Pförtnerhaus und Wiegeanlage an der Einfahrt zum Zandersareal an der Cederstraße. Hier könnte ein Büdchen mit Strand entstehen. Foto: Redaktion

Einen umfassenden Projektfahrplan für die Zanders-Konversion haben die Projektgruppe der Stadt und die Zanders-Entwicklungsgesellschaft (ZEG) im Ausschuss vorgelegt. Neben grundlegenden Planungen für das ganze Areal listet er viele Teilprojekte und Zwischennutzungen auf, erstmals mit Zeitangaben. Welches Gewicht die kurzfristigen Zwischennutzungen haben sollen, bleibt umstritten – zumal immer neue Ideen hinzukommen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Büdchen mit Strand und Blick auf Wasserbecken?

In drei Jahren, das hatte Oliver Brügge als Chef der neuen Zanders-Entwicklungsgesellschaft angekündigt, sollen die ersten von später einmal rund 3000 Menschen auf Zanders einziehen. Doch damit diese Vision Realität wird, müssen jetzt sehr viele Dinge parallel abgearbeitet, entsprechende Fachleute gefunden werden, räumte Brügge jetzt im Zanders-Ausschuss ein.

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Um welche Dinge es dabei konkret geht, bildet ein neuer Projektfahrplan für die nächsten vier Jahre ab, den das Projektteam der Stadtverwaltung und die ZEG am Mittwoch dem Zanders-Ausschuss in Form einer bislang nicht veröffentlichten Tischvorlage vorstellten. Enthalten sind zwar nur die wichtigsten Planungsschritte, sie füllen aber selbst in einer sehr kleinen Schriftart mehr als vier Seiten.

„Über allem“ stehen die entscheidenden Weichenstellungen für das Gesamtgelände, die in einem Städtebaulichen Entwicklungsplan festgelegt werden, erläuterte Udo Krause, früher Chef der Projektgruppe Zanders und nun als Prokurist der zweite Mann in der ZEG. Der Entwicklungsplan wird durch das Büro Albert Speer und Partner derzeit erarbeitet, ein erster Entwurf soll laut Krause im März 2026 vorliegen.

Auf den Entwicklungsplan baut die Infrastrukturplanung auf, in der die Ver- und Entsorgung des Areals mit Wasser, Strom und Wärme festgelegt wird. Beide Planwerke seien die Voraussetzung für eine Vermarktung von Teilbereichen des Geländes.

Dennoch bearbeitet die ZEG gemeinsam mit der Stadtverwaltung bereits insgesamt elf thematische Teilprojekte, wie die Umsiedlung der Stadtbibliothek in das Kantinengebäude, den Umbau der alten Zentralwerkstatt in ein sozio-kulturelles Zentrum, die Öffnung des Gleisparks oder die Unterbringung eines Teils der Berufskollegs im sogenannten Exzellenzgrundstück.

Ein wichtiges, aber ehrgeiziges Teilprojekt sei (nach der Öffnung der Mainstreet in Nord-Süd-Richtung) die Öffnung einer Ost-West-Verbindung durch das Areal. Dafür müssten einige Gebäude abgerissen werden; bis zum Herbst soll dafür ein Plan präsentiert werden.

Das dritte Kapitel des Projektfahrplans listet Zwischennutzungen auf – also Projekte, die kurzfristig und auf begrenzte Zeit umgesetzt werden können, bis die entsprechenden Gebäude und Flächen endgültig neu genutzt werden. Dazu gehört neben der Nutzung des „Museums“ als Veranstaltungsort auch die Einrichtung einer Atelier-Etage für lokale Künstler im Werkstattgebäude.

Die Atelier-Etage steht eigentlich kurz vor dem Bezug, allerdings müsse nun noch eine Rauchabzugsanlage eingebaut werden, was bis Ende Juli geschehen soll, berichtete der Beigeordnete Migenda im Ausschuss.

Neun mögliche Zwischennutzungen finden sich im Fahrplan, darunter auch die Nutzung der großen Hallen für Ausstellungen, Gastronomie und/oder Veranstaltungsorte.

Im vierten Kapitel werden 13 Machbarkeitsstudien aufgezählt, die sich auf einzelne Gebäude beziehen.

