Andreas Schwann, Monika Hiller, Anastasia Mavridou, Andreas Babst, Diana Rajabi, Angelika Nelles-Rehbach

Die Stadtteilbücherei Bensberg bietet jetzt auch Menschen, die nicht gut lesen können, etwas an: Spezielle Bücher und DVDs, aber auch Führungen und Lesungen. Einen ersten Termin gibt es schon am Mittwoch.

Vor 20 Jahren hat Angelika Nelles-Rehbach die Gebärdensprache erlernt, als damalige Mitarbeiterin im PROgymnasium Bensberg e.V. hatte sie den Stammtisch „Pro Gehörlos“ gegründet. Jetzt hat sie gemeinsam mit dem Team der Bücherei Bensberg um Andreas Babst ein neues Angebot realisiert, das sich intensiv mit den Bedürfnissen von Menschen auseinandersetzt, die nicht gut lesen können.

Dabei handelt es sich um ein  spezielles Angebot an Nachschlagewerken, Literatur, Märchenbücher, Informationsmaterial und DVDs. Es liegt in der Bücherei in der Schlossstraße 46-48 in einem gesonderten Regal bereit. Die Schrift ist in diesen speziellen Heften, Broschüren und Büchern groß gehalten, die Details werden in einfacher bzw. leichter Sprache knapp und verständlich erklärt.

Dieses Angebot richtet sich nicht nur an Gehörlose, sondern auch an Menschen mit Lernbehinderungen oder anderen Handicaps, die es ihnen schwer machen, normale Medien zu nutzen.

Zum Angebot gehört auch eine Veröffentlichung der Stadt Bergisch Gladbach: Der Titel des Wegweisers lautet „Was macht die Stadtverwaltung“ und ist in leichter Sprache verfasst.

Viel lernen können Kinder aus dem Band „Hand in Hand die Welt begreifen“. Dieses Bildwörterbuch ist in Gebärdensprache verfasst und erfreut auch mit seinen Illustrationen. Der Band ist bereits für Kinder ab sieben Jahren geeignet. Hier werden Themen aufgegriffen, in lebendige Wimmelbilder verpack und erklärt. Ergänzend dazu gibt es die passenden Gebärden-Zeichnungen.

Initiatorin Nelles-Rehbach erzählt bei der Vorstellung des neuen Angebots, dass die Gebärdensprache vor einiger Zeit noch abgelehnt worden war. Gehörlose sollten damals von den Lippen ihres Gesprächspartners ablesen. Inzwischen ist die Gebärdensprache aber überall verbreitet. Es gibt es sogar in Varianten und in Mundart. Also: Gebärdensprache für Köln in „Kölsch“ wäre denkbar, oder sogar in Bergisch Platt!

Angelika Nelles-Rehbach arbeitet seit vielen Jahren mit Menschen, die unter unterschiedlichen Hörbehinderungen leiden. Sie ist auch Übersetzerin für Texte in leichter Sprache. Texte in leichter Sprache werden von Menschen mit Lernbehinderung auf Verständlichkeit geprüft.

Diese Texte bieten insbesondere Menschen mit funktionalem Analphabetismus, Migrationshintergrund, Demenzerkrankung oder für von Geburt an gehörlose Menschen einen Zugang zur Information und die Möglichkeit zur Teilhabe.

Hemmschwellen abbauen

Das neue Angebot in der Bücherei sei ein erster wichtiger Schritt, sagt Nelles-Rehbach. Aus ihrer Sicht und ihren Erfahrungen muss aber mehr geschehen, um die Zielgruppe an die Angebote der Stadtbücherei heranzuführen und Hemmschwellen abzubauen.

Das Projekt umfasst auch eine technische Ausstattung mit einer Funk-Mikrofon-Kommunikationsanlage. Es gibt Führungen durch die Stadtteilbücherei und Lesungen, die gleichzeitig für gehörlose Menschen von DolmetscherInnen in Gebärdensprache übersetzt werden.

Begrüßt wird das neue Angebot auch von Monika Hiller, der Inklusionsbeauftragten der Stadt: „Es ist wichtig, auf die Menschen zuzugehen, ihnen zu erklären, was es für Möglichkeiten gibt. Nur so können sie ihre Schwellenangst überwinden.“

Eine erste Führung mit Dolmetscher für Gebärdensprache bietet die Bücherei Bensberg am Mittwoch, 27. März um 15 Uhr an. Im Verlauf der Führung wird das neue Angebot vorgestellt. Interessierte erfahren auch, wie man die Bücher in leichter und einfacher Sprache und Infos über die Gebärdensprache ausleihen kann. Eine Anmeldung per Mail bei Angelika Nelles-Rehbach wird erbeten.

Das Gesamtkonzept wird finanziert aus Mitteln des Aktionsplanes Inklusion der Stadt Bergisch Gladbach und mit Unterstützung der Kämpgen Stiftung, die durch Anastasia Mavridou vertreten war.

Träger des Projekts ist die Bergische Welle e.V. von Andreas Schwann. Dass das Angebot an Büchern und DVDs im Regal kontinuierlich weiter ausgebaut werden muss, darüber waren sich alle einig. Sponsoren sind in diesem Zusammenhang herzlich willkommen.

Hintergrund: Die Stadtteilbücherei Bensberg

Die Bücherei hat ihren Eingang über die Schalterhalle der Kreissparkasse. Ein Aufzug befindet sich außen rechts am Gebäude. Er führt unmittelbar in die Räume der Stadtteilbücherei.

Neben der Ausleihe von Medien und den Recherche- und Aufenthaltsmöglichkeiten vor Ort, bietet die Stadtteilbücherei Bensberg verschiedene Veranstaltungen an. Sie haben z. B. Interesse an: Veranstaltungen für Kitagruppen und Schulklassen, wie das Bilderbuchkino und Klassenführungen? Dann wenden Sie sich bitte an das Bensberger Bücherei-Team unter 02204 55357.

Weitere Infos zur Stadtteilbücherei Bensberg finden Sie hier.

ist freiberufliche Journalistin (Text und Bild), weitere Berichte und Fotos finden Sie auf bensberg-im-blick.de.

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