Es geht nahezu täglich durch die Medien: Bauen wird immer teurer! Bauen unbezahlbar? Die Zinsen steigen, Baustoffe werden teurer: Bauen nur noch für Reiche? Dabei gibt es Wege, den Wunsch vom Eigenheim doch noch wahr werden zu lassen.

Von Thorsten Kropp

Es ist sicher richtig, dass es nicht mehr so einfach ist, sich sein Eigenheim zu erarbeiten. Dazu beigetragen haben aber nicht nur die gestiegenen Preise und Zinsen, sondern auch die gesetzlichen Anforderungen und nicht zuletzt die eigenen Ansprüche.

Trotzdem ist es immer noch möglich, sich seinen Wunsch vom Eigenheim zu erfüllen. Man muss halt strukturiert und kreativ herangehen. Wir möchten Ihnen hier aufzeigen, wie man das schafft. Natürlich haben auch wir nicht die eine Lösung. Es ist vielmehr das Zusammenspiel verschiedener Punkte. 

1. Augen auf beim Grundstückskauf oder Erwerb eines Hauses

Einer der größten Kostentreiber kann bereits das unpassende Grundstück oder die „preiswerte“ Bestandsimmobilien darstellen. Wir hatten z. B. den Fall eines kleinen Grundstücks mit tollem Kölnblick, das leider weder per LKW noch für den notwendigen Baukran erreichbar war. Die Kosten für Anlieferung und zur Baustelleneinrichtung verhindern ein preiswertes Bauen von vorne herein. Leider wurden wir hier erst nach dem Grundstückskauf einbezogen, konnten zwar helfen, aber teurer wurde es trotzdem.

Das Gleiche gilt für Bestandsimmobilien, wenn die Substanz nicht in Ordnung ist oder die geplante Umnutzung oder Erweiterung nicht möglich ist. Gründe dafür gibt es viele: Baurecht, Statik, Erschließung usw. 

Gute Architekten bieten hier gerne entsprechende Vorabberatungen und Begleitungen beim Kauf an. Sie prüfen auch den Preis, den Zustand und die Möglichkeiten der Umsetzung Ihrer Wünsche. Ein Büro, das sich auf Neubauten spezialisiert hat, ist sicher kein guter Helfer bei Bestandsimmobilien. Vertrauen Sie auf Empfehlungen eher als auf tolle Homepages.

2. Alternativen prüfen

Der Kauf eines Grundstücks oder eines Bestandhauses ist bei den Kosten erst einmal der größte Faktor. Da lohnt es sich zu fragen, was wollen wir eigentlich. Und wie kann man das erreichen? Gibt es ungenutzte Flächen vielleicht auf dem Grundstück der Eltern, anderer Verwandter oder Freunde mit Baufenster für einen Neubau? Besteht die Möglichkeit der Überbauung von Garagen, des Aufbaus auf einer vorhandenen Dachfläche oder des Ausbaus eines Dachgeschosses?

Kann man vielleicht mit jemandem tauschen? Hier kann durch sinnvollen Tausch der Immobilien Geld gespart werden und am Ende profitieren beide Seiten davon. Z. B. die Eltern, die das Einfamilienhaus zugunsten einer altersgerechten barrierefreien Wohnung tauschen oder das Haus für ein gemeinsames Wohnen umbauen. Das kann eine deutlich kostengünstigere Variante als ein Neubau darstellen. 

3. Notwendigkeiten prüfen

Wenn z. B. die eigene Immobilie zu klein oder zu groß geworden ist muss es nicht immer ein Neubau oder Kauf sein. Das gewünschte Ziel kann manchmal auch durch An- oder Umbau oder effizientere Möblierung erreicht werden.

Zugegeben, dieser Punkt funktioniert nur, wenn z. B. ein Zimmer fehlt für ein weiteres Kind oder auch nur der eine oder andere Raum nicht passt. Oder wenn andere Parameter nicht stimmen: Schlechte Nutzbarkeit wegen vieler kleiner Räume oder Durchgangszimmer. Zu kleines Bad oder fehlendes Arbeitszimmer zum Beispiel. 

4. Planungsphase

Wichtig: Nicht hetzen. Gute Planung braucht Zeit! Natürlich, einen Monat früher anzufangen zu bauen heißt, einen Monat sparen. Fehler, die dabei entstehen, kosten aber hinterher immer mehr.

Und passend planen ist wichtig! Wir hören immer: Wir wollen mit Keller bauen, weil: „den bekommt man hinterher nicht mehr drunter und der erhöht den Wiederverkaufswert“.

Das ist grundsätzlich richtig, aber wenn das Geld dafür nicht reicht und dann an anderen, wichtigen Stellen Abstriche gemacht werden müssen, reicht es nicht. Und der Keller ist mittlerweile einer der teuersten Räume geworden, nicht zuletzt weil sich alleine die Kosten für die Entsorgung des Aushubs in den letzten Jahren bis zum Vierfachen verteuert haben.

