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Einfachesprache

Sanierung des NCG wird konkreter – und teurer

Sanierung des NCG wird konkreter – und teurer

Die Stadtverwaltung hat  die Pläne für die Sanierung des NCG konkretisiert und legt jetzt Details vor. Demnach wird eine umfangreiche Auslagerung von Schulklassen notwendig. Das Gesamtprojekt wird deutlich teurer – und soll in vier Jahren abgeschlossen sein.

Klar & einfach: Darum muss Trinkwasser gekocht werden

Klar & einfach: Darum muss Trinkwasser gekocht werden

In einem Teil von Bergisch Gladbach sind gefährliche Dinge ins Trink-Wasser geraten. Darum sollten Sie in den nächsten Tagen das Wasser immer richtig kochen, bevor Sie es trinken. 

Wir erklären in einfacher Sprache, warum das so ist. Und was Sie genau beachten müssen.

Das wichtigste gleich am Anfang.

In Hebborn, in Teilen von Paffrath, Kalmünten und Schildgen ist Schmutz im Wasser. Welche Straßen betroffen sind, sehen Sie in der Karte oben. Ganz unten im Text gibt es eine Liste der Straßen.

Das Gesundheitsamt des Rheinisch-Bergischen Kreis hat den Menschen gesagt, was sie jetzt machen sollen:

Weil das Wasser nicht sauber ist müssen Sie es jetzt richtig kochen, drei Minuten lang. Dann müssen sie das Wasser stehen lassen, bis es nicht mehr heiß ist. Erst dann kann es getrunken werden.
Das gilt aber auch für Wasser, dass Sie zum Zähneputzen nehmen oder zum Waschen von Obst und Gemüse. 
Zum Trinken, für den Tee oder Kaffee können Sie natürlich auch Wasser aus Flaschen nehmen.
Waschen und Duschen können Sie sich weiter ganz normal. Aber nur, wenn Sie keine Wunden haben! Das Wasser darf auf keinen Fall ins Blut gelangen!
Im Moment riecht das Wasser nach Chlor. Chlor ist ein chemischer Stoff, der die Bakterien abtöten soll. Darum wird das Chlor jetzt in das Wasser gemischt. Für Menschen ist das in Ordnung.

Was kann passieren, wenn man schmutziges Wasser trinkt?

Wenn sie Wasser trinken, das nicht abgekocht war, können Sie krank werden. Ihnen kann schlecht werden, Sie müssen sich übergeben oder bekommen Durchfall.

Das ist meistens nicht so schlimm und geht schnell wieder vorbei. In manchen Fällen kann man aber auch ernsthaft krank werden. Wenn Ihre Probleme nicht rasch vorbei gehen oder Sie Fieber bekommen, dann sollten Sie zum Arzt gehen. 

An diese Regeln sollten Sie sich bis Dienstag halten. Bis dahin ist klar, ob das Wasser wieder sauber ist. Das erfahren Sie hier im Bürgerportal. 

Was ist eigentlich passiert?

Die Belkaw sorgt dafür, dass die Menschen in Bergisch Gladbach Wasser zum Trinken bekommen. Die Belkaw ist auch dafür zuständig, dass dieses Wasser immer sehr sauber ist. 

Am Donnerstag hat die Belkaw aber gemerkt, das mit dem Wasser in der Jägerstraße etwas nicht stimmt. Sie hat das Wasser genau untersucht. Dabei hat die Belkaw festgestellt, dass in einem Teil von Bergisch Gladbach im Wasser Bakterien sind. 

Bakterien sind sehr, sehr kleine Lebewesen. Im Körper von jedem Menschen gibt es viele dieser Bakterien. Eine Art dieser Bakterien heißt Enterokokken. Im Darm der Menschen sind sie wichtig, weil sie bei der Verdauung des Essens helfen und den Darm sauber halten. 

Diese Bakterien können aber auch außerhalb des Körpers überleben. Zum Beispiel im Kot von Menschen oder Tieren. Wenn davon dann etwas ins Trinkwasser gerät wird es gefährlich. Das kann geschehen, wenn zum Beispiel ein Wasserrohr kaputt ist. 

