Erik Werdel im Krisenstab. Foto: RBK/Joachim Rieger

In einer kritischen Phase hat der Rheinisch-Bergische Kreis formal keinen Krisenstab-Leiter mehr: Kreisdirektor Erik Werdel hat diesen „Nebenjob“ Anfang der Woche niedergelegt. Nun soll die Bekämpfung der Pandemie in die normale Verwaltungsstruktur integriert werden.

14 Monate lang hat Kreisdirektor Erik Werdel den Corona-Krisenstab geleitet. Aus dem Hintergrund heraus, nur selten trat er in die Öffentlichkeit, als Werber für einen vorsichtigen Kurs. Nach mehr als einem Jahr, in der die Krise zu einem permanenten Zustand wurde, ist damit Schluss.

Werdel habe am 8. April Landrat Stephan Santelmann gebeten, ihn von der Funktion des Leiters des Krisenstabs zu entbinden, teilte die Kreisverwaltung heute in einer lapidar formulierten Presseerklärung mit. Dem sei Santelmann am 12. April gefolgt. Aber nur insoweit, dass „die Aufgaben des Leiters Krisenstab bis auf weiteres ruhend gestellt werden“.

Ihm sein dieser Schritt „sehr schwer gefallen, weil der Krisenstab und auch ich seit 14 Monaten ununterbrochen gegen die Pandemie gekämpft haben“, erläutert Werdel im Gespräch mit dem Bürgerportal. Diese Arbeit sei „bis vor kurzem auch sehr erfolgreich gewesen, soweit das in einer solchen Zeit und unter diesen Rahmenbedingungen überhaupt möglich ist“.

„Der Krisenstab muss alle Facetten, Themen und Informationen einer Krise in der Hand haben und die Instrumentarien zur Umsetzung notwendiger Schritte einsetzen können, um kluge und richtige Entscheidungen zu treffen“, erläutert Werdel.

War das zuletzt nicht mehr so? Zur Erklärung holt der Kreisdirektor etwas aus: Der Krisenstab sei ein Gremium, das zur Bewältigung akuter Krisen rasch einberufen wird und mit großen Durchgriffsmöglichkeiten innerhalb der Verwaltung ausgestattet ist. Für eine Daueraufgabe wie die Eindämmung des Corona-Virus ist er also nicht gedacht.

Um diesen Punkt zu setzen und eine neue Struktur anzustoßen habe er das Amt niedergelegt, sagt Werdel. Politische Fragen, wie die vom Landrat nach Rücksprache mit den Bürgermeistern am 7. April getroffene Entscheidung, die Notbremse durch die Test-Option zu lockern, sei dagegen gar nicht Gegenstand der Arbeit des Krisenstabs.

Landrat Santelmann nimmt das jetzt zum Anlass, die Organisationsstruktur des Krisenstabsmanagements neu zu organisieren. Es soll dabei stärker in die „gut organisierte Struktur der Kreisverwaltung“ integriert werden, heißt es in der Pressemitteilung. Eine Entscheidung werde in den nächsten Tagen getroffen.

Landrat Stephan Santelmann

Die nächste Krise steht schon vor der Tür

Die Corona-Tagesarbeit ist davon nicht berührt, sie wird weiterhin vor allem im eigens eingerichteten Lagezentrum sowie im Gesundheitsamt des Kreises geleistet. Mit Unterstützung aus vielen Bereichen der Kreisverwaltung.

Er selbst, sagt Werdel, werde irgendwann auch wieder Leiter des Krisenstabs sein. Denn grundsätzlich habe der sich „aus meiner Sicht bis heute bewährt. Ich konnte mich zu 100 Prozent auf die Mannschaft verlassen und sie sich auf mich.“ Das wird dann aber nicht mehr die Corona-Krise sein, sondern vielleicht die Geflügelpest.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

2 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Seltsam! Da wirkt ein Kreis von Experten zugunsten der Bevölkerung recht effektiv und nach Aussage des bisherigen Leiters durchaus erfolgreich. Selbiger bittet aber den Landrat, ihn von dieser Aufgabe zu befreien, damit der Landrat mit ihm nun alleine die Krisen bewältigen kann. Das stinkt!!!

    Erneut greift der Landrat zu einer Entscheidung, die mindestens fragwürdig erscheint und von vielen stark kritisiert wird. Warum will er sich vorbehalten, die äußerst wichtigen Themen zur Pandemie alleine zu entscheiden, höchstens mit seinem Mitarbeiter Werdel, dessen Aussage, ein Krisenstab wäre für einen Dauereinsatz nicht geeignet, kaum Licht ins Dunkel bringt und angesichts dessen dringender Notwendigkeit in der Pandemie seltsam desinteressiert wirkt. Es sieht nach einem Gefälligkeitsrücktritt aus.