Dr. Ina Dinter

An der Spitze des Kunstmuseums Villa Zanders gibt es bald einen Wechsel: Die Kunsthistorikerin Dr. Ina Dinter folgt auf Dr. Petra Oelschlägel, die zum 31. März das Haus verlässt. In einem ersten Gespräch hat sich Dinter jetzt in Bergisch Gladbach vorgestellt. Was unter ihrer Regie zu erwarten ist, ließ die Kunsthistorikerin jedoch offen. Geplante Ausstellungen laufen noch bis zum Sommer. Dann steht in der Villa Zanders eine weitere zentrale Personalie an.

Die Führungsspitze im Kunstmuseum Villa Zanders steht vor einschneidenden Personalwechseln. Dr. Ina Dinter übernimmt zum 1. April 2024 die Leitung des Hauses und folgt damit auf Dr. Petra Oelschlägel, die dreißig Jahre am Kunstmuseum aktiv war und das Haus seit 2011 leitet. Die neue Direktorin wird im Kunstmuseum in Bergisch Gladbach eine Vollzeitstelle bekleiden.

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Dinter (geb. 1985 in Köln) studierte in Tübingen Kunstgeschichte und Philosophie und beendete ihr Studium mit der Promotion an der Universität Eichstätt. Ihre Karriere startete die Kunsthistorikerin an den Staatlichen Museen zu Berlin, wo sie im Kupferstichkabinett zunächst ihr Volontariat absolvierte. Ab 2017 folgte die Position als Ausstellungsleiterin am Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart.

Erfahrung in der Führung eines Ausstellungshauses sammelte sie ab 2019 mit der Leitung des Kunstmuseums Reutlingen, das zu den größten kommunalen Kunstmuseen Baden-Württembergs zählt. Es verfügt an zwei Standorten über 2.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Jährlich werden dort etwa zehn Sonderausstellungen in den Bereichen Graphik und Hochdruck, konkrete Kunst sowie zeitgenössische Positionen gezeigt. Das Haus verfügt über umfangreiche Sammlungen.

Personalwechsel im Kunstmuseum: Im April wird die Leitung der Villa Zanders wechseln, die Neubesetzung auf der Position der wissenschaftliche Assistenz folgt zur Jahresmitte, Foto: Thomas Merkenich

Themen noch offen

Zu ihren Schwerpunkten gehörten Graphik sowie zeitgenössische Kunst, erklärte Dinter bei der Vorstellung durch Bürgermeister Frank Stein am Mittwoch. Konkrete Themen für künftige Ausstellungen wolle sie indes noch nicht nennen, sagte Dinter. Zunächst wolle sie Gespräche mit dem Team vor Ort führen.

Bis Juni ist im Museum noch die aktuelle Ausstellung mit Werken von Oskar Holweck zu sehen. Ende März wird zudem die Schau „Martin Noël – Otto Freundlich: Die Entdeckung der Moderne” eröffnet, die bis Ende August läuft. Beides Ausstellungen, kuratiert von ihrer Vorgängerin Petra Oelschlägel. Erst danach wird Dinters Handschrift sichtbar.

Sie bringe sicher spannende Künstler:innen mit nach Bergisch Gladbach, erklärte Dinter. Sie sei aber keine ausgewiesene Expertin im Sammlungsschwerpunkt der Villa Zanders, der Kunst aus Papier.

Diesen Fokus wolle sie im Blick behalten, „es ist wichtig dass Kunstmuseen solche Schwerpunkte verfolgen”, machte die Kunsthistorikerin klar. Insofern sei der Ausbau der Sammlung auch eine Verpflichtung. Bei einem Ankaufsetat von derzeit 10.000 Euro pro Jahr werden dabei Schenkungen wie bisher eine zentrale Rolle spielen.

Kurz erklärt: Villa Zanders

Das Kunstmuseum Villa Zanders lockt jährlich zahlreiche Besucher:innen nach Bergisch Gladbach. Einst das Wohnhaus der Familie Zanders, die mit ihrer Papier-Fabrik über Jahrzehnte zu den größten Arbeitgebenden der Stadt gehörte, bilden heute unterschiedlichste Ausstellungen, Salongespräche und Führungen einen wichtigen Teil der Bergisch Gladbacher Kulturszene ab.

Das Kunstmuseum umfasst auf drei Etagen rund 1.000 qm Ausstellungsfläche. Während die historischen Räume Roter Salon und Grüner Salon einen glanzvollen Rahmen für die Werke der Düsseldorfer Malerschule des 19. Jahrhunderts bieten, werden die beiden oberen Etagen überwiegend für Wechselausstellungen zur Kunst der Gegenwart genutzt.

Erbaut wurde die Villa 1873/1874. Seit 1974 fanden sporadisch erste Ausstellungen statt und 1992 konnte die Stadt Bergisch Gladbach nach umfangreichen Umbaumaßnahmen hier ihr eigenes Kunstmuseum eröffnen.

Mehr Infos auf den Webseiten des Museums.

Überblick gewinnen

Auch bei weiteren Themen und tradierten Konzepten will Ina Dinter zunächst einen Überblick gewinnen. Dies gelte zum Beispiel für die Reihe „Ortstermine” zur Präsentation lokaler Künstler:innen im Kunstmuseum, die sie vor Ort kennenlernen wolle.

