Industriebrachen, verkommene Gebäude, fiese Parkplätze: Einige Ecken der Innenstadt bieten ein trauriges Bild und könnten besser genutzt werden. Das hat die Stadtverwaltung erkannt und arbeitet an einer weit gespannten Optimierung. Ausgangspunkt ist das Zanders-Areal, das mit der Innenstadt zusammenwachsen soll. Aber auch das Bahnhofsumfeld und die östliche City liegen im Blickfeld. Wir schauen auf die Pläne und nehmen Sie mit zu den Schauplätzen.

Text: Georg Watzlawek. Fotos: Thomas Merkenich

Die Vorlage der Stadtverwaltung für die nächste Sitzung des Stadtentwicklungs- und Planungsausschusses kommt mit dem Titel „Sachstand und Verknüpfung der städtebaulichen Projekte Stadtmitte und Zanders“ harmlos daher. Sie enthält jedoch 14 zum Teil sehr große Projekte. In ihrer Gesamtheit bilden sie die Chance, Bergisch Gladbachs Innenstadt kräftig aufzuwerten.

Die bekannteste Fläche, die zugleich das größte Potenzial bietet, ist das 36 Hektar große Zanders-Areal. Doch auch auf der gegenüberliegenden Seite der Gohrsmühle gibt es Chancen der Verbesserung, vom Driescher Kreisel im Westen entlang der „städtebaulichen Kanten“ und den Stadthäusern in der Mitte bis zur Stadtbibliothek am Forum. Ein Bereich, der bislang als „Rückseite der Innenstadt“ weitgehend sich selbst überlassen war.

Mit der Öffnung des Zanders-Geländes rückt dieser Randbereich ins Zentrum. Auch das angrenzende Bahnhofsumfeld und den Konrad-Adenauer-Platz nimmt die Stadt in ihrer Gesamtschau konsequenterweise auf.

Warum das Sinn macht, wird anhand dieser Darstellung der künftigen Lauf- und Fahrwege innerhalb des neuen Stadtzentrums „Innenstadt plus Zanders“ plastisch deutlich:

Hintergrund: Verwaltungsintern sind das Projektteam Zanders (das bald in eine Projektgesellschaft übergeht) und der Fachbereich 6 (Stadtplanung) beteiligt. Sie arbeiten in enger Abstimmung an einer „Entwicklungsplanung“ für Zanders und an einer „Rahmenplanung Stadtmitte 2.0“ mit den Bereichen „Bahnhofsumfeld“ sowie „Gohrsmühle / Schnabelsmühle“. Die Rahmenplanung 2.0 soll dem Ausschuss am 5.9.2024 vorgestellt werden.

Bei allen Überlegungen muss die Stadt die Pläne der Bahn für die Erweitung des S-Bahngleises und des Bahnhofes berücksichtigten, das Planfeststellungsverfahren für dieses Mammutprojekt läuft gerade.

Alle Planwerke sind auf Jahrzehnte angelegt und sollen sich dynamisch auf verändernde Rahmenbedingungen einstellen. Dabei unterstellt die Verwaltung, dass die grundlegenden Ziele unverändert bleiben: Wohnraumbeschaffung, Sicherung der Grünflächen, Belebung der Innenstadt, Entwicklung von Brachflächen.

Das Schwergewicht: Zanders

Für die detaillierte Gestaltung des Zanders-Areals sind zwar noch viele Punkte offen, die Grundlagen sind aber in der 2022 beschlossenen Strukturplanung für das neue gemischte Stadtviertel gelegt worden. Zur Zeit werden zwei Verkehrsgutachten erstellt, die sich erstens mit der Integration der früheren „Insel Zanders“ in das Gefüge der Innenstadt sowie zweitens mit der inneren Erschließung des Areals befassen.

Gleispark (3)

Die Gleisharfe ist 2023 bereits sporadisch für Veranstaltungen genutzt worden – wie bei diesem Biergartenkonzert der Blänk Notes.

Der Bereich der sogenannten Gleisharfe reicht von der Gohrsmühle hinein ins Zanders-Areal bis zum Forum (ehemaliges Kantinengebäude) und ist bereits jetzt weitgehend Grünfläche mit Bäumen. Hier soll in einem der ersten Projekte auf Zanders der „Gleispark“ entstehen, nach allen Seiten hin offen.

Die Vision für den Gleispark im Entwurf von Karres und Brands 2022. Der Platz vor der Gohrsmühlen-Halle ist bereits 2022 eröffnet worden.

