Mit einem roten Teppich auf dem Konrad-Adenauer-Platz hat der ökologische Verkehrsclub VCD den Erhalt der Bushaltestelle „Markt“ gefordert. Dabei präsentierte der Verband die Ergebnisse des bundesweiten Fußverkehrschecks in Bergisch Gladbach. Neben dem Markt standen der Busbahnhof Bensberg und die Steinbreche im Fokus.

In einem vom Bundesumweltministerium und dem Umweltbundesamt geförderten Forschungsprojekt „Zu Fuß zur Haltestelle“ untersucht der ökologische Verkehrsclub VCD bundesweit die Wege zu den Haltestellen des öffentlichen Personennahverkehrs. Bergisch Gladbach wurde als eine der örtlichen Untersuchungsräume ausgewählt.

„Eine Haltestelle so unmittelbar an der Fußgängerzone ist beispielhaft für Deutschland und besonders wertvoll“, betonte Philipp Kosok, Leiter des Forschungsprojekts in der VCD-Bundesgeschäftsstelle in Berlin. „Dort, wo das Leben in der Stadt spielt, muss auch der öffentliche Personennahverkehr sein. Nach der Shoppingtour möchte ich meine Einkäufe nicht erst noch 500 Meter bis zur Haltestelle schleppen müssen.“

Gisela Terschüren-Bihn, Philipp Kosok, Friedhelm Bihn und Werner Stüttem. Foto: Alisa Raudszus/VCD

Spätestens seit dem Dieselskandal wissen Bund Länder und Kommunen, erläuterte Kosok, dass der öffentliche Nahverkehr in den Städten massiv gefördert werden muss. Unterschätzt werde jedoch häufig, dass die Qualität des Fußwegs zu den Haltestellen entscheidend dafür ist, ob die Menschen Bus und Bahn nutzen – oder bereits vor ihrer Haustür in ein Auto steigen.

Für saubere Luft in den Städten brauche es den Ausbau des ÖPNV-Angebots, aber auch barrierefreie, sichere und direkte Wege zu den Haltestellen. „Laut einer Befragung des Umweltbundesamtes sind 69 Prozent der Autofahrer bereit, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen, wenn das Angebot ausgeweitet wird, sich der Weg zur Haltestelle verkürzt und Umstiege angenehmer werden“, unterstrich Kosok.

Drei Haltestellen untersucht

Bei dem Check untersuchte der VCD im Juli 2019 drei exemplarische Wege und Haltestellen in Bergisch Gladbach hinsichtlich ihrer fußgängerfreundlichen Gestaltung und Barrierefreiheit: „Markt“, „Bensberg Busbahnhof“ und „Steinbreche“ in Refrath.

Dabei schnitt die Haltestelle „Markt“ wegen der Anbindung an die Fußgängerzone, der Aufenthaltsqualität und der dynamischen Fahrgastinformationsanzeige besonders gut ab. Kritisch wird gesehen, es nur in eine Fahrtrichtung eine Überdachung und in der anderen Richtung auch nur wenige Sitzgelegenheiten gibt. Bemängelt wird auch, dass auf dem Konrad-Adenauer-Platz keinen barrierefreien Zugang gibt.

„Gohrsmühle” keine Alternative für „Markt”

Auch die „Gohrsmühle“, die Alternativ-Haltestelle für den Plan der Stadt, die Haltestelle „Markt“ als drittwichtigste Haltestelle im Stadtgebiet wegfallen zu lassen, wurde untersucht. Dabei wurde sie negativ bewertet, weil der Bürgersteig im Bereich der Haltestelle ein gemeinsamer Fuß- und Radweg ist, man sich an der lauten, verkehrsreichen Straße unwohl und durch das Gebüsch hinter der Haltestelle auch unsicher fühlt. Außerdem fehle ein Blindenleitweg zwischen der Haltestelle und dem Fußgängerüberweg am hochfrequentierten und gefährlichen Kreisverkehr „Schnabelsmühle“.

„Bensberg Busbahnhof”: gut, mit Einschränkungen

Auch die Haltestelle „Bensberg Busbahnhof“ schnitt gut ab, wurde aber als sehr eng wahrgenommen. Es gibt dynamische Fahrgastinformation auf den Bussteigen, aber keine Taster für akustische Informationen. Ein Blindenleitsystem fehlt auch. Ein Stadtplan ist in einer Vitrine vorhanden ebenso wie Übersichten über die Abfahrtspositionen der einzelnen Linien.

