Feuerwehrchef Jörg Köhler mit Viktor, dem Kontaktmann aus Butscha, bei der Übergabe von Feuerwehrfahrzeugen und Hilfsgütern in der Ukraine. Alle Fotos: Feuerwehr GL

Mit einem zweiten, deutlich größeren Transport hat ein Team der Feuerwehr Bergisch Gladbach mit Bürgermeister Stein dringend benötigte Hilfsgüter bis hinter die Grenze der Ukraine gebracht und an Vertreter der Stadt Butscha übergeben. Jetzt erstattet Feuerwehrchef Jörg Köhler Bericht.

Hörbar beeindruckt von der Begegnung mit den Abgesandten aus Butscha hinter der polnisch-ukrainischen Grenze, und von der Schlagkraft der Bergisch Gladbacher Stadtgesellschaft, berichtet Feuerwehrchef Jörg Köhler vom Verlauf und Erfolg der groß angelegten Hilfsaktion, von der er mit einem 12-köpfigen Team nach 60 Stunden gerade zurück gekehrt ist.

„Alle gemeinsam haben gezeigt, wie unglaublich viel wir bewegen können, wenn wir alle zusammenarbeiten“, sagt Köhler. Die Dankbarkeit der Empfänger zu erleben sei auch für „hartgesottene Feuerwehrleute, die schon viel gesehen haben, ein bewegendes Gefühl.“

Tatsächlich wird aus seinem Bericht deutlich, wie aus dem ersten, noch sehr spontanen Hilfstransport der Feuerwehr GL so etwas wie eine Initialzündung wurde, für eine informelle Partnerschaft mit der vom russischen Angriff so schwer getroffenen ukrainischen Stadt Butscha. Und welchen Effekt es hat, wenn viele Hände ineinander greifen.

Köhler erinnert an die große Hilfsbereitschaft, auf die der Aufruf der Stadt getroffen war. Nicht zuletzt durch die Verdopplungsaktion der Bethe-Stiftung seien rasch knapp 100.000 Euro zusammen gekommen. In Absprache mit den – von der polnischen Partnerstadt Pszczyna – Kontakten in Butscha konzentrierte sich die Feuerwehr auf besonders wichtige, knappe Hilfsgüter. Neben ausgemusterten Fahrzeugen der Feuerwehr waren das Medikamente, Lebensmittel und technische Ausrüstung, u.a. für den Wiederaufbau.

Die Schloss Apotheke kümmerte sich um die Medikamente, ein Unternehmernetzwerk rund um die Bauunternehmer Hendrik von Elst und Ludwig Krämer um die technische Ausrüstung, die DEVK-Versicherung finanzierte die Kosten für den Transport, die Humanitäre Hilfe Overath und die Spedition Peters & Zander stellten je einen 40-Tonnen-Lastwagen zur Verfügung.

Die Hilfsgüter für Butscha wurden sehr gezielt eingekauft

Als beim Verladen der Hilfsgüter am Donnerstag noch etwas Platz auf der Ladefläche frei blieb organisierte ein Vertreter der Bethe-Stiftung rasch eine Palette Früh-Kölsch. Als Pendant zur Palette mit Süßigkeiten, die für die Kinder in Butscha eingekauft worden waren, berichtet der Feuerwehrchef.

Am Freitag um 5 Uhr macht sich das Team dann auf den Weg, acht Männer der Feuerwehr Bergisch Gladbach, zwei Kollegen aus Overath, ein Vertreter der Bethe Stiftung und Bürgermeister Frank Stein. An Bord der beiden Sattelzüge, eines Rettungswagens, zweier Feuerwehrlöschfahrzeuge und eines Mannschaftstransporters, der die Helfer nach dem Abliefern der ausgedienten Fahrzeuge zurückbringen würde.

Erneut fährt der Transport zunächst bis Pszczyna, wo er nach 1043 km und 16 Stunden herzlich empfangen und bewirtet wird. Anders als beim ersten Transport geht es am Samstag dann jedoch weiter, bis zur ukrainischen Grenze – und darüber hinaus.