Unter anderem soll es hier einen Biergarten, Sport- und Spielbereiche, eine Skateanlage, Sitzmöbeln und Fahrradständer geben. Inzwischen wurde das Büro MOLA Landschaftsarchitektur GmbH aus Düsseldorf mit der Konkretisierung und Umsetzung des Gleisparks beauftragt. Die Fertigstellung ist für Sommer 2025 vorgesehen.

Übergang Poststraße / Zanders (4)

Der Blick vom Zanders-Areal Richtung Innenstadt, unten quert die Gohrsmühle, geradeaus geht es in die Poststraße und weiter zum Bahnhof. Foto: Stefan Krill

Die städtebauliche Situation an der Kreuzung von Gohrsmühle und Poststraße gegenüber dem bisherigen Zanders-Haupteingang weist laut Verwaltung „Defizite“ auf – was eine sehr freundliche Beschreibung ist. Im Eingang zur Fußgängerzone wird wild geparkt, die Zufahrt zum Parkhaus ist abenteuerlich, der Fuß- und Radverkehr lebt gefährlich.

Hier denkt die Verwaltung an einen Brückenschlag in Form der Verlängerung der Poststraße als Geh- und Radweg vom Bahnhof über die Kreuzung Gohrsmühle hinweg bis zur „Mainstreet“ auf dem Zandersgelände. Und damit an einen attraktiven Zugang zum dort geplanten sozialkulturellen Zentrum in der Zentralwerkstatt sowie der Stadtbücherei, die temporär oder dauerhaft im Forum unterkommen soll (s.u.).

Vom (Bus-)Bahnhof aus geht der Blick an der RheinBerg Galerie entlang durch die Poststraße bis zum alten Verwaltungsgebäude von Zanders.

Zudem könnte auch die Radpendlerroute über diese Knotenpunkt geführt werden. Konkrete Planungen für den gesamten Bereich gibt es bislang noch nicht, er ist aber Teil der laufenden umfassenden Verkehrsuntersuchung.

Forum (5)

Das Forum-Gebäude war erst 1988 gebaut worden und diente als Kantine und Bürogebäude, mit einem großen offenen Atrium im Zentrum. Da die Stadtbücherei im alten Gebäude am Forum-Park (s.a. 14) grundlegend saniert werden muss, könnte sie hierhin ausgelagert werden. Für die Zeit der Sanierung oder auch dauerhaft.

Das Architekturbüro Praglowski ist mit einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und einer einfachen Machbarkeitsstudie für die diversen Optionen beauftragt worden, Ergebnisse sollen noch in diesem Sommer vorliegen.

Das Forum liegt direkt hinter den Eingangsgebäuden (rot geklinkert) auf der rechten Seite.

Offenlegung der Strunde (6)

Die Strunde fließt im zentralen Bereich des Zanders-Areals unterirdisch. Sie soll soweit wie möglich offen gelegt werden. Auch hier wird gerade eine Machbarkeitsstudie erstellt, um die verschiedenen Trassenverläufe zu prüfen. Zwischenergebnisse sollen in diesem Sommer an die Untere Wasserbehörde gehen, danach ist ein Planfeststellungsverfahren erforderlich.

Die Panoramatour Zanders erlaubt eine gute Ansicht der genannten Grundstücke; in der 360-Grad-Ansicht können Sie über das Zanders-Areals fliegen, aber auch auf die gegenüberliegende Seite an der Gohrsmühle schwenken.


Bildungscampus / Exzellenzbaustein (10)

Im nördlichen Bereich des Zanders-Areals (hin zur Bensberger Straße) rund um die ehemalige Halle PM 3 planen Stadt, Kreis, Kreishandwerkerschaft und weitere Partner einen „Campus für berufliche Bildung“. Hier könnten die beiden Berufsschulen, das Ausbildungszentrum der Kreishandwerkerschaft und ein Wohnheim für Auszubildende untergebracht werden.

Für einen ersten „Exzellenz-“Baustein dieses Projektes wird zur Zeit eine Machbarkeitsstudie erarbeitet. Dieser Baustein soll eine weithin sichtbare Initialfunktion einnehmen und daher möglichst schnell umgesetzt werden. Er wird auch im Rahmen der Regionale 2025 gefördert.

Im Hallenkomplex am nördlichen Ende des Zanders-Areals soll der Bildungscampus seinen Platz finden.

