Künstler & Akteure beim Preview: Philipp J. Bösel, Wim Woeber, Gisela Schwarz, Marlis Sauer, Dieter Röseler, Ingrid Schaeffer-Rahtgens, Dieter Klein, Ulla Franke, Sascha Häusler

Am Sonntag wird die Ausstellung „Ich sehe was, was Du nicht siehst” in Bensberg feierlich eröffnet. 12 Künstler sind dabei; vorab plaudern einige von ihnen über ihre „fotografischen Ansichten“ – und  erlauben spielerische Einsichten.

Text: Antje Schlenker-Kortum / Fotos: Helga Niekammer

Der mehrdeutige Titel „Ich sehe was, was Du nicht siehst” rahme die künstlerischen Ansichten, im doppelten Wortsinne und spanne einen Bogen zum Anliegen der Künstler, erzählt Marlis Sauer, die Initiatorin des Projektes.

Schon von Anfang an habe es die Idee gegeben, Musik und Kunst experimentell zusammenzubringen. Tatsächlich findet direkt im Anschluss an die Eröffnung ein  hochkarätiges klassisches Konzert mit Marco Sanna und Anselmo Simini statt.

Irgendwann fügte sich endlich diese wunderbare, riesige Raum hinzu, erinnert sich Marlis Sauer und der Zeitpunkt war ideal. Mozarts Geburtstag jährt sich am 27. Januar, Anlass genug für ein heimisches Hauskonzert mit einigen seiner Werke.

Der Sonntag ist aber auch der Tag  der Befreiung von Auschwitz und des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, ein Tag den man grundsätzlich mit Kultur verbringen solle, passender weise hier sogar mit historischen Bezügen in der Arbeit von Dieter Röseler.

Das leerstehende Ladenlokal in der Schloßstraße 16a lädt ein zur Kunstausstellung

Den musikalischen Anteil organisiert Ingrid Schaeffer-Rahtgens, Patronin der Wir-für-GL-Veranstaltungsreihe „Klänge der Stadt“. Auch sie bevorzugt für ihre Konzerte ungewöhnliche Auftrittsorte. Das Format im Rahmen einer Vernissage sei auch für sie neu und erfrischend experimentell: „Kunst und Musik haben ein unterschiedliches Publikum, das jeweils anders wahrnimmt.”

Auf die Frage, was sie sieht, was andere möglicherweise nicht sehen, antwortet Schaeffer-Rahtgens, mit der Erkennnis, dass „Künstler und Musiker eine disziplinierte Arbeitsmoral verbindet, viel Arbeit im Vorfeld, die das Publikum jedoch beim Genuss nicht sieht.”

„Bei Musik werden die Augen geöffnet“, fügt Wim Cox hinzu – und regt eine Diskussion über Musik- und Kunstgenuss an.

Ingrid Schaeffer-Rahtgens, Marlis Sauer, Dieter Röseler

Die Fakten zur Ausstellung (bitte klicken)
Ich sehe was, was du nicht siehst  – Fotografische Ansichten

Dienstag, 29. Januar bis 27. Februar 2019
Schloßstraße 16a, 51429 Bergisch Gladbach, Bensberg
geöffnet: dienstags bis sonntags 15 – 18.30 Uhr

Vernissage Sontag den 27. Januar ab 18.30 Uhr

Mit einem Livekonzert von Marco Sanna und Anselmo Simini.

Künstler: Philipp J. Bösel, Maurice Cox, Wim Cox, Ulla Franke, Marlis Sauer, Tom Holtgräwe, Dieter Klein, Thomas Lüttgen, Dieter Röseler, Gisela Schwarz, Wim Woeber und Wolfgang Zurborn.

Die Biografien der ausstellenden Künstler finden Sie weiter unten.

Noch mehr Infos gibt es auf Facebook  

Irgendwann „mußte das Kind auch einfach raus“ witzelt Marlis Sauer. 12 Künstler dürfen ihre Werke in einem ungenutzten Ladenlokal zeigen, es gab viele Sponsoren, die das ermöglicht haben, wie z.B. die Lichtblick-School, die Kreissparkasse, ILFORD und der Music Store.

Dann wurde mal eben „das Schaufenster umfunktioniert“ und es „funktioniert gut“ scherzt Dieter Röseler, denn er war auf Marlis Sauer und die hier gezeigte Kunst während der „l´art privé“ im vergangenen Herbst aufmerksam geworden.

Kinderspiel oder Kunstbetrachtung?

Beim Ausstellungstitel „Ich Ich sehe was, was Du nicht siehst“ denkt man ganz unwillkürlich an das Kinderspiel, dass laut Pädagogen hervorragend geeignet sein soll, die Wahrnehmung und die Kommunikation zu schulen. Kunstbetrachtung ist doch kein Kinderspiel.

