton Clemens GmbH, die zuvor Werkräume des Urgroßvaters, einem Möbelbauer, waren, zu einem Geschichtserlebnis umfunktioniert. Schon beim Betreten der Galerie Partout wehen einem das Erbe vom Handwerk und die Spuren industrieller Produktion in den Kunstsinn.

Eines der beiden, auf den ersten Blick identischen, Gemälde „3 Geschwister” von Detlev van Ravenswaay, die man unbedingt zusammen und im Original sehen muß, um von Ähnlichkeiten und Generationen inspiriert zu werden.

Intuition kann man nicht lernen

Wie kam es zu dem Titel „durchdacht und intuitiv“? Diese beiden scheinbar gegensätzlichen Begriffe seien Qualitäten, die sie an der Kunst liebt und die sie an ihren Künstlern sehr schätzt, sagt Clemens-Schierbaum:  „Handwerkliche Fähigkeiten, Technik, dass muß man können, Intuition kann man nicht lernen, die gehört zu dem Talent, das der Künstler entdecken und entwickeln muß“.

Sie ist eine neugierige, offene Kunstliebhaberin, wie sie sich viele Künstler wünschen.

Ausstellung “durchdacht und intuitiv”
Öffnungszeiten: dienstags / donnerstags, 16 bis 19 Uhr und nach Vereinbarung
Ansprechpartner: Dr. Ursula Clemens-Schierbaum
Partout Kunstkabinett, Straßen 85 51429 Bergisch Gladbach

Seit mehreren Jahren begleitet sie den jungen, aufstrebenden Künstler Masaki Hagino in seiner künstlerischen Entwicklung. Passioniert erzählt sie von den vielschichtigen Wachsüberlagerungen, die sich symbiotisch mit den dargestellten Motiven vereinen, wie zum Beispiel in der Serie „Der Wald in mir“.

Diese Bilder wollen erforscht werden, sie verändern sich in einem selbst mit jeder neuen Betrachtung. Das Kunstkabinett Partout präsentiert mehrere seiner Arbeiten der letzten Jahre und macht deren Entstehungsprozess damit erlebbar.

Es eröffnen sich sprichwörtlich neue Horizonte. Fachmännisch erklärt die Galeristin den Unterschied zwischen der europäischen Zentral- und der japanischen Fluchtperspektive. Wo sonst, wenn nicht in einer Galerie, bietet sich die Gelegenheit künstlerische Entwicklungen in den Anfängen und am Original zu erkunden.

Poetische Flüchtigkeit

„Man kann es nur erfassen, wenn man davor steht“ betont die Galeristin immer wieder. Das liegt nicht nur an der handwerklichen Vielschichtigkeit, die ein Foto kaum abbilden kann. Es liegt auch an der Flüchtigkeit eines erhebenden, ja schöpferischen Moments, wie es eine Kunstbetrachtung ist.

Veronika Moos häkelt, knotet, verwebt feinste Strukturen, wie in diesen „Lichthüllen”.

Mit diesem flüchtigen Moment arbeitet Veronika Moos, die in Bensberg geboren ist. Mit ihrer Landart findet sie Strukturen in der Natur, arrangiert und erfindet sie neu. Andererseits schafft sie Objekte mit „gehäkelten“ Naturmaterialien, wie Federn, Leinen, Papier. Masche für Masche meisterhaft ausgeführt, ein spannendes Gewebe aus Materiallandschaften und Sinnbildern.

Clemens-Schierbaum arrangiert diese in den verschiedenen Lichtsituationen des ehemaligen Maschinenraums.

Manleitners “Berglandschaft”, gesäumt von Kabeln, Rohren und Ventilen.

Auch die Texturen der Papierlandschaften  von Heike Manleitner fügen sich sinnlich in das industrielle Flair. Clemens-Schierbaum hat ihre „Berglandschaft“ unmittelbar neben Rohre und Ventile drappiert. Ohne Glas und im hartem Kunstlicht erwachsen die „Shaped Paper Art”- Strukturen zu futuristischen Gebirgen.

Wie viele Künstler läßt sich Manleitner von der Natur inspirieren, um ihren Spuren und Texturen mit ihren Techniken nahezukommen. In dieser maschinellen Inszenierung fühlt man sich ein wenig ermahnt, dass die Beobachtung der Natur längst kein romantischer Gedanke mehr ist, sondern ein dringlicher.

Künstler und ihre Sicht auf die Welt

Clemens-Schierbaum sieht sich nicht als reine Händlerin, wofür Galeristen gemeinhin gehalten werden. Sie versteht sich als Vermittlerin und sie will aus ihrer Galerie einen Ort des Austauschs machen.

Klar lebt die Kunst nicht nur von Luft und Liebe. Aber der Gedanke, sich ein Werk leisten zu wollen, mit dem man zusammen leben möchte, ist etwas sehr Privates, etwas sehr Individuelles. Sie wähle Künstler auch gern danach aus, welche Sicht sie auf die Welt haben, betont die Galeristin.

Der Schlingensief von van Ravenswaay blickt zu den “Sculpturing Paper” von Veronika Moos

Eine Herangehensweise, die sie sicher mit dem Künstler Detlev von Ravenswaay teilt. Man könnte vermuten, dass seine porträtierten Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft von deren spezifischen Weltanschauungen inspiriert sind.

