Die Landesmittel flossen über das Kommunale Integrationszentrum auch in viele Projekte der Flüchtlingsinitiativen - wie bei diesem Sommerfest in Lückerath. Foto: Archiv

Das Land NRW streicht die Mittel für das Förderprogramm „Komm-an NRW“. Damit werden Projekte finanziert, die Zugewanderten bei der Integration helfen. Das ist ein herber Einschnitt für die Flüchtlingshilfe in Bergisch Gladbach. Ohnehin wird es für sie immer schwieriger, Menschen zu finden, die sich ehrenamtlich für Geflüchtete engagieren.

Das Landesförderprogramm „Komm-an NRW“ bietet Geflüchteten Orientierung, Unterstützung und Hilfe in ihrem neuen sozialen Umfeld an. Acht Jahre lang flossen aus dem Programm jährlich 110.000 Euro an Initiativen und Einrichtungen der Flüchtlingshilfe im Rheinisch-Bergischen Kreis. 2025 ist damit Schluss. 

Das Land NRW plant im Haushaltsjahr 2025 massive Einsparungen, die das Kommunale Integrationszentrum (KI) als landesgeförderte Einrichtung nun „bedauerlicherweise“ in vielen Bereichen zu spüren bekommt, teilt Björn Hesse, Leiter des KI, mit.

„Kurzfristig“ sei das KI darüber informiert worden, dass das Integrationsministerium die Förderung von „Komm-an NRW“ zum Jahresende einstellt. „Für uns als Kommunales Integrationszentrum kommt diese landespolitische Entscheidung überraschend und wir bedauern diese sehr“, so Hesse. 

Ich verstehe einfach nicht, wie man Mittel zur Integration einsparen kannBrigitte Opiela

„Das ist ein herber Einschnitt“, sagt Brigitte Opiela, Leiterin der Initiative „Willkommen in Refrath/ Frankenforst“. „Das war ein sensationelles Programm, das ich seit vielen Jahren beantrage. Es war sehr niederschwellig und man musste keine langen Anträge dafür ausfüllen.“

Das Fördergeld habe Opiela unter anderem eingesetzt, um Ausflüge für Geflüchtete oder deren Teilnahme am Refrather Karnevalszug zu finanzieren. Oder sie zahlte Ehrenamtlern eine kleine Pauschale, damit diese ihre Fahrtkosten oder sonstigen Ausgaben abdecken konnten.

„Ich verstehe einfach nicht, wie man Mittel zur Integration einsparen kann. Es geht dabei doch um Angebote zur Begegnung und des Zusammenkommens“, sagt Opiela. Künftig werde sie mit ihrem Team von rund 25 Ehrenamtlichen überlegen, „was wir noch machen und uns leisten können“.

Die Pressestelle der Kreisverwaltung, bei der das KI angesiedelt ist, teilt auf Anfrage mit, dass in den vergangenen Jahren 30.000 Euro pro Jahr an die Flüchtlingshilfe Bergisch Gladbach für Ehrenamtsangebote gingen, die ab 2025 wegfallen werden. Die Sparmaßnahme betrifft auch das Team des KI selbst: So werden zwei befristete Mitarbeitende nicht weiterbeschäftigt können, die für die Ehrenamtsarbeit des „Komm-an“-Projekts zuständig waren.

Einsparung bedeutet Einschränkung

„Diese Entscheidung ist sehr enttäuschend für unsere Arbeit. Die Einsparung bedeutet eine massive Einschränkung“, sagt auch Gabriele Atug-Schmitz, Integrationsbeauftragte der Aktion Neue Nachbarn im Rheinisch-Bergischen Kreis. Bei ihr gehe es um verhältnismäßig kleine Summen, doch auch die „fallen nun einfach weg“. 

Bezahlt würden davon beispielsweise Schulungen für neue Ehrenamtlichen, gemeinsame Ausflüge von Geflüchteten und Ehrenamtlern, Referenten für Veranstaltungen wie Empowerment-Workshops für Frauen oder einen regelmäßigen Frauenstammtisch. 

„Solche Veranstaltungen, bei denen sich neue und alte Nachbarn begegnen, sind so wichtig für einen Austausch und um Kontakte zu knüpfen. Oft ergeben sich dadurch neue ehrenamtliche Engagements,“ berichtet Atug-Schmitz.

Auch Druckkosten für Flyer, um neue Ehrenamtliche zu gewinnen, hat sie über die „Komm-an“-Mittel abgedeckt. „Es ist ohnehin immer schwieriger, Menschen zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren wollen,“ sagt Atug-Schmitz.Die Flüchtlingshilfe sei zunehmend negativ besetzt: „Viele trauen sich schon gar nicht mehr zu sagen, dass sie sich für Geflüchtete einsetzen.“ 

Gabriele Atug-Schmitz-Schmitz (2.v.r.) organisiert auf verschiedenen Ebenen finanzielle Mittel für die Flüchtlingsinitiativen. Zum Beispiel bei einer Spendenverdopplungsaktion mit den Stiftern Roswitha und Erich Bethe und Achim Rieks vom Himmel un Ääd in Schildgen.

Verunsicherung unter den Ehrenamtlichen

 „Wir haben mit Kürzungen gerechnet, aber nicht damit, dass das Programm ganz eingestellt wird“, sagt Atug-Schmitz. Die Arbeit mit den Geflüchteten vor Ort bleibe, auch wenn die Fördermittel wegfielen. Die Kirche werde die fehlenden Summen nicht komplett auffangen können. Unter den Ehrenamtlern habe die Nachricht über die Sparmaßnahmen für Unruhe und Verunsicherung gesorgt. 

Björn Hesse vom KI appelliert in seiner Mitteilung an die Ehrenamtler: „Auch wenn diese Nachricht für uns alle ein Schock ist, lassen Sie sich nicht davon entmutigen. Ihr tägliches Engagement für Menschen, die neu zu uns kommen, ist und bleibt ein wichtiger Grundpfeiler in unserer Gesellschaft.“

Brigitte Opiela und Gabriele Atug Schmitz hoffen, dass ihre Ehrenamtler trotz allem dabei bleiben.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Das kann doch wohl nicht wahr sein! Wir reden über Radikalisierung von Kindern und Jugendlichen und stellen so ein Programm ein! Anstatt unsere sogenannten Grenzen zu sichern, wäre das Geld an dieser Stelle besser investiert. Unser Ziel muss doch sein Menschen so gut wie möglich in unsere Gesellschaft zu integrieren und uns von der Vielfalt bereichern zu lassen.
    Kann ich nur fassungslos den Kopf schütteln.

    1. War leider zu erwarten. Die Einsparungen werden auf allen Bereichen zunehmen und Förderprojekte lassen sich halt schneller beenden als eventuell den eigenen geschaffenen Wasserkopf zu beschneiden.

      Eventuell findet sich ein Verein, der die Lücke füllt und den man unterstützen kann.