Die Kita Mini Mäx der Firma Miltenyi Biotec liegt auf dem Firmengelände am Rand eines Waldes in Moitzfeld. Foto: Kathy Stolzenbach

Job und Kinder unter einen Hut zu bringen, ist für Eltern oft ein Kraftakt. In Zeiten von Personalmangel und Notbetreuung mehr denn je. Eine familienfreundliche Firmenpolitik mit Teilzeit und Homeoffice versprechen inzwischen die meisten Arbeitgeber. Wir haben bei einigen großen Unternehmen nachgefragt, was sie für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf konkret tun. Vorreiter ist Miltenyi Biotec – mit einer eigenen Betriebskita.

Wenn Timo Kaufmann ins Büro fährt, kommt sein Sohn mit. Der Zweieinhalbjährige geht dort in die Kita, wo sein Papa arbeitet – bei Miltenyi Biotec in Moitzfeld. Während Kaufmann in der IT-Abteilung des Biotechnologie-Unternehmens beschäftigt ist, besucht sein Sohn die betriebseigene Kita „Mini Mäx“. „Wir sind glücklich, dass wir einen Platz bekommen haben. Unser Sohn geht super gern in die Kita“, sagt Kaufmann.

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Die Betriebskita auf dem Miltenyi-Gelände gibt es seit 2003. Sie liegt im hinteren Teil des Firmengeländes direkt am Wald. Der große Außenbereich mit Matschküche, Bäumen, Büschen und Fußballtoren bietet viel Platz zum Austoben.

Vorteile für Eltern und Arbeitgeber

Die Vorteile für die Eltern sind das eine: Wenn der Weg zur Arbeit und zur Kita derselbe ist, spart das Zeit. Und wenn das Kind früher von der Kita abgeholt werden muss, weil es krank ist, dauert es nur wenige Minuten, bis Mutter oder Vater zur Stelle sind. 

Vor allem aber war der Miltenyi-Geschäftsführung die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein hohes Anliegen. „Wir bemühen uns, internationale Fachkräfte zu gewinnen. Eine Betriebskita steigert die Attraktivität des Arbeitgebers“, sagt Svea Lübcke, Leiterin der Unternehmenskommunikation. 

Firmengründer Stefan Miltenyi erkannte offenbar schon damals, dass sich Familienfreundlichkeit auch für das Unternehmen auszahlt. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf steigert Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeitenden. (Weitere Informationen und Hintergründe dazu finden sich auf der Seite „Erfolgsfaktor Familie“ des Bundesfamilienministeriums

Nicht Silicon Valley, sondern Moitzfeld: Haus 2 auf dem Miltenyi-Gelände

Firmen werben mit Familienfreundlichkeit

Inzwischen haben das viele Arbeitgeber verstanden. Daher werden familienfreundliche Strukturen und Arbeitsmodelle mit Homeoffice, flexiblen Arbeitszeiten und Teilzeitmodellen in vielen Stellenausschreibungen betont. So heißt es etwa auf der Karriereseite des regionalen Energieversorgers Belkaw: „Bei uns ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kein leeres Versprechen, sondern gelebte Realität.“ 

Konkret bedeutet das flexible Arbeitszeiten mit einer Homeoffice-Quote von bis zu 50 Prozent der Arbeitszeit, wie die Belkaw auf Nachfrage mitteilt. Weitere Möglichkeiten wie etwa Job-Sharing-Modelle oder ein Eltern-Kind-Arbeitszimmer würden aktuell im Zuge einer personellen Neuaufstellung geprüft.

Der Lebensmittelhersteller Krüger ließ die Anfrage des Bürgerportals zu Familienfreundlichkeit und Kinderbetreuung unbeantwortet. Krüger hatte vor einigen Jahren ein neues Verwaltungsgebäude geplant, zu dem auch ein Betriebskindergarten gehörte – wollte dafür aber ein Waldgelände nutzen und war in der Politik gescheitert.

