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Die beiden Vereine „Humanitäre Hilfe Overath“ und „Hilfe Litauen Belarus“ haben am Wochenende ihren bereits vierten Hilfstransport für die Ukraine abgewickelt. Die warme Kleidung, Lebensmittel und Stromgeneratoren wurden dringend benötigt. Inzwischen haben die Vereine viel Erfahrungen, Überraschungen erleben sie dennoch immer wieder.

Anfang Oktober waren die Hilfstransporteure der beiden Vereine „Humanitäre Hilfe Overath e.V.“ und „Hilfe Litauen Belarus e.V.“ erschöpft und überglücklich von ihrem gelungenem dritten gemeinsamen Hilfstransport zurück gekommen, der sie dieses Mal bis in die Ukraine hinein geführt hatte. Schon auf der Rückfahrt wurde der nächste Transport geplant, für Mai 2023. Doch dann sollte alles anders kommen.

Mitte November besuchte Weihbischof Radoslaw Zmitrowicz aus dem ukrainischem Kamjanez- Podilskyj beide Vereine und überreichte in der Messe in Overath den beiden Vorsitzenden Norbert Kuhl und Ulrich Gürster von seinem Bischof ein Dankschreiben, stellvertretend für alle Unterstützer und Helfer.

Wünsche des Bischofs fallen auf fruchtbaren Boden

Darüber hinaus hatte der Weihbischof für die Beiden auch eine lange Wunschliste im Gepäck. Weihbischof Radoslaw erklärte: „Die Winter sind bei uns von den Temperaturen her besonders hart und die Kälteperiode hält sehr lange an. In unserem Bistum nahmen wir bis zu 4.000 Familien als Binnenflüchtlinge aus der Ostukraine auf. Zum Teil konnten die Familien nur das Allernötigste mitnehmen und so fehlt es besonders an warmer Kleidung, und vielen anderen wichtigen Dingen, um für den Winter vorbereitet zu sein.“

Die Worte des Weihbischofs verhalten nicht. Schnell war bei den beiden Vereinen die Idee eines vorgezogenen vierten „Winter“-Hilfstransportes geboren. Statt weihnachtlicher Einkäufe beschäftigten sich die Vereinsmitglieder mit Hochdruck mit dem Organisieren und Sammeln von verschiedensten Hilfsgütern. So wurden auch viele hunderte von Kartons mit Winterkleidung, Decken und Schlafsäcken gepackt.

Weitere Infos auf den Webseiten der Vereine: 
www.hhov.de und www.hilfe-lb.de.

Gemeinsames Spendenkonto für die Ukraine-Hilfe
Pax Bank Köln
DE93 3706 0193 0032 5620 27

Markus Hetzenegger aus Sand besorgte von EDEKA noch fünf Paletten Lebensmittel, Bernhard und Moritz Hetzenegger vom EDEKA Dürscheid packten Kartons mit Weihnachtssüßigkeiten und übergaben diese Ulrich Gürster. Auch sechs neue Stromgeneratoren und zahlreiche neue Heizlüfter sollen die Not ein wenig lindern. Die Zeit drängte, denn Norbert Kuhl und Ulrich Gürster legten für die Hilfstransportfahrt den 6. Januar fest.

Mit dem Segen der Heiligen Drei Könige unterwegs

An dem Freitag, dem Tag der Heiligen Drei Könige, wurde auf dem Gelände der Hammermühle in Overath noch einmal jedes Fahrzeug überprüft. Die Motoren der beiden prallgefüllten 40-Tonner liefen sich warm. Allerdings wollte der auf 7,5 Tonnen heruntergelastete 39 Jahre alte Möbelkoffer nicht starten. Das Lächeln in den Gesichtern der Hilfstransporteure verflog.

Für den 82-jährigen erfahrenen Norbert Kuhl war sofort klar, der Lkw bekommt keinen Strom und dem muss nachgeholfen werden. Ein Überbrückungskabel musste her und so verschwand Kuhl in seiner Werkstatt. Viele Hände fummelten derzeit an verschiedensten Stellen am Lkw umher. Dann aber, für alle unerwartet, sprang der Möbelkoffer an. Das Lächeln kehrte in die Gesichter zurück. Sicherheitshalber wurde das Überbrückungskabel mit an Bord genommen.

Nach dem erfolgreichen Fahrzeugscheck wurden die Hilfstransporteure kurz vor ihrer Abfahrt noch einmal überrascht. Kaplan Andrzej Bednarz aus Overath wollte es sich nicht nehmen lassen, dem vierten Hilfstransport den Reisesegen zu erteilen. Als Überraschung brachte er dann auch gleich die „Heiligen Drei Könige“ mit.

