Der Tod wird meistens mit etwas Negativem assoziiert. Genau deshalb haben es sich die Pflegekräfte des Hospiz der GFO im Vinzenz Pallotti Hospital zur Aufgabe gemacht, den letzten Lebensabschnitt der Bewohner:innen mit Freude und Leben zu füllen. Das Hospiz zeigt wie es möglich ist, Wünsche zu erfüllen und den Angehörigen eine Zeit voller schöner Erinnerungen zu schaffen.

Seit 20 Jahren werden Menschen im Hospiz der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO) in Bensberg gepflegt und betreut. Doch wie gelingt es den Pflegekräften trotz täglicher Abschiede, den Gästen die Angst vor dem Tod zu nehmen?

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Wer die Hospizstation im Vinzenz Pallotti Hospital betritt, trifft sofort auf Pflanzen, bunte Bilder schmücken die gesamte Station, warmes Licht lässt die Zimmer strahlen. Das Hospiz ist im Gegensatz zu einem Krankenhaus eine stationäre Pflegeeinrichtung. Im Vordergrund steht hier also nicht die gesundheitliche Genesung, sondern die Pflege und Betreuung bis zum Ende der Lebenszeit.

Voraussetzungen und Kosten für ein Zimmer im Hospiz

Die Voraussetzung für einen Aufenthalt im Hospiz ist, dass der Gast den zweiten Pflegegrad erreicht hat und daher kein normaler Pflegedienst die Versorgung mehr alleine tragen kann.

Anders als in einem Krankenhaus, übernehmen im Hospiz zu 95 Prozent der Kosten die Pflege- und Krankenkasse. Fünf Prozent der Finanzierung eines Zimmers werden durch Spendengelder übernommen. Die Kosten für einen Tag im Hospiz liegen bei ungefähr 480 Euro.

Gäste, so werden die meist schwerkranken Menschen von den Pflegekräften liebevoll genannt. Ihnen ist bewusst, dass ihr Leben im Hospiz enden wird. Ein Geheimnis soll aus dem Thema Tod nicht gemacht werden, erläutert Pfleger Tim Weiß. Die Pfleger:innen achten hier besonders darauf, den Tod in den Alltag zu integrieren und die negative Behaftung sowie die Sorgen und Ängste der Gäste zu nehmen.

Trotzdem kann kaum ein Gast dieser plötzlichen Endlichkeit sorgenlos entgegenblicken, berichtet der Pfleger. Die Bewohner können sich daher zusammen mit dem Team eine Reisekleidung aussuchen, die sie nach ihrem Tod tragen möchten. Auch die Frage, ob Wünsche und Ziele in der Zukunft noch zu erreichen sind, wird gemeinsam mit den Pfleger:innen besprochen.

Die letzten Wünsche der Gäste

Natürlich sollen auch die letzten Wünsche der Gäste nicht unerfüllt bleiben. Zu dem Job der Pflegekräfte gehören daher auch Ausflüge ins Freie. Dabei helfen kann ihnen der sogenannte Wünschewagen: ein speziell ausgerüstetes Auto, mit dem auch die bettlägerigen Gäste zu ihren letzten Ausflügen begleitet werden können. Auch Briefe oder Videobotschaften für die Angehörigen können gemeinsam mit ehrenamtlichen Arbeitern gestaltet werden.

Die Bedürfnisse der Gäste sind vielfältig und unterschiedlich. Tim Weiß erzählt, wie er gemeinsam mit einem weiblichen Gast ihre eigene Urne bemalt hat. An seiner Seite dabei, die Psycho-Onkologin des Hospiz. Der Dame fiel es schwer, den baldigen Tod zu begreifen, weshalb sich der Pfleger für diese Aktivität entschied. Das Schöne daran, die Urne wurde bei gutem Wetter und einem Sekt auf der Terrasse gestaltet. Auf diese, auch für den Gast emotionale Weise, wurde das Sterben greifbarer gemacht.

