Rainer Röhr ist Fraktionsvorsitzender der FWG. Foto: Thomas Merkenich

Vier Prognosen, wie stark die Bevölkerung von Bergisch Gladbach wachsen wird, hat die Stadtverwaltung erhalten – und spricht sich für die „Entwicklungsvariante“ mit relativ kräftigem Wachstum aus. Wobei über Zanders und Wachendorff hinaus auch neue Flächen aus dem FNP ausgeschöpft werden würden. Die FWG widerspricht vehement.

Wir veröffentlichen einen Beitrag der FWG

Das Institut für Regionalwirtschaft Hannover hat im Auftrag der Stadt Bergisch Gladbach eine Bevölkerungsprognose erstellt, die vier mögliche Szenarien beinhaltet. Sie ist Vorlage für Entscheidungen in den zuständigen Ratsausschüssen und letztlich dafür, was aus Bergisch Gladbach werden soll.

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Zwei Varianten haben einen konservativen Ansatz und gehen von gleichbleibendem oder mäßigen Wachstum aus, die anderen beiden Berechnungen (Entwicklungsvariante und Ausschöpfungsvariante) zeigen einen Bevölkerungszuwachs für Bergisch Gladbach, den die FWG sowohl hinsichtlich seiner Berechnung als auch seiner Auswirkungen ablehnt.

Institut und Stadtverwaltung schlagen der Politik vor, eine Variante mit einem Bevölkerungszuwachs von 7,7 % bis 2038 zu befürworten (Entwicklungsvariante). Insgesamt wäre das ein Wachstum von 8.766 Bewohner in Bergisch Gladbach. Zuwächse werden dabei vor allem in der Stadtmitte, Refrath und Schildgen gesehen.

Grundlage für diese Zahl ist die Annahme, dass Zuzug dort entsteht, wo Wohnungen zur Verfügung stehen. Das ist natürlich immer richtig. Die FWG fragt aber, ob und wo die Stadt das verträgt und ob dies bewusst gefördert werden soll.

Eine zweite Annahme beruht darauf, dass der Flüchtlingsstrom auch in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird und dazu Wohnraum geschaffen werden muss.

Selbsterfüllende Prophezeiung

FWG-Fraktionsvorsitzende Rainer Röhr hält diese Annahmen für nichts anderes als eine selbsterfüllende Prophezeiung. Theoretisches wird durch politische Beschlüsse zur Tatsache gemacht.

Schon die Einleitungssätze zur Prognose sind falsch. Die Frage: Wie wird sich die Bevölkerung in Bergisch Gladbach entwickeln, müsste ersetzt werden durch den Satz: Wie soll sie sich entwickeln, denn die Prognose setzt zunächst bestimmte politische Beschlüsse voraus.

Die FWG akzeptiert ein mäßiges Wachstum, das mit der Nutzung des Zanders-Geländes für den Wohnungsbau gewährleistet wird. Hier haben wir im Gegensatz zu allen anderen Fraktionen sogar mehr Wohnungen vorgeschlagen. Beschlossen wurden dort am Ende 1.565 Wohneinheiten. Hinzukommt das Wachendorff-Gelände mit geplanten 450 Wohneinheiten. 

Schon dieser Zuwachs steht vor der Herausforderung der Bereitstellung von Schul- und Kitaplätzen, vor allem aber der sich weiter anspannenden Verkehrssituation.

Das Planungsbüro schlägt nun vor, auch Flächen des 2018 beschlossenen Flächennutzungsplanes (FNP) einzubeziehen, um den Zuwachs zu ermöglichen. Dies stößt auf massiven Widerstand der FWG. Rainer Röhr: „Ich erinnere an die insgesamt 6.300 Einsprüche, die im damaligen FNP-Verfahren von den Bergisch-Gladbacher Bürgern geltend gemacht wurden.“

Und dies geschah noch vor den Hitzesommern, vor dem Starkregenereignis und muss eher dazu beigetragen, die Entscheidungen zum FNP zu überdenken und ihn nicht umzusetzen.

Die vom Planungsbüro vorgeschlagene Entwicklungsvariante und Nutzung der FNP-Flächen ist schädlich für das Stadt- und Umgebungsklima. Es ist widersprüchlich, wenn Stadtplaner und Meteorologen von unbedingt notwendiger Entsiegelung sprechen, vor Starkregen warnen und Retentionsflächen fordern, wenn die Stadt Hitzepläne erarbeitet, weil sich auch Bergisch Gladbach zu Lasten der Bewohner immer mehr Hitzetage aufweist, gleichzeitig aber gegenteilig gehandelt werden soll.

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  1. Es ist der Großkopfigkeit der derzeitigen Stadtspitze samt Verwaltung zu verdanken, GL gegen viele Bedenken ungehindert wachsen zu lassen. Der Leitsatz “Bergisch Gladbach, das grüne Tor zum Bergischen Land” wird ad absurdum geführt, dem Unvermögen Kölns, seinem Zuzugsproblem selbst Herr zu werden, die Lanze geführt, das Schielen auf mehr Steuereinnahmen wird immer stärker, die schon heute unverantwortliche Ignoranz gegen Kita-Neubauten und Schul-Sanierungen und -Neubauten wird immer noch verfolgt, das völlig ungelöste Verkehrsprobnlem, dass auch eine 1,4 Milli. (bis jetzt geplant) teure Laurentiusstraße nicht lösen wird und vor allem das Fehlen eines Plans, wo GL denn hin soll und wie das gehen kann. Hauptsache Wachstum, das Evangelium früherer Zeiten, der Unsinn “Stillstand ist Rückschritt”, dem Wissenschaftler schon längere Zeit widersprechen und nicht zuletzt der ÖNVP, der der Entwicklung schon längst nur noch hinterherläuft.

  2. Speckgürtel ist gut ! Aber die Idee , die Zukunft selber zu planen und nicht Prognosen in Auftrag zu geben, die wahscheinlich teuer waren und kaum in Frage gestellt werden (dürfen, denn sie waren ja teuer ;-) ist noch besser; danke FWG für den Einwurf. Und vielleicht nehmen wir dadurch ja auch ein Wenig ab ?

  3. Die FWG scheint die einzige Partei zu sein, die den Klimawandel erkannt hat und gegen weitere Versiegelung von Freiflächen kämpft. Selbst von der Partei der Grünen kommt kein Veto.
    Allen Politikern, die es bis heute nicht verstanden haben, empfehle ich das Buch von Sven Plöger:“ Zieht Euch warm an, es wird noch heißer!“

    1. Seit 2015 ist die Bevölkerung um 2,5 Millionen Menschen gewachsen. Diese müssen irgendwo unterkommen.
      Und als Speckgürtel um Köln ist es nun mal so, dass man wächst, wenn der Druck auf Köln steigt und Menschen in den Speckgürtel gedrängt werden.

      1. Ich kann ihnen auf Anhieb jede Menge leerstehender Häuser und Wohnungen in GL nennen. Ebenso Häuser, die für Familien gebaut, in denen jetzt nur eine Person wohnt. Die Wohnungen werden immer größer. Da kann doch immer mehr Neubau und Versiegelung nicht die Lösung sein. Wobei Neubauten durch Investoren Mieten verlangen, die “Normalos” nicht bezahlen können.

    2. Sven Plöger, der Panikmacher schlechthin finde ich.
      Wenn man seine Beiträge so hört.