Ruhe in den Straßen, mehr Zeit mit den Kindern, eine neue Nähe zu weit entfernten Freund:innen – wenn man genau hinschaut, hat die aktuelle Situation auch ihre schönen Seiten. Wir Mitarbeiter:innen des Bürgerportals haben aufgeschrieben, was wir gerade genießen.

Wie sich das Einkaufen verändert. Eine liebe Nachbarin hat angeboten, für uns einzukaufen. Jetzt mussten die Einkaufswünsche sorgfältig geplant werden. Und genau definiert. Nicht mehr so vage. In einer Excel-Tabelle haben wir alles erfasst, geordnet nach Biomarkt, Supermarkt, Drogeriemarkt, Reformhaus. Ausgedruckt wird nur, was wir direkt brauchen. Es hat wunderbar geklappt. Nur – Spontankäufe mit den kleinen Überraschungen und Leckereien unterbleiben. Wir leben spartanischer. Und sparsamer.

Klaus Hansen, Art Direktor

Es ist diese Umgebungsruhe, die ich beim täglichen Spaziergang wahrnehme. Bei einer kleinen Pause im Sonnenschein auf der Bank höre ich nur das Zwitschern vieler Vögel, das Lachen spielender Kinder. Kein Auto fährt auf der nahen Straße, nur zwei Radler sind hier unterwegs. Der sonst so nervige Flugverkehr ist verstummt, und die Kanadagänse wackeln flott auf die andere Straßenseite. Ich treffe dann Mütter, die mit ihren Kindern spazieren gehen. Irgendwie ist das alles schön, wenn es da nicht die Ursache zur Ruhe geben würde…

Helga Niekammer, Reporterin

Ich freue mich, in der Krise mehr Zeit für unsere Kinder zu haben. Man hat mehr Raum zum Plaudern, zum gemeinsamen Kochen und Backen, zum Spielen und Vorlesen. Oder auch, um größere Projekte anzugehen. So haben wir uns flugs entschieden, einen kleinen Teich im Garten anzulegen. Da gibt es viel zu tun: Kleines Becken besorgen, Erde ausheben, Wasser einlassen, eine schöne Bepflanzung und Kultur mit Steinen und Wurzeln anlegen. Eine kleine Solarpumpe soll für Sauerstoff und herrliches Bachgeplätscher sorgen. Für die Zeit nach der Krise hat uns ein Freund kleine Fische in Aussicht gestellt. So wird uns der Teich nicht nur einfach so erfreuen, sondern immer an diese besondere Zeit erinnern, die wir gemeinsam durchstanden haben.

Holger Crump, Redakteur
Video-Telefonat mit Brasilien

Ich habe viele Freund:innen, die in anderen Städten oder sogar Ländern leben, von Süddeutschland über die Schweiz bis nach Brasilien. Seltsamerweise sind wir bislang nie auf die Idee gekommen, Video-Gruppenchats zu machen, obwohl das ja eigentlich jederzeit möglich ist. Aber in besonderen Situationen kommt man eben auch auf neue Ideen. In der letzten Woche habe ich ausgiebig mit meinen drei Studienfreundinnen in Stuttgart gequatscht, mit meinen zwei alten Mitbewohnerinnen in Freiburg und Basel und mit meinen Mädels in Rio de Janeiro (im Bild rechts oben: Lidia, unten: Lígia). Obwohl sie genauso weit weg sind wie immer, fühlen sie sich aktuell so nah an wie schon lange nicht mehr.

Laura Geyer, Redakteurin

Entschleunigung, welche Entschleunigung? Die Fülle der Nachrichten und die wichtigen Themen, um die „man sich mal kümmern müsste“ hält mich auf hohem Tempo. Aber es lohnt sich, das merke ich an den sehr vielen positiven Rückmeldungen. Heute früh zum Beispiel, auf dem Weg in die Redaktion auf der oberen Hauptstraße: Ein kleiner Audi bremst mitten auf der Straße, das Fenster geht runter, ein Frau beugt sich zum Seitenfenster: „Hallo Herr Watzlawek, vielen Dank für die Nachrichten heute früh!“ Gerne. 