Parkdeck Schnabelsmühle (11)

Gegenüber des künftigen Bildungscampus, zwischen den beiden Mündungsarmen der Bensberger Straße liegt das Parkdeck Schnabelsmühler. Auch diese Lage ist exponiert, mit Blick auf den Turbokreisel und die Villa Zanders, auch hier spricht die Verwaltung von einer „Entrée-Situation“. Nach aktueller Planung soll das Parkdeck erhalten bleiben, aber funktionell und optisch aufgewertet werden.

Geprüft werden soll, ob eine Aufstockung städtebaulich vertretbar wäre – und ob die Flächen für PV-Anlagen nutzbar sind.


Schwerpunkt Gohrsmühle / Schnabelsmühle

Für den Übergangsbereich zwischen Zanders und Innenstadt ist ein städtebaulicher Wettbewerb angedacht, um aus den bislang durch eine breite Straßenschneise getrennten Flächen zu verbinden. Eine entsprechende Aufgabenbeschreibung wird gerade von der Verwaltung erarbeitet. Der Schwerpunkt umfasst eine ganze Reihe von gewichtigen Elementen:

Betrachtet werden u.a. das Postgrundstück, die Stadthäuser, der Konrad-Adenauer-Platz, das Gasthaus Paas und die Stadtbibliothek (v.l.n.r.), Foto;: Stefan Krill

Driescher Kreisel (2)

Der Kreisverkehr war 2008 umgebaut worden, damals noch unter der Prämisse, dass der Güterverkehr auf dem Weg zu Zanders queren kann – obwohl das Gleis schon damals kaum noch genutzt worden war. Das Umfeld des Kreisels („Stadteingang“) bekommt mit dem 2. S-Bahngleis und der Entwicklung des Zanders-Areals eine wichtige Funktion für den Auto-, Rad- und Fußverkehr in Richtung Zanders. Eine der multifunktionalen Quartiersgaragen ist hier, zwischen Kreisel und den großen alten Hallen, geplant. Auch der Standort der Radstation soll geprüft werden.

Postgrundstück (7)

Gegenüber des Zanders-Areals, an der Stichstraße zur Hauptstraße / Trotzenburgplatz, befindet sich ein großes städtisches Grundstück, das an die Post verpachtet ist. Sie nutzt es für einen weitgehend ungenutzten Parkplatz und Anlieferungsfläche für die zentrale Postfiliale.

Die Post will den Standort weiter für die Filiale nutzen, das angrenzende Container-Gebäude befindet sich jedoch im Stadium des Verfalls. Hier strebt die Verwaltung „eine Entwicklung und Qualifizierung“ der künftig sehr zentralen Fläche an, wird aber noch nicht konkret.

Städtebauliche Kante An der Gohrsmühle (8)

Hinter diesem Begriff verbergen sich die Flächen an der Rückseite der Gebäude an der Fußgängerzone, die mit einem Flickenteppich von Parkplätzen belegt sind. Die Verwaltung belegt sie mit den Adjektiven „versiegelt, ungestaltet, kleinteilig, untergenutzt“ – und würde sie gerne neu ordnen. Im Idealfall mit einer einheitlichen Gestaltung, wie sie im „städtebaulichen Leitplan 2015“ mal angedacht worden war.

Allerdings befinden sich diese Grundstücke in der Hand von einigen privaten Eigentümern. Die Chancen auf eine städtebauliche Entwicklung stünden daher nicht gut, jedoch könnte „eine freiraumplanerische Grünkante entwickelt und die hochversiegelten Flächen im Sinne der Klimafolgenanpassung (…) ästhetisch wie ökologisch qualifiziert werden“. Im Klartext: Die Parkplätze bleiben, werden aber hoffentlich etwas grüner.

Alte Stadthäuser (9)

Die beiden Stadthäuser aus den 60er Jahren werden zwar von Denkmalschützern und Geschichtsverein verteidigt, sind aber marode und stehen nach dem Auszug der Stadtverwaltung in das AOK-Gebäude zur Disposition. In ihrer neuen Vorlage deutet die Verwaltung jetzt eine neue Offenheit an: Sie „möchte einen Erhalt der Gebäude (mit neuer Nutzung) im Sinne des Ressourcenschutzes und der Einsparung grauer Energie prüfen“.

Kriterien dafür seien jedoch Wirtschaftlichkeit, Nutzbarkeit, der bauliche Zustand und Vermarktbarkeit – was eher für Abriss und neue Nutzung der Grundstücke spricht. Damit könnte das Grundstück ganz neue geordnet und „als repräsentativer Stadteingang“ gestaltet werden.

