Das Banner vor dem Gemeindesaal in Heidkamp macht auf die Aktion aufmerksam. Foto: Thomas Merkenich

Mit einer Plakataktion protestiert der scheidende Pfarrgemeinderat von St. Joseph und St. Antonius in Heidkamp gegen Knackpunkte der Katholische Kirche: Der Umgang mit der Missbrauchsstudie im Erzbistum Köln sowie die Verweigerung des Segens für homosexuelle Paare. Katholischsein biete ein weites Spektrum an Farben, nicht nur „die klerikalen Violett- und Purpurtöne.“ Dechant Hörter zeigt sich gesprächsbereit.

Wer am Lerbacher Weg / Ecke Bensberger Straße vorbei fährt, dem ist das Plakat vielleicht schon aufgefallen: „Katholisch geht auch anders“ ist da zu lesen. Und „Wir sind das Volk Gottes“. Hinter der Aktion steckt der Pfarrgemeinderat von St. Joseph und St. Antonius.

Saskia Höller, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, erklärt: „Auslöser der ungewöhnlichen Aktion war der Umgang der Bistumsleitung mit der ersten Missbrauchsstudie.“ Zudem könne man die Entscheidung des Papstes nicht nachvollziehen, homosexuellen Paaren den Segen zu verweigern.

Mit der Bistumsleitung habe man darüber gesprochen. Aber: „Bisher ist für uns nicht erkennbar, dass sich durch die vorgetragenen Kritikpunkte irgendetwas bewegt hat,“ bekräftigt Höller.

Unterstützung vom Pfarrer

Pfarrer Bernards von St. Joseph und St. Antonius unterstützt die Aktion

Pfarrer Christoph Bernards von St. Joseph und St. Antonius befürwortet die Aktion. Er wolle die Menschen dabei unterstützen ihren Glauben auszudrücken und zu leben, „und damit auch ihre Zweifel am Glauben und der Kirche.“ Für ihn ist Kritik grundsätzlich legitim: „Es ist ein Irrglaube, dass Kritik in unserer Kirche nicht möglich wäre.“

Im Internet ist ein Schreiben zu finden, dass die Protestaktion erklärt. Der Pfarrgemeinderat stellt darin konkrete Fragen: Nach der Rolle der Frau, nach der Mitgestaltung kirchlichen Lebens durch alle Facetten der Gesellschaft, nach einem liebevolleren Blick auf verantwortungsvolle Sexualität innerhalb der Kirche.

Protest unter dem Regenbogen

Der Pfarrgemeinderat bezieht sich bei seiner Aktion auf ein Zitat aus der Bibel: „Meinen Bogen setze ich in die Wolken“ (Gen 9,12-17). „Der Regenbogen ist hier Zeichen des Bundes, den Gott mit seinem Volk schließen will“, schildert Höller. Der Regenbogen umfasse alle Farben des Spektrums, daher sollten sich alle davon angesprochen fühlen. Ganz gleich welcher Herkunft, welcher sozialen Stellung oder welcher sexuellen Orientierung.

Man wolle über die Aktion mit anderen ins Gespräch kommen. Mit der Aussage „Katholisch geht auch anders“ darauf aufmerksam machen, dass Katholischsein ein weites Spektrum an Farben/Nuancen umfasse. „Was in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, ist jedoch oft nur ein kleiner Ausschnitt an Farben, der dann oft genug auch nur die klerikalen Violett- und Purpurtöne zeigt“, so Höller.

Zudem wolle man öffentlich machen, dass man die Anliegen des Synodalen Weges unterstütze. Die Resonanz sei gut, es habe anerkennende Reaktionen gegeben, auch von Mitgliedern des Kreiskatholikenrates.

Die Protestaktion bedient sich sehr bewusst eines Satzes aus den Montagsdemos in der ehemaligen DDR. „Der Slogan bringt unseres Erachtens sehr prägnant das Unbehagen der damaligen DDR-Bürger an den herrschenden Verhältnissen zum Ausdruck“, sagt Höller. Er verweise auf eine abgehobenen Führung die Probleme habe, ihre Legitimität aufrecht zu erhalten.

