Der Cyberangriff auf den Dienstleister Südwestfalen IT wirkt sich auch auf die Stadtverwaltung und die Kreisverwaltung aus. Davon betroffen sind alle Dienstleistungen, bei denen auf Daten übergeordneter Behörden zugegriffen werden muss. Etwa bei der Anmeldung von Fahrzeugen, im Ausländeramt, im Standesamt und auch im Wohnungswesen. Die Bürgerbüros der Stadt haben alle Termine abgesagt, das Serviceportal ist offline. Erste Ermittlungen lassen eine längere Störung vermuten.

Die Sprecherinnen von Stadt Bergisch Gladbach und Kreis Rhein-Berg bestätigen auf Anfrage, dass sie in einigen Bereichen mit dem Dienstleister Südwestfalen IT (SIT) zusammen arbeiten. Und daher auch von dem offenbar massiven Cyberangriff auf das Unternehmen betroffen sind. Einige Dienste können daher nicht angeboten werden, beide Verwaltungen sind per Mail und Telefon erreichbar. Auch die Websites sind online.

+ Anzeige +

Bei der Stadt Bergisch Gladbach ist das Bürgerbüro weitgehend lahm gelegt. Bereits am Montag mussten 150 Termine abgesagt werden, teilt die Stadt am Montagmittag mit. Aktuell könnten keine Termine eingehalten werden, da alle Dienstleistungen des Bürgerbüros beeinträchtigt seien.

Das Bürgerbüro werde soweit möglich alle Betroffenen kontaktieren, um alternative Termine zu vereinbaren. Die dezentralen Bürgerbüros in Bensberg und Refrath bleiben vorübergehend geschlossen.

Das Serviceportal der Stadt wird von SIT betrieben und ist ebenfalls nicht erreichbar.

Beim Standesamt können keine elektronischen Beurkundungen durchgeführt werden. Auch hier wurden bereits Termine von Betroffenen abgesagt oder verschoben. Eheschließungen können in den kommenden Tagen wie geplant stattfinden, da die Urkunden bereits erstellt wurden.

Die Gewerbestelle der Ordnungsbehörde kann aktuell keine Gewerbemeldungen bearbeiten.

Im Finanzbereich ist die Abteilung Kommunalsteuern derzeit nicht arbeitsfähig ist, da der gesamte Schriftverkehr über ein SIT-Programm abgewickelt wird.

Im Bereich Soziales wurden bereits die monatlichen Zahlungen an Asylsuchende für den kommenden Monat abgewickelt. Die Abteilungen für Elternbeiträge und Sozialleistungen können nur eingeschränkt arbeiten.

Auch Kreisverwaltung schränkt Leistungen ein

Grundsätzlich gehe es um alle Dienstleistungen, bei denen die Kreisverwaltung auf Daten von Landes- oder Bundesbehörden zugreifen müssen, erläutert Kreis-Sprecherin Birgit Bär. Zum Beispiel beim Kraftfahrtbundesamt. Daher sei zum Beispiel die Anmeldung von Fahrzeugen nicht möglich. Auch die Ausländerbehörde und das Sozialamt des Kreises können nur eingeschränkt arbeiten.

Der Kreis habe alle Verbindungen zu Südwestfalen IT aus Sicherheitsgründen getrennt. Zum Glück arbeite die Kreisverwaltung in den meisten Bereichen mit eigenen IT-Lösungen, die nicht betroffen seien, sagt Bär. Der Kreis sei per Telefon und Mail erreichbar; dort könne man sich erkundigen, welche Dienste eingeschränkt sind.

Zentralstelle Cybercrime übernimmt

Südwestfalen IT hatte am Montag von einem groß angelegten Hackerangriff berichtet und alle Verbindungen gekappt. Einschätzungen, wie lange eine Wiederaufnahme der Arbeit dauert, gibt es derzeit nicht. In der Regel lassen sich solche Probleme nicht kurzfristig beheben. Insgesamt sind 72 Mitgliedskommunen von SIT betroffen, zum Teil in einem deutlich größeren Ausmaß als in Bergisch Gladbach.

Inzwischen hat die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC NRW) bei der Staatsanwaltschaft in Köln die Ermittlungen übernommen. Weil es sich um ein herausgehobenes Verfahren handelt , sagte der ermittelnde Staatsanwalt der ZAC NRW, Christoph Hebbecker, der Siegener Zeitung.

Der Angriff sei in der Nacht von Sonntag auf Montag gegen 1 Uhr erfolgt. Wie im Notfallplan vorgesehen wurden alle Systeme heruntergefahren, um eine weitere Ausbreitung der Schadsoftware zu verhindern. Auf der Basis von so genannter IT-Forensik sei nun zunächst zu klären, welche Software eingesetzt wurde. Derzeit sei noch keine Tätergruppierung einzugrenzen.