Georg Watzlawek, Chefredakteur

Corona ist sch…lecht! Meine Minijob-Arbeit ruht, und die Zeit muss anderweitig verbracht werden. Aber wir haben gerade tolles Wanderwetter, und das nutzen BamBam und ich gründlich aus. Ich versuche, so viel wie möglich mit dem Hund draußen zu sein, ohne dabei vielen Leuten zu begegnen. BamBam freut sich, wenn ich den Rucksack anziehe. Die positiven Reaktionen auf seine Blogeinträge machen mir Freude. Telefonieren ist nicht verboten, und obwohl ich kein begeisterter Telefonierer bin, rufe ich doch öfter mal meine Freunde an, um mich zu vergewissern, dass es ihnen noch gut geht. Denn unsere regelmäßigen Treffen mag keiner von uns riskieren. Bis jetzt sind alle wohlauf, und das lässt mich hoffen, dass wir diese Krise gesund überstehen werden. Zuhause kommt aber auch keine Langeweile auf. Es gibt so viele Sachen, die ich gerne und lange vor mir hergeschoben habe und nun in Angriff nehmen werde, wenn es regnen sollte. Für das gute Gefühl danach. 

Evelyn Barth, Reporterin und normalerweise zuständig für die Termine

Und jetzt Sie: Was genießen Sie an der (un)freiwilligen Quarantäne? Schreiben Sie uns, unten in den Kommentaren oder per Mail an redaktion@in-gl.de

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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7 Kommentare

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  1. Die fast völlig ausgefallenen Sozialkontakte, Initiativen und Treffen, schränken einen in diesen Tagen sehr ein. Die Zeit ohne Enkelkontakt, mit stark reduziertem Kontakt in die Familie, mit einer Menge an „stillgelegten“ Ideen, das katapultiert mich in eine neue Zeit, so hatte ich mir „Disruption“ für mich nicht vorgestellt.
    Dazu kommt das Gefühl großen Unwohlseins. Zum einen ist dieses Gefühl gespeist von der Zuordnung zu einer Risikogruppe und zum anderen von den vielen verordneten Einschränkungen die persönliche Freiheit betreffend. Trotz allem fühle ich mich mit Demut wie auf der Loge sitzend, kann ich doch zusehen und auch persönlich spüren, wie die Gesellschaft zusammenrückt, wie die Hilfsbereitschaft wächst, wie es von Interesse wird, wie es dem Nachbar geht. Die Kommunikation mit den verfügbaren neuen Mitteln ist dramatisch erweitert. Die Digitalisierung erhält in diesen Tagen den Stellenwert, den sie verdient, wobei der Nutzen in vielen Situationen erkennbar hilfreich ist, für viele ein „crash-Kurs“ in der Anwendung.

    Nicht nur dafür wird viel von der „überraschend“ vorhandene Zeit eingesetzt, manchmal gibt es auch einen Blick in die Historie und manchmal eben auch die Frage danach, was wir daraus lernen können, was vielleicht hilfreich sein kann in dieser schwierigen Situation. Die Frage danach z.B., wo wir unserem verstärkten Bedürfnis nach Bewegung noch interessante Sichten, Ansichten und vielleicht sogar Herausforderungen auch als „Pfadfinder“ vorfinden können. Das hat mir die alten Wegebeschreibungen rund um Bensberg wieder auf den Tisch gebracht. Es ist der vom Wirteverein Bensberg 1899 herausgebrachte

    „Führer durch Bensberg und Umgegend“ enthaltend

    Wanderungen nach Bensberg und Spaziergänge in die Umgebung. Geschichtliches etc.

    Die Wanderwege stammen aus der Zeit, wo sich das „Wohnen im Grünen“ für „gut betuchte“ Kölner entwickelte, für die „Landflucht am Wochenende“ die vielfältigen Angebote an Bergischer Restauration bereitgehalten wurde in und rund um Bensberg, von der Bergischen Kaffeetafel bis zum Tanz, die Motorisierung ihren Weg nahm, so auch mit der Linie 1 der Anschluss an Köln stattfand. Mal mehr, mal weniger anspruchsvoll könnten die Beschreibungen die Blaupause für eine Wiederbelebung von zum Teil längst vergessenen Laufwegen sein, gerade aktuell sehr willkommen und gefragt.