Was im ersten Moment etwas provokant klingt, ist ernst und durchaus wörtlich gemeint, spätestens seit Marcel Duchamp, dem Vordenker der zeitgenössischen Kunst und seiner These [„der Betrachter macht die Kunst”].

Das klingt logisch, denn jeder sieht anders. Man sieht vor allem das, was man kennt und das Gespräch über Kunst macht das erst bewusst.

Bei einer Preview wie jetzt in Bensberg sind die Werke oft noch ohne Titel. Ein schöner Wink, den Titel wörtlich zu nehmen und Spielaufforderung der Künstler, zurückzuspielen. Ein Foto der Künstler zu betrachten und nach dem zu suchen, was der andere vor dem inneren Auge sieht.

Bei Fotokünstlern entspricht das der Frage nach dem künstlerischen Fokus.

Im folgenden konfrontiere ich die Künstler jeweils mit meiner ersten Vermutung, um ein erhellendes, erquickendes oder gar kontroverses Gespräch in Gang zu bringen. Ganz nach dem Motto „Ich sehe was, was Du nicht siehst. Ist es vielleicht….?”.

Ich sehe, wenn ich weiß

Dieter Röseler sieht und fokusiert historische Orte und gibt teils überraschende Hintergrundinfos

Ist es vielleicht ein Ort in Bergisch Gladbach?

Ich glaubte, einen vertrauten Ort wiederzuerkennen und hatte das Bild einer Treppe vom Aufgang der Tiefgarage im Kopf. Ich hätte selbst drauf kommen können, dass es ein Bahnhof ist. Aber nicht darauf, dass er ein Tatort war, in Bad Kleinen, Ort eines Massakers zwischen RAF-Terroristen und GSG9-Beamten. Im Fokus seiner Kamera sah Dieter Röseler Blut, anstelle des herabrinnenden Regenwassers.

„Deutschland 5Uhr30“, so nennt er die Serie, Orte ohne Menschen, irgendwann im Nirgendwann, eine Homage an „Köln 5Uhr30″, von Chargesheimer. Röseler sucht sie gezielt aus nach ihrer Symbolkraft, reale Orte, im hier und jetzt, vergessene und verwitterte Kulissen menschlicher Dramen und deutscher Geschichte. Vor allem stille und unbekannte Zeitzeugen, die eben nicht zum Denkmal erklärt worden sind.

Philipp J. Bösel erklärt der Autorin das Konzept zu der „vermessenen Mauer” und den „Strandhäusern”

Ist es vielleicht der Begriff Abgrenzung, den Sie bei diesen Serien vor Ihrem inneren Auge haben?

Eine beinahe alberne Erkenntnis, schließlich sieht man Fotografien der vermessenen Mauer von Philipp J. Bösel.

Aber direkt darüber hat er eine Serie von Strandhäusern gereiht, die der privaten Abgrenzung eine menschlich heimelige Note geben. Diese Bilder erinnern, mahnen uns aufs eigene Terrain bzw. darüber hinaus zu blicken.

Die deutsche Geschichte ist eben nicht vorbei, die von Bösel dokumentierten Graffiti von 1984 schreien uns ganz vertraute Parolen entgegen. „Lieber Mauersterben statt Waldsterben“, “Atomraketen sind Mord” „Kein Ost Kein West. Das Gemeinwesen“. Das sind „Augenblicke, die bleiben“ sagt Bösel.

Die Mauer steht längst nicht mehr, das mehr als 1100teilige Mauerpanorama dokumentiert die Geschichte der Berliner Mauer mit dem Stand von 1984, musealisiert  im Bundesarchiv. Wie tragisch und zugleich bezeichnend, dass es in Deutschland noch immer nicht öffentlich gezeigt wurde.

Ich sehe weil ich höre

Gisela Schwarz sieht, indem sie hört – und erschafft den” verlängerten Augenblick” zu den Klängen von Karlheinz Stockhausen

Weil ich weiß, dass Gisela Schwarz die als komplex geltenden Kompositionen von Karl Heinz Stockhausen thematisiert, …

… sehe ich in ihren abstrakt wirkenden Farbdrucken eine Art synästhetische Übersetzung. Synästhetiker sehen Farben beim Hören, so wie man manchmal unwillkürlich schmeckt beim Riechen.

Schwarz ist eine große Klassikliebhaberin. Ihr erschließe sich die sphärische Komposition erst durch die Fotografie. In der Reihe „Stockhausen Klang und Vision” hört Gisela Schwarz die Klänge von Stockhausen beinahe ekstatisch und sie sieht meditativ transzendente Bilder, eine Art visuelle Verwandlung der Klänge.