,,Nicht jeder stirbt schön, aber der Weg dorthin wird mit so viel Lebensqualität gefüllt, wie möglich” sagt Tim Weiß. Seine Aufgabe ist es, mit den Gästen jeden Tag zu leben und zu erleben. Die Rückmeldungen der Gäste zeigen, dass den Pflegekräften dies gelingt. Sie sind dankbar und fühlen sich angekommen.

Wohnen in einem Hospiz

An den Wochenenden wird hier frisch gekocht, oder mit den Gästen gebacken. Der Duft des Essens soll Appetit anregen und ein Gefühl der Heimat vermitteln. Das Motto ,,Oktoberfest” sorgt dabei für eine festliche Stimmung.

Auch die Zimmer der Palliativstation zeigen, dass das Wohl der Gäste an erster Stelle steht. Das Wohn- und Esszimmer, in dem die Gäste essen und (auch mit Angehörigen) feiern können, ist zur Zeit bunt nach dem Motto ,,Oktoberfest” dekoriert. Gerade erst wurde in diesem Raum voll Freude und mit Weißwürsten gefeiert. Beim Dekorieren können die Gäste mithelfen, sofern sie körperlich dazu in der Lage sind.

Besonders gerne mögen die Gäste den schönen Wintergarten des Hospiz. Dieser ist hell und farbenfroh. In einem Strandkorb haben sie die Möglichkeit, auf die schöne Wiese des Hospiz zu blicken. Der Ausblick ins Grüne und die Möglichkeit, sogar mit dem Bett in den Wintergarten zu gelangen, freut die Gäste.

Der Wintergarten des Hospiz

Auch die Zimmer der Gäste erzählen ihre eigene und ganz persönliche Geschichte. Sie erinnern mehr an eine kleine Wohnung, als eine Pflegeeinrichtung. Den Pflegekräften ist es wichtig, dass jeder Gast seine Möbelstücke von daheim mitbringen kann, um sich dem eigenen Zuhause nah zu fühlen. Aber auch Wandbilder und Fotos der Angehörigen, schmücken die Zimmer des Vinzenz Pallotti Hospiz.

Der Abschied als Teil des Sterbens

Trotzdem wird aus den liebevoll eingerichteten Zimmern, im Laufe der Zeit ein Abschiedszimmer. Bis zu 24 Stunden nach dem Tod können die Gäste in ihren Zimmern bleiben. Sie werden gewaschen, bekommen ihre Reisekleidung angezogen und ihren persönlichen Lieblingsduft aufgetragen. Ihr Zimmer wird neu dekoriert, damit die Angehörigen sich in schöner Erinnerung an einen geliebten Menschen verabschieden können.

Den Pfleger:innen ist es wichtig, dass alle Sinne der Angehörigen angesprochen werden. ,,Der letzte Abschied soll ein guter Moment mit dem Gast sein” sagt Tim Weiß. Das Pflegepersonal gibt alles, damit die verstorbenen Gäste bestmöglich in Erinnerung gehalten werden.

Der alltägliche Umgang mit dem Tod

Der Pfleger berichtet, dass er am Ende eines Tages mit einem guten Gefühl nach Hause gehen kann. Dem Gefühl, den Gästen einen schönen letzten Lebensabschnitt geschaffen zu haben. Die in seiner Pflegeausbildung gelernte professionelle Distanz hilft ihm, den täglichen Kontakt mit dem Tod zu verarbeiten und die guten Seiten des Sterbens zu betrachten. Aber auch die Leitung des Hospiz, die Kolleg:innen, eine Seelsorgerin und die Psycho-Onkologin stehen dem Pflegepersonal jederzeit zur Verfügung.

Für Tim Weiß ist klar, er hat durch seinen Job ein anderes Bewusstsein für das Leben und die Sinne gewonnen. Er selbst schätzt jeden Tag, den er selbstständig erleben kann und ist dankbar, besonders mit seinen Kindern neue Momente erleben zu dürfen.

Er möchte auch andere dazu ermutigen, sich mit Themen wie einer Vorsorgevollmacht, einer Patientenverfügung und einer Organspende, ohne Angst vor der Endlichkeit auseinanderzusetzen.

ist Schülerin der IGP und hat in der Redaktion des Bürgerportals ein Praktikum absolviert.

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