Im Moment arbeitet die Verwaltung an einer Grundlagenermittlung für die Grundstücke. Ende 2024 / Anfang 2025 soll dem Ausschuss einen Vorschlag für ein städtebauliches Qualifizierungsverfahren vorgelegt werden – und dabei die Entscheidung für oder gegen Abriss fallen.

Konrad-Adenauer-Platz (12)

Der zentrale Platz mit Rathaus, St. Laurentius und Villa Zanders ist 1980 neu gestaltet worden und liegt eigentlich etwas ab vom Thema „Integration Zanders / Innenstadt”, ist aber über das Grundstück der Stadthäuser direkt angebunden – und wird von den Planern auch in diesem Zusammenhang in den Blick genommen.

Konkret werden sie aber nicht, sondern kündigen nur an: „Gestalterisch soll der Platz unter Berücksichtigung einer klima- und wasserangepassten Gestaltung und Erhöhung der Aufenthaltsqualität behutsam in die Stadtmitte integriert werden.“ Dabei müssten wichtige Wegeverbindungen erhalten und die nötigen Flächen für die vielfältigen Nutzungen (sprich: Kirmes, Stadtfest, Bautage) gesichert werden.

Unsere Panoramatour „Kultur in der Innenstadt“ bietet einen guten Überblick über die genannten Grundstücke.


Gasthaus Paas (13)

Das denkmalgeschützte Haus von 1835 rundet das Ensemble von Rathaus, Bergischer Löwe und Villa Zanders ab – liegt aber hinter einem ungestalteten Parkplatz und geht in kleinteilige und wenig ansehnliche Anbauten über. Hier wünscht sich die Verwaltung eine „städtebauliche oder freiraumplanerische Überarbeitung“, um die Fläche aufzuwerten und besser in die Umgebung zu integrieren. Allerdings befindet sich das Grundstück in Privatbesitz, schränkt die Verwaltung ein.

Gasthaus Paas mit Brunnen

Forum Stadtbibliothek (14)

Die Stadtbücherei markiert das östliche Ende des Betrachtungsbereichs und gilt als wichtiger Impulsgeber für das Laurentiusviertel an der östlichen Hauptstraße. Das Gebäude ist jedoch marode und müsste entweder gründlich saniert oder gar abgerissen werden – womit die Idee eines Umzugs auf das Zanders-Areal aufkommt, siehe Punkt 5 weiter oben.

Bei einem dauerhaften Wegzug und Abriss könnte die Fläche neu genutzt werden. Allerdings nur mit Einschränkungen, denn die Familie Zanders hatte das Grundstück der Stadt mit der Auflage geschenkt, es für kulturelle Zwecke zu nutzen.

Foto: Thomas Merkenich

Schwerpunkt Bahnhofsumfeld

Der Bereich rund um den S-Bahnhof ist zusammen mit dem sogenannten Gleisdreieck etwas weiter westlich einer der zur Zeit zwei Schwerpunkte der Rahmenplanung 2.0. Hier liegen die städtischen Flächen am Ende der Gleise (Kopfgrundstück) und zwischen Gleisen / Jakobstraße brach; sie werden zunächst von der Bahn als Baustellenflächen für den Bau des zweiten S-Bahn-Gleises benötigt. Erst danach kann die Stadt hier aktiv werden.

Unklar ist auch das Schicksal der RheinBerg Passage. Sie steht seit drei Jahren leer und verwahrlost, die Pläne der (angeblich insolventen) Eigentümer sind unbekannt.

Das ehrgeizige Ziel der Verwaltung: auch hier eine „angemessene Entrée-Situation für die Stadt Bergisch Gladbach“ zu schaffen.

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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  1. [Es schreibt der Mensch, der dieses Pseudonym seit mehreren Jahren nutzt und dessen Name der Redaktion vorliegt…]

    Ich habe eine Bitte an die politischen Entscheidungsträger (vermutlich ist in diesem Fall der Stadtrat zuständig):
    Bitte setzen Sie sich zusammen und finden einen richtigen Namen für die Straße, die schon zu lange als Provisorium “Mainstreet” genannt wird. Internationaler Klang mag ja schön sein; ich halte ihn hier für fehl am Platz. Herzlichen Dank!

    1. Vielen Dank für diesen tollen Artikel. Da steckt richtig viel Arbeit drin. Top recherchiert. Ich habe sehr viel neu gelernt :)