In diesen Containern hatte während der Sanierung die Verwaltung der Otto-Hahn-Schule gearbeitet. Foto: Stadt GL

Mindestens 214 Flüchtlinge aus der Ukraine sind bereits in Bergisch Gladbach, und es werden rasch mehr. Da die Container-Unterkunft in Lückerath erst in einigen Wochen wieder nutzbar ist haben Stadt, Schulen und ASB eine Zwischenlösung aus dem Boden gestampft. Auf dem Gelände der Otto-Hahn Schulen ist jetzt eine Unterkunft für viele Personen einsatzbereit, die auch als zentrale Anlaufstelle genutzt wird.

Sehr schnell haben sehr viele Hände ineinander gegriffen, um für die Flüchtlinge aus der Ukraine innerhalb weniger Tage eine komplette Notunterkunft zusammen zu stellen. Dabei profitiert die Stadtverwaltung von den Erfahrungen von 2015 – und von ihrem Pool an Schulcontainern.

Daher konnte sie jetzt zwei Container-Komplexe an der Saaler Mühle, die während der Sanierung der Otto-Hahn-Schulen dort aufgestellt worden waren, zur Flüchtlingsunterkunft umrüsten.

Im Gegensatz zu den Containern in Lückerath sind sie noch ans Stromnetz angeschlossen, die benachbarte und zur Zeit nicht für den Sport genutzte Turnhalle kann als Aufenthaltsraum dienen, Sanitäranlagen gibt es in den drei Umkleiden einer Gymnastikhalle der Schulen.

In der Turnhalle befand sich während der Sanierung das Lehrerzimmer; nun dient es als Aufenthaltsraum.

„Alle Beteiligten arbeiten effektiv Hand in Hand, wir sind sehr zuversichtlich, dass wir für die Ankunft der Ukrainerinnen und Ukrainer jeden Alters gut gerüstet sind“, bilanziert Bürgermeister Frank Stein die Blitzaktion.

In der Stadtverwaltung hatten zunächst die Abteilungen Hochbau, Gebäudewirtschaft, Schulverwaltung, Feuerwehr, GL Service und Soziale Förderung ihre Köpfe zusammengesteckt.

Hintergrund: Krisenstäbe und Zuständigkeiten

Der Krisenstab der Stadt Bergisch Gladbach heißt „Stab für außergewöhnliche Ereignisse“ (SAE) und wird von Stadtkämmerer Thore Eggert geleitet. Der SAE kümmert sich derzeit parallel um die Themen Corona und Ukraine-Hilfe.

Zusätzlich wurde ein „Operativer Stab“ (OpS) gebildet, eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Sozial-Dezernenten Ragnar Migenda. Der OpS tagt anlassbezogen zu den Themen Unterkunft, Ausstattung, soziale Betreuung sowie alle weiteren Angebote für die Menschen getagt.

Die Schulleiter von Otto-Hahn-Gymnasium und Realschule waren einverstanden und noch am Donnerstag wurden die Container, die zum Teil als Lagerräume genutzt worden, freigeräumt. Am heutigen Freitag rückten 150 Realschüler:innen an, um fünf Kunsträume aus einem weiteren Containerblock frei zu machen – ihr Unterricht findet nun in den noch nicht sanierten Kunsträumen im Schulgebäude statt.

Noch heute sollen die Betten angeliefert und aufgestellt werden, dann ist die Anlaufstelle einsatzbereit.

ASB übernimmt den Betrieb

Den Betrieb der Anlage übernimmt der Arbeiter-Samariter-Bund. Dennis Bracht hat als Zugführer der Katastrophenschutzeinsatzeinheit 1 mit seinem Team bereits alle wichtigen Ausrüstungsgegenstände platzieren. „Wir übernehmen den Einsatz sehr gerne. Diese Situationen üben wir regelmäßig und wir sind uns sicher, dass wir die Stadtverwaltung in ihrer Aufgabe gut unterstützen können,“ erklärt Bracht.