Seit zehn Jahren ist sie bei Proben der Stockhausen Konzerte, um diese Fotografien analog zur Musik zu erzeugen. Weil Bilder sinnlich anders wirken als Klänge, weil Fotografie Stimmungen anders bannt als Malerei,  hat sie dafür eine eigene Technik und Bildsprache erfunden, „den verlängerten Augenblick“ nennt sie das.

Ist es vielleicht die Seele ist, die man in Ihren Rindenfotos in den Bäumen sieht?

Wim Cox

Er habe eine enge Beziehung zu Bäumen, an Hand der Position, der Haltung sehe er ihnen förmlich ihre Stimmung an. Wim Cox schwärmt von dem unverstellten Blick von Kindern, der noch unbeeindruckt ist, noch ganz unbefangen, eine Sichtweise die man als Erwachsener wieder lernen kann, ohne dabei wieder Kind werden zu müssen, einfach durch das Gespräch mit Kindern. Denn natürlich prägt sich der Blick mit dem Erwachsenwerden. Die Kunst bestehe aber darin, „Kunst zu entdecken ohne zu suchen“.

Fesselnd erzählt er von seinen Kindern, seinen Schülern von seinem Sohn Maurice Cox, ebenfalls teilnehmender Künstler dieser Ausstellung und wie es ist von Ihnen zu lernen.  Er „sucht nicht, nein er findet das Bild im Kopf, das noch unentwickelt ist“.

Ich sehe was, was du nicht sehen kannst

Ulla Franke erzählt von eindrücklichen Momenten, die sie mit Jugendlichen erlebt

Ulla Franke fotografiert Jugendliche in ganz alltäglichen Situationen, …

… die sie eigentlich mit Gleichaltrigen verbringen. Bilder, die für Eltern gewöhnlich verborgen bleiben, vielleicht weil die eigenen Kinder diese Momente als zu intim empfinden, um sie mit ihren Eltern zu teilen.

Ulla Franke interessiert dieser individuelle Abgrenzungs- und Selbstfindungsprozess, ein natürlicher Zeitraum in dem sich viele Dinge erst noch entwickeln, „wo viel Gefühl im Spiel ist”. Ulla Franke ist ganz offensichtlich dankbar für ihre Gabe und fühlt sich künstlerisch berufen, eine vertrauliche Beziehung zu den Jugendlichen zu knüpfen.

Vertrauen auszustrahlen und hervorzurufen ist tatsächlich eine Gabe, die nicht viele Menschen haben, die aber Fotografen brauchen, um derart authentische Situationen ablichten zu können.

Ist es Malerei, die Sie durch Ihre Kamera suchen und sehen? 

Marlis Sauer

Die sichtbare Struktur von den weißen Pinselstrichen seien ganz funktionale Markierungen, die Bauarbeiter an den Fenstern machen, damit niemand durch die Scheibe läuft, antwortet Marlis Sauer.

Plötzlich ist das eigene Bild im Kopf entzaubert, um sich zugleich in ein anderes zu verwandeln.

Marlis Sauer ist studierte Künstlerin, auch Malerin, natürlich hat sie einen Blick für Malerei und blickt sprichwörtlich, hinter die Fassade. In den Fenstermalerein der Bauarbeiter sieht sie mehr als eine funktionale Markierung, sie sieht” eine Bewegung, eine schwungvolle Geste”, oder vielleicht einfach nur ein mysteriöse Spur von ihrem unbekannten Schöpfer.

Damit spielt sie mit der Erwartungshaltung des Betrachters was Malerei, was Kunst ist, ganz im Beuyschen Sinne von „jeder Mensch ist ein Künstler“.

Ich sehe eine Fiktion

Dieter Klein hat märchenhafte Bildbände gefüllt mit seiner Serie „Forrest Punk”

Sehen Sie vielleicht Wehmut? Wunderschöne Oldtimer, verfallen in malerischer Landschaft.

Im Gespräch mit Dieter Klein merkt man immer wieder seine Neigung zu Wortspielen und Dichtung. „Forrest Punk“, ein Wortspiel für eine riesige Fotoserie, für die er Schrottplätze bereist und Schrott findet. In diesen Ansichten sieht er vor allem eine Verwandlung vom Statussymbol zum wertlosen Objekt.

Nein es ist nicht die Wehmut nach vergangenen Zeiten, der sentimentale Trend der Oldtimer-Szene, das ihn antreibt. Ihn fasziniert die „märchenhafte Inszenierung der Natur“. Klein sieht Märchenhaftes, weil er in weiten Reisen gezielt danach sucht.

