Nach den Grundsatzdebatten geht es beim Zanders-Areal jetzt allmählich an die Realisierungspläne, sagt Bürgermeister Frank Stein – und schlägt mit dem Projektteam dem Stadtrat fünf wichtige Entscheidungen vor. Damit werden in Sachen Energie, Wasser, Vermarktung und Projektmanagement jetzt die Weichen für die künftige „Zanders-Stadt“ gestellt. Ein Förderantrag für den Umbau der Zentralwerkstatt macht anschaulich, welches Potenzial das Areal für die ganze Stadt hat.

Fünf Beschlussvorlagen hat das Projektteam der Stadt für die Sitzung des Zanders-Ausschusses für diesen Donnerstag erarbeitet, dazu noch einiges an Mitteilungen. Und wenn die Lokalpolitik den Vorschlägen folgt, dann macht das Projekt einen riesigen Schritt: heraus aus den Grundsatzdebatten in Richtung Realisierungen.

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Damit bewege sich das Projekt auf einer soliden Basis, die Stadt befinde sich voll im Plan, sagte Bürgermeister Frank Stein in einem Gespräch mit der Presse. Angesichts der Größe des Areals und der Komplexität der Themen benötige die Strategie dieser „ersten nachfossilen Konversion“ einfach etwas Ruhe und Zeit.

Eine Einschätzung, die Regionale 2025-Geschäftsführer Reimar Molitor teilt. Sein Team arbeite eng mit der Stadt zusammen; Zanders ist mit Abstand das größte Projekt innerhalb der Regionale und hat für das „Impulsquartier“ rund um die Zentralwerkstatt bereits den A-Stempel erhalten.

Alle jetzt vorgelegten Papiere sind in einem interfraktionellen Arbeitskreis mit den Fachleuten der Fraktionen im Stadtrat vorgesprochen worden, bei den meisten Punkten sollte weitgehend Konsens bestehen. Wir fassen die wichtigsten Punkte zusammen und dokumentieren die Originalpapiere.

Bürgermeister Frank Stein, Reimar Molitor (Geschäftsführer Regionale 2025-Agentur und Zanders-Projektleiter Udo Kraus bei der Eröffnung des Gohrsmühlen-Platzes. Foto: Thomas Merkenich

1. Gründung einer Projektgesellschaft

Bisher hat das Projektteam Zanders unter der Leitung von Udo Krause alle Planungen für das Areal geleistet, doch jetzt komme die verwaltungsinterne Lösung an ihre Grenzen, sagt Bürgermeister Stein. Daher soll jetzt eine „Zanders Projektgesellschaft“ gegründet werden, die außerhalb der schwerfälligen und vergaberechtlich gebundenen Verwaltungsstruktur freier handeln könne.

Noch im ersten Quartal 2024 soll die Projektgesellschaft im Handelsregister eingetragen sein, wünscht Stein. Für die Leitung werde eine herausragende Persönlichkeit gesucht, die über das entsprechende Know How und Standing verfügt, Zanders auch nach außen vertreten und verkaufen zu können. Über die Gehaltsstufe, so der Bürgermeister, werde er öffentlich nicht reden.

Grundsatz soll und müsse immer bleiben, dass die Stadt so viel wie möglich beeinflussen könne und sich nicht von Investoren abhängig machen, betont Stein.

Dokumentation

2. Vermarktungskonzept 1.0

Eine wichtige Aufgabe der Projektgesellschaft wird die Vermarktung des Geländes. Neben vielen öffentlichen Projekten sollen ganze Blöcke des Areals an private Investoren vergeben werden. Immerhin soll Wohnraum für 2900 Menschen gebaut, 2900 Arbeitsplätze geschaffen werden – was die Stadt bei weitem nicht alleine leisten kann und will.