Diese Bakterien sind im Wasser von Bergisch Gladbach gefunden worden.

Was geschieht jetzt? Wie geht es weiter?

Im Moment soll das Chlor im Wasser dafür sorgen, dass die Bakterien getötet werden. 

Am Montag nimmt die Belkaw Proben vom Wasser. Diese Proben werden im Labor untersucht. 

Am Dienstag werden die Ergebnisse vom Gesundheitsamt veröffentlicht. Wenn gar keine Bakterien mehr im Wasser gefunden werden kann es wieder ganz normal getrunken werden. 

Wenn doch noch Bakterien im Wasser sind gibt die Belkaw weiter Chlor in das Wasser. Außerdem muss das Wasser dann weiter abgekocht werden.

Diese Straßen sind betroffen:

Akazienweg,
Alte Wipperfürther Str.,
Am Broich,
Am Eichenberg,
Am Grünen Weiher,
Am Heidetor,
Am Kamelsbuckel,
Am Mühlenberg,
Am Reiferbusch,
Am Steinberg,
Am Steinernen Kreuz,
Am Urnenfeld,
Am Vogelherd,
Am Wapelsberg,
Amselweg,
An der Engelsfuhr,
An der Flora,
An der Strunde,
Auf dem Horn,
Auf dem Kirchenfeld,
Auf dem Lichmich,

Buschhorner Weg,

Dr.-Robert-Koch-Str.,

Eichenweg,
Engelsgut,
Eschenweg,

Föhrenhöfchen,
Fuchskaule,

Gemarkenweg,
Gerstenschlag,
Gertrudenstr.,

Haferbusch,
Hannenbusch,
Hauptstr.,
Hebborner Berg,
Hebborner Feld,
Hebborner Kirchweg,
Hebborner Str.,
Heiligenstock,
Hornstr.,
Hubertusstr.

Im Aspert,
Im Drosselhain,
Im Kleefeld,
In den Stämmen,
In der Schlade,
Irlenfelder Weg,

Jägerhof,
Jägerstr.,
Johannesstr.,

Kalmüntener Str.,
Keltenweg,
Kürtener Str.,

Langemarckweg,
Laurentiusstr.,
Lochermühle,
Meisenweg,
Mutzer Feld,
Mutzer Heide,
Mutzer Str.,

Nußbaum,
Nußbaumer Berg,
Nußbaumer Feld,
Nußbaumer Garten,
Nußbaumer Str.,
Nußbaumer Winkel,

Odenthaler Str.,
Olpensgut, Paffrather Str., Pannenberg, Pappelweg, Peter-Landwehr-Str., Platanenweg, Reuterstr., Roggenacker, Romaneyer Str. , Römerfeld, Rommerscheider Str., Sonnenweg, Theodorstr., Töpferweg, Überm Rost, Unterboschbach, Unterhebborn, Voiswinkeler Str., Vollmühlenweg, Waldstr. , Weizenfeld, Zaunkönigweg, Zum Waschbach.

Wenn Sie noch mehr wissen wollen können Sie hier anrufen:

Servicecenter der Belkaw, Telefon 02202 28 55 800.
Gesundheitsamt des Rheinisch-Bergischen Kreises, Telefon: 02202 13 22 42.
Wenn Sie immer gut informiert werden wollen, über alles, was in Bergisch Gladbach wichtig ist, können Sie die Informationen des Bürgerportals bestellen. Die schicken wir Ihnen dann umsonst, über WhatsApp oder als E-Mail.

Anders sehen (2)

Blinde haben eine eigene Art, von A nach B zu kommen. Sie brauchen Verständnis und Signale, damit es nicht zu Kollisionen kommt. Welche Rolle dabei der Stock spielet, erklärt unsere Autorin. Daniela Ali ist blind. In dieser Serie schreibt sie über das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung im Alltag.

Menschen begegnen sich überall im öffentlichen Raum. Im Supermarkt, auf Konzerten, im Fitness-Studio oder auf der Straße. Ich selbst bin gern zu Fuß unterwegs. Egal, ob eine schöne Wanderung durch den Wald oder einfach mal per pedes mobile durch die Stadt.

