Die Fotoausstellung „Unsichtbar” von Markus Bollen in der Volkshochschule Bergisch Gladbach zeigt eine Auswahl aus 30 Jahren seines Kunstschaffens. Ein kleiner Rundgang und ein Gespräch mit dem Künstler über illusorische Fotografie – und das, was man nicht sieht.

Der Fotograf Markus Bollen ist im Rheinland und darüber hinaus vielen ein Begriff – bekannt ist er vor allem für seine ungewöhnlichen landschaftlichen Aufnahmen. In der aktuellen Ausstellung der VHS Bergisch Gladbach sind jetzt vor allem großformatige, aber auch einige kleine Fotografien, zu sehen.

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Bunte Wildblumenwiesen, wild gewachsene Bäume und Sträucher und im Gegensatz dazu: goldene, Miscanthus Felder, hier ganz in diesem Wortsinne – kultivierte Pflanzen – die für die Erzeugung von Biogas angepflanzt werden.

Das ist kein Zwiespalt, denn Bollen ist auch bekannt für zahlreiche Naturschutz-Kunst-Projekte – wie beispielsweise das Gruppenprojekt „Wald und Sturm“, das sich mit dem Klimawandel und der Zerstörung von Natur auseinandersetzt.

Bollens Werk lädt den Betrachter ein, in diesen Zwiespalt einzutauchen. Die Serie „Kadettenweiher Blütenstaub“ zeigt gewöhnlichen Pollenflug, der sich auf den Gewässern, wie beispielsweise in der Hardt, oberhalb des Schlosses Bensberg, niederlässt.

Der Künstler erklärt, dieser extreme Pollenabwurf sei eine Folge des Klimawandels; konkret sei es der Versuch der Pflanzen, „die vielleicht letzte Chance zu nutzen, das Genmaterial weiterzugeben.“

Auf den Fotos sieht man dieses Drama nicht. Man vermeint, einen kunstvoll gewebten Teppich der Natur zu erkennen – oberflächlich betrachtet.

In seiner Fotografie wirke alles ästhetisch, malerisch, schön – „zu schön”, sagt der Künstler. Zum Beispiel das Bild „Blackbrook“: Eine märchenhaft grüne Wolke, ein Blick in eine ferne Galaxie? Doch auch hier erzählt die Realität eine eher traurige, aber allzu gewöhnliche Geschichte: Es ist das Bild von einem See in Leicester, der unter einem Teppich aus Algen erstickt. Eine logische Konsequenz von allzu maßlos betriebener Landwirtschaft.

Ausstellung „Unsichtbar“
Markus Bollen
Vernissage: Freitag, 29. November, 19 Uhr
bis 17. Januar 2025
Volkshochschule Bergisch Gladbach
Buchmühlenstraße 12, 51465 Bergisch Gladbach

Der Fotograf sieht sich selbst als Beobachter mit einem besonderen Blick auf unsichtbare, verborgene Strukturen. Strukturen, die man mit dem bloßen Auge nicht so einfach sehen kann. Vielleicht auch ein Grund, warum man deshalb die Komplexität der Natur schnell übersieht und darüber sprichwörtlich hinweggeht.

Zur Person: Markus Bollen

geb. 1960 in Hamburg, lebt in Bergisch Gladbach. Im Alter von 15 Jahren bekam er von seinem Vater seine erste Kamera. 1981 begann er seine Lehre zum Photographen. Auf einer Reise entdeckte er seine Leidenschaft für asiatisches Gedankengut, besonders der Taoismus und der Buddhismus haben ihn seither nicht mehr losgelassen.

Bollen unterrichtete in der Republik China als Professor an der Fu Jen Universität Deutsch und reiste durch die Volksrepublik bis nach Tibet.

Er arbeitete in der Filmproduktion und als selbstständiger Fotograf. Neben der Auftragsfotographie produziert er als Künstler freie Arbeiten und stellt diese regelmäßig aus. Alle Aufnahmen entstehen analog mit einer Großformatkamera. Website, Instagram

Markus Bollen will den Betrachtenden die Augen öffnen für das Ungewöhnliche im Gewöhnlichen, für das Schöne im Alltäglichen, für das Besondere im Einfachen. Seine Beschäftigung mit Spiritualität hilft ihm dabei.

Bollen ist auch ehrenamtlich sehr aktiv, ist als Imker der Motor der Initiative „GL blüht“ und sitzt für die Grünen als Sachkundiger Bürger im Stadtrat.

In vielen Jahren hat Bollen spezielle Fotografietechnik entwickelt, die seinem künstlerischen Empfinden nahekommen, die das, was man nicht sehen kann, sicht- und spürbar machen. 


So wie die Arbeit mit der Großformatkamera für Großaufnahmen; damit kann er beispielsweise winzige Pflanzenfasern, Eiskristalle oder Regentropfen gestochen scharf ablichten, greifbar – letztlich irgendwie mehr begreifbar machen.

Die VHS und Kunst in öffentlichen Räumen

„Bitte nicht berühren“, sagen die Aufkleber an der Wand neben den Fotografien. Eine Vorsichtsmaßnahme, denn die VHS ist eben kein Kunstmuseum, sondern ein öffentlicher Ort, mit allen Vor- und Nachteilen. Dennoch hat sich der Künstler entschlossen, die allermeisten Fotografien nicht mit einer Glasscheibe zu schützen. Eine künstlerische Entscheidung, um den satten Farben auf dem Büttenpapier nichts von ihrer hapitisch-sinnlichen Ästhetik zu nehmen.

Hinter Glas und in dem Sinne beinahe museal geschützt sind hingegen einige Wespennester, die der Künstler und Bienenschützer in die VHS-eigene Vitrine drapiert hat. Kommentarlos.

Lehrende und Lernende, Veranstaltungsgäste und -machende der Volkshochschule, können die Lichtbilder in den Gängen in aller Ruhe betrachten. Wer mehr wissen will und in das Werk des Künstlers eintauchen mag, bekommt Hilfe an die Hand: An den Wänden hängen Klemmbretter mit Infotexten.

Voranschreiterin. Foto: Markus Bollen

Das Besondere dabei: hier findet man viele Fachinformationen und kleine Anekdoten, die Markus Bollen eigens für diese Ausstellung zu Papier gebracht hat.

Darüber spricht er am 12. Dezember um 19 Uhr mit der Philosophin Eva Degenhardt. Seine Technik mit der Großformatkamera stellt er am 15. Januar vor. Bis zum 17. Januar können Natur- und Kunstliebhaber die Werke sehen und sich davon inspirieren lassen.

Rahmenprogramm:

Am 29. November 2024 um 19 Uhr eröffnet VHS-Leiter Michael Buhleier im Rahmen einer Vernissage die Ausstellung.

Am 12. Dezember 2024 um 19 Uhr führt die Philosophin Eva Degenhardt ein Künstlergespräch mit Markus Bollen.

Am 15. Januar 2025 um 19 Uhr zeigt der Fotograf an einem praktischen Beispiel den Einsatz einer Großformatkamera und führt durch die Ausstellung. Die Ausstellung kann bis zum 17. Januar 2025 zu den Öffnungszeiten der VHS in Haus Buchmühle besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen unter www.vhs-gl.de.


Hinweis der Redaktion: Zwei der großformatigen Fotos schmücken in Form einer Leihgabe auch unsere Redaktionsräume im Coworking GL. Sie können zu den üblichen Bürozeiten (9:30 bis 19 Uhr) betrachtet werden.

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