Aber auch für das Rahmenprogramm. Langfristig werde sie dort Akzente setzen, wo neue Zielgruppen erschlossen werden könnten. Kooperationen mit Vereinen und Institutionen seien denkbar. „Auch über das Rahmenpgoramm gewinnen wir Besucherinnen und Besucher für das Kunstmuseum“, unterstrich Dinter diesen Aspekt der Museumsarbeit.

„Kunstvermittlung hat einen hohen Stellenwert”, machte die künftige Chefin in der Villa Zanders zudem klar. Sie freue sich, dass ein entsprechendes Volontariat zur Museumspädagogik gerade ausgeschrieben worden sei.

85 Ausstellungen realisiert

Sie gehe nicht unbedingt mit Wehmut, sondern freue sich vielmehr auf die Zeit danach, erklärte Dr. Petra Oelschlägel. Sie war bei der Besetzung ihrer Nachfolgerin nicht direkt eingebunden, hatte gleichwohl durch frühzeitige Gespräche mit der Stadt die Weichen für eine Nachbesetzung nach ihrem Ausscheiden gestellt.

85 Ausstellungen werde sie dann realisiert, die Vermittlungsarbeit gestärkt und das Kunstmuseum in der Stadtgesellschaft fest verankert haben, so ein erstes Fazit der scheidenden Kunsthistorikerin. Das sei eingedenk des Personalumfangs gut gelungen, „klar, mit mehr Ressourcen kann man mehr erreichen.“

Petra Oelschlägel, scheidende Direktorin des Kunstmuseums Villa Zanders. Foto: Thomas Merkenich
Zur Person: Dr. Petra Oelschlägel

Mit dem Ausscheiden von Dr. Petra Oelschlägel endet eine Ära am Kunstmuseum Villa Zanders. Die Kunsthistorikerin startete nach Mitarbeit im MoMa New York und einem Volontariat am Sprengel Museum Hannover bereits 1993 in Bergisch Gladbach. Zunächst als Assistentin von Gründungsdirektor Dr. Wolfgang Vomm.

Oelschlägel profilierte sich mit der Reihe „Salonstücke“ und der international viel beachteten Themenausstellung „Einrichten – Leben in Karton“. Mit der Übernahme der Leitung in 2011 baute sie den Bildungsauftrag des Museums gleichrangig mit der Ausstellungstätigkeit aus: Hierzu gehörten Kooperationen mit Schulen und Hochschulen sowie Workshop- und Vermittlungsangebote für Familien, Jugendliche, Senioren, Menschen mit Demenz.

Es folgten zahlreiche, vielbeachtete Ausstellungen zu Kunst aus Papier, nonfigurativer Kunst und Malerei. 2021 legte das Haus den Bestandskatalog zur hauseigenen Sammlung „Kunst aus Papier“ vor. In der Reihe „Ortstermin“ gab Oelschlägel immer wieder Künstler:innen aus der Region eine Bühne.

Mit der Ausstellung „Martin Noël – Otto Freundlich. Die Entdeckung der Moderne“ bereitet die Kunsthistorikerin derzeit ihre 85. Ausstellung im Kunstmuseum Villa Zanders vor. Die Eröffnung ist für Ende März 2024 geplant.

Das Haus werde überregional gut angenommen, es sei nicht zuletzt mit den beiden laufenden bzw. geplanten Ausstellungen gut aufgestellt, sie übergebe es in gutem Zustand.

Oelschlägel dankte ausdrücklich ihrem Team, der wissenschaftlichen Assistentin Sabine E. Müller, den Ehrenamtlern und Mitarbeitern des Kunstmuseums, und besonders dem Galerie & Schloss e.V. für dessen Unterstützung.

Aktuell ist im Kunstmuseum u.a. eine Ausstellung mit Kunst aus Papier von Oskar Holweck zu sehen. Foto: Thomas Merkenich

Weiterer Wechsel in 2024

Bürgermeister Frank Stein zeigte sich erfreut, dass man mit Ina Dinter eine kompetente und engagierte neue Leiterin des Kunstmuseums aus einer Vielzahl qualifizierter Bewerberinnen und Bewerber habe gewinnen können. Es sei nicht zuletzt ein Beleg für die Attraktivität des Hauses und auch des Standorts Bergisch Gladbach.

Der zuständige Beigeordnete Ragnar Migenda dankte Dr. Petra Oelschlägel, „die über 13 Jahre das Kunstmuseum auf höchstem Niveau geleitet hat und unzählige interessante Ausstellungen und Projekte in der Villa Zanders veranstaltet hat. Ihr ist es zu verdanken, dass das Museum weit überregional einen hervorragenden Ruf und Ansehen erworben hat“.

Dr. Ina Dinter wird die Nachfolge von Dr. Petra Oelschlägel als Leiterin der Villa Zanders am 1. April 2024 übernehmen. Eingestellt wird Dr. Ina Dinter bereits am 1. März 2024, sodass eine reibungslose Übergabe gewährleistet werden kann.

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Schon im Sommer steht im Kunstmuseum zudem ein weiterer Wechsel an. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin und Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Sabine E. Müller, wird zum Juni 2024 ausscheiden.

Die Nachbesetzung der halben Stelle ist laut der Leiterin des zuständigen Fachbereichs, Barbara Kirschner, in Arbeit. Die künftige Direktorin sei in den Prozess mit eingebunden. Auch diese Nachbesetzung erfolge nahtlos.

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war bis Anfang 2024 Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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