Symbolbild: Pixabay

Die Beratungsstelle donum vitae wurde vor einem Vierteljahrhundert in Bergisch Gladbach gegründet, nachdem die Kirche aus der Beratung für Schwangere ausgestiegen war. Jedes Jahr führen die Mitarbeitenden mehr als 1000 Gespräche mit Frauen, die sich in der Regel in akuten Krisen- oder Notlagen befinden. Der Bedarf steigt.

Diese Frauen sind in Not. Sie sind ungeplant oder ungewollt schwanger, befinden sich im emotionalen Ausnahmezustand. Andere trauern um ihr totgeborenes Kind, müssen eine Fehlgeburt verkraften oder eine Abtreibung. Wieder andere sind nach der Geburt vom Alltag mit dem Baby überfordert. Und schließlich sind da noch die, deren Wunsch nach einem Kind unerfüllt bleibt.

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Es ist eine breite Palette von Themen, die Frauen mitbringen, wenn sie sich an das Team von donum vitae wenden. Seit 25 Jahren setzt sich die Beratungsstelle in Bergisch Gladbach für die Belange von Frauen rund um die Themen Sexualität, Verhütung, Schwangerschaft und Elternschaft ein. Beim Jubiläumsfest gaben die Mitarbeiterinnen jetzt einen Einblick in ihre tägliche Arbeit, die Vielfalt der Themen und wie sich diese im Laufe der Jahre verändert haben.

Rückzug der Kirche aus Beratungen

Gegründet wurde donum vitae in Bergisch Gladbach im Jahr 2000, nachdem die katholische Kirche aus der Schwangerenkonfliktberatung ausgestiegen war. Im ersten Halbjahr ließen sich 96 Frauen beraten; in den allermeisten Fällen ging es um ungewollte Schwangerschaften. 

Die Zahl der Beratungen stieg kontinuierlich an, im vergangenen Jahre waren es bereits 1000. Viele Frauen kommen mehrfach zu donum vitae, berichtete die Vorstandsvorsitzende Barbara Voll. Inzwischen gehe es nur noch in rund 40 Prozent der Beratungen um Schwangerschaftskonflikte.

Das Team von donum vitae

Angst vor einem behinderten Kind

Im Laufe der Jahre seien neue Themen hinzugekommen: finanzielle Sorgen, psychische und körperliche Probleme oder traumatisch erlebte Geburten. Mit der Pränataldiagnostik ging die Sorge einher, ein behindertes Kind zu bekommen.

Zur Pränataldiagnostik berichtete Frauenärztin Mareike Weiß beispielhaft von einer Patientin: Bei der Ultraschalluntersuchung einer schwangeren 19-Jährigen stellte die Ärztin einen Herzfehler des ungeborenen Kindes fest. 

„Die Frauen kommen in einer freudigen Erwartung und erleben nach so einer Diagnose eine emotionale Belastungssituation“, sagte Weiß. Sie habe die Schwangere zu donum vitae geschickt. „Die Frau hat sich nach ausführlicher Beratung entschieden, das Kind zu bekommen. Inzwischen ist sie an die Uniklinik angebunden und hat durch die Unterstützung von donum vitae ein gutes Netzwerk aufgebaut.“

„Ohne Sie und Ihre Beratungen wäre unsere Arbeit schwieriger“, bedankte sich Frauenärztin Beate Forner beim Team von donum vitae. Sie und ihre ärztlichen Kolleg:innen könnten die Frauen nicht so umfassend beraten und begleiten: „Wir sind dankbar, dass wir eine solche Beratungsstelle haben.“ 

Unterstützung bei Verhütung

Forner schilderte den Fall einer Frau aus Somalia, die bereits vier Kinder zur Welt gebracht hat und wegen ungewollter Schwangerschaften mehrfach in ihre Praxis für einen Abbruch gekommen ist. Beraten und unterstützt von donum vitae konnte eine Spirale zur Verhütung finanziert und gelegt werden. 

Landrat Stephan Santelmann betonte im Namen des Kreises die Bedeutung der Beratungsstelle: „Die Politik und die Verwaltung steht hinter Ihnen. Ihre Arbeit hier im Kreis spielt eine wichtige Rolle. Wir brauchen Sie.“ 

Vorständin Barbara Voll griff diese Vorlage auf: „Wir haben für 2026 einen Stellenzuwachs beantragt, weil der Beratungsbedarf steigt. Daher brauchen wir auch mehr Geld“, kündigte sie an den Landrat gerichtet an. Denn die Zuschüsse von Land und Kreis deckten „bei weitem“ nicht alle Kosten ab. „Wir sind auf Spenden angewiesen.“

Kostenlos und ergebnisoffen

Der stellvertretende Bürgermeister Josef Willnecker dankte den Beraterinnen für „Ihr großartiges Engagement. Sie begleiten Frauen dabei, den für sie richtigen Weg zu finden“.