Kritische Auseinandersetzung

Kreisdechant Norbert Hörten

Im Kreisdechanat zeigt man sich gesprächsbereit, steht dem offenen Austausch von Meinungen positiv gegenüber, auch wenn dies nicht immer leicht sei und Anstrengungen von allen Beteiligten erfordere, erklärt Kreisdechant Norbert Hörter.

Ihm sei es daher grundsätzlich ein wichtiges Anliegen, dass es Diskussionsräume gebe, in denen eine intensive und auch kritische Auseinandersetzung mit kirchlichen Positionen stattfinden könne. „Wie Sie in den vergangenen Jahren sicherlich auch selbst erlebt haben, gehe ich einer solchen Diskussion selbst nicht aus dem Weg!“ sagt Hörter.

Zu den konkreten Punkten der Protestaktion, also dem Umgang mit der Missbrauchsstudie sowie der Segnung homosexueller Paare, äußert er sich auf Presseanfrage nicht.

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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4 Kommentare

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  1. Ein großartiges Zeichen des Regenbogens. Es ist das symbol für den ersten Bund mit Noah. Nun leben wir im 21. Jahrhundert und der letztgültige und bleibende Bund ist der zwischen Jesus Christus und seiner „Kirche“, womit ich alle Gläubigen meine, die Jesus kennen bzw. erkannt haben.

    Und damit haben wir einen gültigen Bund und sind Gottes Volk. Der Bund beinhaltet für die Gläubigen aber auch eben Verantwortung. Gottes Liebe ist ein Geschenk, das wir gemäß Missionsauftrag zu unserem Nächsten und an die Enden der Erde bringen wollen.

  2. Der letzte Satz sagt doch schon wieder alles:
    „Zu den konkreten Punkten der Protestaktion, also dem Umgang mit der Missbrauchsstudie sowie der Segnung homosexueller Paare, äußert er [Hörter] sich auf Presseanfrage nicht.“
    ——
    Mit der katholischen Kirche über solche Themen zu diskutieren ist komplette Zeitverschwendung. Wenn man anderer Meinung ist, sollte man konsequenterweise austreten, damit sich der Verein irgendwann mangels Mitglieder ganz von selber erledigt oder vielleicht die Not groß genug wird, dass ein _ernsthafter_ Umdenkprozess stattfindet. Solange an der Spitze aber nahezu ausschließlich Männer mit einem Geburtstjahr aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts stehen, die ein gewaltiges Vermögen verwalten können und im Zweifel beim Thema Mißbrauch entweder selber aktiv mitgewirkt oder aktiv mitvertuscht haben, braucht man auf ein Umdenken nicht zu hoffen.

  3. Ich habe mir gestern einen Termin beim AG in Bensberg gebucht. Ich wurde per Sakrament der Taufe Mitglied der katholischen Kirche, bin aber nach über 60 Jahren nicht mehr bereit, das Verhalten bestimmter Personen und den Umgang mit kritischen Themen im Bistum Köln, auch noch finanziell zu tragen.

  4. Solche Aktionen werden es sein, die die katholische Kirche retten könnten. Das völlige Fehlverhalten solcher Menschen wie Kardinal Woelki, seiner Erfüllungsgehilfen im Kölner Bistum, vieler Bischöfe und Seelsorger in vielen Bistümern bis hin zu den nicht nachvollziehbaren Reaktionen des Papstes sind der Weg, die katholische Kirche ins Abseits zu befördern. Keine Frauen in leitender oder gar klerikaler Position, kein Segen für homosexuelle Paare, Verbot der Heirat für katholische Priester, keine wirkliche Aufarbeitung der unsäglichen sexuellen Verfehlungen von Priestern, Vertuschung solcher Verbrechen, wo man es konnte, Tausende verlassen die Kirche.

    Die Person Woelki zeigt, woran die katholische Kirche leidet: 1. Priorität ist der Machterhalt, das mittelalterliche Denken ist Dogma, wie der Papst es in Religions-Fragen beansprucht, Unrechtsbewusstsein ist ausgeschaltet, wenn es um eigene Verfehlungen geht.

    Wenn bei den Klerikern incl. Papst kein Umdenken gibt, ist die Kirche verloren.