Die bestehenden Grundschulen reichen nicht mehr aus, Neubauten verzögern sich, jetzt setzt die Stadt (wie hier in Hebborn) auf Sofortschulen

Nicht nur in Hebborn, sondern auch in Refrath will die Stadt Bergisch Gladbach bestehende Grundschulen in einem Kraftakt erweitern. An der Saaler Mühle sollen erneut Container genutzt werden. Bereits zum nächsten Schuljahr könnten so 14 weitere Klassenzimmer plus OGS-Räume zur Verfügung stehen.

Über die Pläne für die Erweiterung der Gemeinschaftsgrundschule Hebborn auf der Schulwiese hatten wir gestern berichtet, heute legt die Stadtverwaltung ein Gesamtkonzept offen, das auch auf dem Spielplatz an der Katholischen Grundschule (KGS) In der Auen in Refrath und in der Containeranlage an der Saaler Mühle „Sofortschulen“ vorsieht.

In einem Kraftakt der Verwaltung sollen diese modularen Gebäude für insgesamt rund neun Millionen Euro ab dem Frühjahr errichtet werden – damit sie bereits nach den Sommerferien 2023 genutzt werden können.

Dass die insgesamt 20 Grundschulen in Bergisch Gladbach zu klein und zum Teil marode sind, dass wenigstens eine 21. und wohl auch eine 22. Grundschule fehlen, ist seit einigen Jahren klar. Daher hatte die Verwaltung den „Integrierten Schulentwicklungs- und Jugendhilfeplan“ (ISEP) aufgestellt, der 2020 vom Stadtrat beschlossen wurde.

Dann sind allerdings drei neue Entwicklungen eingetreten: Die ISEP-Maßnahmen können bei weitem nicht so schnell umgesetzt werden, wie zunächst geplant. Neue Kapazitäten in Frankenforst oder in Form einer neuen Schule 21 stehen vorerst nicht bereit.

Zweitens ziehen immer mehr Familien aus Köln heraus nach Bergisch Gladbach. Verdrängt von den hohen Preisen in der Metropole, angezogen von neuen Wohnhäusern in GL. Die Stadt spricht von „massiven neuen Wohnbebauungen im Stadtgebiet“. Das zeigt sich vor allem in Bensberg und Refrath, aber auch in der Innenstadt, wo in den nächsten Jahren große Wohnungsbauprojekte abgeschlossen werden.

Und dann kamen drittens noch die Flüchtlinge aus der Ukraine hinzu, von denen viele im schulpflichtigen Alter sind.

Um die Zeit bis zum Abschluss der ISEP-Projekte zu überbrücken hat die Stadt nun das Konzept der „Sofortschulen“ entwickelt. „Die Umsetzung des ISEPs bringt viel Arbeit mit sich und der Zeitdruck sehr groß ist“, erläutert Bürgermeister Frank Stein: „Wir setzen alles daran, die Sofortschulplätz so schnell wie möglich umzusetzen.“ 

Konkret werden laut Stadtverwaltung bereits im kommenden Jahr für Schule und OGS vier Räume, in Bensberg zwei Räume und in der Stadtmitte weitere fünf Räume benötigt. Im folgenden Jahr, wenn die nächsten Jahrgänge nachrücken, seien noch einmal genauso viele Räume erforderlich.

Hochgerechnet auf zwei Jahre also insgesamt 22 Räume, plus Nebenräume für Differenzierung, Verwaltung und Mensa.

Das vor Augen hat eine Taskforce der Stadt noch einmal alle verfügbaren Bauflächen – und das sind nicht viele – überprüft, unter dem „besonderen Augenmerk auf eine schnelle Realisierbarkeit“. Und dabei nur drei geeignet Flächen gefunden.

Neun Millionen Euro für drei Sofortschulen

Sie sollen nun, parallel zu den weiterlaufenden ISEP-Projekten, innerhalb weniger Monate umgesetzt werden. Das sei dennoch „kein Schnellschuss“, betont Stadtkämmerer Thore Eggert. Zudem sei wichtig, „,dass wir die ursprünglichen Bedarfe des ISEP nicht vernachlässigen. Die geplanten Maßnahmen werden weiterverfolgt und umgesetzt.”

Für die drei Sofortschulen veranschlagt die Stadt insgesamt gut neun Millionen Euro (Hebborn 4,3, Refrath 4 Millionen, Saaler Mühle 0,8). Aber schon jetzt warnt die Verwaltung, dass diese Zahlen angesichts der aktuellen Krisenlage nur ein ungefährer Anhaltspunkt sind, und keine Kostenprognose. Finanziert werden die Ausgaben aus den Mitteln des ISEP.