Die Stadt betont, dass es sich dort nur um eine Interimslösung handelt. Sowohl für die Bewohner wie auch für die Stadtverwaltung selbst.

Die Flüchtlinge, die jeweils bis zu viert in den Containerräumen wohnen können, sollen dort nur kurz bleiben, bis sie nn richtigen Wohnraum weitervermittelt werden können“, erläutert der zuständige Beigeordnete Ragnar Migenda.

Und der ganze Standort soll so bald wie möglich durch die Containerunterkunft an der Gladbacher Straße in Lückerath abgelöst werden. Im Gegensatz zur Saaler Mühle sind die Container dort als Wohncontainer ausgelegt. „Die frühere Flüchtlings-Unterkunft auf dem ehemaligen Carpark-Gelände wird rund um Ostern bezugsfertig sein“, sagt Immobilien-Dezernent Thore Eggert.

Hintergrund: Kontaktmöglichkeiten

Für alle Fragen im Zusammenhang mit den Menschen aus der Ukraine hat die Stadt eine Koordinierungsstelle eingerichtet, die per Mail (ukraine@stadt-gl.de) und montags bis freitags von 9 bis 19 Uhr telefonisch (02202-14 2828 und -2829) zu erreichen ist.

Außerhalb dieser Zeiten kann man Kontakt mit der Polizei und Feuerwehr aufnehmen, damit eintreffende Menschen versorgt werden können.

Weiterhin ist die Stadt auf der Suche nach privatem Wohnraum, Angebote werden unter ukraine@stadt-gl.de angenommen.

Parallel dazu arbeitet die Stadtverwaltung daran, Wohnungen für die Flüchtlinge zu aquirieren. Dabei ist sie auch bei der Rheinisch-Bergischen Siedlungsgesellschaft (RBS) fündig geworden: Die stellt in Heidkamp 20 Wohnungen für bis zu zwei Jahren zur Verfügung. „Ein sehr wichtiges und gutes Angebot in dieser Krisensituation“, sagt Bürgermeister Stein.

Die RBS will die Mehrfamilienhäuser abreißen, daher wurden sie bereits leergezogen. Nachdem sich die Neubaupläne verzögerten standen sie jetzt für eine Zwischennutzung zur Verfügung.

Hintergrund: Wie helfen? Wo informieren?

Bei Sachspenden verweist die Stadt auf die einschlägigen Initiativen und Organisationen in den Stadtteilen. Für den unkomplizierte Austausch von Sachspenden gibt es u.a. die Facebook-Gruppe „Ukraine Hilfe in GL“. Stadt und die Betreiber bitten dringend, keine Sachspenden zu den Unterkünften zu bringen, auch ehrenamtliche Hilfe soll über die Kontaktstelle (s.u.) angeboten werden.

Die Hilfsorganisationen um Geldspenden, weil damit sehr viel effektiver geholfen werden könne. Geprüfte Spendenempfänger finden Sie hier. Lokale Spenden-Aktionen und Aufrufe listen wir hier auf.

Die zentrale Kontaktstelle der Stadt Bergisch Gladbach für alle Belange der Ukraine-Hilfe ist zu erreichen telefonisch unter 02202 14-2929 und 14-2928 sowie per Mail: ukraine@stadt-gl.de.

Alle Infoquellen, Anlaufstellen und Kontakte listen wir hier auf.

Bisher hat die Stadt 44 Personen aus der Ukraine untergebracht, vor allem in angemieteten Wohnungen und Hotelzimmern. Weitere 170 Menschen sind in privatem Wohnraum untergekommen.

Wieviele Menschen aus der Ukraine wann kommen werden, ist völlig offen. Das Land NRW hat Zuweisungen angekündigt, macht aber keine konkreten Angaben. Zudem organisieren private Helfer Bustransporte, die auch in Bergisch Gladbach anlanden können.

„Es können jederzeit Menschen bei uns ankommen“, sagt Simone Engelberth als Leiterin der Abteilung Soziale Förderung: „Das gesamte Team arbeitet mit Hochdruck daran, die Unterkunftskapazitäten noch mehr auszuweiten.“

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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