    Ganz besonders könnten diese Informationen auch für „Neubürger“ von Interesse sein, kennen sie doch in der Regel die Historie aber auch das direkte Wohnumfeld ihrer „Schlafstadt“ mit „Wohnen im Grünen“ kaum.

  2. Als Mutter von zwei Heranwachsenden war ich ursprünglich ab April in der Planung, selbst auch mal wieder professionellen Musikunterricht zu erhalten. Diesem kleinen Mosaiksteinchen gewonnener kreativer Freiheit sah ich mit großer Freude entgegen. Aktuell übe ich mitunter schon mal stückweise für mich alleine mein auferlegtes musikalisches Lebenswerk ‘Clair de Lune’ von Debussy jeden Abend ein wenig auf dem hauseigenen Klavier. Somit kann ich das Gelernte in dieser zurückgefahrenen Zeit einmal mehr meinem zukünftigen Musiklehrer vortragen und freue mich nun auf diese Zeit.

  3. Ich nutze die Zeit um im Garten Vorbereitungen für die Nachcorona- Zeit zu treffen. Ausserdem habe ich meine Küche gründlich gesäubert. Alle Schränke nach und nach leergeräumt, gesäubert, und wieder eingeräumt. Dabei habe ich die Utensilien aussortiert, die eigentlich unnötig sind und nur Platz einnehmen oder besser wegnehmen. Ich werde mir so Raum für Raum in meiner Wohnung vornehmen. Zum Schluss kommt dann mein Keller daran. Zwischendurch genehmigen ich mir eine Pause, trinke einen Kaffee oder Tee und freue mich über meinen Erfolg. Ich bin stolz darüber und bekomme ein zufriedenes und gutes Gefühl. Das ist für mich eine tolle Sache. Zu normalen Zeiten wäre ich nie auf diese Idee gekommen!!

  4. Wir haben hier in Hand seit zwei Wochen eine Initiative, bei der wir uns abends um 18:30 Uhr auf die Balkone oder Gärten, ans Fenster oder vor die Haustüren stellen und ein vorher verabredetes Lied singen bzw. musizieren. Angefangen hat es im kleineren Freundeskreis, inzwischen hat es größere Kreise gezogen. Über 60 Musiker in Hand, Paffrath, Schildgen sind beteiligt und es werden immer mehr. Hier bei uns in der Straße kommen jeden Abend die Nachbarn raus, um mitzusingen oder nur zuzuhören und auch von der Nebenstraße hallt es rüber. Das schafft Nähe, auch wenn wir uns nicht mehr persönlich treffen. Auf die Distanz singt, musiziert und quatscht man ein bisschen.
    Für Interessierte: http://www.westmusiker.de
    Hier gibt es täglich Infos über das Lied des Tages, eine Fotocollage und demnächst vielleicht auch die Videos von den Zusammenschnitten der vergangenen Lieder.

  5. In dieser schwierigen Zeit wollte meine Lebensgefährtin Ruhe haben.das heißt allein sein Ich kann das nicht verstehen, hab mich in mein Wohnung zurückgezogen. Ich kann Die Welt nicht mehr verstehen

  6. Hi,
    mein Mann und ich sind Camper und immer, wenn wir unterwegs waren, viel und auf, mit wie wenig man lernen kann. Wie unwichtig der tgl. Mammon wird und man sich auf die existentiellen Dinge konzentriert und auf sich selbst. Und ähnlich empfinden wir es jetzt: sich Zeit nehmen für Dinge, die wirklich wichtig sind, in dem bisschen kennen das wir haben.

  7. Hallo, die Bilder aus Italien haben uns sehr bewegt und so wurde der Kontakt zu unseren sardischen Freunden wieder intensiviert. Das WhatsApp-Telefonat war nach so langer Zeit sehr emotional und beruhigend.