Andreas Reball-Vitt (Diakonie), Raphaela Hänsch (Caritas), Alwine Pfefferle (AWO), Inge Lütkehaus (Paritätische) Roland Feistl (DRK) vor dem grünen „Mahnmal“ am Rathaus

Seit Monaten warnt die Freie Wohlfahrtspflege vor einer Unterfinanzierung ihrer Arbeit. Fünf Wochen lang haben die Träger gegen den drohenden Kollaps von Kita, OGS, Jugend-, Senioren- und Behindertenzentren protestiert. Doch das Ergebnis seien reine Lippenbekenntnisse. Damit die warmen Worten nicht vergessen werden, sondern Taten folgen, haben die Verbände jetzt ein „Mahnmal“ errichtet. Nicht in Düsseldorf, sondern in Bergisch Gladbach.

Wir veröffentlichen eine Mitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtpflege Rhein-Berg.

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Fünf Wochen lang sind die Wohlfahrtsverbände im Rheinisch-Bergischen Kreis auf die Straße gegangen und haben sich für eine auskömmliche Finanzierung in den sozialen Bereichen stark machen. Mehr als 7.500 Menschen haben die Forderung nach einer auskömmlichen Finanzierung für Kita, OGS, Beratungsdienste, Jugend-, Behinderten- und Eingliederungshilfe mit ihrer Unterschrift unterstützt.

Denn: Durch Personalmangel und Unterfinanzierung steht die Fortführung vieler Angebote der sozialen Einrichtungen auf der Kippe.

Damit diese Forderungen nicht in Vergessenheit geraten, haben sie Wohlfahrtsverbände im Rheinisch-Bergischen Kreis nun ein „Mahnmal“ geschaffen, welches direkt am Bergisch Gladbacher Rathaus die Politiker auf kommunaler und Landesebene auffordert, auf viele Worte auch endlich Taten folgen zu lassen.

„Nicht mehr als Lippenbekenntnisse“.

„Viel geredet!“ prangt hier in dicken Buchstaben auf dem Stromkasten und ist ein direkter Vorwurf an die politischen Entscheider – vorrangig auf Landesebene. Denn wie weiterzulesen ist, sind die Versprechungen nach einer auskömmlichen Finanzierung, die Vereinbarung rechtlicher Standards sowie die Fachkräftegewinnung „nicht mehr als Lippenbekenntnisse“.

Die Geschäftsführer*innen der Wohlfahrtsverbände fordern daher, dass „auf die vielen Worte, endlich Taten folgen, um hochwertige und verlässliche soziale Arbeit für alle garantieren zu können.“

„Wenn wir jetzt nicht handeln, könnte es schon bald zu spät sein,“ so DRK-Kreisgeschäftsführer Reinhold Feistl, der in den Jahren 2023/24 den Vorsitz der AG Freie Wohlfahrtspflege im Rheinisch-Bergischen Kreis innehat.

„Viele Einrichtungen und Träger stehen mit dem Rücken zur Wand und können die steigenden Kosten bald nicht mehr aus den Rücklagen finanzieren. Wenn der Haushalt für das nächste Jahr nicht stärker in den Sozialbereich investiert, drohen durch den Weg­fall zahlreicher sozialer Angebote große gesellschaftliche und politische Nöte.“

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Seit Wochen kämpfen die Wohlfahrtsverbände auch in Rhein-Berg um Aufmerksamkeit für ihre dramatische Lage: Die Kosten laufen davon, der bürokratische Aufwand wächst, Fachkräfte wandern ab – und das Land NRW lässt die Träger tatenlos im Regen stehen, so das Fazit einer Zwischenbilanz. Wenn die Landespolitik nicht rasch für eine besser Finanzierung sorge, müssten bald Einrichtungen geschlossen werden. Mit heftigen Folgen für Kinder und Jugendliche, für den sozialen Frieden und für die Demokratie.

Wohlfahrtsverbände schlagen Alarm – und stellen sich auf die Straße

Weite Teile der sozialen Infrastruktur stehen mit dem Rücken zur Wand, warnen die Wohlfahrtsverbände in Rhein-Berg. Die Lage in Einrichtungen und Diensten quer über alle Handlungsfelder sei dramatisch, konstatiert die AG Freie Wohlfahrtspflege. Wenn die Politik jetzt nicht endlich reagiere werde es zur Reduzierung von Öffnungszeiten und Schließungen kommen. Wer davon alles betroffen ist, darüber wollen die Verbände jetzt auf der Straße informieren.


Finanzhilfe reicht schon lange nicht mehr aus

In vielen Büchern des Sozialrechtes ist der sogenannte Subsidiaritätsgrundsatz beschrieben. Dieser besagt, dass der Staat nur nachrangig soziale Aufgaben übernehmen soll. Stattdessen sollen beispielsweise Verbände der Wohlfahrtspflege finanziell unterstützt werden, um diese gesellschaftlichen Aufgaben (Kindertagesstätten, Offene Ganztagsschulen, Sozialberatung, Behindertenhilfe etc.) erfüllen zu können.

Diese Unterstützung reicht seit vielen Jahren nicht mehr aus. Während die Ausgaben für Personal, Sachmittel und Energie erheblich gestiegen sind, wurden die Zu­schüsse nur geringfügig erhöht. Die für die meisten Träger verpflichtende Umsetzung der Tariferhöhungen verschärft die Situation. 

Die Folge: Reduzierung von Öffnungszeiten, Schließung von Angeboten und drohende Insolvenzen.

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Eine Recherche von Correctiv und Lokalmedien wie dem Bürgerportal zeigt gravierende Folgen des Personalmangels in Kindertagesstätten auf: Viele Kitas müssen zeitweilig schließen, Erzieher:innen sind überlastet und werden krank, die Kinder leiden. Die Zahlen für den Rheinisch-Bergischen Kreis liegen im NRW-Schnitt, doch offenbar gibt es eine hohe Dunkelziffer. Die Bestandsaufnahme einer Lage, die Correctiv mit „Kitastrophe“ betitelt.

Was die Freie Wohlfahrtspflege leistet

Die freie Wohlfahrtspflege im Rheinisch-Bergischen Kreis und vergleichbare gemeinnützige Träger

  • bieten Bildungs-, Förder-, Betreuungs- und Beratungsangebote für Kinder und ihre Familien
  • betreiben Jugendtreffs, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen
  • bieten ambulante und stationäre Pflege-, Unterstützungs- und Begegnungsangebote für Senior*innen
  • betreiben Krankenhäuser, Reha- und Pflegeeinrichtungen
  • stellen Wohn-, Arbeits- und Beratungsmöglichkeiten für Menschen mit Beeinträchtigungen
  • betreiben Kindertagesstätten und Offene Ganztagsgrundschulen

Gleichzeitig sichern die gemeinnützigen Verbände und Träger in ihrer Vielfalt die soziale Infrastruktur und wichtige Angebote der Daseinsvorsorge im Rheinisch-Bergischen Kreis. Allen Menschen, die Hilfen und Unterstützung su­chen, ermöglichen sie das Angebot ihrer Wahl in Anspruch nehmen zu können.

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