Mit diesem Hintergrundwisssen sieht man tatsächlich Hänsel und Gretel im Wald ausgesetzt, Alice im Wunderland oder Schneettwittchen nur eben mit Oldtimern als Märchenfiguren. Seine Fotografien bieten sich an mit Kindern betrachtet zu werden oder auch über Natur und Hinterlassenschaften zu reden.

Wim Woeber bleibt gekonnt rätselhaft, wie seine absurd anmutenden Inszenierungen „Misconceptions”

Wenn ich Wim Woebers „Misconceptions”, diese cineastischen Inszenierungen, ansehe, sehe ich einen Fake, der nicht leugnet einer zu sein.

Sein Spiel – Ich sehe was, was Du nicht siehst – ist eine endlose Geschichte. Er verneint nichts, denn mein Raten ist Teil seiner Arbeit.

Es ist die Inszenierung eines absurden Moments bis ins kleinste Detail, ein Tatort, ein Familiendrama? Sein Bild im Kopf verrät er nicht.

Für jedes seiner Fotos sucht er spezifische Räume, – Turnhallen, Bibliotheken – , er castet Modelle, Profis und Laien und steckt sie in Kostüme. Alles für den einen fotografischen Moment, der seine Geschichte im Kopf vage ausdrücken, hinterfragen und mystifizieren kann, um sie vom Betrachter weitererzählen zu lassen.

Jedes der Fotos erzählt eine ungeschriebene Geschichte oder von einem ungedrehten Film. Es gibt keine Auflösung. Es geht um den Prozess, der beim Betrachten entsteht, gerade durch die Widersprüche, durch die Absurditäten und Rätsel, „die Leerzeichen”, wie er es nennt, die im Bild versteckt sind.

Niemand sieht alles

Klar kann man sich vor informieren, recherchieren und man sieht augenblicklich mehr, aber man sieht nie alles.

Die Künstler haben alle hervorragende Websites. Aber erst im Gespräch mit dem Künstler kann man sein Bild vom Gesehenen abgleichen mit dem Ur-Bild des Schöpfers, aber darum geht es nicht. Dieses Bedürfnis ist ein spirituelles und soziales Bedürfnis, es hat nichts gemein mit dem Wahrheitsbegriff einer Wissensgesellschaft.

Aber das einmal gemachte Erlebnis eines Gedankenaustauschs ist eine Selbsterfahrung, die sich nur durch Kommunikation machen läßt. Kunst und Musik sind eine Erfahrung von Dingen, die man nicht selbst gesehen hat und dennoch erleben kann. Man sollte sie nutzen und austauschen, wenn man die Gelegenheit dazu hat, ob mit Kindern, mit Fremden oder mit den eigenen Leuten.

Gehen Sie zur Vernissage und fragen Sie nach.

Leider hatte ich nicht die Glegenheit mit allen Künstlern zu reden. Fragen Sie auch nach den hier nicht besprochenen Sichtweisen von  Wolfgang Zurborn, Thomas Lüttgen, Tom Holtgräwe und Maurice Cox, aber erst nachdem Sie deren fotografische Ansichten gesichtet haben, denn vielleicht sehen Sie ja etwas, was der andere noch nicht sah und es ergibt sich ein unvergessliches Gespräch.

Hintergrund: Die Künstler

Philipp J. Bösel, DGPh

An der Middlesex University London studierte Philipp J. Bösel Film & Video in Art & Design und schloß sein Studium mit dem Master of Arts in Computing in Design ab. Seit 1989 arbeitet er beim WDR in Köln als Photograph und Grafik-Designer. Als Lehrbeauftragter an der Kunsthochschule für Medien (KHM) betreute er von 1992 bis 1997 gestalterische sowie künstlerische Projekte.

Während seiner gesamten Laufbahn verwirklicht er meist konzeptionelle Photoprojekte, die er im In- und Ausland ausstellt. 2015 erfolgte seine Berufung in die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh).

Philipp J. Bösel

In der Gemeinschaftsausstellung „Ich sehe was, was du nicht siehst, fotografische Ansichten“ stellt er erstmals seine Strandhäuser aus. Stilleben oder Eigenleben von Strandhäusern, den Blick immer zum Meer gerichtet, die Form immer rechteckig, mal alleine, mal zu zweit mal als Gruppe und doch immer verschieden. In diesem Jahr jährt sich zum 30igsten mal der Mauerfall in Berlin.

