Der Bergische Geschichtsverein greift die aktuellen Vorschläge der Stadt für eine mögliche Neunutzung der alten Stadthäuser in der Innenstadt auf und erneuert sein Plädoyer, die nach seiner Meinung stadtbildprägenden Gebäude zu erhalten.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des Bergischen Geschichtsverein

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Am 5. September 2024 steht im Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss eine Präsentation von Ideen zur Innenstadt an. Nachdem wir zusammen mit dem Rheinischen Verein im Herbst 2023 die Stadthäuser als „Denkmal des Monats“ vorgestellt hatten, sehen wir es als unsere Pflicht an, zu dieser Diskussion unseren Beitrag in Erinnerung zu rufen.

Aus der Erfahrung wissen wir, dass es immer wieder ein schwieriger Prozess des Abwägens ist, ob Erhaltung oder Abriss das Ergebnis solcher Überlegungen ist. Nach den Erkenntnissen, die wir auch aus vielen Diskussionen mit Bürgern und Fachleuten zu dem Erhalt oder Abriss der Stadthäuser seit Herbst letzten Jahres geführt haben, beschränken wir uns darauf, die Argumente zu nennen, die für den Erhalt dieser Stadtbild prägenden Häuser sprechen.

  1. Die beiden öffentlichen Verwaltungsgebäude aus den 1950er Jahren sind typische architektonische Belege für die aufstrebende Nachkriegszeit. Ähnliche, prägende Gebäude sind im Stadtgebiet nicht zu finden.
  2. Die beiden Gebäude mit ihrer Architektur bilden mit den Gebäuden rund um den Konrad-Adenauer-Platz ein Spiegelbild der Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte über verschiedene Epochen und Baustile, von der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts.
  3. Die Stadthäuser stellen mit dem Rathaus, der Villa Zanders, der Laurentiuskirche und dem Bergischen Löwen (als letztem Beispiel für zeitgenössische Architektur mit der Kombination aus Jahrhundertwendebau bis 1980er Jahre) eine herausragende, in dieser Form nahezu einmalige Kombination öffentlicher Gebäude auf vergleichsweise kleinem Raum dar.
  4. Die Stadthäuser sind beide geprägt von der in den 1950er Jahren noch betriebenen „Kunst am Bau“ mit der Sonnenuhr, dem Schlotter-Gemälde „Lebensfreude“, das unter Denkmalschutz steht, den typischen kleinen Elementen der damaligen Baukultur wie Bullaugen, Keramikfassaden und dem Treppenhaus aus Lindlarer Marmor, einem regionalen Produkt.
  5. Die Stadthäuser sind grundsolide gebaut von ortsansässigen Firmen in einer Skelettbauweise, die es erlaubt, die Raumaufteilung flexibel zu ändern, was einer möglichen Umnutzung sehr förderlich ist.
  6. Die Stadthäuser sind nach einer entsprechenden Renovierung stadtbildprägend, könnten neben Villa Zanders und Bergischem Löwen kulturellen Einrichtungen geöffnet werden wie etwa der Stadtbücherei, zumal sie an der Nahtstelle zwischen Zanders-Gelände mit modernem Bildungscampus und der Innenstadt mit Einkaufszone liegen.
  7. Neben der eindrucksvollen Nachkriegsarchitektur und der Einbindung in die Baukultur aus anderen Epochen an dieser Stelle ist besonders hervorzuheben, dass mit dem Bau seinerzeit viel Energie aufgewendet wurde: Baustoffe wurden abgebaut, Stahl und Beton sowie Steine hergestellt. Im Sinne des Ressourcenschutzes, der Energieeinsparung und der Auswirkungen auf die klimatischen Veränderungen sind Renovierungen und Umnutzungen eindeutig der Vorzug vor Abriss zu geben.

Wir würden uns freuen, wenn die Mitglieder des Ausschusses und des Stadtrats zum Ende des Abwägungsprozesses, sich den aus unserer Sicht überwiegend positiven Argumenten für den Erhalt anschließen würden und einem Erhalt und der Sanierung mit vielleicht neuer Nutzung zustimmen würden. Für die Entscheidung wünschen wir eine glückliche Hand und einen kühlen Kopf.

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  1. Erhalt der Stadthäuser – anstelle Abriss.

    Das wäre ein zeitgemäßer, unsere Umwelt-Ressourcen schonender Ansatz.

    Darüber hinaus würde durch einen Erhalt ganz sicher auch der Geldbeutel der Stadtverwaltung (und damit der der Bürgerschaft) deutlich weniger beansprucht werden. Und eine (neue) Nutzung der Gebäude wäre schneller möglich.

    Ich bin gespannt, ob ein solches Umdenken in unserem Stadtrat eine Chance bekommt.

  2. Ich rätsele gerade, was am Ende des Vorspanns die Formulierung „… die nach seiner Meinung Gebäude zu erhalten“ bedeuten soll.

      1. Danke – ein Vorteil für online. Die Chance haben wir in den Printmedien nicht, wenn die Rotation läuft, ist alles zu spät.

  3. Ich habe mich immer schon gefragt, ob, wie Sie sagen, Herr Anno Nüm, eine zügige Sanierung der Stadtbücherei auch dieses Problem nicht längst einer vernünftigen Lösung zugeführt hätte. Die Entscheidungen zugunsten der Abrissbirne scheinen mir in unserer Stadt häufig zu voreilig getroffen zu werden. Warum auch immer.

  4. Ich bin begeistert von diesem Artikel des Bergischen Geschichtsvereins. Seine 7 Begründungen sind überzeugend, vor allem, weil sie das architektonische Gesamtkonzept unseres schönen Marktplatzes hervorheben.

    1. Hallo Herr Müller, ich kann mich dem nur anschließen. Mir ist bisher nicht klar, warum eine zügige Sanierung der Gebäude nicht auch für die anschließende Weiternutzung als Stadthaus in Betracht gezogen wird. Mit (inzwischen bereits auch angedachten) Erweitungsbauten könnten hier viele Verwaltungsmitarbeiter zentral arbeiten. Auch die Stadtbücherei könnte sicherlich in einem Anbau Platz finden.
      Die Stadt hat ein Gebäude an der Bensberger Straße zu hohen monatlichen Kosten angemietet, ein Bezug ist dort nach meinem Wissensstand für Mitte 2026 geplant. (Es wäre mal interessant zu erfahren, ab wann die Stadt die Miete für das Gebäude zahlt/zahlen muss.)
      2026 gibt es einen neuen Bürgermeister und auch der Stadtrat wird vermutlich anders besetzt sein. Dann gehen die (Um)Planungen vermutlich wieder neu los. Vor Jahren hätte der Rat bereits eine Renovierung der Stadthäuser angehen können. Seit bestimmt 10 Jahren wird von einem neuen Stadthaus gesprochen, geschehen ist nichts.