Schlecht schnitt der Weg aus der Schlossstraße zum Busbahnhof ab. Die Gartenstraße wurde als zu steil bewertet; es wird auch nicht deutlich, ob es sich um eine Straße oder einen Fußweg handelt. Auch die Querung über die Steinstraße wurde als negativ bewertet, weil Bordsteinabsenkungen fehlen und die Ampelphase für den Autoverkehr zu lang ist.

„Steinbreche” nur ausreichend

Die Haltestelle „Steinbreche“ wurde insgesamt als ausreichend bewertet. Dabei wurde vor allem kritisch angemerkt, dass es im Bereich der beiden Haltestellen keine gesicherte Querungsmöglichkeit über die Dolmanstraße gibt. Auch gehe ein Radweg über die Haltestellen.

Insgesamt wurde bei dem Check kritisiert, dass an allen Haltestellen grundsätzliche Orientierung und Information fehlt: es gab nirgendwo Liniennetzpläne, Nachtliniennetzpläne, Umgebungspläne, umfassende Tarifinformationen und Hinweise auf eine (kostenlose) Service-Telefon-Nummer.

Friedhelm Bihn, Sprecher des VCD im Rheinisch-Bergischen Kreis, stellte nach dem Check fest:

„In Deutschland wird gerade einmal jeder zehnte Weg mit Bus und Bahn zurückgelegt, in Bergisch Gladbach sind es 13,2 Prozent. Mit dem 2016 von der Stadt beschlossenen Mobilitätskonzept Bergisch Gladbach 2030 soll dieser Anteil auf 15,2 Prozent steigen. Auch der Anteil des Fußverkehrs soll von 14,5 auf 16,5 Prozent wachsen. Im Dezember 2017 hat der Kreis das Angebot des Busverkehrs werktags deutlich ausgeweitet und auf den meisten Linien einen 20-Minuten-Takt geschaffen. Dies hat zu einer deutlichen Erhöhung der Fahrgastzahlen auf vielen Linien geführt. Für die Verkehrswende und eine Stadt mit guter Luft und Aufenthaltsqualität muss der öffentliche Personennahverkehr deshalb weiter gestärkt und nicht aus der Innenstadt verbannt werden.“

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3 Kommentare

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  1. Auch Busverkehr kann und muss man angemessen reduzieren. Markt kann weg, der Busbahnhof ist nur 5 Minuten entfernt und die Markteinkäufer parken unter dem Marktplatz.
    Würde man dann noch eine Zuwegung über das alte Gleis des Papierwerks bis zum Busbahnhof führen (1 Km kürzer als die bisherige Anfahrt) würde man viele Abgase und Lärmbelästigung reduzieren. Dafür wären nur 300 Meter Asphalt nötig. Gleichzeitig reduziert man das Verkehrsaufkommen vor dem Busbahnhof.
    Man müsste es nur mal tun, ohne Studie und ohne Einspruch der Bedenkenträger. Und Fördermittel gibt’s auch noch.

  2. Warum wird bei der ganzen Diskussion um das Thema “Haltestelle Markt” völlig ausgeblendet, dass wir über einen guten und zentral gelegenen Busbahnhof verfügen? Man ist mit ein paar Schritten mitten im Einkaufszentrum, und wenn erst das neue Stadthaus errichtet ist, steigt man dort quasi vom Bus direkt ins Stadthaus. Besser geht es doch gar nicht. Nur die Marktbesucher hätten es ein wenig weiter, wenn sie denn mit dem Bus kommen…

  3. Vielen Dank für die Studie und den Beitrag. Die Ergebnisse lassen wenig an Deutlichkeit vermissen und werden hoffentlich auch von der hiesigen Politik verstanden.

    Eine ergänzende Anmerkung: Eine stark frequentierte Bushaltestelle an der Gohrsmühle würde zu permanenten Konflikten zwischen Fahrgästen und Radfahrenden führen. Der gerade erst eingerichtete Radweg (bzw. Umweltspur) würde ad absurdum geführt und verlöre faktisch seine Funktion.

    Um den ständigen Bus-Stau vor der Haltestelle Markt zu verringern, sollten Autos so gut es geht aus dem Bereich um das Rathaus herausgehalten werden. Das würde auch die Aufenthaltsqualität in der Laurentiusstraße erhöhen und so den dortigen Einzelhandel fördern.
    Ein Problem stellen die Gelenkbusse der Linie 227 dar: In den engen Kurven zwischen Markt und Busbahnhof muss der Gegenverkehr warten, damit diese passieren können. Es wäre vielleicht zu überlegen, nur diese Linie an der Gohrsmühle halten zu lassen.