Auch bei anderen Bauteilen lässt sich gut Geld sparen: z. B. Staffelgeschosse kosten aufgrund ihrer Konstruktion und Abdichtung erheblich mehr als ein klassisches Schrägdach. Aber auch für das gibt es moderne und schicke Ausführungsarten. Die Liste lässt sich beliebig verlängern …

5. Der eigene Anspruch

Natürlich wollen wir mit Ihnen Ihr Traumhaus planen und umsetzen. Aber muss das Wohnzimmer wirklich 40 m² groß sein? Der Wunsch kommt besonders häufig, wenn das jetzige Wohnzimmer zu klein ist und z. B. nur 15 bis 20 m² hat. Wenn Sie jetzt nicht einfach das Doppelte ansetzen, sondern anhand Ihres jetzigen Raumes überlegen, wieviel Platz, sprich Meter, brauchen wir wirklich mehr in jeder Richtung, werden Sie merken, dass es in der Regel deutlich weniger sein kann.

Oder das Kinderzimmer. Es macht einen großen Unterschied ein 12 m² Zimmer in einer Wohnung zu haben oder das gleich große Zimmer in einem Haus, in dem es dann vielleicht noch einen Spielflur, eine Terrasse oder Garten gibt, die Kinderzimmer natürlich erweitern. Und dann ist das Haus auch nicht gleich viel zu groß und halbleer, wenn die Kinder erwachsen werden und ausziehen. 

Die Auflistung ließe sich noch endlos erweitern. Wichtig ist es, rechtzeitig den richtigen Partner an der Seite zu haben. Und denken Sie daran: Wenn Sie bauen, haben Sie in der Regel eineinhalb und mehr Jahre mit Ihren Architekten zu tun. Da sollte die Chemie passen, dann klappt es auch mit dem Haus. 

Ihr Thorsten Kropp

Hinweis: Alle beschriebenen Fälle basieren auf Erfahrungen aus unserer langjährigen Erfahrung im Bereich der Architektur. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Rechtsberatung dar. Letztere kann nur durch eine Anwaltskanzlei des entsprechenden Fachgebiets erfolgen


Zur Person: Dipl.-Ing. Architekt Thorsten Kropp ist selbständiger Architekt seit 1997 + TÜV-Cert zertifizierter Sachverständiger für Schäden an Gebäuden. Neben den klassischen Architekturbereichen im Besonderen tätig im Bereich Denkmalpflege und Bauen im Bestand. Beratung bei Kauf- und Verkauf von Immobilien sowie Teilung oder Aufbereitung von Grundstücken.

Ihre Architekten Kropp + Partner PartGmbB ist eine Partnerschaft aus drei Architekten mit jeweils über 25 Jahren Berufserfahrung im Großraum Bergisch Gladbach – Rheinisch Bergischer Kreis – Köln. Wir legen Wert auf ein vertrauensvolles Miteinander und sehen uns als kompetenten Ansprechpartner im Bereich Architektur und Innenarchitektur.

Kontakt:

Dipl-.Ing. Thorsten Kropp  Architekt
Dipl-.Ing. Anke Erstling  Architektin
Dipl-.Ing. Katja Centonze  Architektin

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51429 Bergisch Gladbach 
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  1. Interessant, dass auf die in der Überschrift enthalte Frage in dem folgenden Text keine Antwort gegeben wird! …Bauen nur noch für Reiche?… Ja, aber das ist eine Frage der Definition, ab wann ist ein Mensch (finanziell) reich?
    Ich denke, heutzutage ist es für jemanden aus dem Werte schöpfenden Teil der Gesellschaft (Altes Wissen: Werte schaffen sich nur durch Produktion, nicht durch Zinsen…) praktisch nicht möglich zu bauen, es sei denn, man gehört zur Erbengeneration. Erben gibt es ja reichlich. Notwendiger Weise sollten Menschen ohne besonderes Eigenkapital steuerlich oder durch Zuschüsse so stark gefördert werden, dass “bauen” möglich wird!

    1. Es würde schon reichen, wenn man die Zinsen als Eigenheimbesitzer bei der ESt geltend machen kann.
      Das hätte bereits einen recht hohen Effekt.

      1. Und würde auch extrem hohe Kosten für den Bundeshaushalt verursachen. Dass dieser Vorschlag von jemandem kommt, der gerne gegen die verhältnismäßig läppischen Subventionen für Solaranlagen wettert, ist schon bemerkenswert.

      2. Hätte je nach Marktlage nur den Effekt, dass die Preise einfach noch weiter steigen. Wäre dann also ähnlich wie beim Baukindergeld.