Im  FreiRaum zeigt das Bürgerportals eine kleine Fotoausstellung, die auf besondere Art geheimnisvoll ist. Die Motive, die Fotograf Karl-J. Gramann eingefangen hat, zeigen bekannte Orte in Bergisch Gladbach. Allerdings mit unbekannten Blickwinkeln: Nur Menschen, die gern in die Höhe schauen oder kleine Spiegelungen auf dem Boden beobachten, haben eine reale Chance, die Motive zu entschlüsseln. 

So war es dann auch im Verlauf der gut besuchten Vernissage. Fotograf Gramann richtete den Laserpunkt auf eines seiner Werke.  Auf das größte in diesem Raum. Warme Farben, geschwungene Linien einer Kuppeloptik, die man in Kirchen findet, prägen das Bild. Aber welche Kirche sieht man hier?

Schweigen, Grübeln bei den Besucherinnen und Besuchern im Raum. Doch dann ruft ein Mann „St. Laurentius“. Er hat ins Schwarze getroffen. Der Fotograf nickt und erzählt auf weitere Fragen hin, wie dieses fotografische Meisterwerk gelang.  

Die Aufnahme der Gewölbedecke entstand aus der Froschperspektive. Wie so oft platzierte Gramann seine Olympus-Kamera mit dem starken Weitwinkel-Objektiv auf dem Boden, machte sie zum Fern-Auslösen bereit und huschte aus dem Bild. Später folgt der Einsatz am heimischen Rechner. „Es muss immer ein wenig nachgearbeitet werden“, sagt Gramann. Allerdings muss schon die Ursprungsaufnahme viele Bedingungen erfüllen, um ein perfektes Architekturfoto zu schaffen. 

Im FreiRaum werden 36 Fotos gezeigt. Vielfach entdeckt man Szenen verschiedener Wendeltreppen. So zum Beispiel jene aus dem Rathaus Bensberg, der Thomas Morus  Akademie, der Agentur für Arbeit. Deckenszenen aus dem Schloss Bensberg, aus der Edith Stein-Kapelle und dem historischen Rathaus in Gladbach sind nicht minder interessant.

Neben all den Bildern mit architektonischem Schwerpunkt fällt eine Szene auf. Sie zeigt fröhliche, musizierende Menschen. Es handelt sich hierbei um eine filigrane Wand-Zeichnung im Stil der 50/60er Jahre. Diese entdeckte Gramann im alten Stadthaus, das u.a. das Bürgerbüro beherbergt. Das Kunstwerk trägt den Titel „Lebensfreude“. Die Wandmalerei steht unter Denkmalschutz und „überlebt“ hoffentlich auch den geplanten Abriss des Gebäudes.

Karl-J. Gramann  fotografiert seit seiner Jugend, mit großem Aufwand und ebenso großer Leidenschaft, vor allem Tiere in der Natur. Doch nach und nach veränderte er den Blickwinkel, richtet das Objektiv steil nach oben und entdeckte eine ganz neue Welt. In Kirchen, in Treppenhäusern und auch in ganz profanen Bauten. 

Eine umfassende Präsentation des Gesamtwerkes von Karl-J. Gramann findet man im Portal der Fotocommunity Deutschland. Hier der Link auf die Seite: Karl-J. Gramann – Fotos & Bilder – Fotograf aus Bergisch Gladbach, Deutschland | fotocommunity

Bei der Vernissage im FreiRaum erzählt Gramann, dass eine Foto-Serie zu den Bergisch Gladbacher Böhm-Bauten der Auslöser war, neben der Natur auch die Architektur ins Auge zu fassen. So entstanden beispielsweise auch kunstvolle Szenen aus der Kapelle im von Böhm entworfenen Kinderdorf  Bethanien.

Eine Adresse, die dem Fotografen besonders wichtig ist. Er sagt: „Jeder Gladbacher sollte wissen, was Bethanien uns zu sagen hat, was hier für wichtige Arbeit geleistet wird.  

anders – ungewöhnliche blicke auf un – bekanntes in Bergisch Gladbach
Fotos von Karl-J. Gramann
5.11. bis 5.12.2021
FreiRaum des Bürgerportals, Hauptstr. 241
Besichtigungstermine nach Absprache

Werkstattgespräch am Mittwoch, 17. November, 19 Uhr, 
Finissage am Sonntag, 5. Dezember, 16 Uhr. 
Die Fotos stehen auch zum Verkauf.
Mehr Informationen zur Ausstellung

Auch der Bergische Löwe fehlt im Reigen der Detail-Fotos nicht. Es gibt eine ganz besondere Total-Ansicht mit Spiegelbildeffekt. Dieses Werk erweckte starkes  Interesse, auch bei  Volker Aurich, dem ehemaligen  Geschäftsführer des Bürgerhauses „Bergischer Löwe“. 

Auch hier kam die Kamera in der Froschperspektive zum Einsatz, fing das Bürgerhaus „doppelt“ ein. Die perfekte Spiegelung des Motives stammt aus einer kleinen Wasserlache am Boden. „Fast hätte ich das übersehen“ –  reflektiert der Fotograf. „Aber bei meinem zweiten Blick offenbarte sich das Motiv. Keine Frage, dass ich die Kamera noch mal aus dem Auto geholt habe.“ 

Ein Einsatz der sich absolut gelohnt hat, waren sich alle Gäste im FreiRaum einig.


Hinweis der Redaktion: Der FreiRaum steht für kulturelle Veranstaltungen aller Art zur Verfügung, von der Ausstellung über die Lesung bis zum Workshop oder Tagung. Wenn Sie den Raum nutzen wollen, melden Sie sich gerne: redaktion@in-gl.de. Unternehmen können den Raum mieten.

Helga Niekammer

ist freiberufliche Journalistin (Text und Bild), weitere Berichte und Fotos finden Sie auf bensberg-im-blick.de.

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