Der Ausschuss begrüßte den Projektfahrplan einhellig, doch zeigten sich bei der zeitlichen Prioritätensetzung deutlich unterschiedliche Akzente.

Für die CDU forderte Fraktionschef Michael Metten ein, sich nicht in möglichen Zwischennutzungen zu verzetteln, sondern so schnell wie möglich die Grundlagen für eine Vermarktung von Teilflächen zu legen. Nicht nur die Bürger:innen warteten mit zunehmendem Unverständnis auf konkrete Projekte, sondern auch die Unternehmer – wie er selbst auch. Aus städtischer Sicht sei es zudem wichtig, dass so schnell wie möglich Geld in den Haushalt zurück fließt.

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SPD und Grüne warben dagegen dafür, das bislang einhellige Verfahren, die notwendigen Grundlagen zu legen und systematisch vorzugehen, nicht aufzugeben.

Für eine Überraschung sorgte die FDP, die sich gegen die bereits im Kulturausschuss beschlossene Verlegung der Stadtbibliothek auf das Zanders-Gelände wandte. Es sei ein grober Fehler, diese Entscheidung bereits vor Abschluss der städtebaulichen Entwicklungsplanung zu treffen.

Ein Einwand, der – mit Blick auf das in mehreren Sitzungen diskutierte und geprüfte Verfahren – bei SPD und Grünen auf Fassungslosigkeit stieß und auch von der CDU nicht mitgetragen wurde. Der Ausschuss stimmte dem Vorschlag geschlossen (gegen die Stimme der FDP) zu.

Die riesigen Becken des auf die Papierproduktion spezialisierten Klärwerks ist inzwischen trocken gelegt worden. Auf dem Grünstreifen rechts könnte ein Büdchen mit Außenanlage, Terrasse und Strand angelegt werden. Foto (Archiv): Thomas Merkenich

Zum Schluss der Sitzung schlug Josef Cramer (Grüne) eine weitere Zwischennutzung vor: An der Einfahrt zur Mainstreet von der Cederstraße aus stehen ein altes Pförtnerhaus und eine Baracke, die für die Wiegeeinrichtung genutzt worden waren, auf einem Grünstreifen mit Blick auf die Wasserflächen der ehemaligen Kläranlage. Könnte man dort nicht ein Büdchen mit Außenfläche eröffnen, um das Gelände noch mehr zu beleben?

Keine verrückte Idee, sondern ein Projekt, das auch die ZEG bereits überlege, entgegnete Brügge. Vielleicht könne man dort sogar etwas Sand für einen Stadtstrand aufschütten und eine Terrasse mit Blick auf das Wasser bauen. Das sei aber nur ein kleines Nebenprojekt, betonte der ZEG-Geschäftsführer mit Blick auf die CDU.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. …Die Stadt vergammelt immer mehr…Straßen…Schulen…Sporthallen gesperrt… Fußgängerzone… Stadtteile… Hallenbäder… ach endlose Beispiele ließen sich hier aufzählen.
    Wäre es nicht erstmal sinnvoll sich um die marode Stadt zu kümmern? Anstatt Visionen zu entwickeln, die in 10-20Jahren umgesetzt werden. Wir leben im jetzt und hier!! Das Zanders Gelände wird m.E. als die Lösung aller Probleme der Stadt gesehen…Wohnquartier..Kitas..Schulen…Badesee mit Strand..und was weiß ich noch alles…
    Es gibt Projekte in der Stadt, die eine gewisse Priorität haben, damit BGL weiterhin lebens- und liebenswert bleibt. Wie es jetzt läuft.. geht die Stadt kaputt!
    Symbol dafür ist das Waffeleisen!!

    1. Es werden gerade im Rekordtempo Schulen saniert und teilweise neugebaut, auch Straßen wurden in den letzten Jahren schon einige saniert. Klar wünschen wir uns, dass alles noch schneller ginge, am besten über Nacht. Aber wir sollten anerkennen, dass Stadtverwaltung und Politik in den letzten Jahren Einiges angepackt haben – nachdem zuvor jahrzehntelang kaum investiert wurde (u.a. wg. Nothaushalten).