Dabei sind die Begegnungen mit anderen Verkehrsteilnehmern nicht immer einfach, bisweilen sogar gefährlich. Ich bin auch schon einige Male so stark angefahren worden, dass mein Blindentaststock dabei zerbrach.

Und immer noch begegnen mir Menschen, die den Blindenstock nicht kennen.

Verkehrsschulungen gibt es zwar nach wie vor. Aber dabei werden leider keine Kenntnisse vermittelt, wie man uns „Menschen mit Sehverlust” erkennt und wie man sich gegenüber solchen Verkehrsteilnehmern verhalten sollte.

Seit einigen Jahren, seitdem das Nordic Walking populär geworden ist, wird mein Taststock oft als Wanderstock angesehen. Bisweilen höre ich auch: „Ich gehe aber immer mit zwei Stöcken wandern“. Jetzt, wo ich im Cafehaus sitze und diesen Text schreibe, muss auch ich über diese Verwechslung schmunzeln.

Aber auf meinen Wegen, wenn ich dank einer solchen Verwechslung mal wieder in eine brenzlige Situation gerate, finde ich das alles andere als zum Lachen. Und das geht nicht nur mir so. 

Ich glaube nicht, dass dies so sein muss. So wie wir gelernt haben, auf bestimmte Verkehrsschilder mit einem bestimmten Verhalten zu reagieren, so kann man das auch bei einem Blindenstock lernen.

Übrigens: Der weiße Blindenstock ist keine Erfindung der Blinden. Und er ist auch keine reine Tasthilfe. Vielmehr ist er das offizielle Kennzeichen für blinde Menschen und taucht als solches auch in den Verkehrsgesetzen an.

Aber fangen wir am besten weit vorne an. Da, wo die längst überholte Annahme herrührt, dass die drei schwarzen Punkte auf gelben Grund „blind“ heißen.

Die Entstehungsgeschichte der drei schwarzen Punkte auf gelbem Grund ist inzwischen verschollen. Aber man weiß noch, dass dieses Kennzeichen, meist als Armbinde an beiden Armen, bis etwa in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts von blinden und auch von tauben Menschen getragen wurde. Zwei Punkte oben, einer darunter in der Mitte hieß „blind”, ein Punkt oben und zwei unten hieß „taub”. 

Vor allem die Taubstummen haben sich durch dieses Symbol stark stigmatisiert gefühlt. Mit dem Kennzeichen habe man auch „echt behindert“ ausgesehen, heißt es in einem Buch von Lothar Scharf.

In den 70er Jahre kamen die ersten Blindenlangstöcke bei uns in Deutschland zum Einsatz. Erst damit wurde es möglich, den Boden vor uns abzutasten. Dank der Länge des Stockes bleibt genügend Reaktionszeit, um sich nicht gleich an der nächsten Hauswand den Kopf einzuschlagen.

Das passiert zwar manchmal immer noch, aber in der Regel nur da, wo es Überhänge gibt: der Stock läuft unter ein Hindernis, weil dieses nicht bis auf dem Boden herunter geht und damit nicht zu ertasten ist. Aktuell, und das auch schon seit vielen Jahre, gilt Paragaf 2 der Fahrerlaubnis-Verordnung. Da heißt es unter der Überschrift „Eingeschränkte Zulassung”:

1. Wer sich infolge körperlicher oder geistiger Beeinträchtigungen nicht sicher im Verkehr bewegen kann, darf am Verkehr nur teilnehmen, wenn Vorsorge getroffen ist, dass er andere nicht gefährdet. Die Pflicht zur Vorsorge, namentlich durch das Anbringen geeigneter Einrichtungen an Fahrzeugen, durch den Ersatz fehlender Gliedmaßen mittels künstlicher Glieder, durch Begleitung oder durch das Tragen von Abzeichen oder Kennzeichen, obliegt dem Verkehrsteilnehmer selbst oder einem für ihn Verantwortlichen.