Dafür liegt jetzt ein Vermarktungskonzept in der Verson 1.0 auf dem Tisch, das 15 Grundsätze für die Verwertung, Vermarktung und Vergabe von Grundstücken definiert. Auf dieser Basis können jetzt immerhin erste Vorgespräche mit Projektentwicklern und potentiellen Investoren geführt werden, heißt es in dem Papier.

In den Vorberatungen sei klar geworden, dass die Ziele Klimaschutz und Qualität (städtebaulich, architektonisch und sozial) einen höheren Stellenwert genießt als das Ziel, einen möglichst hohen Verkaufspreis zu erzielen. Das Erbbaurecht soll eine wichtige Rolle spielen.

Im Anschluss an die Beratungen hatte die CDU noch einen Katalog mit Fragen zum Erbbaurecht eingereicht, die inzwischen beantwortet worden sind (siehe unten).

Dokumentation:

3. Infrastruktur: Energieversorgung

Eine weitere wichtige Voraussetzung für Gespräche mit Investoren ist die Infrastruktur des Geländes, die nach dem plötzlichen Aus der Papierproduktion komplett neu erstellt werden muss. Grade das wird – mit Blick auf die ökologischen Ziele der Stadt – inzwischen als große Chance verstanden.

Immerhin handele es sich bei Zanders um „die erste nachfossile Konversion“, betont Bürgermeister Stein immer wieder. Will heißen: Kohle, Öl und Gas werden hier nicht zum Einsatz kommen. Voruntersuchungen hatten zudem gezeigt, dass auch Wasserstoff und Biogas hier keine Option sind.

So könnte die Wärmebereitstellung durch eine zentrale Versorgung mit einer Wärmepumpe aussehen. Grafik: Stadt GL

Statt dessen schlägt das Projektteam in einem „Energiegrundkonzept“ eine zentrale Versorgung durch eine Großwärmepumpe vor – die auf das reichlich vorhandene Grundwasser, auf Abwasser und Luft zugreift.

Die notwendige Energie soll durch Photovoltaik auf den Dächern gewonnen werden. Das sei insgesamt die effizienteste, wirtschaftlichste und sinnvollste technische Lösung, so die Beschlussvorlage.

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Dafür ist jedoch ein Nahwärme- und ein Kältenetz notwendig, mit denen alle Gebäude mit eine neuen Energiezentrale auf dem Gelände des alten Kraftwerks verbunden werden müssen.

Die Beschlussvorlage schlägt nun vor, die technische Machbarkeit vertieft zu prüfen und gleichzeitig ein Betreibermodell entwickelt werden.

Dokumentation

Das auf die Papierproduktion spezialisierte Klärwerk könnte zu einem Aquapark umgebaut werden. Foto: Thomas Merkenich

4. Infrastruktur: Wassergrundkonzept

Auch bei der Ver- und Entsorgung der künftigen „Zanders-Stadt“ mit Wasser hat das Projektteam drei Varianten prüfen lassen. Ein umfassendes Thema, weil es dabei nicht nur um komplett neue Netze für das Trinkwasser und das Abwasser geht. Sondern auch um Regenwasser, Grundwasser und die Gewässer auf dem Gelände.

Die beiden extremen Optionen („weitermachen wie bisher“ vs „Green City“) wurden zurückgestellt, statt dessen schlägt die Stadt ein „ressourcenorientiertes“ Modell vor – was einen pragmatischen Kombination von „Green City“ mit der Grundwassernutzung darstellen soll – und mit dem Energiekonzept kompatibel ist.

Trink- und Betriebswasser sollen dem Grundwasser entnommen werden, das ohnehin auf dem Gelände mehr als reichlich vorhanden ist und derzeit sogar zum Teil in den Kanal abgepumpt werden muss.

Das hohe Grundwasser bleibt dennoch ein Problem, was neben der Grundwasserabsenkung durch Entnahme wahrscheinlich auch die Abdichtung der Gebäude und/oder die Verfüllung vorhandener Keller erfordere.