Erschwert würden die Ermittlungen dadurch, so der Ermittler, dass viele Rathäuser nur schwer zu erreichen seien. – sowohl digital als auch telefonisch. Hebbecker warnte: „Die Situation ist dynamisch, diese Geschichte wird uns länger beschäftigen.“

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

11

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. DER FISCH STINK VOM KOPF

    Mal die Fakten die mir bekannt sind:
    Meldung vom 08.12.2023: Die Südwestfalen-IT wurde Ende Oktober Opfer eines Cyberangriffs.
    Die Datenscherung sind nicht vorhanden oder derzeit unbrauchbar.

    Mutmaßlich wurden keine Daten von Bürgern entwendet. (Wie und wer hat das mit welchem Fachwissen festgestellt?)

    Die SIT ist ein IT Dienstleister des Kreises Bergisch Gladbach der vielleicht gute oder schlechte Arbeit geleistet hat. Wie sind die Verstagsbedinungen zwischen dem Kreis und der SIT?
    Wer ist eurer Meinung nach für die Datensicherheit verantwortlich, wenn Ihr eure personenbezogenen Daten in das Kreishaus gebt?
    Es gibt bestimmt tolle IT Mitarbeiter im Kreishaus. Sind diese in der Vergangenheit gehört worden, wenn diese Personen mögliche Kritik über das Vertragsverhältnis zum Dienstleiser geäußert hätten?
    Fragen über Fragen

  2. Ich verstehe nicht, weshalb die Behöden ihre Datencenter Lokal hosten und nicht damit in einer Public Cloud, z.B. von Microsoft, Google oder AWS sind. Unternehmen in der Größe können vor allem mal zwei Dinge gewährleisten: eine anständige Cybersecurity und Ausfallsicherheit.

    1. Ist das Ihr Ernst? Vermutlich ist das ein Kommentar in Ironie verpackt.
      Meinen Sie wirklich, dass Daten bei den in America ansässigen Unternehmen Microsoft und Google sicher sind?

  3. Auch Ende November geht im Rheinisch Bergischen Kreis so gut wie nichts. Ich habe ein wenig den Eindruck das das Ausmaß etwas herunter gespielt wird. Angeblich gab es bei SIT schon vor ca 4 Jahren einen ähnlichen Vorfall. Ich verstehe nicht das offensichtlich bei den Behörden kein Ausfallkonzept existiert. Anfang des Jahres gab es eine Ähnliche Situation in Potsdam dort hat es angeblich ca. 4 Monate gedauert. Für Fristen die ich wegen der Problematik nicht einhalten kann muss ich natürlich Grade stehen.

  4. Ich frage mich, wie die Ransomware sich bei einem IT-Dienstleister, wo eigentlich Profis am Werk sein sollten, aktiv werden und dann so lange deren Systeme außer Gefecht setzen konnte.

    Setzen die dort keine bzw. die falschen Virenscanner ein? Hat deren Mitarbeitern niemand gesagt, dass man nicht auf unbekannte Anhänge in E-Mails klicken soll?

    Und selbst wenn die Ransomware sich an allem vorbeimogeln konnte. Wieso hat dieser Dienstleister kein vernünftiges Recovery-Konzept, wo er die betroffenen Rechner einfach von Grund auf löscht, neu installiert (oder durch Reservegeräte ersetzt) und dann die Daten vom letzten Backup wieder einspielt?
    Sowas sollte eigentlich nicht länger als 24h dauern, wenn man es denn gut vorbereitet und auch mal eingeübt hat.

    Aber es scheint wie so oft zu sein: Wenn der Kunde die öffentliche Hand ist, sind zweit- und drittklassige Unternehmen am Werk. Und es kostet den Steuerzahler zwar ordentlich Geld, aber die Leistung ist – spätestens im Krisenfall – ziemlich mau. Kennt man ja auch von öffentlichen Baustellen, die grundsätzlich nie zu dem vereinbarten Preis und schon gar nicht pünktlich fertig werden. Oder von Webseiten, wie der in 2005 neu erstellten für die Arbeitsagentur, die über 100 Mio EUR gekostet hatte und dann lange Zeit nicht richtig funktionierte. Man kann sich manchmal echt nur wundern.

  5. Es gab in den letzten Monaten genau so etwas auf viele viele Städte und Kommunen.
    So etwas war vorherzusehen ! Auch ich habe in mehreren Kommentaren davor gewarnt.

    Als Beispiel unter dem Artikel: ,,Kommunal, kurz & knapp: Antriebe, Feste, Hochwasser und andere Krisen
    von G. Watzlawek
    15. März 2023″

    Aber auch unter anderen Artikeln habe ich davor gewarnt.

    Da habe Ich davor gewarnt. Weil ich die Bedrohung von Hacking erkannt habe.

    Muss denn immer erst was passieren Das ist keine Kritik an Mitarbeiter der Stadt BGL.
    Sondern einfach das man sich rüstet auf Szenarien.
    Hoffe das Ding wird an die Polizei weitergegeben.

    1. Und? Hat niemand auf Sie gehört? Welche Sicherheitsvorkehrungen haben Sie der Stadt empfohlen?

      Was wollen Sie uns mit diesem Hinweis sagen?

      1. In der Stadverwaltung wird man sicher nicht jeden Kommentar unter einer Meldung im Netz lesen und befolgen, ein externer Dienstleister wird das schon gar nicht tun.