2. Körperlich Behinderte können ihre Behinderung durch gelbe Armbinden an beiden Armen oder andere geeignete, deutlich sichtbare, gelbe Abzeichen mit drei schwarzen Punkten kenntlich machen. Die Abzeichen dürfen nicht an Fahrzeugen angebracht werden. Wesentlich sehbehinderte Fußgänger können ihre Behinderung durch einen weißen Blindenstock, die Begleitung durch einen Blindenhund im weißen Führgeschirr und gelbe Abzeichen nach Satz 1 kenntlich machen.

3. Andere Verkehrsteilnehmer dürfen die in Absatz 2 genannten Kennzeichen im Straßenverkehr nicht verwenden.

Wesentlich sehbehinderte Verkehrsteilnehmer haben also mehrere Möglichkeiten, sich zu kennzeichnen: Den weißen Blindenstock, der mit weißem Führgeschirr versehene Blindenführhund oder eben die gelben Armbinden mit schwarzen Punkten an beiden Armen.

Die beiden zuerst genannten Kennzeichnungen bedeuten dem Gegenüber: „Hier hast du einen Menschen mit großem Sehverlust vor dir.”

Bei den drei schwarzen Punkten wird laut Gesetz nur angezeigt, dass der Träger der Armbinden im Straßenverkehr nicht allein auf sich achten kann, sein Gegenüber also besondere Vorsicht walten lassen muss. (Das gilt aber eigentlich bei jeder Blindenkennzeichnung!) Die Armbinden geben aber keinerlei Mitteilung darüber, welche Art der Behinderung den Träger einschränkt.

Ich für meinen Teil habe und möchte keinen Hund. Die Armbinden sind nur lästig und bringen mich nicht weiter. Mit den Armbinden kann ich mich nicht orientieren.

Mit meinem Blindentaststock dagegen kann ich mich recht gut alleine auf den Weg machen. Er ist also ein sehr nützliches Hilfsmittel mit Kennzeichen in einem.

Man sagt, das etwa 80 Prozent unserer gesamten Wahrnehmung durch visuelle Eindrücke entsteht.

Ein blinder, aber auch ein stark sehbehinderter Mensch, bekommt diese visuellen Eindrücke nicht und kann sie auch nur zu einem Teil mit Hilfe der übrigen Sinne kompensieren. Denn es ist ein Ammenmärchen, dass man besser hört, wenn man blind ist.

Sicher ist, dass wir alle unsere Sinne nicht ganz ausschöpfen. Wir alle können durch intensives Training unsere Sinne schulen und damit die Wahrnehmung erweitern. Nehmen wir einen Parfümeur. Das sind Menschen mit einem exzellenten Riechorgan. Vielleicht haben diese Menschen schon eine Veranlagung dazu. Vor allem aber tun sie etwas dafür. Selbst im Urlaub müssen sie jeden Tag mindestens eine halbe Stunde ihre Nase trainieren, um auch weiterhin ihren Job gut machen zu können.

Blinde Menschen trainieren zwar auch jeden Tag mehr oder weniger intensiv ihr Riechen, Schmecken, Tasten und Hören. Schon allein deshalb, weil ihr Hauptsinnesorgan ausgefallen ist. Aber da auch Menschen mit Seheinschränkung zur Gattung Homo sapiens sapiens gehören leiden auch diese an Hörverlust, Tinitus und allem anderen, was die übrigen Menschen heimsuchen kann. 

Es gibt viele Menschen, die so schlecht sehen, das sie nicht mehr alles visuell wahrnehmen können. Hier ist die Bandbreite von dem, was noch gesehen werden kann unendlich vielfältig.

Manche haben nur noch einen kleine Fleck ihres Sichtfensters, mit dem sie vielleicht sogar noch 100 Prozent sehen können. Erkennen können sie aber trotzdem nicht viel. Nehmen sie sich mal eine alte Zeitung und schneiden ein kleines Loch hinein. Jetzt halten sie dieses ganz dicht vor ihr Auge. Das Blickfeld (Gesichtsfeld genannt) ist schon etwas eingeengt. Und jetzt kommt das gemeine: Halten sie die Zeitung mit ausgestreckten Armen weit von sich und schauen noch einmal, nur mit einem Auge, durch das Löchlein. Nicht mehr viel was sie da sehen.

