Alexander Felsch. Foto: Thomas Merkenich

Für die Wahl des Bürgermeisters im Herbst 2025 wollen CDU und FDP mit einem gemeinsamen Kandidaten ins Rennen gehen: Der 42-jährige Alexander Felsch ist in Solingen aufgewachsen und arbeitet als Geschäftsführer beim Dachverband „Unternehmer NRW“ in Düsseldorf. Er versteht sich als politisch, aber nicht ideologisch, mag Menschen und den Karneval.

Für die CDU war es wichtig, einen guten Bürgermeister-Kandidaten zu finden „der weiß, wie Politik und/oder Verwaltung funktioniert und der für mehr als eine Ratsperiode zur Verfügung steht“, sagte der CDU-Vorsitzende Thomas Hartmann bei der Vorstellung am Donnerstag. Fündig geworden ist die CDU nun in Düsseldorf. Und sie hat auch die FDP gewonnen, ihren Kandidaten zu unterstützen.

Nominiert wurde nun Alexander Felsch – der mit 42 Jahren noch relativ jung und Familienvater ist, über Erfahrung in der Landes- und Kommunalpolitik verfügt und als Geschäftsführer beim Verband „Unternehmer NRW“ in Düsseldorf arbeitet. Damit habe die CDU „einen Kandidaten, der fachlich und menschlich die richtigen Voraussetzungen mitbringt, erster Bürger dieser Stadt zu werden“, sagte Hartmann.

Thomas Hartmann (r.) stellte Felsch vor. Foto: Thomas Merkenich

Sowohl der Parteivorstand / Parteiausschuss der CDU als auch der Ortsvorstand der FDP hatten Felsch einstimmig nominiert. Die Bestätigung durch die beiden Mitgliederversammlungen soll am 8. und 9. Oktober folgen, dürfte aber glatt laufen. SPD und Grüne wollen ihre Entscheidungen am Freitag treffen, auch dort deutet sich ein gemeinsamer Kandidat oder Kandidatin an.

Der amtierende Bürgermeister Frank Stein war vor der Wahl 2020 von einer Koalition von SPD, Grünen und FDP getragen worden, die FDP hatte das Bündnis jedoch 2022 wieder verlassen. Stein hatte frühzeitig angekündigt, für eine zweite Amtszeit aus privaten familiären Gründen nicht zur Verfügung zu stehen.

Foto: Thomas Merkenich

„Politisch, aber nicht ideologisch“

„Ich bin ein sehr politischer Mensch, aber nicht ideologisch. Ich will Lösungen finden und ins Handeln kommen“, formuliert Alexander Felsch seinen Anspruch. „Ich habe Lust auf Führung, aber auch der Karneval macht mir Spaß, ich mag Menschen“, daher traue er sich über die Arbeit als Chef der Verwaltung hinaus auch die Rolle des ersten Bürgers der Stadt zu.

Felsch wurde 1981 in Leipzig geboren. An eine Urlaubsreise im Trabbi ans Schwarze Meer und an die Montagsdemonstrationen in der DDR könne er sich nur noch schwach erinnern, aber eine Empfindlichkeit für Einschränkungen der Freiheit habe er von dort mitgenommen.

Mit neun Jahren zog Felsch mit den Eltern nach Solingen. Dort habe er Kindheit und Jugend verbracht, das Bergische Land sei seit 33 Jahren seine Heimat. Studiert hat der Diplom-Ökonom dann an der Bergischen Universität Wuppertal.

Von 2005 bis 2012 war er Ratsmitglied in Solingen, beschäftigte sich mit der Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt und war finanzpolitischer Sprecher. Für die CDU, der er vor 25 Jahren beigetreten sei. Bei der Jungen Union brachte er es bis zum Landesschatzmeister.

Foto: Thomas Merkenich

In der aktuellen Position koordiniere er seit acht Jahren die Interessen wichtiger Wirtschaftsverbände, vor allem aus der Grundstoffindustrie und dem verarbeitenden Gewerbe. Krisenerfahrungen habe er nach der Flutkatastrophe 2021 und bei der Koordinierung der wirtschafts- und energiepolitischen Reaktionen auf den Ukraine-Krieg gesammelt.

Zunächst arbeitete Felsch für vier Jahre als wissenschaftlicher Referent bei der CDU-Landtagsfraktion in Düsseldorf. Später wurde er Referent beim Arbeitgeberverband Metall NRW, 2015 wechselte er zum Dachverband „Unternehmer NRW“ und ist nun Geschäftsführer für den Bereich Wirtschafts- und Umweltpolitik.

Das Motto in seinem Profil im sozialen Netzwerk Linkedin lautet jedoch „Das Beste kommt noch“.