Daher zeigt Philipp J. Bösel ebenfalls einige Photographien des Projekts „die vermessene mauer“. Eine Gemeinschaftsarbeit mit Burkhard Maus von 1984. Im Verlag Kettler/White-Press erschien 2014 das Buch „Die Berliner Mauer 1984 von Westen aus gesehen“

Maurice Cox, DGPh

Maurice Cox (geb. 1970), Dipl.-Ing., DGPh, ist Fotograf in dritter Generation und arbeitet vornehmlich in den Bereichen Architektur-, Kunst-, Porträt- und Werbefotografie. Von seinem Vater Wim Cox übernahm er das Atelier am Klingelpütz 29, wo schon die Fotowerkstätte Hugo Schmölz beheimatet war. Neben seiner fotografischen Tätigkeit und der Gestaltung von Büchern verwaltet er den fotografischen Nachlass von Hugo Schmölz, Karl Hugo Schmölz und Oskar Ullrich. Aus diesem umfangreichen Archiv realisierte er bereits zahlreiche Buchprojekte und Ausstellungen im In- und Ausland.

Maurice Cox

Die Serie über die Kölner U-Bahnhöfe entstand für das Buch ‚Linienführung‘, (Barbara Schock-Werner und Maurice Cox, Greven Verlag, Köln, 2018) in dem Maurice Cox alle unterirdischenBahnhöfe der KVB portraitierte.

Wim Cox, DGPh

Nach seinem Diplomstudium der Fotografie an der Niederländischen Fotofachschule zog es ihn 1961 nach Köln. Hier legte er 1963 die Meisterprüfung ab und war tätig als Erster Fotograf in der Fotowerkstätte Schmölz und Ullrich, vormals Fotowerkstätte Hugo Schmölz, die er 1971 übernahm. Am angestammten Sitz der Firma betrieb er bis 2003 ein eigenes Atelier für Architektur-, Portrait-, Industrie- , Kunst- und Werbefotografie.

Cox blickt auf diverse Einzelausstellungen und Beteiligungen an Präsentationen zurück, unter anderem in Australien, Belgien, Deutschland, England, Japan, Malaysia, den Niederlanden, Polen, Thailand, den USA und der Schweiz. Er ist mit Werken vertreten in öffentlichen wie privaten Sammlungen.

Ulla Franke

Als klassisch ausgebildete Fotografin hat Ulla Franke noch vieles von dem gelernt, was sich nachrückende Fotobegeisterte im schnellen, digitalen Zeitalter schon gar nicht mehr vorstellen können. Diese fundierte Ausbildung hat, kombiniert mit jahrzehntelanger, intensiver Erfahrung als professionelle Fotografin, zu ihrer eigenen Bildsprache geführt. Neben der Auftragsfotografie arbeitet sie kontinuierlich an freien fotografischen Themen, die regelmäßig in Ausstellungen und Veröffentlichungen zu sehen sind.

Ulla Franke

„Jugend“ ist der Titel ihrer Serie, mit der sie an der Gemeinschaftsausstellung teilnimmt. Darin zeigt sie Momente des alltäglichen Lebens junger Menschen. Ulla Franke vertraut bei ihren Aufnahmen ihrem eigenen Gespür für intensive Momente des alltäglichen Lebens; sie fängt sie ein, ist mittendrin und erzählt dadurch unmittelbar. In der gezeigten Arbeit zum Beispiel von der Suche nach Identität, dem eigenen „Ich“, irgendwo verborgen zwischen dem Drang, sich abzuschotten einerseits und der Lust, sich öffentlich zu machen, andererseits. Mit großer Leichtigkeit gelingt es ihr, zwischenmenschliche Beziehungsgeflechte sichtbar zu machen. Die Betrachter dürfen getrost dabei sein, ohne sich als Voyeure missbraucht zu fühlen. Liebevolles Erinnern und Verständnis für einen herausfordernden Lebensabschnitt sind vorherrschend.

Tom Holtgräwe

1970 in Köln geboren und aufgewachsenen, interessierte er sich bereits in frühen Jahren für die Fotografie. 1984 setzte sich Tom erstmals mit dem Entwickeln und Abziehen seiner Fotografien im Labor auseinander. Darauf folgten zwei fotografische Praktika im Bereich der Modefotografie, die ihm allerdings zu oberflächlich erschien. Die Intention seiner Arbeit konzentriert sich vielmehr auf das Abknipsen des Augenblicks.

Seine fotografischen Arbeiten zeigen sich meist rudimentär und beiläufig. Auf diese Weise macht er seinen individuellen Blick auf die Welt sichtbar. Seine Fotografien sind weder formal noch kompositorisch aufgebaut. Vielmehr enthalten diese oft störende Details, die sich vom konventionellen Bildaufbau abheben. Anders als in der Modefotografie kommt es für ihn auf die Authentizität und das kognitive Wahrnehmungsmoment an. Mi einer Selbstverständlichkeit ist er seit jeher versucht, der Psyche in der Fotografie zu folgen.