Bergisch Gladbach betreibt keine Kitas

In Stellenangeboten der Stadt Bergisch Gladbach steht: „Bei uns ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Selbstverständlichkeit.“ Neben dem Angebot, im Homeoffice zu arbeiten, bietet die Stadt unter anderem die Möglichkeit, Führungspositionen in Teilzeit auszuüben. 

Da die Stadt keine eigenen Kitas betreibt, kann sie – anders als beispielsweise Köln –keine betriebseigenen Kinderbetreuungsplätze anbieten. Die Stadt teilt mit, dass sie fünf Plätze in der Awo-Kita Kunterbunt belegen könne: „Das ist bei rund 1500 Beschäftigen nur ein Tropfen auf den heißen Stein und nichts, wofür man werben kann und sollte.“

Plätze in GFO-Kitas für Klinik-Mitarbeitende

Bei den GFO-Kliniken, zu denen das Marien-Krankenhaus in Bergisch Gladbach und das Vinzenz-Pallotti-Hospital in Bensberg gehören, gibt es zwar keine Garantie für einen Kita-Platz für Kinder der Beschäftigten, „aber in der Regel können wir einen Platz organisieren, wenn es etwas Vorlauf gibt“, sagt Andreas Wintersohl, Regionalleiter GFO-Kindergärten im Rheinland. 

Die GFO betreibt in Bergisch Gladbach zwei Kitas – eine in Bensberg, eine in Frankenforst. Es handelt sich dabei um keine klassischen Betriebskitas. Der Anteil der Kinder ohne GFO-Hintergrund sei größer als der von GFO-Beschäftigten. „Wir wollen unseren Beitrag für Familienvereinbarkeit leisten und den Menschen, die in unseren Kliniken arbeiten, die Kinderbetreuung ermöglichen“, so Wintersohl.

Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.

Zurück zu Miltenyi: Das Unternehmen stellt die Räume zur Verfügung, Betreiber der Kita ist der freie Träger „educcare“.  Wie bei allen anderen Kitas in Bergisch Gladbach werden die Plätze über das städtische Vergabeverfahren verteilt, die Elternbeiträge vom Jugendamt erhoben. Für die Eltern fallen – abgesehen vom Essensgeld – keine Extra-Kosten an.

Kita mit bilingualem Sprachkonzept

30 Kinder werden in zwei Gruppen betreut. Mindestens zehn von ihnen müssen in Bergisch Gladbach wohnen. Von den rund 2000 Beschäftigten am Firmensitz in Moitzfeld wohnen viele in Köln oder der Region, viele haben einen internationalen Hintergrund. Das wirkt sich auch auf den Kita-Alltag aus: Momentan gibt es Kinder aus Ländern wie Rumänien, Israel, Indien und England. 

Kerstin Burger leitet die Betriebskita von Miltenyi. Foto: Stolzenbach

Darum verfolgt die Einrichtung ein bilinguales Sprachkonzept. Es gibt immer eine Person, deren Muttersprache Englisch ist. Aktuell ist das eine Erzieherin aus Australien, die ausschließlich Englisch mit den Kindern spricht.

„Sie führt auch die Elterngespräche mit den entsprechenden Familien auf Englisch“, sagt Kita-Leiterin Kerstin Burger. Die Kinder sprechen untereinander einen Mix aus Deutsch, Englisch und Denglisch. „Sprache ist hier keine Barriere, die Kinder wissen sich zu verständigen.“ 

Eine weitere Besonderheit der Kita: „Wir vergeben ausschließlich 45-Stunden-Plätze. Das ermöglicht es den Mitarbeitenden, Vollzeit zu arbeiten“, sagt Burger. Von 7.45 bis 17 Uhr ist die Einrichtung geöffnet. „Bei uns wird die Betreuungszeit von vielen auch voll ausgeschöpft. Das nimmt den Eltern den Druck, wenn ihr Kind nicht das einzige ist, dass erst kurz vor Schluss geholt wird. Hier ist nie ein Kind allein das letzte.“