Der Overather Pfarrer Gereon Bonnacker, als König, mahnte beim nächtlichen Fahren um Vorsicht, denn er wollte das ganze Team wieder heile zurück wissen. Mit einem Hupkonzert verließ der Tross die Hammermühle mit dem von Karin Fischer gesteuerten Schlussfahrzeug mit Anhänger.

Gute Vorbereitung erlaubt reibungslose Anreise

1270 km wurden innerhalb von 18 Stunden zurückgelegt. Lediglich der Tankstopp wurde für einen Fahrerwechsel und einer kurzen Erfrischungspause genutzt. Für die drei Lkw-Fahrer, Peter Oberkötter, Reiner Tillmann und Joachim Nix, war es der erste Hilfstransport für die Ukraine.

Sie staunten nicht schlecht, als sie von Karin Fischer erfuhren, was sie für einen bürokratischen Arbeitsaufwand leistete, um die zahlreichen Genehmigungen zu erhalten. So brauchte der Hilfstransport nun keine Ruhe- und Lenkzeiten einhalten, war überall Mautbefreit und hatte ein Zertifikat erhalten, das erlaubte, auch an Sonn- und Feiertagen zu fahren.

Deutsche und polnische Helfer:innen bei der Caritas in Lezajks.

Telefonisch weckte Ulrich Gürster am Samstagmorgen die Leiterin des polnischen Caritaslagers Lezajsk, Wioletta Bator, und kündigte das vierstündig frühere Eintreffen an. Am Ziel angekommen herrschte überraschend bereits reges Treiben in der Lagerhalle.

Wioletta Bator mobilisierte in der Früh auf die Schnelle noch zwölf Abladehelfer. So fuhren die bereits routinierten Lkw-Führer Marc Susewind und Stefan Malczewski die 40-Tonner nacheinander rückwärts an die Laderampe. Dieses nicht leichte Unterfangen wurde durch Norbert Kuhl überwacht. Die Einweisung durch Kuhl musste auf den Zentimeter stimmig sein, um die Laderampe auch nutzen zu können.

Die polnischen Abladehelfer wurden beim Entladen tatkräftig durch Kevin Susewind, Friedrich Heider, Heinz-Bernd Padberg, Bert Kuhl und den anderen Mitfahrern unterstützt.

Zwischenzeitlich erledigten Ulrich Gürster, Norbert Kuhl, Karin Fischer mit Wioletta Bator unter Mitwirkung der Dolmetscherin Jolanta Czelej den notwenigen „Papierkram“. Gürster: „Die Vorbereitung dieser zahlreichen Papiere ist die Grundlage, dass die Hilfsgüter ohne Komplikationen durch den ukrainischen Zoll in das Bistum Kamjanez-Podilskyj kommen.“

Nach vier Stunden und viel Schweiß waren etwa 20 Tonnen Hilfsgüter entladen. Ein kurzes Mittagessen sorgte für eine Atempause. Die elf Hilfstransporteure entschieden sich für eine sofortige Rückfahrt ohne Übernachtung. Nach weiteren 18 Stunden über die A4 gen Westen erreichten alle Fahrzeuge am Sonntag um 08:30 Uhr wieder Overath.

Norbert Kuhl sichtlich zufrieden: „Es ist ein gutes Gefühl, schnell und unbürokratisch Menschen in Not zielgerichtet in der Ukraine mit solch einem großen Hilfstransport zu helfen.“ Ulrich Gürster ergänzt: „Auf der Rückfahrt kamen uns wieder viele weitere Ideen für unseren gemeinsamen fünften Hilfstransport im Mai. Bei dem werden wir dann auch selber Hilfsgüter in die Ukraine nach Lviv bringen.“

Bereits am Montag erreichten uns von Wioletta Bator die ersten Fotos. Sie zeigen, wie im ukrainischen Bistum Transits mit den gelieferten Hilfsgütern beladen wurden.

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Hilfe Litauen Belarus e.V.

Seit 1994 engagieren wir uns in Litauen und Weißrussland bzw. Belarus. Diese Zeit ist nicht nur geprägt von materieller Hilfe, sondern auch von Freundschaft, Nächstenliebe und Solidarität mit den Menschen jenseits der auch heute zum Teil noch wenig durchlässigen Grenzen. Um auch zukünftig die...

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1 Kommentar

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  1. Ihr seid wahre Helden! Riesenrespekt für euer UNERMÜDLICHES Engagement
    @ Politiker und Verwaltung : diese herausragende Initiative bitte für alle Ehrenamts-und andere Preise und Auszeichnungen vorschlagen.
    Guido Wagner großen Dank für die ganzseitige (!)Berichterstattung heute Freitag im Kölner Stadtanzeiger