Aber so bewältigen einige Menschen unter uns ihren Alltag. Die Ampelfarbe auf der anderen Straßenseite können sie oft noch sehen, aber den Wassereimer vor den Füßen erkennen sie nicht.

Andere sehen total unscharf. Ähnlich wie durch eine sehr verdreckte und verkratzte Fensterscheibe die auch noch komplett beschlagen ist. Mit diesem Sehrest geht auch nicht mehr viel.

Egal ob beim Auto fahren, beim Laufen oder Radfahren, grundsätzlich orientieren wir uns bei der Fortbewegung sehr stark an unseren visuellen Informationen. Bei sehbehinderte Menschen fällt das weg.

Darum gehen wir oft so „eckig”, wie ein Freund das mal genannt hat. Das hört sich abgedreht ab, aber da ist etwas dran: Ich laufe einen Weg entlang und muss irgendwann links abbiegen. Da ich die Stelle, wo ich abbiegen muss, nicht visuell erkenne, brauche ich einen anderen Hinweis. Wenn ich den Weg öfters gehe, habe ich meist besondere „Bodenmarkierungen“, die mir anzeigen, dass ich jetzt einen Richtungswechsel vornehmen muss – und mache das an genau dieser Stelle. Ich biege also um eine „Ecke”, auch wenn es die dort gar nicht gibt.

Geradeaus laufen ist für einen blinden Menschen fast unmöglich. Ohne Leitsystem laufen wir daher schon mal in Schlangenlinien oder es kommt zu einem plötzlichen, unvorhersehbaren Ausfallschritt. So kommt es immer mal wieder vor, dass ein blinder Mensch einen Richtungswechsel vornimmt, der für einen Sehenden erst einmal total unlogisch erscheint.

Und jetzt kommt‘s: mit dem Blindenstock taste ich vor mir den Boden ab. Sind da Löcher, Äste und ich lausche konzentriert auf die Geräusche meiner Stockspitze. Schon jetzt höre meist weder Fußgänger, geschweige den Radfahrer.

Wenn jetzt noch der Wind pfeift, womöglich noch Bäume um mich herum sind, deren Äste und Blätter im Wind rauschen, Regen ist oft auch ganz schön laut, Industriegeräusch,  …, dann wird es noch schwieriger. Da stoßen auch die an ihre Grenzen, deren Gehör top ist.

Und genau deshalb führen wir Menschen mit Sehbehinderung eine weißen Blindenstock nach §2 FeV. Die Farbe des Taststocks ist für uns selbst vollkommen egal, das sollte jedem wohl klar sein. Wir brauchen eine gut rutschende, möglichst rollende Spitze und der Stock muss eine bestimmte Länge haben. Nur so taugt er als Hilfsmittel.

Dass der Stock weiß ist, ist dennoch sehr wichtig – für die andere Verkehrsteilnehmer. Damit sie erkennen: hier geht ein Sehbehinderter, darauf muss ich mich einstellen. Damit ist der weiße Stock für uns lebenswichtig.

Sehbehinderte und blinde Menschen freuen sich genau wie andere Menschen auch, wenn sie mal vorbei gelassen werden. Aber wir erwarten nicht, dass jemand wegen uns in die Büsche springt, um uns vorbei zu lassen. Es muss sich auch niemand an die Hauswand quetschen, auf Zehenspitzen stehen und die Luft anhalten, damit der Bürgersteig für uns möglichst frei ist. All das ist nicht nötig und auch nicht immer hilfreich.

Laufe ich über den Fußweg und höre, wie sich Menschen vor mir unterhalten, weiß ich das da jemand ist. Am liebsten ist es mir, wenn ich auf Augenhöhe mit meinen Mitmenschen kläre, am besten durch Kommunikation, wie wir aneinander vorbeikommen.

In der Praxis erlebe ich aber immer wieder, dass die Menschen vor mir verstummen. Für mich heißt das: Sie sind nicht mehr da. Vielleicht sind sie in ein Haus gegangen oder sind abgebogen. Und dann macht es auch schon Peng. Ich bin aufgelaufen.