In Bergisch Gladbach anpacken

Mit der Familie lebt Felsch in Düsseldorf, im Stadtteil Gerresheim. Im Fall seiner Wahl werde jedoch Bergisch Gladbach die neue Heimat der Familie, kündigt Felsch an. Im Frühjahr werde er sich „eine Bude“ in Bergisch Gladbach nehmen, in den Wahlkampf einsteigen und seinen Hauptberuf so weit wie möglich hybrid ausüben.

Einer für beide Parteien: Alexander Felsch mit Dorothee Wasmuth (Fraktionsvorsitzende FDP), Thomas Kunze (FDP-Vorsitzender), Thomas Hartmann (CDU-Vorsitzender) sowie den stellvertretenden Vorsitzenden Bettina Mittenbühler und Oliver Schillings. Foto: Thomas Merkenich
Hintergrund: Wie findet man einen Bürgermeister?

Seit mehr als einem Jahr war eine kleine Findungskommission der CDU unterwegs, hatte ihre Netze weit ausgworfen. Vier qualifizierte Bewerber:innen seien in die engere Auswahl gekommen; zum Schluss hätten sich die drei anderen jedoch aus unterschiedlichen Gründen zurückgezogen, berichtet Hartmann. Auf Felsch seien die Bergisch Gladbacher über eine Empfehlung gestoßen. Das Amt des Bürgermeisters sei zwar nicht sein Lebensziel gewesen, sagt Felsch – aber nach der Kontaktaufnahme habe er sich mit dem Gedanken rasch anfreunden können.

Der Findungskommission der CDU gehörten neben der Parteispitze (Thomas Hartmann, Bettina Mittenbühler, Oliver Schillings) auch der Fraktionsvorsitzende Michael Metten und der Landtagsabgeordnete Martin Lucke an.

Man spüre in der Bevölkerung ein hohes Maß an Nervosität und Unsicherheit, sagt Felsch. Und eine Unzufriedenheit darüber, wie die Politik Probleme angehe. Das erlebe er als Familienvater, etwa wenn die Kita nicht mehr in der Lage sei, die volle Betreuungszeit zu leisten. Als politischer Mensch habe er sich daher gefragt, wo man etwas bewegen können – und sei auf die Lokalpolitik zurückgekommen.

In Bergisch Gladbach wolle er anpacken und dafür sorgen, dass die Stadt in diesen (nicht nur finanziell) herausfordernden Zeiten handlungsfähig bleibe. Auch im Kleinen müsse man zeigen, „dass es geht“ und dabei „Geschwindigkeit als relevanten Faktor etablieren“, betont Felsch. Die Chancen, bei der Entwicklung des Zanders-Areals mitzuwirken, habe ihn ganz besonders gereizt.

Christian Kunze zeigt sich von Felsch überzeugt: „Er brennt für diese Aufgabe“. Foto: Thomas Merkenich

Ein Kandidat, zwei Programme

Die FDP sei bereits frühzeitig an den Gesprächen beteiligt gewesen, sagt ihr Vorsitzender Christian Kunze. Felsch verfüge über ein breites Wissen in Wirtschaft und Verwaltung, er brenne für diese Aufgabe. Daher verzichte die FDP auf einen eigenen Kandidaten.

CDU und FDP gehen zwar mit einem gemeinsamen Bewerber in die Wahl, werden aber bis zum Frühjahr ihre eigenen Wahlprogramme ausstellen, erklären Kunze und Hartmann.

„Wir kämpfen für eine bürgerliche Mehrheit und wollen auch nach der Wahl eine Einheit bilden,“ erläutert Hartmann. Die CDU mache im voraus aber keine Aussagen über mögliche Koalitionen – und womöglich werde man ja auch einen dritten Partner für eine Mehrheit benötigen. Dafür kämen alle Parteien, mit Ausnahme der politischen Ränder, in Frage.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. „Felsch kündigte an, sich im Wahlkampf klar von Grünen und SPD abzusetzen. In der Stadt fehle es an Führung; er wolle dafür sorgen, dass die Verwaltung „ins Machen kommt und Tempo aufnimmt“ – zum Beispiel bei der Sanierung der Straßen.„ – Schade, dass auch Herr Felsch sich erstmal zu Lasten der Mitbewerber profilieren muss und von Düsseldorf aus offenbar nicht mitbekommen hat, das sich unter Bürgermeister Stein hier endlich was bei der Sanierung der Straßen getan hat. Trotzdem sind die Altlasten nicht alle in 3 Jahren beseitigt. Großartig, dass dem aktuellen Bürgermeister vorzuwerfen.

  2. Was für ein Provinzdenken, wer offenbar nur einen Insider-Bürgermeisterkandidaten für richtig hält. GL braucht dringend deutliche Kurskorrekturen in der Stadtentwicklung. Da sind völlig falsche Weichen gestellt worden (z.B. Laurentiusstr., Schildgen-Planungsmisere).
    Was hat die ehemalige Stein-Ampel vor und nach der Wahl alles versprochen? Und was hat sie von dem eigentlich umgesetzt???
    Da kann ein Blick von außen nur richtig sein. GL braucht dringend den Wechsel, der auch kommen wird.