Tom Holtgräwe

Daraus resultieren mitunter intime Erkundungen des Freundes- und Bekanntenkreises. Auch er selbst stellt sich immer wieder zur Selbstermächtigung vor die Kamera. Darüber hinaus arbeitet er von Zeit zu Zeit an Fotocollagen, die er aus vorhandenen Fotografien erstellt.

Dieter Klein

Als Dieter Klein Rosalie mitten in einem Holunderbusch nahe der französischen Stadt Cognac entdeckte, rührte sich etwas ganz tief in seiner Fotografenseele. Es ist 2008, und die märchenhaft wirkende Szenerie eines im Dornröschen-Schlaf liegenden 80-Jährigen Citroen weckte in ihm eine Leidenschaft, die bis heute in drei faszinierenden Fotobänden über die Schönheit des automobilen Verfalls ihren Ausdruck gefunden hat. Unter dem Titel Forest Punk erschien zunächst 2013 ein Werk über Funde in Belgien, Frankreich, Deutschland und Schweden. Die Idee für den Sprung über den großen Teich kam Klein 2014, als er von einer Auktion in Enid (Oklahoma) hörte, auf der alle Fahrzeuge eines Schrottplatzes an einem einzigen Tag unter den Hammer kommen sollten.

Dieter Klein

Klein zögerte nicht lange und setzte sich in den Flieger. Das tat er bis heute noch drei weitere Male, so dass er in einem Doppelband nun sein »Best of best« aus 20 Wochen und 42.000 Kilometer durch 39 US-Bundestaaten ausbreitet. In den Büchern hat der 61-Jährige Troisdorfer wieder morbid-schöne Schrottszenen in teils atemberaubenden Landschaften abgelichtet. Es zog ihn »Into the great wide open«, zu den letzten Ruheplätze einst automobiler Pracht.

Thomas Lüttgen

Thomas Lüttgen

…widmet sich seit 2007 der bildenden Kunst. Parallel dazu widmet er sich seit 1986 der Fotografie. Inspiriert durch die Eindrücke einer Namibiareise im Jahr 2007 und die Kraft der Bildmotive, die er dort festhielt, fokussierte er sich auf das künstlerische Schaffen. Angestoßen durch seine Auseinandersetzung mit den Themenfeldern Wertstoffe und Nachhaltigkeit war es Thomas Lüttgen ein großes Anliegen einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Aus diesem Gedanken heraus entstand 2016 das Konzept für die limitierte Edition „Baum für Baum“. Die Arbeiten aus dieser Edition sind serielle Unikate, in deren Kaufpreis ein Spendenanteil für ein Naturschutzprojekt enthalten ist.

Seit 2012 arbeitet Thomas Lüttgen an der Werkserie „Wertvoll“ und entwickelt diese kontinuierlich weiter. Sujet dieser Werkreihe sind die Hinterlassenschaften unserer Wegwerfgesellschaft und somit die Wertstoffe von Heute und Morgen. Mit Perspektive und plastischer Ausarbeitung kreiert Thomas Lüttgen, Werke die zu einer Auseinandersetzung auffordern – visuell wie auch inhaltlich wird der Betrachter angeregt seine Sichtweise zu hinterfragen.

Dieter Röseler

1989 wurde er als einer von bundesweit 10 Lehrlingen vom Centralverband Deutscher Berufsfotografen zum Internationalen Workshop für Auszubildende nach Berlin eingeladen und hat dort eine einwöchige Fortbildung bei Herlinde Koelbl genossen. Unmittelbar nach Abschluß seiner Lehrzeit in Bergisch Gladbach ist der gebürtige Kölner lange Jahre im Magazinjournalismus mit den Schwerpunkten Porträt und Reportage tätig.

Seit der Jahrtausendwende wendet sich der Lückerather Lichtbildner mehr und mehr konzeptionellen Langzeitprojekten zu. Im Januar 2019 startete in enger Kooperation mit dem Bürgerportal Bergisch Gladbach  sein Podcast-Format: „Die Besten im Westen – Im Osten nur Kosten?!“ mit FDP-Chef Christian Lindner als Gastgeber.

In der Gemeinschaftsausstellung zeigt Röseler Arbeiten aus seinem am 25. Jahrestag des Mauerfalls begonnenen Langzeitprojekt „Deutschland 5Uhr30 – #d5h30“: eine fotografische Bestandsaufnahme des wiedervereinigten Deutschlands; zugleich eine Hommage an den großen Kölner Nachkriegsfotografen Chargesheimer und dessen opus magnus „Köln 5Uhr30“.