Die Beratungen von donum vitae sind für alle kostenlos und richten sich an Frauen jeglicher Herkunft und Religion. „Unsere Beraterinnen sind die Einzigen, die völlig offen und neutral gegenüber der Entscheidung für oder gegen ein Kind stehen“, sagte Voll. Ziel sei es, dass die Frau eine ergebnisoffene und fundierte Entscheidung treffen kann. „Am Ende ist sie es, die mit dieser Entscheidung leben muss.“ 

donum vitae im Rheinisch-Bergischen Kreis e.V.
Hauptstraße 126
51465 Bergisch Gladbach
02202/ 108650
Internetseite

Spendenkonto: VR-Bank Bergisch Gladbach e.G
IBAN:DE79 3706 2600 3626 6570 19
BIC:GENODED1PAF

Das Hilfstelefon für Frauen in Not ist rund um die Uhr und kostenlos erreichbar: 0800/ 40 40 020 

Auf das schwierige Verhältnis zwischen donum vitae und Kirche spielte Pfarrer Christoph Bernards (in Vertretung von Kreisdechant Norbert Hörter) an: Aus Sicht der Kirche sei die Gründung von donum vitae eine „ungewollte Schwangerschaft, eine ungewollte Geburt“ gewesen.

„Heute sage ich Ihnen die Unterstützung der katholischen Kirche im Kreis zu“, sagte Bernards. „Heißt das auch eine finanzielle Unterstützung?“, hakte Voll nach. „Das kläre ich“, versprach der Pfarrer. 

Der Lions Club Bergische Löwinnen spendete zum Jubiläum 2000 Euro. Das Geld soll in einen Hilfsfond für Frauen in Notlagen fließen. 

„Wohnungsnot ist Grund für Abtreibung“

Die finanzielle Situation der Frauen spielt auch in vielen Beratungen eine große Rolle. Zur Zeit kämen häufig Frauen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren zu domum vitae, die ungewollt schwanger sind, bereits Kinder haben, nicht genug Platz haben, sich eine größere Wohnung aber nicht leisten könnten, berichtete Voll: „Wohnungsnot ist heutzutage Grund für einen Schwangerschaftsabbruch.“ Die Frage, warum diese Frauen nicht verhüten, beantwortete sie selbst: „Das Einlegen einer Spirale kostet 300 bis 500 Euro.“ Eine Summe, die zum Beispiel Bürgergeld-Empfängerinnen überfordert.

Die Vorständin berichtete, dass die meisten Frauen bei einem Schwangerschaftsabbruch allein gelassen würden: „Fast nie werden sie von einem Mann begleitet.“ Daher gebe es eine Gruppe von Ehrenamtlichen bei donum vitae, die Frauen zu diesem Termin fahren, sie wieder abholen und sich um sie kümmern. 

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Hier wird erneut wie an vielen anderen Stellen das hässliche Gesicht der Kath. Kirche sichtbar. Schwangere Frauen wuren einfach im Sztich gelassen, weil nicht sein soll was nach der Meinung verknöcherter alter Männer sein darf. Dieses Hochhalten sehr alter katholischer Irrtümer zeigt, was die Kirche heute treibt: In keinem Fall Veränderungen zulassen, in jedem Fall Recht aus der von alten, asexuellen Männern geschriebenen Bibel fordern und verstörende, lebensferne, gegen die Menschen Vorgehensweise in sehr vielen Bereichen.

    1. Die Gründung von donum vitae – damals überwiegend von (katholischen) Christinnen und angestoßen u.a. von der damaligen Vorsitzenden des Kreiskatholikenrats, Maria Koziel, zeigt aber auch, dass sich gegen die Strukturen der Amtskirche Einiges bewegen ließ und lässt. Heute würde ich sagen, es ist ein Glück, dass donum vitae völlig unabhängig von der kath. Kirche ist – das macht uns freier!
      Übrigens wurde das Neue Testament nicht nur von “alten” Männern geschrieben und über die Sexualität oder “Asexualität” der Autoren wissen wir nur wenig.
      Ich bin selbst aus der kath. Kirche ausgetreten, aber die Verfehlungen der Kirche der Bibel anzulasten, halte ich nicht für zielführend.