Freunde, die mich schon mal gerne beobachten, wie ich durch die Welt laufe und wie meine Mitmenschen reagieren, berichten oft, dass die Menschen mich ganz offen und ungeniert anstarren. Macht ja nichts, denken sie wohl, die kann das doch nicht sehen.

Sagen tun sie aber nichts mehr. So nach dem Motto „kommt sie wohl an dem Hindernis vorbei?“ Wenn ich dann aufgelaufen bin kommt der Aufschrei „Vorsicht“.

Danke! Es war nur leider etwas zu spät.

Fazit: wir sehen nur, was wir hören.

Auch beim Spaziergang ist es ganz angenehm, wenn Spaziergänger grüßen. Ich erschrecke nicht, weil etwas an mir vorbei huscht. Aber so weiß ich, da ist noch jemand oder mehrere. Ich bleibe auch gern mal stehen und lasse andere vorbei.

Vielleicht ist es auch gerade ganz schön, dass wir uns begegnen, weil ich nach dem Weg fragen möchte. Und das kann ich nur, wenn ich weiß, dass sie da sind.

Anders sehen und verstehen (3)

Viele Blinde bewegen sich mit ihrem Langstock relativ sicher in der Öffentlichkeit. Aber dabei sind sie auf die Rücksicht ihrer Mitmenschen angewiesen. Eine besondere Rolle spielen die Radfahrer. Das berichtet unsere Autorin Daniela Ali. Sie ist selbst blind und schreibt eine Serie zum Thema „Inklusion im Alltag”. Daniela Ali berichtet:

Beim letzten Mal hatte ich erklärt, wie wir uns mit dem Blindenlangstock auf dem Bürgersteig orientieren. Und dass wir manchmal gezwungen sind, abrupt die Richtung zu wechseln. Schon bei Begegnungen mit Fußgängern führt das zu Missverständnissen. Bei Radfahrern aber kann es für uns schnell gefährlich werden.

Denn viele Radfahrer machen einen Fehler. Sie glauben, es reiche aus, wenn sie mit einem Abstand von einem Meter an uns Menschen mit einer Sehbehinderung vorbei rauschen. Doch das führt schnell zu gefährlichen Situationen.

Ich weiß ja nicht, dass ein Radfahrer an mir vorbei fahren wird. Und ohne dass sich dieser als Radfahrer zu erkennen gibt, kann ich das auch nicht wissen.

Jetzt stellen Sie sich mal vor, ich nehme einen meiner „eckigen” Richtungswechsel vor. Der benötigt von jetzt auf gleich mindestens 1,60 Meter: 60 cm Schrittlänge plus 1 m Stocklänge. Und schon rollt ein Rad über meinen Stock oder der Stock steckt zwischen den Speichen.

Bei solchen Vorfällen sind mir schon mehrere Stöcke zerbrochen. Bisher hatte ich Glück und der Lenker hat meine Rippen verschont.

Ein Unfall und Schadenfall. Die Polizei muss kommen und den Fall aufnehmen. Ich muss nach Hause gebracht werden, weil ich das ohne mein Hilfsmittel nicht mehr alleine weiter kann. Über die Krankenkasse muss ein neuer Blindenstock beantragt und bestellt werden. Der Unfallbericht muss an die Krankenkasse weitergeleitet werden, da der Unfallverursacher für die entstandenen Kosten aufkommen muss.

Das alles ist nicht nur ein enormer Zeitverlust. Termine werden verpasst. Es ist ein enormer Stress. Und vor allem ist das so unnötig und so einfach vermeidbar.

Aber wie funktioniert das Hören bei den Radfahrern. Wie gesagt, ich kann sie meistens nicht hören, zudem nähern sie sich viel schneller als ein Radfahrer. Damit ich nicht immer bis ins Mark erschrecken, wenn sie an mir vorbei rauschen oder sogar wieder ein Blindenstock dran glauben muss, gibt es eine ganz einfache Lösung: Klingeln.

Manche Radfahrer meinen es gut und rufen Vorsicht, wenn sie sich nähern. Daraus kann ein sehbehinderter Mensch aber nicht auf einen Radfahrer schließen. Erst einmal ist da ein Mensch. Und warum Vorsicht? Tut sich vor mir der Boden auf oder liegt da ein umgestürzter Baum. Ich weiß das nicht.

