Kinderärztin Dr. med Uta Römer. Foto: privat

Mit der Kinderärztin Uta Römer konnten wir eine neue Expertin für unseren Familienrat gewinnen. Sie startet mit einem Thema, das im Sommer sehr viele Eltern beschäftigt: Zecken. Was muss man über die kleinen Blutsauger wissen? Welche Krankheiten können sie übertragen? Und, das Wichtigste: Wie kann man das verhindern?

Endlich ist der Sommer da – mit ihm aber auch das leidige Thema Zecken. Fast täglich erscheint ein kleiner Patient oder eine kleine Patientin mit einer Zecke am Körper bei uns in der Praxis. Zum Glück können wir da schnell helfen, und schon kann es wieder rausgehen in den Garten oder in den Wald.

Was muss ich über Zecken wissen?

Zecken kommen in ganz Deutschland vor und auch in beliebten Urlaubsregionen wie Österreich. Sie sind schon ab Temperaturen von acht Grad Celsius unterwegs, ihre Hauptzeit ist von Frühjahr bis Herbst. In warmen Wintern kann aber auch mal eine Zecke aus dem Weihnachtsbaum fallen. 

Zecken sitzen im Gras, im Unterholz und auf Büschen. Dort lassen sie sich von vorbeilaufenden Menschen abstreifen und klammern sich an ihnen fest. Dann suchen sie sich eine besonders geschützte Stellen am Körper, zum Beispiel Hals, Achseln oder Bauchnabel.

Dort stechen sie mit einer Art Stachel durch die Haut, verankern sich und saugen Blut. Je nach Entwicklungsstadium können Zecken bis zu acht Tage an ihrem „Wirt“, also dem Menschen, verweilen.

Beim Blutsaugen sondert die Zecke Speichel ab – darin sind die möglichen Krankheitserreger vorhanden, falls sie diese in sich trägt. Welche das genau sind, lesen Sie weiter unten.

Was kann ich tun, um eine Infektion zu verhindern?

Ziehen Sie Ihrem Kind draußen helle und lange Kleidung an – immer oder zumindest immer dann, wenn es in die Natur geht. So kommen Zecken im besten Fall erst gar nicht den Körper. Falls doch, sind sie auf hellen Stoffen leichter zu entdecken.

Je nach Alter des Kindes können Sie auch Repellentien zum Schutz vor Zecken auftragen. Deren Wirkung lässt allerdings nach einiger Zeit nach.

Nach dem Aufenthalt im Freien hilft das Abduschen, da Zecken zum Teil erst einmal über die Haut krabbeln, um eine sichere Stichstelle zu finden. Suchen Sie Ihr Kind danach nach verbliebenen Zecken ab und entfernen Sie diese möglichst rasch.

Das geht so: Spannen Sie mit den Fingern die umliegende Haut, greifen Sie die Zecke körpernah mit einer Zeckenzange oder Zeckenkarte und ziehen Sie sie ganz langsam heraus, ohne sie zu zerstören.

Benutzen Sie bitte keinen Nagellack oder ähnliches, wie es immer wieder als „Hausmittel“ empfohlen wird – dadurch tötet man die Zecke ab, sie entleert ihren gesamten Mageninhalt samt möglichen Krankheitserregern, was das Risiko einer Infektion deutlich erhöht.

Keine Angst, wenn Sie den Eindruck haben, dass nach der Zeckenentfernung noch ein Teil des Stechapparates in der Haut verblieben ist: Dieser wird mit der Zeit normalerweise von selbst abgestoßen und stellt kein Problem dar.

Dennoch gilt nach jedem Zeckenstich: Beobachten Sie Ihr Kind und seine Haut für die nächsten drei bis 20 Tage, und stellen Sie es bei unklarem Ausschlag oder Krankheitssymptomen Ihrem Kinderarzt bzw. Ihrer Kinderärztin vor.

Es ist nicht sinnvoll die entfernte Zecke im Labor untersuchen zu lassen; auch eine Blutentnahme nach Zeckenstich ohne klinische Symptome wird nicht durchgeführt.

Welche Krankheitserreger können in Deutschland übertragen werden?

Borrelien: Sie verursachen die Borreliose, eine Erkrankung, die in verschiedenen Stadien auftreten kann – von einem Hautausschlag über Gelenkinfektionen bis hin zu einer Hirnhautentzündung.

Borrelien werden oft erst ein bis zwei Tage nach dem Einstich übertragen – daher lässt sich eine Infektion durch rechtzeitiges Entfernen der Zecke oft verhindern.

Ist es doch zu einer Borrelieninfektion gekommen, kann man diese, frühzeitig diagnostiziert, sehr gut antibiotisch behandeln. Daher ist es wichtig, die Haut der betroffenen Person zu beobachten (bis zu 20 Tage) und bei unklarem Fieber, Ausschlag, Gelenkschwellungen oder neurologischen Symptomen den Kinderarzt aufzusuchen.