Die Schulwiese soll mit Schulmodulen bebaut werden, der Bolzplatz bleibt erhalten. Foto: Screenshot Google Maps

GGS Hebborn: Auf der Schulwiese

In Hebborn soll wie berichtet die Schulwiese hinter dem Schulgebäude bebaut werden. Wie bei allen „Sofortschulen“ in modularer Bauweise, die schnell auf- und womöglich auch wieder abgebaut werden können. In der Theorie; wie lange diese Sofortschulen genutzt werden sollen, lässt die Stadt offen.

Die Wiese ist (inklusive des Bolzplatzes, der erhalten bleiben soll) nsgesamt 3130 Quadratmeter hoch, darf laut Baurecht sogar dreistöckig bebaut werden, ist aber nur über die schmale Zufahrt von der Odenthaler Straße her zugänglich.

Die Sofortschule soll auf einer Bruttogeschlossfläche von 1022 Quadratmetern sechs Klassenräume mit jeweils einem OGS-/Differenzierungsraum, ein Lehrerzimmer, einen Putzmittelraum und einen Raum für die Essensanlieferung erhalten. Da eine Versorgung über die Mensa der GGS Hebborn nicht möglich ist soll ein Caterer beauftragt werden.

Die Wiese hinter der GGS Hebborn

KGS In der Auen: Auf dem Spielplatz

In Refrath wird die Katholische Grundschule (KGS) In der Auen erweitert. Hier wird der Spielplatz am Rande des Schulhofs überbaut, der an die Schwerfelstraße grenzt. Das geht aus Skizzen hervor, die in Kürze im Ratsinformationssystem zur Sitzung des Schulbauausschuss am 21. September veröffentlicht werden sollen.

Insgesamt hat die Stadt hier eine verfügbare Fläche von 2140 Quadratmeter ausgemessen, das würde aber Teile des Schulhofs mit umfassen. Baurechtlich sind zwei Geschosse möglich, die sechs Klassenräume mit jeweils einem OGS-/Differenzierungsraum, ein Lehrerzimmer und einen Putzmittelraum aufnehmen sollen, dafür sieht die Stadt eine Bruttogeschlossfläche von 1022 Quadratmetern vor. Die künftigen Schüler:innen sollen über die bestehende Mensa der KGS in der Auen verpflegt werden.

In Refrath soll der Spielplatz überbaut werden. Foto: Screenshot Google Maps

Bensberg: In den Schulcontainern

An der Saaler Mühle greift die Stadt erneut auf die Schulcontainer zurück, die zunächst für die Auslagerung der Otto-Hahn-Schulen und zwischenzeitlich als Notunterkunft für die Ukraine-Flüchtlinge genutzt worden waren. Auf dem Gelände ist zur Zeit auch die GGS Bensberg angesiedelt, deren Gebäude zur Zeit komplett neu gebaut wird.

Für die Container hatte es eine befristete Baugenehmigung gegeben, die muss sich die Stadt nun verlängern lassen. Hier sollen zwei Klassenräume sowie weitere Räume für Essensausgabe, OGS und Verwaltung eingerichtet werden.

In den Container waren zunächst die Otto-Hahn-Schulen untergebracht, später dienten sie als Notunterkunft für Flüchtlinge. Foto: T. Merkenich

Ehrgeiziger Zeitplan

Für alle drei Projekte hat die Stadt ein enges Zeitkorsett aufgestellt, alle drei sollen zum 21.7.2023 an die Schulverwaltung übergeben werden, damit sie rasch ausgestattet und für den Start nach den Sommerferien bereit stehen. Angesichts der Überbelastung der Stadtverwaltung, die gerade im Planungsbereich und im Hochbau unter heftigem Fachkräftemangel leidet, ist das ein ehrgeiziges Programm.

Inzwischen kann die Stadt aber auf die neu gegründete Schulbau GmbH zurückgreifen, die mit dem Beschluss durch den Schulbauausschuss am 21.9. mit der Umsetzung der Pläne beauftragt werden soll. Der eigentlich Bau der Schulen soll von Generalunternehmern übernommen werden.

image_pdfPDFimage_printDrucken

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

12 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Vor einigen Jahren wurden in Refrath Unterschriften gegen ein Wohngebiet im Bereich Rinderweg gesammelt, wo angeblich über 500 Wohneinheiten entstehen könnten. Bislang sind noch keine Baufahrzeuge zu sehen, allerdings wurde damals seitens der Verwaltung der Neubau als „normaler Zuzug“ bezeichnet, d.h. Infrastruktur bei Kita und Grundschule müsse nicht aufgebaut werden. Bedeutet das im Umkehrschluss, dass es nun „anormalen Zuzug“ gab, oder dieser nun unmittelbar bevorsteht?