Da die Ausstellung am 74. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau eröffnet wird, legt Röseler bei der Auswahl der Arbeiten für Bensberg besonderes Augenmerk auf Motive, die sich mit dem dunkelsten Kapitel der jüngeren deutschen Vergangenheit auseinandersetzen, wie z. B. dem Holocaust-Mahnmal in Berlin, dem Stolperstein für Anne Frank in Aachen und der KZ-Gedenkstätte in Dachau. Nach den ersten Einzelausstellungen 2015 in Köln und in der Künstlerkolonie Worpswede sowie 2016 im NS-Dokumentationszentrum Prora auf der Insel Rügen wird #d5h30 im Rahmen des diesjährigen Festivals der Internationalen Photoszene Köln in der „Chargesheimer – die kunstbar“ präsentiert, bevor die Arbeiten zum 30. Jahrestag des Mauerfalls in die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam wandern.

Marlis Sauer

… studierte nach dem Abitur Kunst, Theologie und Germanistik in Köln und Berlin. Es schließen sich 18 Jahre Lehrtätigkeit an einer Kölner Schule an.

1997 – 2017: Leitung der JugendArtGalerie | Ziel dieses Projektes war die Förderung von Schülerinnen und Schülern in kreativen Bereichen, von Objektdesign, Fotografie bis zur Malerei. Diese Aktionen konnten dank Kölner Sponsoren im öffentlichen Raum und Museen ausgestellt werden. | Ausbildung im Aktzeichnen, Ölmalerei | seit 2005 Fotografie | seit 2008 Ausstellung eigener fotografischer Arbeiten | seit 2015 Etablieren der „l´art privé“- Kunstverkauf von privat an privat. | seit 2016 Etablieren der “KunstKönner” Initiative für Kunstprojekte

Die Fotos von Ausschnitten beschmierter Fensterscheiben sind für Marlis Sauer eine Expedition in eine Welt, die wir meistens ausblenden und in ihrer Ästhetik achtlos übergehen. Aber sie bietet Erstaunliches, zarte Farben und Strukturen inmitten einer groben, chaotischen Umgebung.

Albert Einstein sagte einmal: “Nichts kann existieren ohne Ordnung – nichts kann entstehen ohne Chaos” Die Frankenforsterin hat versucht, aus diesem “Chaos” heraus die Strukturen mit Hilfe der Fotografie herauszulösen und ihnen eine eigene Existenz zu geben, sie ins Bewusstsein des Betrachters zu heben und sie mit dessen eigener Phantasie zu verknüpfen. So kann jedes Bild im Betrachter etwas anderes bewirken.

Andreas Feininger, der berühmte Fotograf schreibt: “Und da ein Foto die Wirklichkeit nicht reproduzieren kann, ist es absurd, von Realismus in Verbindung mit der Fotografie zu sprechen.” “Es kommt darauf an, was ich als Fotografin sehen will. Ich sehe die Fenster mit meinen Augen, die in diesem Fall von der Malerei inspiriert sind. Für mich stehen bei den “GlassyCuts” Strukturen, Farbnuancen und grafische Wirkung im Vordergrund. Ich habe einen komplexen Sachverhalt so umgesetzt und dargestellt, dass er unserer sinnlichen Wahrnehmung zugänglich wird. Dasselbe gilt für die “Fundblicke” am Strand. Auch hier fügen sich die “banalen” Strukturen und Gegenstände zu überraschenden Kostbarkeiten.

Gisela Schwarz

… ist nach Aus- und Fortbildung in Wort + Bild Fotofachjournalistin, freischaffende Künstlerin und Kulturrezensentin. Zahlreiche Buchveröffentlichungen und Kalender-Editionen. Sie ist Mitglied im BBK Berufsverband Bildender Künstler und 1. Vorsitzende des AdK Arbeitskreis der Künstler Bergisch Gladbach. Zahlreiche Ausstellungen z. B. in der Puschkin-Bibliothek der Universität Minsk, im Salle des fetes in Joinville-le-Pont/Ile de Paris, in der Städtischen Galerie Villa Zanders und im Haus Buchmühle in Bergisch Gladbach. Ihre Fotokunst-Projekte: Strahlend in die Zukunft – das Leben nach Tschernobyl | Lebensbilder | Sein I + | – wohin…woher | Ähnlichkeiten – Island | Stockhausen – Klang und Vision | Der Gesang der Fisch – Island

Schwarz zeigt zum ersten Mal die visuelle Umsetzung der Neuen Musik von Karlheinz Stockhausen mit abstrahierten fotografischen Impressionen. In ihrer subtilen Aufnahmetechnik mit dem „verlängerten Augenblick“ fotografiert sie bei Konzertproben in Kürten, Aufführungen im Altenberger Dom, Proben aus dem Zyklus „Licht“.