Das Regenwasser soll nach dem Prinzip der Schwammstadt auf möglichst vielen Gründächern zurückgehalten werden. Was abgeleitet werden muss soll nicht in Röhren fließen, sondern möglichst in offene Gräben und Auffangbecken (Rigolen) gehen.

So könnten offengelegte Teile der Strunde über das Gelände geführt werden. Vorgeschlagen wird Variante 3 (lila). Grafik: Stadt GL / aquadrat Ingenieure

Das Schmutzwasser kann in die vorhandene städtische Kläranlage Beningsfeld gehen, das über eine ausreichende Kapazität verfüge. Die auf Zanders vorhandenen Kläranlagen waren auf die Papierproduktion ausgerichtet und sind für normale Abwässer nicht geeignet.

Die Strunde soll in Teilen offengelegt werden, die Vorzugsvariante sieht einen Verlauf um die Staplerwerkstatt und durch den Gleispark vor. Für diesen relative kurzen Fließverlauf spreche die größere Naturnähe und bessere Umsetzbarkeit.

Dokumentation

Neben der Beschlussvorlage gibt es einen 150-seitigen Erläuterungsbericht zur Erstellung des Wassergrundkonzeptes

5. Pilotprojekt Zentralwerkstatt

Über die Basiskonzepte hinaus hat das Zanders-Team auch an einem konkreten Pilotprojekt gearbeitet. Zunächst hatte das sogenannte Museum im Fokus gestanden, doch dann sind die Planer auf die sehr viel größere und vielseitig zu nutzende Zentralwerkstatt gekommen.

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Das vielfältig gegliederte und ausgebaute Gebäude von 1880 rund um eine große zentrale Halle gehört zu den ältesten des ganzen Geländes und soll schrittweise zu einem gemeinwohlorientierten Quartierszentrum ausgebaut werden. Mit einer Eventhalle, Gastronomie, Konferenz- und Ausstellungsräumen, Projektbüro und einigem mehr. Als Keimzelle der künftigen „Altstadt“ mit einem Mix aus Wohnen, Gewerbe und Gastronomie.

Eine Visualisierung, wie die sanierte Zentralwerkstatt rechts zum „Altstadtplatz“ geöffnet werden kann.

Dafür hat die Stadt einen Antrag auf Städtebauförderung im Volumen von zehn Millionen Euro erarbeitet, im Rahmen der Regionale 2025 sollen 70 Prozent der Investitionen vom Land kommen. In nächste Schritt, so die Beschlussvorlage, soll ein Nutzungs- und Betreiberkonzept erarbeitet werden.

Für die Bewilligung rechnet die Stadt mit rund einem Jahr und einer Bauzeit von zwei Jahren – so dass dieser Traum 2027 Wirklichkeit werden könnte.

Dokumentation

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Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Von einem, der sonst gerne meckert, mal zwei Komplimente:
    1. Hervorragender Beitrag, journalistisch sehr gut aufgearbeitet! Präzise und verständlich, nicht zu detailverliebt, stattdessen faktenorientiert. Top!
    2. Auch das eigentliche Projekt scheint mir gut strukturiert angegangen zu werden. Hoffen wir, dass die Zusammenarbeit zwischen Stadt und neuer Planungsgesellschaft fruchtbar wird!

    Eine Frage hätte ich, die nun hier in der Zusammenfassung nicht mehr thematisiert wurde (oder habe ich es überlesen?): Wie ist der Planungsstand bei der verkehrlichen Erschließung? Ist eine Verlängerung der Straßenbahn ins Quartier noch ein Thema?

    1. Zum Thema Verkehr gibt es noch keine neuen Vorlage. Die Verlängerung der Straßenbahn ist grundsätzlich ein Thema, aber offenbar mit geringer Realisierungschance, da ja parallel die S 11 ausgebaut wird. Anbindungen per Bus, Shuttle oder welche Verkehrsmittel der Zukunft nach Thielenbruch oder über den Bahndamm zur Linie 1 der KVB sind denkbar.