      Dinge gegeneinander aufzurechnen, für die unterschiedliche Abteilungen zuständig sind, ergibt keinen Sinn. Die Zanders-Konversion ist ein wichtiges Zukunftsprojekt, mit dem die Innenstadt endlich eine Entwicklungsperspektive bekommt. Ist doch prima, dass es damit vorangeht – und gleichzeitig Ressourcen da sind für die notwendige “Pflege” der Infrastruktur!

      1. Dass ich der Zustand der Straßen in den letzten vier Jahren dramatisch verschlechter hat, haben sie aber schon mitbekommen?
        Und die meisten Schulsanierungen, die jetzt stattfinden, sind schon vor ca. acht Jahren beschlossen worden (NCG).

      2. @L. Klein
        “Dass ich der Zustand …. den letzten vier Jahren dramatisch verschlechter hat, haben sie aber schon mitbekommen?”

        Logisch, der Zahn der Zeit nagt doch an (fast ) Allem! Auch an MIR und an IHNEN.

      3. Na, wenn Sie das als “Rekordtempo” sehen, das Firmen herabfallende Leuchten reparieren, sehen..wow!
        Wer verantwortet dieses “Rekordtempo” ? Der Hinweis auf “unterschiedliche Abteilungen” ist völlig daneben, ..Zuständigkeiten für das Versagen verantwortlich zu machen…. geht nicht!!! Es gibt eine Verwaltung! unter einer Führung! mit Leitungen der Fachbereiche, die sich abstimmen und nicht als “Einhorn” arbeiten….

    2. An all diesen Dingen wird doch intensiv gearbeitet: Schulen, Sporthallen etc. … Der Sanierungsstau wird systematisch abgearbeitet und sehr viel Geld dafür in die Hand genommen. Auch Zanders hat schon Geld gekostet – deshalb sollte das Gelände auch genutzt werden, um kurz- und langfristige Probleme zu lösen. Gut, dass sich viele Leute Gedanken darüber machen.

    3. @Steffi: Glauben Sie “Projekte in der Stadt” sind nicht irgendwann aus Visionen, zumindest aber aus längerfristigen Planungen, entstanden? Ich hoffe doch sehr, dass die Verantwortlichen einer Stadt 10 bis 20 Jahre vorausdenken.

  2. Ist jetzt der 1.April!? Ein Strand ️ an Klärbecken anlegen!? Bitte einfach auf die grundsätzliche Entwicklung konzentrieren! Viele Grüße
    Robert Martin Kraus
    Stadtrat für die CDU aus Refrath/Lustheide

    1. Nein, das ist kein Witz, zumal ihr der grundsätzlichen Entwicklung und dem Zeitplan zugestimmt habt. Ich wünsche mir ebenfalls, dass es alles schneller geht – das wird es aber nicht und gerade deshalb kann man das Büdchen aktivieren, welches eh im ÜSG liegt.

      ________
      Hinweis der Redaktion: Josef Cramer ist Ratsmitglied der Grünen. ÜSG steht für Überschwemmungsgebiet

  3. Die Stadt sucht dringend Räume und angeblich erfolglos als Depot für die Museen. Mir ist es Rätsel wieso man erst jetzt darauf kommt, dass diese auf dem Zandersareal zu finden wären

    1. Ist das ein Zitat von Herrn Metten? Wir kann man dann den letztenHalbsatz deuten? Hofft er auf Aufträge?

      “Für die CDU forderte Fraktionschef Michael Metten ein, sich nicht in möglichen Zwischennutzungen zu verzetteln, sondern so schnell wie möglich die Grundlagen für eine Vermarktung von Teilflächen zu legen. Nicht nur die Bürger:innen warteten mit zunehmendem Unverständnis auf konkrete Projekte, sondern auch die Unternehmer – wie er selbst auch.”

      1. @Ernst M. Vielleicht etwas zu sehr verknappt. Metten führte aus, dass die Wirtschaft und die Unternehmer mit Unverständnis darauf reagieren, dass es mit den konkreten Projekten so lange dauert. Dieses Unverständnisse teile er als Unternehmer.