Landrat Stephan Santelmann

Viele Monate haben sich die Spitzen der Kreisverwaltung in einem Mediationsverfahren abgearbeitet. Das offizielle Ergebnis ist eine neue Organisationsstruktur der Kreisverwaltung – und die Hoffnung, dass die auf dem Papier gestärkten Fachdezernenten, Landrat Stephan Santelmann und Kreisdirektor Erik Werdel wieder reibungslos zusammenarbeiten.

Im vergangenen Frühjahr war der schwelende Konflikt zwischen Landrat Stephan Santelmann, Kreisdirektor Erik Werdel und den Dezernenten eskaliert, mit deutlicher Kritik auch der Mitarbeitervertretung an der Führung des Hauses. Und das mitten in einer der heißesten Phase der Pandemie. Jetzt endlich, in einer erneut dramatischen Lage, steigt weißer Rauch über dem Kreishaus aus.

In einer nüchternen Pressemitteilung berichtet die Kreisverwaltung von einer „Aufgabenumverteilung an der Verwaltungsspitze und neuer Dezernatsordnung“. Im Kern geht es darum, dass sich Landrat und Kreisdirektor aus der fachlichen Arbeit zurückziehen und auf sauber abgegrenzte Führungsaufgaben konzentrieren – und die Fachdezernenten im Gegenzug gestärkt werden.

Zum Verhältnis zwischen Landrat Santelmann und Kreisdirektor Werdel erfährt man offiziell nichts. Das war Gegenstand vertraulichen Mediation, an der auch die Dezernenten beteiligt waren.

Von einem Rückzug Santelmanns auf rein repräsentative Aufgaben, gar in einem ausgelagerten Büro, ist nun nicht mehr die Rede. Beobachter berichten jedoch, dass die Führungsspitze zu einem konstruktiven Miteinander zurückgefunden habe.

„Es liegt jetzt an den handelnden Personen (Landrat, Kreisdirektor und Dezernenten), den konstruktiven Weg weiterzugehen und zu leben“, sagt CDU-Fraktionschef Johannes Dünner auf Nachfrage. Die bisherigen Signale seien positiv.

Ursula Ehren, Ko-Fraktionschefin der Grünen und im Kreistag in einem Bündnis mit der CDU, hält die Veränderungen der Verwaltungsgliederung für überschaubar. Aber „wenn dieser Entwurf von allen Beteiligten mitgetragen wird und auch der Personalrat seine Zustimmung erteilt, kann die GRÜNE Fraktion sehr gut mit dieser Neuorganisation leben.“

Gerhard Zorn, Fraktionsvorsitzender der SPD, hatte Santelmann in der Krise scharf kritisiert. Die Organisationsstruktur sei jedoch eine originäre Aufgabe des Landrats, daher nehme er die Neuordnung lediglich zur Kenntnis. Nun komme es darauf an, wie die neue Struktur gelebt werden, sagt der Oppositionsführer im Kreistag.

Aber Zorn bleibt wachsam: „Wenn der Landrat wie bisher für jeden öffentlichen Auftritt das Haus mit diversen Anfragen überzieht, auf Menschen nicht wertschätzend zugeht, Entscheidungen aufschiebt oder ständig wieder ändert, dann ändert die neue Orga nichts. Das werden wir beobachten und bei Bedarf klar kommentieren.“

Alte und neue Verwaltungsgliederung

Der bisherige Verwaltungsgliederungsplan wird angepasst.

Die Eckpunkte der neuen Struktur ab dem 1. Januar 2022 hatte Santelmann am Mittwoch im Ausschuss für Personal, Organisation, Gleichstellung und IT vorgestellt. Demnach konzentrieren sich Landrat und Kreisdirektor auf ihre „gesetzlich obliegenden Aufgaben der Verwaltungsführung“, die direkte Leitung von Dezernaten fällt weg.

Stephan Santelmann übernimmt demnach als Landrat, Chef der Kreisverwaltung und Vorsitzender des Kreistags zentrale Führungsaufgaben und wichtige strategische Fragestellungen. Zu seinem unmittelbaren Führungsbereich zählen: Kommunalaufsicht, Rechnungsprüfung, Kreistagsbüro, Pressestelle, Kreispolizeibehörde sowie die Themen Mobilität und Region. Die bisherigen „Dezernatsbereiche Landrat“ fallen als Organisationstufe offenbar weg.

Erik Werdel nehme als Kreisdirektor „verstärkt die ihm obliegenden Aufgaben des allgemeinen Vertreters“ wahr. In seinen unmittelbaren Zuständigkeitsbereich fallen weiterhin die Leitung des Krisenstabes, das Strategische Beteiligungsmanagement sowie Wirtschaft, Arbeit und Tourismus. Die Bereiche Kultur, Bildung und Integration gibt er ab.

Kreisdirektor Erik Werdel ist der allgemeine Vertreten des Landrats. Foto: RBK

Auch die Fachdezernate wurden neu geordnet.

Kreiskämmerer Klaus Eckl leitet künftig ein neues inneres Querschnittsdezernat. Es umfasse die Ämter Finanzen, Personal und Organisation, IT und Zentrale Dienste.

Dezernentin Aggi Thieme übernimmt ein neues zentrales Dezernat für Kultur, Bildung, Schule und Integration. Darin würden die Ämter für Schule und Sport, der Schulpsychologische Dienst sowie das Kulturbüro und das Amt für Bildung und Integration zusammengeführt. Hier sollen durch inhaltliche und organisatorische Schnittpunkte in den Bereichen Schule, Kultur und Bildung Synergien geschaffen werden.

Dezernentin Anette Kupferschmidt-Fritz leite weiter die Ämter Recht, Sicherheit und Ordnung-

Dezernent Markus Fischer ist weiterhin verantwortlich für die Ämter Jugend, Soziales und Gesundheit.

Dezernentin Elke Reichert führe wie bisher das Dezernat Umwelt, Mobilität und Bau.

„Aufgaben der Zukunft widmen“

Vorübergehend werde aus organisatorischen Gründen, die insbesondere mit den Belastungen rund um die Corona-Pandemie begründet seien, das Amt für Gebäudewirtschaft unmittelbar dem Landrat zugeordnet.

„Wir wollen uns mit vereinten Kräften den wichtigen Aufgaben und Herausforderungen der Zukunft widmen“, erklärte Landrat Stephan Santelmann bei der Vorstellung der neuen Verwaltungsgliederung: „Dafür braucht es eine klassische und stringente Verwaltungsstruktur, die zielorientierte Führung und Zusammenarbeit möglich macht. Diese haben wir nun geschaffen.“

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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1 Kommentar

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  1. Dann wollen wir mal hoffen, dass aus dem Saulus ein Paulus geworden ist. Unbedingt von Vorteil ist, dass das Corona-Krisebmanagement bei Dr. Werle geblieben ist, dem wohl Santillan nicht mehr an die Wäsche gehen wird. Ich wünsche allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kerishauses ein zukünftig fruchtbares Miteinander (nicht falsch verstehen) bei kollegialer Behandlung durch den Landrat.