Eine Impfung gegen Borreliose gibt es nicht. Borreliose wird in ganz Deutschland von Zecken übertragen. Je nach Region tragen bis zu 30 Prozent der Zecken diese Erreger in sich, laut Robert-Koch-Institut (RKI) ist aber nur bei 0,3 bis 1,4 Prozent der Zeckenstiche mit Krankheitssymptomen zu rechnen.

FSME: Die „Frühsommermeningoencephalitis“ ist eine virale Art der Hirnhautentzündung. Diese Virusinfektion wird nur in bestimmten Risikogebieten übertragen – zum Beispiel in Bayern, Hessen, Thüringen, Sachsen und natürlich auch in Reiseländern wie Österreich. Detaillierte Auskunft gibt die FSME-Risikokarte Europa und Deutschland.

In diesen Region tragen laut RKI ungefähr 0.1 bis 5 Prozent der Zecken FSME-Viren in sich. Diese werden schon kurze Zeit nach dem Stich übertragen.

Bei einer Infektion dauert es sieben bis 14 Tage, bis Symptome auftreten. Diese sind oft grippeähnlich, zehn Prozent der Betroffenen können dann eine Hirnhautentzündung mit neurologischen Symptomen entwickeln. Die Therapie ist nur symptomatisch möglich.

Aber: Es gibt eine gut wirksame und verträgliche FSME-Impfung mit drei Dosen, und man ist schon mit zwei Dosen im Abstand von vier Wochen oder auch dem so genannten Schnellimpfschema gut geschützt.

Fahren Sie diesen Sommer in eine Risikoregion, planen Sie die FSME-Impfung mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderärztin rechtzeitig vor Urlaubsantritt. Diese:r berät auch gerne die ganze Familie – denn Eltern erkranken oft schwerer an FSME-Symptomen als Kinder.

Mit diesem Wissen im Gepäck wünsche ich Ihnen eine wunderschöne Reisezeit, bleiben Sie gesund!

Die Quellen zu diesem Artikel und weitere Infos gibt es beim RKI, bei Kinderärzte im Netz und bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung


Haben Sie selbst eine Frage an unsere Expertinnen im Familienrat? Dann schreiben Sie uns bitte: redaktion@in-gl.de

Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Sie hat eine Praxis in Refrath.

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  1. Den natürlichen Zeckenschutz ohne Nervengift in Form von Kokosöl finde ich als Vorbeugung gut händelbar. In Verbindung mit unbehandeltem Bernstein (Bernsteinhalsbänder), der naturätherische Öle absondert und bei Hunden ebenfalls eine elektrostatische Aufladung des Fells bewirkt, sind diese vorbeugenden Mittel in Kombination beim Hund sehr effektiv. Alle Spot ons enthalten Nervengift und haben somit oft Nebenwirkungen. Bei Kindern ist sicherlich das Kokosöl effektiver als das Bernsteinhalsband und wäre dort als vorbeugende Maßnahme meine erste Wahl. Wie es mit dem Sonnenschutz kollidiert wäre auszuprobieren. Bei den derzeitigen Temperaturen, wie auch in den letzten heißen Jahren zuvor, habe ich in der sehr heißen und trockenen Periode im Sommer einen Rückgang des Zeckenaufkommens beobachtet.

      1. Selbstverständlich kann man darüber die Augen rollen und meinen Kommentar ins Lächerliche ziehen. Fakt ist aber, dass Nervengift im Spot on heftige Reaktionen bei Hunden auslösen kann. Diese Reaktion habe ich schon einige Male gesehen und möchte man nicht mit ansehen. Wer dieses Gift seinem Hund zumuten möchte, kann es ja für sich so entscheiden. Ich finde wichtig, Alternativen zu haben. Dem einen hilft es, dem anderen nicht. Und es ist so wie bei allen Versuchen: Den Versuch real nachzustellen, ist oft schwierig. Einige Sekunden am Lammfell reiben, sondert keine Naturätherischen Öle ab. Das Bernsteinhalsband muss erst einmal 10 Tage am Hund sein, um seine Wirkung aufzubauen und der Eigengeruch des Hundes spielt auch eine Rolle. Deshalb nutze ich es immer in Verbindung mit Kokosöl.

      2. Nunja, die Alternative zu Spot on Mitteln ist dann halt, diese Mittel nicht zu verwenden. Das ist es, was sie tun. Das Bernsteinhalsband hat keine Wirkung und ist damit keine Alternative. Genauso wie rituell geschütteltes Wasser ohne Inhaltsstoffe keine Alternative zu Medikamenten ist, die ihre Wirkung in klinischen Studien nachgewiesen haben.

      3. Frau Herrmann, letztlich scheint es so zu sein wie beim Hund von Oberförster Pudlich. Wenn man ruft: „Kommst du nun, oder nicht?“, dann kommt er oder nicht. Das ist bei allen esoterischen Methoden so: Misserfolge oder wissenschaftliche Aussagen ignoriert man geflissentlich, aber wenn dann zufällig mal die erhoffte Wirkung zusammen mit dem vollzogenen Ritual eintrifft, dann fällt man auf die Knie, als sei gerade eine Schüssel Manna vom Himmel gestürzt.