        Trotzdem wird seit längerem unter anderem auch vom BSI vor derartigen Angriffen gewarnt, und das ist schon eine deutlich gewichtigere Stimme. Für gewerbliche Anwender gibt es auch Sicherheitsaudits, u.a. nach VdS 10000 ff. Man muss das nur wollen und auch umsetzen. Und man mus die Bedrohung ernst nehmen.

        Beim hier angegriffenen Dienstleister gab es anscheinend Lücken im Sicherheitskonzept. Als Stadverwaltung könnte und sollte man sich da durchaus überlegen, in Zukunft jemand anderen zu beauftragen.

    2. Herr Flosbach,
      Sie werden doch wohl wissen, dass in einem solchen Fall die Kriminalpolizei eingeschaltet wird. Aber den Rat können Sie ja auch noch der Südwestfalen-IT und allen Behörden geben.

      1. Sehr geehrter Herr/Frau Nüm,
        aber natürlich weiß ich das. Danke das sie so sachlich bleiben.
        Geschichten sind immer dynamische Entwicklungen sodass Kommentare oder Einschätzungen schnell ihren Inhalts-Wert verlieren. Einfach weil die Kenntnislage und Sachlage sich permanent aktualisiert.
        Beispiel: Noch im Februar 2020 haben hunderttausende Menschen in Köln den Karneval gefeiert. Und wenige Tage später war es undenkbar auch nur mit einer Gruppe von einem dutzend zusammenzufeiern.
        Das lag nicht daran das sie nachlässig oder dumm waren. Es gab auch damals schon die C Lage. Aber es lag daran das sie Menschen ihrer Zeit waren und dann die Entwicklung kam.
        Dennoch sollte man sie stehen lassen.

        Und zu dem Zeitpunkt wo ich den Kommentar geschrieben habe (31. Oktober 2023 um 13:46) hatte ich den letzten Artikel zu dieser Sache auch vor einem halben Tag gelesen. Und da war es noch keine so große Sache. Es war eine Erwähnung wert aber mehr viel mehr auch nicht.
        Und vieles war sehr unklar und wurde wage formuliert. Auch über das Handeln der einzelnen Akteure.

        Nun sieht die Sachlage aber ganz anders aus. Und das Ausmaß ist enorm. Manche Medien berichten von 70 Kommunen ? Viele Medien berichten darüber. Selbst überregionale und internationale Medien berichten über den Vorfall.
        Und auch das Innenministerium hat sich eingeschaltet. So wie es aussieht nimmt man den Fall sehr Ernst.

        Es gibt sogar Berichte das ein Krankenhaus oder Krankenhäuser betroffen sind. Und auch jetzt gilt. Vieles ist noch unklar und ist noch Ermittlungssache von den zuständigen Experten. :) Nicht von irgendwelchen Menschen die im Internet kommentieren.

        Auch jetzt noch ist es eine sehr dynamische Entwicklung. Vieles kann sich noch ändern. Tausende Fragen sind zu klären. Aber das machen zum Glück die IT Experten und die Sicherheitsbehörden. Ich gehe aus jetziger Kenntnislage davon aus das sich da auch was ändern wird. Das ist aber reinste Spekulation.

        Meine Message war eine andere:
        Städte und Kommunen sollten die Gefahr von Hackerangriffen/Cyberkriminalität sehr Ernst nehmen. Und auch gucken wie sie in solchen Situationen korrekt reagieren.
        Und wie sie sowas versuchen zu verhindern (IT Sicherheit, Datenschutz ,Systeme, Mitarbeiter schulen)

        Denn die Folgen von solchen Hackerangriffen sind enorm. Sie können enorm sein. Stellt euch mal vor was bei einem Angriff auf ein Krankenhaus oder auf ein Kraftwerk passieren kann. Oder auf ein Wasserwerk ?

        Viele viele handeln nämlich falsch. vor allem kleinere Unternehmen. Manche zahlen sogar Lösegeld an irgendwelche zwiespältige Adressen.
        Oder machen andere Fehler. Mit Speichermedien. Mit Links. Mit Hardware. Mit Drittanbietern. Mit Downloads. Mit Files. Mit Mitarbeitern. Die Liste ließe sich immer weiter füllen.

        Man sollte einfach die Unternehmen und Kommunen dafür sensibilisieren. Und jeden einzelnen.
        Genauso wie man einen Feuerallarm probt, Erste Hilfe probt, BlackOuts trainiert so sollte man auch die Gefahr Ernst nehmen. Klar es lässt sich nicht vermeiden. Aber man kann die Resilienz verstärken genauso wie man sich auch vor Hochwasser/Dürre schützen kann.
        Aber nach den ganzen Attacken die es in den Letzten 7 Tagen gab wird es das sicher geben.
        Ich hoffe das man die Situation schnell und professionell klären kann. :)

        Die werden bestimmt bald eine Kampagne starten. Wartet ab. Ich werde die Sache verfolgen weil ich Geschichten spannend finde.

        Freundliche Grüße

        Fabian