Familiäre Einrichtung und stabile Personaldecke

Vater Timo Kaufmann lobt die familiäre Atmosphäre der Kita: „Unser Sohn war noch sehr klein, als er mit zwölf Monaten in die Kita kam. Aber er wurde hier sehr umsorgt und kannte sich schnell überall aus.“ Viele der Eltern kennen sich untereinander, weil sie auch zusammen arbeiten. Das fördert der Leitung zufolge auch das Gemeinschaftsgefühl der Kinder und Eltern untereinander.

„Die Kita ist sicher nicht die modernste, was die Ausstattung angeht“, findet Timo Kaufmann. „Aber das Wichtigste für uns ist, dass unser Sohn hier glücklich ist.“ Im vergangenen Jahr habe es aufgrund von Personalnot wie in fast allen Kitas verkürzte Betreuungszeiten und teilweise auch Ausfälle gegeben.

Aber inzwischen ist die Personalsituation wieder stabil. „Wir dürfen uns glücklich schätzen, voll besetzt zu sein vom Personal“, sagt Leiterin Burger. Insgesamt gibt es zwölf Mitarbeitende, darunter sieben Fachkräfte, eine Auszubildende, eine Ergänzungskraft, einen Alltagshelfer und zwei Köchinnen.

Kein Bedarf bei der Kreisverwaltung

Bei der Verwaltung des Rheinisch-Bergischen Kreises, in der rund 1300 Menschen arbeiten, gibt es keinen Bedarf für eine Betriebskita. „Weder für den Bau eines Betriebskindergartens noch für eine arbeitsplatznahe Kindertagesstätte konnte bei den Mitarbeitenden des Kreises ein Bedarf festgestellt werden“, teilt der Kreis mit. 

In umliegenden Kitas reservierte Plätze, die es über mehrere Jahre gegeben habe, seien demnach nicht abgerufen worden. Daher sei das Angebot eingestellt worden. Der fehlende Bedarf hänge laut Kreis damit zusammen, dass die Mitarbeitenden der Kreisverwaltung aus unterschiedlichen Kommunen des Kreises kommen und eher an einer wohnortnahen Betreuung ihrer Kinder interessiert sind als an einer arbeitsplatznahen. Die Kreisverwaltung halte für ihre Mitarbeitenden eine breite Palette von Maßnahmen bereit, die bei der Vereinbarung von Kindern und Beruf helfen.

Für die Kinder ist es toll mitzubekommen, wo ihre Eltern arbeitenKerstin Burger

Bei Miltenyi ist das anders. Die Kita kommt längst an ihre Kapazitätsgrenze. Die Warteliste ist lang. Im kommenden Jahr können laut Leiterin Burger nur sechs neue Kinder aufgenommen werden. Es gibt Ausbaupläne für die Kita, doch noch wolle man sich nicht auf einen Zeitpunkt festlegen, so Lübcke.

„Für die Kinder ist es toll mitzubekommen, wo ihre Eltern arbeiten“, sagt Kita-Leiterin Burger. Wenn die Gruppe zu einem Ausflug in den Wald mit dem Bollerwagen über das Gelände zieht, winken manche Eltern vom Fenster aus. Und die Kinder rufen aufgeregt: „Da arbeitet mein Papa“ und „Da arbeitet meine Mama!“

Zu Sankt Martin und Karneval veranstalten die Miltenyi-Beschäftigten einen Umzug für die Kita-Kinder. „Da machen auch viele Kolleg:innen mit, die keine Kinder in der Kita haben“, sagt Lübcke. Karneval ziehen die Kinder kostümiert über das Gelände – und die Mitarbeitenden schmeißen Kamelle. Eine Kita auf dem Firmengelände bereichert also auch den Betriebsalltag eines Unternehmens. 

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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