„Kunstköpfe“ inspirieren zu einem Austausch über Weltbilder aus Kunst und Wissenschaft. Die Weltanschauung von Van Ravenswaay, längst selbst international bekannte Persönlichkeit, ist visionär, futuristisch und sehr populär, vor allem bekannt unter dem Stichwort Space Art.

Spiel und Fülle gegen Blockaden

Im Gespräch könne man gut Hemmschwellen abbauen, – Klischees, wie beispielsweise dass jedwede Kunst   übertriebene Anforderungen an den Betrachter hätte.

Dass Kunst Blockaden abbauen kann und will, das läßt sich gut mit Rolf Jahn und seiner Raldistischen Kunst illustrieren. Aus einem intuitiv gekritzelten Kringel malt, zeichnet er meditativ assoziative Bilder und eben immer wieder Vögel und Seelentiere aller Fasson.

Markant und witzig die Raldystische Kunst von Rolf Jahn

Bilder, die eine Gedankenoffenheit ausleben und gekonnt intuitiv mit Farben und Formen spielen, wie es nur Kinder können. Künstler wie Rolf Jahn schöpfen aus einem spielerischen Impuls, forschen neugierig, ordnen neu, lassen sich im kreativen Gefühl treiben.

Das sind Werte, die man Kindern oder Menschen mit Kindern fürs Leben mitgeben möchte. Inspirierend und durchaus geeignet für ein Spielzimmer aller Altersgruppen.

In den Werken “Couple” von Judith Farro spiegelt sich ein intimer Gedankenraum

Die Vögel von Judith Farro platzieren sich temperamentvoll in eine sinnlich-festliche Farbenwelt, Farben und Motive, die „eine typische Matisse und Frankreich Stimmung zaubern“ schwärmt Clemens-Schierbaum.

In der großen Halle hängen Portraits neben Paaren. Farro porträtiert ihre Frauen im Stile Picassos aber mit den Augen einer Frau. Paare, – keine perfekten Körper, man spürt unwillkürlich die Einzigartigkeit und Vertrautheit einer Liebesbeziehung.

Einer baut auf den anderen

In einer anregenden Diskussion mit der Galeristin über mögliche Einflüsse oder etwaige Ähnlichkeiten mit anderen Künstlern aus der Kunstgeschichte spürt man nicht nur ihren riesigen Fundus, aus dem schöpft. Auch die Komposition der einzelnen Werke spiegelt subtil ihre persönliche Haltung wieder.

Die Galeristin vor den beiden „Lebensbäumen” von Friedrich Förder

Sie verweist auf einen der beiden „Lebensbäume“, beides meterhohe Druckstöcke von Friedrich Förder. Jeweils ein massives Holzbrett, das in beeindruckender Detailarbeit geschnitzt wurde, um damit einen ebenso präzisen Druck herzustellen. Ein Können dass die Kunstliebhaberin Clemens-Schierbaum zutiefst beeindruckt hat, denn sie war live dabei.

Sie hat dieses objektgewordene Werkzeug schwebend positioniert, und es bewegt sich sanft mit jeder unserer Bewegungen. Die unzähligen, beinahe ornamental ausgearbeiteten Figuren seien für sie ein eindrückliches Bild dafür, „dass einer auf den anderen baut, das einer den anderen stützt“, sagt sie.

Welch schönes Bild von einer Kunsthistorikerin über zeitgenössische Kunst und Generationen.

Innewohnendes freilegen und sinnlich erfahrbar machen, das ist eine ähnliche Arbeitsweise, wie sie Uwe Tillmann mit seinen raumgreifenden Skulpturen praktiziert. Er findet seine Steine bevorzugt in der Region. Er suche die Form, die im Stein angelegt sei, sagt die Galeristin. Anfassen sei erwünscht.

Nebenbei erfährt man vom logistischen Kraftaufwand  die schweren Werke im Galerieraum mittels Flaschenzug positioniert zu bekommen. Der Raum ist wie geschaffen dafür, nicht nur wegen seiner Belastbarkeit. In einigen von Tillmanns Werken möchte man Maschinenteile erkennen.

Die einzelnen Elemente in dieser Ausstellung sind alles andere als maschinell-mechanisch. Vielleicht sind sie Teile eines Assoziationsapparates, der darauf wartet vom Besucher in Gang gesetzt zu werden. Ein Ort, der einlädt zum Reisen in die Kosmen der Kunst oder der eigenen Stadt.

Das wäre ein gutes Stichwort in die Städtelandschaften von Eneka Krämer-Rasquin, die Bonuskünstlerin, die im hinteren Bereich zu entdecken ist. Aber auch ihre Werke sollten Sie sich partout im Original ansehen.

Ausstellung “durchdacht und intuitiv”
Vernissage: 12.01.19 um 17 -20  Uhr
Öffnungszeiten: dienstags und donnerstags, 16 bis 19 Uhr
… und nach persönlicher Vereinbarung
Ansprechpartner: Dr. Ursula Clemens-Schierbaum

Partout Kunstkabinett
Straßen 85
51429 Bergisch Gladbach

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1 Kommentar

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  1. Sehr geehrte frau Clemens
    Mein name ist Gabriele di Ciriaco.
    Als italienischer Maler, der seit einigen Jahren in der B.R.D lebt und Arbeitet, möchte ich mich Ihnen mit meinem Wbsite vorstellen.
    Ich würde mich sehr über ein Interesse Ihrer Galerie an mein Arbeit freuen.
    In Erwartung
    bin ich
    mit freundlichen Grüßen
    Gabriele di Ciriaco