  2. Es fehlen bereits jetzt zwischen 30.000 und 40.000 Lehrkräfte, aber Hauptsache es gibt Container auf dem bisherigen Spielgelände der Kinder.

  3. Wenn man richtig liest, also auch zwischen den Zeilen, und das nicht gesagte hinzufügt…
    Versagen der Verwaltung auf allen Ebenen. Keine Entwicklung oder Veränderung wurde richtig vorhergesehen und entsprechend eingeschätzt. Vorhandene Gebäude werden runtergerockt oder höchstens notdürftig repariert. Renovierungsarbeiten werden von Schülern und Eltern übernommen. Nennt sich dann Projektwoche und spart der Stadt viel Geld.
    Wie kann die Verwaltung vom Zuzug vieler Menschen überrascht werden, wenn sie selber maßgeblich an mehrjährigen Genehmigungsverfahren für neuen Wohnraum beteiligt ist?
    Sich jetzt zu feiern, weil man auf die Schnelle ein paar Behelfsbauten auf die Wiese setzt, ist dreist.

  4. Das die Schulen erweitert werden müssen, steht außer Frage, nur wenn dann sollte man sich die korrekten Luftbilder anschauen. Bei der KGS in der Auen wurde bereits ein Schulhof überbaut, wenn der Spielplatz jetzt auch überbaut wird. Fällt ein großs Stück des Außenbereiches weg.

  5. Es ist damit zu rechnen, dass die Schulen – sofern das alles so funktionieren sollten – im Sommer dann vielleicht mit Räumen, aber nicht mit Lehrern/Material/sonstigem Personal „ausgestattet“ sind. Ganz zu schweigen davon, wie toll es ist, wenn die (dann ja noch mehr) Kinder dann weniger Spielfläche haben. In Refrath fehlt es jetzt schon an allen Ecken und Enden. Aber Hauptsache man hat auf dem Papier mehr Schulplätze.

      1. Es gibt keine „Alternative“. Ich finde es nur wichtig, dass dann auch endlich mal die Folgen bedacht werden und dann auch einkalkuliert und angegangen. Da erlebe ich persönlich derzeit bei den Schulen in BGL wenig Weitsicht.

      2. Hallo Mara, wie sollen denn die Folgen angegangen werden – und welche? Soll sich die Stadt die Grundstücke neben Schulen zwangsweise aneignen, um Spielflächen anzulegen? Sollen keine Schulräume geschaffen werden, nur weil die Außenanlagen knapp sind? Soll kein Wohnraum geschaffen und Zuzug verhindert werden? Sollten junge Erwachsene ihren Kinderwunsch überdenken, wenn keine Schulplätze zur Verfügung stehen? – Kurz: Was meinen Sie?

  6. An der KGS In der Auen gibt es nach meiner Beobachtung keine Mensa, sondern nur einen Speisesaal in dem die Kinder jetzt schon zeitlich versetzt essen müssen, was ein externer Caterer liefert. Dementsprechend wird es enger werden. Ganz klar wird mir aus dem Bericht nicht, wieviele Klassen tatsächlich dazukommen. Der Engpass wird neben dem Gebäude wie unten im Kommentar erwähnt auch der Personalmangel (Lehrer, OGS Betreuung) sein.

    1. „sechs Klassenräume mit jeweils einem OGS-/Differenzierungsraum, ein Lehrerzimmer und einen Putzmittelraum“

      1. Es wird also Raum für sechs Klassen geschaffen. Den Bezug des „jeweils“ habe ich vielleicht nicht richtig verstanden, offenbar sollen sechs Klassenzimmer, sechs OGS Räume, ein Lehrerzimmer und ein Putzmittelraum gebaut werden? Ob tatsächlich sechs Schulklassen dort beschult werden können, würde ja noch entsprechendes Personal voraussetzen. Ab 2025 gibt es dann den gesetzlichen Anspruch auf OGS Betreuung, die dann zumindest nach den Räumen vor Ort möglich wäre. Erwähnenswert erscheint mir außerdem, dass wohl nicht der angrenzende öffentliche Spielplatz, sondern der Spielplatz auf dem Schulaußengelände gemeint ist. Wenn dieser teilweise wegfällt und man gleichzeitig die Schülerzahl etwa verdoppeln würde, dürfte es in den Pausen spürbar enger werden. Ohne zusätzliche Speisesäle wird man wohl auch schwer auskommen.

  7. Zusätzliche Räume schön und gut, nur wie sieht es mit der Ausstattung mit dem benötigten Lehrmaterial aus, und mit dem benötigten zusätzlichen Personal?
    Wie kommen die Kinder aus anderen Stadtteile dahin?