Max Bruch Jazz Combo
Antonello Simone, Marcel Wasserfuhr, Epaminondas Ladas. Fotos: Holger Crump

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Mit einem furiosen Konzert im neuen Max-Bruch-Jazzclub hat die Städtische Musikschule den Start ihres neuen Fachbereichs Jazz gefeiert. Dozenten und geladene Solisten wollen im Club viermal im Jahr jazzen. Aber auch die Musikschüler:innen sollen Live-Erfahrung sammeln können.

Endlich wieder mehr Live-Musik im Haus der Musik. Der neu gegründete Fachbereich Jazz hatte zur Eröffnung geladen und zugleich den Vorhang für den „Max-Bruch-Jazzclub“ gehoben. Der ist kein Raum, sondern ein Konzept und bietet Musikschüler:innen, Eltern sowie Jazzfans künftig die Möglichkeit, handgemachte Musik von Dozent:innen der Städtischen Musikschule zu erleben. Hautnah, spontan, ungeschliffen.

„Wir freuen uns dass es losgeht, erklärten Agnes Pohl-Gratkowski, und Josef Heiliger unisono. Von den über 80 Musikern hätten 17 einen Jazz-Background, berichten die beiden kommissarischen Leiter der Musikschule. Das sei eine gute Basis, aus welcher der Fachbereich Jazz nun schöpfen könne.

Es fühle sich an wie früher, man habe schon immer Live-Musik im Haus gehabt. Die Hoffnung schwingt mit, dass der Musikschulbetrieb nach der Pandemie auch in dieser Hinsicht wieder altes Niveau erreicht.

Furioser Startschuss

Klaus Schlossmacher am Berimbau

Der Auftakt ist gelungen. Der Leiter des Fachbereichs, Schlagzeuger Marcel Wasserfuhr, gab mit Dozenten und befreundeten Musikern einen furiosen Startschuss. Und zeigte Facetten des Jazz auf, die abseits der allzu üblichen Erwarteungen und Hörgewohnheiten liegen.

So startete das kleine Konzert mit einer virtuosen Improvisation von Klaus Schlossmacher auf dem Berimbau, einem afrikanischen Percussionsinstrument. Antonello Simone demonstrierte, dass das Akkordeon einen wohlverdienten und leider viel zu selten gehörten Platz im Jazz hat.

Breites Repertoire

Und auch das Repertoire mit stark südamerikanischem Einschlag verwies auf Kulturen, die den Jazz ebenso bereichern wie die bekannten „Standards“ des American Songbooks – der berühmten Sammlung von Jazzstücken, die viele Musiker:innen kennen und beherrschen.

So waren beim Konzert vergangenen Donnerstag u.a. Samba und Forró zu hören, traditionelle Musikformen aus Lateinamerika. Und auch der Tango Nuevo hatte mit einer Komposition des Altmeisters Astor Piazolla seinen Auftritt.

Max-Bruch-Jazzclub
Eröffnungskonzert Fachbereich Jazz
am 10. März 2022
Antonello Simone – Akkordeon
Epaminondas Ladas – Gitarre
Andre de Cayres – Bass
Klaus Schlossmacher – Perkussion
Marcel Wasserfuhr – Schlagzeug

Die musikalische Vielfalt des Abends war nicht verwunderlich – wurde das Konzert doch von Musikern gestaltet, die aus Griechenland, Italien, und Brasilien stammen. Die ihre Erfahrung in Lateinamerika und den USA gesammelt haben. Der Jazzclub wurde somit zum Schmelztiegel musikalischer Kulturen, zu einem Klangkörper mit nicht alltäglicher Besetzung.

Feine Grooves, virtuose Soli

Und die hatte es in sich: Die Rhythmus-Sektion groovte auf das Feinste – das universelle Schlagzeugspiel von Marcel Wasserfuhr verband sich exzellent mit Schlossmachers Percussion, der fein und nie aufdringlich Akzente setzte. Und der selbst aus einer Triangel das Maximum an Groove herausholte.

Marcel Wasserfuhr

Bassist Andre de Cayres, als Gastmusiker geladen, legte eine fundamentale Basis und brillierte mit harmonisch versierten Soli auf seinem sechsaitigen Bass.

Antonello Simone am Akkordeon hatte den Lead bei der Vorstellung der Kompositionen, brillierte mit Soli auf einem exzellenten Instrument. Gleichwohl – Virtuosität war hier nie Selbstzweck. Simone ist eine Klasse für sich.

Ebenso wie Epaminondas Ladas an der Gitarre. Mit individuellem Sound und dynamisch aufgebauten Soli überzeugte der Dozent, verwies in Klang und Stilistik gerne auf das Gitarrenspiel von Altmeister Pat Metheny.

Das alles kam mit großer Lässigkeit und Souveränität rüber und zeigte: Musik macht Spaß, Musik ist eine universelle Sprache, die sich gleichberechtigt artikuliert. Sei es in E- oder U-Musik oder eben im Jazz.

Forum für angehende Jazzmusiker:innen

Die Max-Bruch-Musikschule hat damit ein neues, breites Angebot gelauncht: Angehende, junge Jazzmusiker können wichtige Konzert-Erlebnisse sammeln, abseits nächtlicher Club-Events in Großstädten, die für Kinder und Jugendliche nicht unbedingt in Reichweite liegen.

Das kommt an: Zwei Kinder im Alter von 8 und 11 gehörten zu den jüngsten Zuhörern beim Konzert.

Geplant sind zudem Sessions für Musikschüler:innen. Sie sollen auftreten und lernen, live vor Publikum zu spielen. Konzerte besuchen, selbst vor Publikum spielen – das ist für Musikschüler:innen einfach wichtig. Zusätzlich zu Üben, Üben, Üben.

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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