Die Gründungsmitglieder der Korngold-Gesellschaft Foto: A. Luhr

Der Komponist Korngold galt einst als musikalisches Wunderkind. Der Pianist und Dirigent des Bergisch Gladbacher Sinfonieorchesters, Roman Salyutov, hat einen neuen Verein gegründet: Die „Internationale Erich Wolfgang Korngold Gesellschaft e. V.“ widmet sich nicht nur dem Schaffen des Namensgebers, sondern auch anderen Komponisten, die in der NS-Zeit gelitten haben.

Wir veröffentlichen einen Beitrag der Korngold-Gesellschaft

Es war schon lange ein Anliegen des Pianisten, Dirigenten und Musikwissenschaftlers Dr. Roman Salyutov, zur Pflege des musikalischen Nachlasses von Komponisten, die vor allem durch die NS-Zeit gelitten haben, systematisch beizutragen und dadurch die Geschichte aus dieser Perspektive heraus tiefer aufzuarbeiten und den Menschen näher zu bringen.

So hat der Musiker jetzt einen weiteren Verein gegründet – die „Internationale Erich Wolfgang Korngold Gesellschaft e. V.“, die sich dem Schaffen verbannter, vergessener, repressierter und ermordeter Komponisten widmet.

Der Namensgeber des Vereins ist kein Unbekannter in der Musikgeschichte: Geboren 1897 in Brünn (heute das tschechische Brno – damals ein Teil von Österreich-Ungarn), wuchs Korngold in Wien auf und galt als musikalisches Wunderkind – bereits seine Jugendwerke wurden von solchen Größen wie beispielsweise Gustav Mahler mit großer Begeisterung wahrgenommen, und den entscheidenden Durchbruch schaffte er schon mit 23 Jahren, als seine Oper „Die tote Stadt“ nach den gleichzeitigen Premieren in Köln und Hamburg dem jungen Genie die Tore zur großen Musikszene eröffnete.

Bis zur Nazi-Herrschaft zählte Korngold zu den meistgespielten Künstlern im deutschsprachigen Raum und war sogar eine Zeit lang populärer als Richard Wagner oder Richard Strauss.

Zweifacher Oscar-Preisträger

Die immer stärker werdende antisemitische Atmosphäre in der österreichischen Gesellschaft zwang den jüdischstämmigen Komponisten nach neuen Zentren seiner Tätigkeitg zu suchen, und so kam er bereits 1934 in die USA, wo er sich schnell einen Namen als Filmkomponist gemacht hat und sogar mit zwei Oscar-Preisen für seine Filmmusik gekrönt wurde. Nach dem Anschluss 1938, als auch mehrere weitere prominente jüdische Musiker Österreich verließen, holte er seine Familie zu sich nach Amerika und ließ sich endgültig in Los Angeles nieder.

Bis zu seinem Tod im Jahr 1957 hat Erich Wolfgang Korngold viel Musik in verschiedenen Genres geschaffen – für Klavier, Gesang, Kammermusik, Orchester, Film, Bühne (Oper, Ballett, Schauspiel) – und sprühte immer wieder vor künstlerischer Fantasie und neuen Ideen. Ein Comeback nach dem Krieg in Europa – er kam bereits 1946 nach Wien – ist ihm leider nicht gelungen: Seine Musik, wie auch die Musik anderer jüdischer Komponisten wurde ab 1933 bzw. 1938 verboten und fand im Bewusstsein der europäischen Nachkriegsgesellschaft keinen Anschluss mehr.

Heutzutage ist Korngold vor allem durch buchstäblich ein paar Kompositionen bekannt – sein Violinkonzert, uraufgeführt 1945 in den USA von Jascha Heifez, und die Erfolgsoper „Die tote Stadt“, die selten mal hier mal dort zu erleben ist.   

Roman Salyutovs großes Interesse an Korngold kam mitten in der Corona-Zeit: Im Zuge seines digitalen 8-teiligen Projekts zum Jubiläumsjahr „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ hat er eine Folge des Projekts den deutschen Juden im Ersten Weltkrieg gewidmet und nach besonderen Musikwerken gesucht. So kam er auf die Suite von Korngold für zwei Violinen, Cello und Klavier für die linke Hand alleine, die der Komponist für den damals bekannten Pianisten Paul Wittgenstein, der seinen rechten Arm als Soldat im Krieg verloren hat und, um künstlerische Tätigkeit fortsetzen zu können, dringend auf spezielles Repertoire angewiesen war.

Förderung verbannter Komponisten

Salyutov studierte dieses Werk mit seinen Musikerfreunden ein und war so fasziniert von der Klangkultur und dem Charakter der Musik, dass er sich dann immer mehr Korngolds Werken widmete und dadurch auch mit mehreren anderen – auch weniger bekannten – Komponisten aus jener Zeit in Berührung kam, der Verbreitung derer Schaffen er sich mit seinem neuen Verein nun widmen will. 

Auch bei der Wahl seines Teams bei der Gründung der Gesellschaft hat Roman Salyutov wert darauf gelegt, dass die Vorstandsmitglieder nicht nur seine Begeisterung für Korngold teilen, sondern auch das große Ziel – die Förderung der Werke repressierter, verbannter und ermordeter Komponisten – ständig im Blick behalten.

Es sind Kunst- und Kulturschaffende aus verschiedenen Städten von NRW – selbst professionelle Künstler, mit denen Salyutov bereits seit Jahren in mehreren Projekten zusammengearbeitet hat: Die Rösrather Sopranistin Ruth Theresa Fiedler, die aus dem Kreis Kleve kommende Geigerin und Moderatorin Lea Brückner, Theaterregisseurin Anna Sophia Baurgart aus Bonn wie auch der internationale Cellist Ramon Jaffé, der bei Berlin residiert, eine Professur für Cello in Dresden hat und übrigens selbst Sohn des den Holocaust überlebenden Komponisten und Cellisten Don Jaffé ist.

Zu den Gründungsmitgliedern zählen auch Dr. Peter Konner, der Kontrabassist und Vorsitzende des Sinfonieorchesters Bergisch Gladbach, der Bonner Theologe und Komponist Dr. Gunther Fleischer wie auch der Historiker und Kulturpolitiker Dr. Ulrich Soenius aus Köln. 

Der neue Verein ist bundesweit bzw. sogar international aufgestellt – seinen Sitz hat er zwar in Bergisch Gladbach, ist aber geografisch nicht eingeschränkt. Alleine aus der Biografie und der Herkunft Korngolds ergeben sich sofort fünf Länder – Tschechien, Österreich, Deutschland, USA und Israel, in denen Roman Salyutov vorrangig neue Brücken schlägt. Schon jetzt hat der Verein mehrere Veranstaltungstermine veröffentlicht, bei denen er als (Mit)organisator auftritt.

Die Quantität wird in der kommenden Zeit rapide steigen, denn alle Vereinsmitglieder bringen ihre eigenen Netzwerke zusammen und schaffen dadurch eine sehr breite überregionale Abdeckung. Somit wird auch Bergisch Gladbach ein Stück weiter bekannter und sogar internationaler – und als Kulturort attraktiver und erlebenswerter. 

Hier geht es zum Internetauftritt der Korngold-Gesellschaft.

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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