    Ganz nebenbei: die Menge an Pseudonymschreiber/-innen ist seltsam – warum seine Meinung hier nicht mit Klarnamen schreiben?! Ross und Reter nennen, das gehört für mich dazu.

    1. Zur Richtigstellung – Die Laurentiusstr. wurde zur Abkürzung zur Odenthaler Str. mißbraucht und die Radfahrer, deren Zahl zunimmt, brauchen einen besseren Weg als über den Turbokreisel, das wird jeder zugeben. Ich hoffe auch sehr auf eine baldige Umsetzung in Schildgen und weniger Widerstand der Händler, sondern ein vernünftiges Miteinander aller Verkehrsteilnehmer.

    2. Hallo Jo Schlösser, gerne werde ich in ein paar Monaten, möglicherweise aber auch erst in ein paar Jahren hier auch mit meinem Klarnamen schreiben und Ross und Reiter benennen. Ich freue mich schon drauf. Derzeit ist es mir nicht möglich.

  3. Die Unterstützung der FDP in Bergisch Gladbach für den Bürgermeisterkandidaten der CDU erscheint in Anbetracht der aktuellen Herausforderungen besonders fragwürdig. Der Vorstand, angeführt von der unerfahrenen Doppelspitze Maria Wolff und Christian Kunze, wirkt nicht gerade als Garant für eine erfolgreiche politische Strategie. Hinzu kommt, dass Dorothee Wasmuth, die als heimliche Vorsitzende agiert, für eine Unruhe im Vorstand gesorgt hat, die sich in mehreren Rücktritten von Vorstandsmitgliedern vor Ablauf ihrer Amtszeit zeigt. Diese Instabilität innerhalb der Partei könnte potenzielle Wähler verunsichern und das Vertrauen weiter schädigen.

    Die FDP hat bereits 2014 ihre Mandatsträger halbiert und durch den Austritt aus der Ampelkoalition 2022 an Glaubwürdigkeit verloren. Der Rücktritt von Willy Bartz aus dem Ortsvorstand und sein Austritt aus der einst dreiköpfigen Ratsfraktion sind weitere Indizien dafür, dass die Partei zurzeit kaum eine wirkliche Machtoption hat.

    In dieser Situation könnte die Unterstützung für den CDU-Kandidaten als verzweifelter Versuch interpretiert werden, wieder an Einfluss zu gewinnen. Doch ohne ein starkes und geschlossenes Team ist es fraglich, ob dieser Schritt tatsächlich fruchten kann. Die politische Landschaft in Bergisch Gladbach bleibt angespannt, und die FDP könnte Gefahr laufen, sich weiter ins Abseits zu manövrieren.

    1. Herr Stein war vor seiner Bürgermeisterwahl nur wenige Jahre lang hier als Kämmerer tätig und unterhält auch jetzt nur eine Zweitwohnung in GL.
      Herr Urbach ist im Zuge seiner Bürgermeisterwahl hergezogen und hat vorher nie in GL gearbeitet.
      Gerade ein Blick “von außen” kann helfen, Schwachstellen zu erkennen und anzugehen.

      1. Manchmal ist ein Blick von außen hilfreich, aber man muß nicht zwangsläufig hier wohnen, hier arbeiten reicht evt. aus. Und zum Unterschied zu Urbach, der gänzlich fremd hier war, hat Stein zuvor eine wichtige Funktion in Gl gehabt.

  4. Die Betonung auf nicht-ideologisch lässt wohl eher das Gegenteil vermuten. Aus meiner Sicht immer schlecht, wenn man seine politische Position nicht als solche zur Debatte stellt, sondern als vermeintlich ideologiefrei (oder sowas wie gesunder Menschenverstand oder rein wissenschaftlich) in Abgrenzung zu den bösen anderen darstellt. Aber gehört heute wohl leider zum 1×1

    1. Woher will jemand aus Düsseldorf verstehen wie beschissen hier die Lage in Kitas und für Familien ist?
      Ich will nen Bürgermeister aus Gladbach der am eigenen Leib erlebt wie bescheuert das Projekt Laurentiusstrasse war und wie wenig hier wirklich rund läuft.

  5. Hmm. Das liest sich nach sehr wenig Bezug zu unserer Stadt. Finde sowas immer schwierig… Stein kannte die Stadt aus seiner Arbeit als Kämmerer sehr Auch der vergangenen CDU Kandidat Buchen war ebenfalls ein Gladbacher und man hat auch bei ihm gemerkt, dass ihm die Stadt wichtig ist und er gestalten will.

    Bin gespannt, wen Grüne und SPD ins Rennen schicken.