Die visuellen Umsetzungen der Musik von Karlheinz Stockhausen bedingen eine tiefe Auseinandersetzung mit dem Werk des bedeutenden Komponisten der Neuen Musik und den Interpreten. Gisela Schwarz verarbeitet die Bilddateien selbst mit FineArt-Prints auf schwerem Büttenkarton. Der Giclée-Druck führt weiter weg von der Fotografie, verstärkt den Eindruck des diffusen, malerischen Ansatzes durch samtig weiche Oberflächen und fein abgestufte Valeurs.

Wim Woeber

Schon mit 6 Jahren lernte er von seinem Vater einen ordentlichen Schwarzweiß-Abzug anzufertigen. Es folgten erste Praktika und parallel zu seinem Abitur stand er nachmittags und an Wochenenden im Dienst einer großen Hamburger Agentur. Konsequenterweise kamen dann Aufträge von verschiedenen Tageszeitungen und Bildagenturen im In- und Ausland. Assistenzen und Workshops bei namhaften Fotografen wie Magnum-Mitglied Carl De Keyzer sorgten für technischen und künstlerischen Feinschliff. Später, als Fotograf bei einer der größten Boulevardzeitungen Deutschlands, fehlte es ihm an Kunst, Moral und Weiterentwicklung. So entschloss er sich 2004 zu einer Neuorientierung. Wim Woeber arbeitet seither immer an freien Projekten.

In der Fotografie wird eine wichtige Trennlinie nur durch die Position des Leerzeichens definiert. Einerseits mag man Bilder finden, doch wenn man das Dokumentarische verlassen will, muss man das Bild erfinden. Wim Woeber setzt mit „Misconceptions“ ein vor 20 Jahren begonnenes Konzept fort und konfrontiert den Betrachter mit ungewöhnlichen Situationen, die nur auf den ersten Blick verständlich erscheinen. Jeder Betrachter generiert aber seine eigene Geschichte um die Situationen auf den Bildern, die möglicherweise absurd oder unlogisch wirken, aber immer schlüssig erklärt werden können. Aber von jedem eben anders und so sollen die Fotos Katalysatoren für vielfältige Geschichten sein. | Alle Bilder entstanden 2018 verschiedenen Orten in Deutschland | Produktion und Inspiration: Nadine Schuster

Wolfgang Zurborn

geb.1956, studierte an der Bayerischen Staatslehranstalt für Photographie in München und an der FH Dortmund. 1985 bekam er den Otto-Steinert-Preis der DGPh und 2008 den Deutschen Fotobuchpreis für sein Buch Drift. Ausstellungen mit seinen Arbeiten wurden international gezeigt.

Seit über 30 Jahren ist er Mitbetreiber der Galerie Lichtblick in Köln und 2010 gründete er die Lichtblick School. Weltweit leitet er Workshops. Seit 1998 ist er im Präsidium der Deutschen Fotografischen Akademie.

Wolfgang Zurborn entführt uns mit den Bildern seiner Arbeit Catch in eine ganz eigenwillige, skurrile Welt, in der Szenen und Objekte des alltäglichen Lebens scheinbar aus dem Lot geraten sind. Es ist die Neugier auf Erfahrung, die Wolfgang Zurborn antreibt, mit radikalen Ausschnitten, überraschenden Kompositionen und ungewöhnlichen Perspektiven Bilder zu finden, die uns aus dem routinierten Konsum der aufgeräumten Medienwelten herausreißen. Die Verrätselung der Sehweise will dabei nicht mystifizieren, sondern einen fragenden Blick herausfordern, der immer weiter eindringt in die verschiedenen Schichten des Sichtbaren. Die Welt erscheint wie ein komplexes Geflecht aus Realität und Fiktion und es gibt keine Auflösung in einer eindeutigenPointe. Die Reibungsenergie im collagenartigen Zusammenspiel der Motive lässt eine Kraft der Imagination entstehen, die der Betrachter mit seinen eigenen Erfahrungen und Fantasien füllen kann. Er muss sich nur darauf einlassen. Catch!

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1 Kommentar

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  1. Prima Beschreibung von Ort und Konzept der Ausstellung, besonders der Künstlerinnen und Künstler.
    Derartige ausführliche Berichte komplettieren nach und nach das Bild eines außerordentlich regen künstlerischen Lebens in Bergisch Gladbach. Bildende Kunst, Musik, Wort und Kunst, darstellende Kunst an vielen Stellen – wozu auch das Puppentheater zählt – und die vielen Museen, allen voran die Villa weisen hin auf ein hohes kreatives Potential in unserer Stadt.