Dass Tiere sich positiv auf das Wohlbefinden auswirken, zweifelt heute kaum noch jemand. Besonders Hunde spielen in der Therapiebegleitung eine immer größere Rolle. Nach langer Corona-Pause bildet der ASB Bergisch Land e.V. die Vierbeiner jetzt wieder zu Besuchshunden aus.

Frau T. strahlt. Sie sitzt auf einem Sofa im Wohnzimmer ihrer Pflegeeinrichtung, der Bensberger Demenz-WG, und streicht Hündin Luna behutsam über den weichen Fellrücken. Sie spricht leise und liebevoll zu ihr und schaut dabei entrückt ins Leere.

Was sie sagt, sind Worte, die für Außenstehende keinen Sinn ergeben, Sätze ohne Anfang und ohne Ende. Aber das ist jetzt auch nicht mehr wichtig – schon längst nicht mehr. Frau T. hat ihre eigene Sprache gefunden. Sie lebt seit einigen Jahren im Pflegeheim und ist schwer an Demenz erkrankt.

Doch das macht der Besuchshündin nichts aus. Der Pointer-Mix aus Sizilien ist erfahren im Umgang mit diesen besonderen Menschen. Geduldig steht sie vor Frau T. und tut nichts, außer da zu sein. Und damit macht sie instinktiv das Richtige. Ab und an verlässt ein Leckerli Frau T.s Hand im Tausch gegen ein warmes Abschlecken.

Lunas Ehrenamt

Seit sechs Jahren meistert Luna gemeinsam mit den Eheleuten Schlepper ihre ehrenamtliche Aufgabe. Zusammen besuchen sie Menschen, die in Pflege- oder Therapieeinrichtungen untergebracht sind, aber auch Schulen und Kindergärten. Peter Schlepper und seine Frau sind nicht nur mit Luna regelmäßig unterwegs, um Freude zu stiften.

Die Eheleute Schlepper organisieren die Arbeit der Besuchshundegruppe des Arbeiter-Samariter-Bundes im Bergischen Land. Die Beschäftigung mit einem Tier könne für den Menschen stressreduzierend sein, und gerade an Demenz erkrankte Personen hätten viel davon, denn sie würden ständig von ihrer Umwelt missverstanden und nähmen selbst vieles nicht mehr wahr“, erklärt Peter Schlepper. „Einem Hund ist das egal, er nimmt den Menschen an, wie er ist“, ergänzt seine Frau Sylvia.

Dem pflichtet Michael H. Lux, Leiter des Zentrums für psychische Gesundheit und Wohlbefinden in Bergisch Gladbach, bei: Ein Hund zeige selten Ablehnung gegenüber anderen Menschen, lässt körperliche Nähe zu und schenkt somit eine Art bedingungsloser Zuneigung.

„Darüber hinaus findet gewissermaßen ein sozialer Kontakt statt, übrigens auch durch die Person, die den Hund begleitet, was sich ebenso positiv auf das Wohlbefinden auswirkt. Auch löst bei vielen Menschen die Gegenwart eines Hundes biografisch bedingt positive Gefühle und Erinnerungen aus“, betont Lux.

Voraussetzungen für Besuchshunde

Nicht jeder Hund bringt automatisch die nötigen Eigenschaften zum Besuchshund mit. Bernhard Boeck prüft, ob das Tier für diese Aufgabe geeignet ist. Bei dem sechsstündigen Eignungstest auf dem Gelände des ASB Katastrophenschutzes in Bergisch Gladbach-Refrath wird festgestellt, ob ein Tier freundlich und dem Menschen zugewandt ist sowie den nötigen Grundgehorsam besitzt.

„Wir ermitteln anhand von spielerischen Aufgaben in der Gruppe, wie sich die Hunde gegenüber Fremdpersonen verhalten und wie sie auf optische und akustische Reize sowie auf Körperkontakt reagieren. Wir achten auch darauf, wie das Besuchshundeteam zusammenarbeitet und trainieren typische Begegnungssituationen“, erklärt Boeck den Ablauf der Prüfung, nach deren erfolgreichem Bestehen die Besitzer auch eine offizielle Urkunde erhalten.

Grundsätzlich geeignet seien dafür alle Rassen, so der Hunde-Experte. Er hofft, bald wieder neue ehrenamtliche Mensch-Hund-Gespanne für den Besuchshundedienst schulen zu können. Seit 2013 bietet der ASB im Bergischen Land diesen Dienst an. Die Nachfragen übersteigen mittlerweile wieder bei weitem die Kapazitäten des Besuchshundedienstes, aber längst nicht alle können bedient werden.

Für interessierte Besuchshunde
Anmeldung für den Eignungstest: ab sofort telefonisch unter 02202 95566-44
Die Teilnahmegebühr beträgt 50 Euro und wird bei aktiver Teilnahme am ASB-Besuchshundedienst rückerstattet.

„Wegen Corona waren wir nur sehr eingeschränkt mit den Hunden in den Einrichtungen unterwegs. Unsere Aktivitäten sind in den letzten beiden Jahren darum etwas eingeschlafen. Aber nun wollen wir auch wieder verstärkt ausbilden“, ist Boeck zuversichtlich, ab Frühjahr wieder mit diesem wichtigen Ehrenamt durchstarten zu können.

Das sei auch höchste Zeit, denn durch die Corona-Einschränkungen seien viele der Betroffenen noch mehr vereinsamt als ohnehin schon. Die Hundekontakte wirkten gerade jetzt wie ein Booster auf vier Pfoten, so Boeck.

Für diesen Mittwoch behält Boeck Recht. Als Mischlingshündin Luna nach einer guten Stunde Feierabend macht und zur abendlichen Waldrunde aufbricht, bleibt Frau T. zurück und blickt ihr lächelnd hinterher. In einer Woche wird Luna wieder da sein und ein wenig Fell und Farbe in ihren Alltag bringen.

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