Thomas Droege, Wolfgang Dick, Seyda Özer, Anna Schlickmann und Eva Lammert mit Teilnehmer:innen des Kurses

In den Osterferien bietet die Stadtverwaltung zum ersten Mal das „FerienIntensivTraining – FIT in Deutsch“ an, das sich an zugewanderte Kinder richtet. Dabei erhalten Grundschüler:innen im Hermann-Löns-Forum die Möglichkeit, die deutsche Sprache spielerisch und in alltäglichen Situationen zu erlernen.   

Im Hermann-Löns Forum herrscht derzeit ein munteres Treiben: An Gruppentischen verteilt sitzen Kinder, reden, lachen und haben sichtlich Spaß. Sie verständigen sich ganz auf ihre eigene Art, denn nur wenige der Kinder sprechen die gleiche Sprache. An den Wänden des Raumes hängen Plakate, die den Kindern beim Lernen der Sprache helfen sollen: Aufgelistet werden dabei Farben, Obstsorten, Zahlen, Monate und Jahreszeiten.

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Begleitet werden die sechs- bis zehnjährigen Kinder durch die zwei Lernbegleiterinnen Anna Schlickmann und Seyda Özer, die beide Grundschullehramt studieren. Sie mussten im Vorhinein eine Schulung beim Landesamt für schulische Integration ablegen und wurden vom Kommunalen Integrationszentrum vermittelt.

Insgesamt 19 Kinder der Grundschulen KGS Hand, GGS Hand und GGS Gronau, die sich derzeit in der Erstförderung befinden, lernen in diesem außerunterrichtlichen Angebot gemeinsam die deutsche Sprache. „Die Kinder sollen nicht das Gefühl haben, dass sie zur Schule gehen“, beschreibt Eva Lammert, zuständig für die Umsetzung des Projektes.

Alltagssituationen selbständig bewältigen

„Es geht in dem Projekt nicht darum, dass die Kinder in der Zeit ein Sprachniveau erreichen, um bestimmte Tests zu bestehen, sondern es geht um den individuellen Lernzuwachs“, erklärt Lammert.

Die Kinder, die aus sieben verschiedenen Nationen stammen, seien mit der Zeit mutiger geworden. Dies liege unter anderem daran, dass sie lernen, Alltagssituationen wie etwa das Einkaufen im Supermarkt selbstständig und allein zu bewältigen.

„Es wurde gemeinsam eine Einkaufsliste erstellt, wobei jeder eine bestimmte Aufgabe erhalten hat und sie im Supermarkt erledigen musste“, beschreibt Seyda Özer.

Das gemeinsame Spielen auf dem Abenteuerspielplatz helfe den Kindern zudem bei der Vernetzung. So haben die Kinder berichtet, dass sie den Spielplatz im Nachhinein erneut mit ihren Familien aufgesucht haben. Es wird zudem gemeinsam gefrühstückt und zu Mittag gegessen.

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Kreative Vermittlung von Sprache

Thomas Droege, Leiter des Sachgebiets Integration und sozialräumliche Netzwerkarbeit, erklärt, dass die Priorität derzeit auf den Sprachkursen liegt, da sie von den Grundschulen die Rückmeldung erhalten, dass bei vielen Kindern die notwendige Sprachkompetenz fehle, um sich im Unterricht zurechtzufinden.

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Bei FIT in Deutsch gehe es besonders um die kreative Vermittlung von Sprache und die Kinder dort abzuholen, wo sie stehen, so Droege. Er freue sich über den Zuspruch, den sie erhalten, dennoch sei wichtig, dass es mehr „Aufmerksamkeit, Projekte und Unterstützung“ braucht, „um Kinder möglichst früh zu fördern“, beschreibt Droege.

Werte vermitteln ohne zu missionieren

Finanziell gefördert wird das Projekt durch das Ministerium für Schule und Bildung des Landes NRW und durch den Lions Club Bergisch Gladbach/ Bensberg, ohne deren Hilfe die Umsetzung des Projekts kaum möglich gewesen wäre, erklärt Droege.

Es sei das Anliegen des Lions Club auch Bildung und Kultur zu vermitteln, wie zum Beispiel das christliche Osterfest: „Die Lernbegleiterinnen vermitteln auch solche Werte, ohne Kinder zu missionieren“, erklärt Wolfgang Dick vom Lions Club. Er freue sich, dass sie das Projekt finanziell unterstützen können.

Das Schöne sei dabei, dass die Kinder ganz vorurteilsfrei miteinander spielen und arbeiten und Vielfalt erleben, so Droege. Das Projekt sei auch dafür wichtig, die Vielfalt in der Stadt zu unterstützen.

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  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    mit Interesse habe ich Ihren Beitrag zu “Fit in Deutsch” gelesen. Ich bin Lehrerin an der GGS Refrath und habe seit Kurzem 2 indische Mädchen in meiner Klasse (3. Schuljahr). Beide sprechen kein Deutsch, ein Mädchen Englisch, das zweite Mädchen geringfügig Englisch. Gibt es Kurse neben der Schule, die die Mädchen besuchen können, um Deutsch zu lernen? Über einen Hinweis würde ich mich sehr freuen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Bettina Rickert