Der Kontaktmann der Feuerwehr in Butscha, Viktor, habe früh klar gemacht, dass der Transport auf ukrainischem Boden umgeladen werden müsste – weil ja ukrainische Männer im wehrfähigen Alter das Land nicht verlassen dürfen. Daher gibt Dariusz Skrobol, der Bürgermeister von Pszczyna, dem Team aus GL einen Mitarbeiter mit, der sich mit dem Grenzverkehr auskennt. Immerhin schickt Pszczyna selbst jede Woche mindestens zwei Kleintransporter mit Hilfe ins Nachbarland.

Tatsächlich gelangt der deutsche Konvoi mit dieser Hilfe und Vermittlung ohne Probleme und Wartezeiten bis an die Grenze, und auch hinüber. Zu Köhlers Erleichterung werden sie bereits im Grenzbereich von Viktor empfangen, der dort auch eine Umlademöglichkeit organisiert hatte. Die Bergisch Gladbacher und Overather müssen also nicht, wie zuvor geplant, in die Ukraine hineinfahren.

Die Sattelzüge aus Deutschland und aus der Ukraine stellen sich Rücken an Rücken und überbrücken die Lücke zwischen den Laderampen mit einem symbolträchtigen Provisorium.

Beide Seiten, erzählt Köhler, hätten Stahlplatten für diesen Zweck mitgebracht. Die deutsche Platte erwies sich jedoch als zu dünn, die ukrainische als zu klein. Erst als die ukrainische Platte auf die deutsche gelegt wurde sei ein belastbarer Übergang geschaffen worden.

In Rekordzeit, das berichtet der Feuerwehrchef weiter, werden die Güter umgeladen. Bei dieser Aktion, und den anschließenden Gruppenfotos, habe eine sehr emotionale Stimmung geherrscht. Die Abgesandten aus Butscha hätten sich sehr über die voll ausgerüsteten und mit weitere Ausrüstung voll geladenen Feuerwehrfahrzeuge gefreut, sagt Köhler. Und für die Bierdosen einen besonderen Dank „der Kameraden an der Front“ ausgesprochen.

Als Zeichen der Verbundenheit und Freundschaft überreichte Köhler einen Feuerwehrhelm und erhielt eines der typischen braunen Käppis, mit denen auch der ukrainische Präsident mitunter zu sehen ist. Und dann ging es zurück.

Bürgermeister Frank Stein mit Abgesandten aus Butscha

Die Wiedereinreise in die EU, immerhin mit 12 Mann, sei dann allerdings „eine Herausforderung“ gewesen. Anders als bei der Ausreise seien die nun leeren Sattelschlepper sehr genau kontrolliert und durchleuchtet worden.

Dennoch konnten sich die Lastwagen und der Kleinbus mit dem Rest der Mannschaft noch in der Nacht auf den Rückweg machen. Und am Sonntagmittag fand dieses „Abenteuer Hilfskonvoi“ mit einem herzlichen Empfang durch die zuhause geblieben „Bodencrew“ an der Feuerwache Nord ihren Abschluss.

Die Hilfsaktionen für Butscha gehen jedoch weiter, deutet Köhler an. Er spricht – wenn auch in Anführungszeichen – bereits von einer „Partnerstadt“. Wie das konkret aussehen könne werden in den nächsten Tagen und Wochen in Ruhe besprochen werden.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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2 Kommentare

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  1. Die Übergabe humanitärer Hilfsgüter an den von Krieg, Not und Tod getroffenen Ort Butscha in der Ukraine verdient höchsten Respekt und breite Anerkennung. Die Feuerwehr Bergisch Gladbach mit Jörg Köhler an der Spitze, begleitet von unserem Bürgermeister Frank Stein, zeigt welches großes Herz Bergisch Gladbach in Notsituationen hat und zu welchen organisatorischen Glanzleistungen die Feuerwehr in der Lage ist. Für diese gelebte Solidarität gebührt allen Beteiligten und allen Unterstützern großer Dank.

  2. Riesenkompliment !!!
    Ganz großartig!!
    Und Danke und größten Respekt wieder an unsere örtliche Feuerwehr.
    „im Namen der schweigenden Mehrheit“ :-)