Das Hauptgebäude der IHK Köln. Foto: Olaf-Wull Nickel
Das Hauptgebäude der IHK Köln. Foto: Olaf-Wull Nickel

Nach einer Blitzumfrage der IHK hat jedes vierte Unternehmen erheblich an Umsatz verloren, bei jedem zehnten ist der Rückgang massiv. Betroffen sind vor allem Verkehr, Handel und Gastgewerbe – aber auch die Industrie. In vielen Betrieben treten ganz neue Fragen auf, einige haben bereits reagiert.

Die Ausbreitung des Coranavirus nach Deutschland beeinträchtigt das Geschäft von fast allen Unternehmen im Bezirk der IHK Köln (Köln, Leverkusen, Rheinisch-Bergischer-Kreis, Rhein-Erft-Kreis, Oberbergischer Kreis). Das zeigen die Ergebnisse einer Blitzumfrage der IHK Köln, an der sich rund 1200 Unternehmen beteiligt haben.

Ein Viertel der teilnehmenden Unternehmen hat Umsatzeinbußen von mindestens 25 Prozent hinnehmen müssen. Jedes zehnte Unternehmen hat sogar Einbußen von mehr als 75 Prozent, während nur rund sieben Prozent keinen Rückgang verzeichnen.

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„Die Lage vieler Firmen hat sich nach Karneval innerhalb von nur zwei Wochen – in manchen Fällen geradezu über Nacht – dramatisch verändert. Viele Unternehmen und ganze Branchenzweige sind existenziell bedroht“, sagt IHK-Präsidentin Dr. Nicole Grünewald. In der Umfrage meldet rund ein Viertel der Unternehmen bedeutende Verzögerungen oder Ausfälle bei Lieferungen.

Besonders betroffen sind das Verkehrsgewerbe, wo die Hälfe der Unternehmen bedeutende Auswirkungen meldet, sowie Handel, Gastgewerbe, Industrie und bestimmte Dienstleister wie Messebau. „Wir brauchen jetzt dringend schnell und unbürokratisch Hilfen für die betroffenen Betriebe, ansonsten werden viele eigentlich grundsolide aufgestellte Unternehmen diese Krise nicht überstehen.“

„Liquidität ist für die Unternehmen in der Region ein existenzielles Thema“, sagt Grünewald:

„Ein wichtiger Hebel ist die Gewerbesteuer: Gewerbesteuerstundungen und eine Erleichterung bei Gewerbesteuervorauszahlungen sind Maßnahmen, die Stadt und regionale Kommunen umsetzen können. Natürlich dürfen dabei dann später keine Zinszahlungen auf die Unternehmen zukommen! Selbstverständlich sind auch Land und Bund in der Pflicht, diese Ausnahmesituation mit schnellen und unbürokratischen Maßnahmen für die Unternehmen erträglicher zu gestalten.“

Die kürzlich vorgestellten Pläne der Bundesregierung zu Hilfen, die eine Ausweitung des Kurzarbeitergelds vorsehen, gingen in die richtige Richtung. „Jeder Tag zählt“, so Grünewald, „in dieser Situation brauchen wir massiv beschleunigte Verfahren.“ 

Die Situation erinnere in ihren Auswirkungen zwar an die Finanzkrise, ergänzt Ulf Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. Gleichzeitig seien die Unternehmen aber auch mit neuen, bislang unbekannten Herausforderungen wie Quarantänemaßnahmen konfrontiert.

Wir alle müssen jetzt schnell lernen

„Neben finanziellen Erleichterungen brauchen die Unternehmen auch Informationen und Hilfestellungen, wie sie am besten mit dieser Situation umgehen können“, sagt Reichardt. „Wir alle müssen jetzt schnell lernen.“

Für ihre Mitgliedsunternehmen hat die IHK Köln eine Internetseite mit zahlreichen Informationen, Hinweisen und Links rund um das Coronavirus erstellt. Sie ist unter ihk-koeln.de/coronavirus abrufbar und wird fortlaufend aktualisiert.

Jeder Betrieb müsse schauen, wie er sich am besten wappne, so Reichardt. „Ein produzierendes Unternehmen kann nicht einfach alle seine Beschäftigten vom Band nehmen und ins Home-Office schicken“, sagt Reichardt. „Dafür braucht es andere Ideen, wie zum Beispiel – wenn es möglich ist – eine strikte Trennung verschiedener Schichtgruppen im Betrieb, um einer Totalstilllegung bei Quarantänemaßnahmen vorzubeugen.“

Viele Unternehmen haben bereits reagiert. Jedes dritte Unternehmen weitet die Lagerkapazitäten für Vorprodukte aus, um Engpässe zu überbrücken. Auch werden alternative Lieferanten gesucht und die Lagerkapazitäten für eigene Produkte ausgeweitet. Rund 30 Prozent nutzen verstärkt Desinfektionsmittel im Betrieb. Die Heimarbeit weitet jedes zehnte Unternehmen aus, ebenso viele schränken Dienstreisen und Veranstaltungen ein.

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1 Kommentar

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  1. Es wurden wieder mal keine Unternehmen,wie sicherheitdsdienste,eventfirmen usw.mit einbezogen. Die haben heftige Einbußen, weil ja keine Veranstaltungen mehr statt finden.