Ein „Hallo” oder „Vorsicht” sagt mir zunächst, da kommt ein Fußgänger. Dann habe ich Zeit genug, an den Wegrand zu gehen. Das kann das auch mal bedeuten, dass ich quer über den ganzen Weg laufe. Bei einem Radfahrer reicht die Zeit aber nicht, um den Weg frei zu machen. Und nicht immer sind Radfahrer so schnell in ihrer Reaktion, um rechtzeitig zum Halten zu kommen.

Autofahrer haben für Gefahrensituationen die Hupe. Beim Radfahrer ist das die Klingel. Warum sie also nicht benutzen?

Wenn ich eine Klingel höre weiß ich sofort, was los ist. Einen „eckigen” Richtungswechsel werde ich jetzt bestimmt nicht machen. Sondern bleibe gern an Ort und Stelle stehen, damit es nicht zu Kollision kommt.

Ich kann mich noch an meine eigene Radfahrzeit erinnern. Schon damals war es nicht einfach, eine gute Klingel zu finden. Viele FahrradKlingeln geben nur noch ein einfaches „Pling“ von sich. Man hört, fast im Unterbewusstsein, ein Geräusch. Man merkt auf, aber dann ist da nichts mehr zu hören.

Ähnlich geht mit das häufig. Ich laufe mit dem Stock, bin auf vielerlei Geräusche konzentriert – und dann dringt ein Ton ins Bewusstsein vor. „War da was?“ Wenn dann nichts mehr kommt, kann es schnell zu fatalen Folgen kommen.

Die alten Fahrradklingeln, mit dem mehrfach hörbaren „ring-ring-ring“ halte ich persönlich für viel sicherer.

Fahrradfahrern haben mir schon häufiger gesagt, dass sie gar nicht mehr klingeln, weil sich die Fußgänger so sehr erschrecken würden. Interessant finde ich, dass ich das Aussage immer nur von Radfahrern hörte.

Von Fußgängern wird genau das Gegenteil berichtet. Und nicht nur von Menschen mit Sehbehinderung. Viele Gesunde mit Adleraugen, Menschen die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, egal ob mit Rollator oder Stützstock, Menschen mit psychischen Erkrankungen und andere wünschen sich ebenfalls das Radfahrer klingeln.

An dieser Stelle möchte ich aber auch berichten, dass es schon jetzt viele Mitmenschen gibt, mit denen eine Begegnung ganz fantastisch klappt. Auf meinem, fast täglichen Weg entlang eines gemischten Fuß- und Radfahrweg hat es in den letzten Jahren zwischen mir und Radfahrern viele Gespräche gegeben. Vielen verstanden nach dem Gedankenaustausch, warum es so wichtig ist, als Radfahrer zu klingeln. Seitdem ist unsere Begegnung entspannt.

Ihnen allen einen lieben Gruß. Schön, das ich Ihnen begegnen durfte!

Jeder Radfahrer, der klingelt, zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Jeder Radfahrer, der klingelt, läßt mich meinen Weg entspannt fortsetzen, ohne vor Angst und Schreck verkrampfte Muskelfasern.

Und auch für die Radfahrer ist es viel netter: Beim Vorbeifahren begleitet sie ein Lächeln, kein entsetzter Aufschrei.

Wie schön die Welt doch ist! Der Klingel sei Dank.

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Termine des Tages

16Aug - 19Aug 1615:00Aug 19Bergisch ClassicsSpring- und Dressurturnier auf dem Hebborner Hof

17Aug17:00- 20:00Kegeln im Bergischen Löwen

17Aug19:00Heiter bis Klassik - Novalis Bläserquintett2. Sommerliches Serenadenkonzert

17Aug19:30Wanderarbeiter-Kinder in Xi'anan der alten Seidenstraße, Vortrag

18Aug10:00Radwanderung nach Zündorfab Gierath, ca. 60 km

18Aug15:00Doppelkopfturnier

18Aug15:00Rochusfest in Sand

18Aug20:00ReimBerg Slam

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