Über Monate hinweg werden nur Busse den Bahnhof in Bergisch Gladbach anfahren. Foto: Redaktion

Wenn das zweite Gleis für die S 11 irgendwann gebaut wird, müssen die Bergisch Gladbacher für rund ein Jahr auf die S-Bahn nach Köln verzichten. Aber schon im Spätherbst 2025 und im Frühsommer 2026 führen Bauarbeiten an der Strecke zu langen Sperrungen. Im Kreistag fordern CDU und Grüne daher einen Ersatzverkehr, der seinen Namen verdient.

Ein Antrag der Fraktionen von CDU und Grünen im Verkehrsausschuss des Kreistags vor zehn Tagen ist in der Öffentlichkeit bislang kaum bekannt geworden, enthält aber für die rund 40.000 Pendler:innen zwischen Bergisch Gladbach und seinem Umland sowie Köln eine Hiobsbotschaft: Vom 7. bis 17. November 2025 sowie vom 10. April bis 3. Juli 2026 wird die Strecke komplett gesperrt.

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Auf Anfrage bestätigt die Kreisverwaltung diese Planung der Bahn. Grund dafür seien im November 2025 Brückenarbeiten in Mülheim; im Frühsommer 2026 sorgt die Generalsanierung des Hochleistungsnetzes Köln-Wuppertal-Hagen für die Totalsperrung von fast drei Monaten.

Zudem stehen weitere Sperrungen im Raum, der Antrag spricht von „weiteren, noch nicht terminierten Maßnahmen im Zuge des Netzausbaus“. Das alles ist ein Vorgeschmack auf die Zeit, in der das zweite Gleis zwischen Dellbrück und Bergisch Gladbach gebaut wird und in der mit einem Jahr Sperrung zu rechnen ist.

„Umfassendes Ersatz- und Ergänzungskonzept“

Angesichts der Belastungen für den Verkehr zwischen Bergisch Gladbach und Köln fordern CDU und Grüne in ihrem Antrag die Kreisverwaltung auf, „unverzüglich gemeinsam mit dem Zweckverband go.Rheinland, der Stadt Köln sowie den regionalen Verkehrs-
unternehmen ein umfassendes Ersatz- und Ergänzungskonzept“ zu erarbeiten.

Die beiden Fraktionen fordern vor allem die Einrichtung „eines verlässlichen und schnellen Schienenersatzverkehrs“ zwischen dem S-Bahnhof in Bergisch Gladbach, der Haltestelle Duckterath und geeigneten Anschlussstellen an den Schienenverkehr auf Kölner Stadtgebiet.

Und zwar, formulieren CDU und Grüne vorsichtig, „bevorzugt unter Einbindung der Stadtbahnhaltestelle Köln-Thielenbruch“. Eine solche Verbindung zwischen Gladbach und Thielenbruch war in den vergangenen Jahren immer wieder gefordert worden, scheiterte aber offenbar am Widerstand der Stadt Köln, die wiederum auf die beengten Platzverhältnisse an der Haltestelle Thielenbruch verwies.

Als zweite Maßnahme schlagen CDU und Grüne vor, die Leihstationen im E-Bike-Sys-
tem des Rheinisch-Bergischen Kreises massiv auszuweiten und mit dem Kölner System zu vernetzen. Dabei sollen ebenfalls Thielenbruch und der Bahnhof Mülheim angebunden werden – eine entsprechende Karte fügten die Fraktionen dem Antrag bei.

Zudem wünschen die Fraktionen die Einbindung des Kreises in ein Schnellbussystem mit direkter Linienführung bis ins Kölner Zentrum. Als schnelle Alternative für Pendler:innen und zur Entlastung der bestehenden Verbindungen.

Mit dem herkömmlichen Schienenersatzverkehr, der eine Haltestelle nach der anderen abfährt, wollen sich CDU und Grüne nicht zufrieden geben. Die deutlich längere Fahrzeit sei für viele Nutzer:innen keine zumutbare Alternative. Daher seien „innovative und flexible Lösungen gefragt, die verschiedene Verkehrsträger intelligent verknüpfen und insbesondere schnelle Direktverbindungen sowie den Ausbau des Fahrrad-Leihsystems einschließen“.

Und zwar schnell: „Je früher das Ersatz- und Ergänzungskonzept steht, desto größer ist die Chance, die Menschen mitzunehmen und das Vertrauen in den öffentlichen Verkehr zu stärken.“

Der Verkehrsausschuss stimmte dem Antrag einhellig zu. Die Kreisverwaltung arbeite bereits daran, entsprechende Lösungen zu finden, betont eine Sprecherin. Wichtigster Akteur sei dabei der Verkehrsverband go.Rheinland.

Für den Ausbau der S 11 durch ein zweites Gleis und einen erheblich erweiterten Bahnhof in Bergisch Gladbach läuft noch immer das Planfeststellungsverfahren. Wann die Bauarbeiten endlich beginnen werden, dazu will sich vor Abschluss dieser Verfahren keiner der Beteiligten äußern.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Das ist heftig für Pendler. 10 Tage im November lassen sich vielleicht noch einigermaßen zu verschmerzen, das sind dann einige Arbeitstage, die eine deutlich längere Fahrzeit benötigen. 3 Monate sind da schon deutlich schwerer. Ich hoffe für alle, die die S11 regelmäßig oder auch nur punktuell nutzen, dass es sehr eng getaktete Schnellbuslinien geben wird, die auf direktem Wege nach Köln und Bensberg fahren werden, zumindest bis zu den Knotenpunkten, von denen man mit der Straßenbahn weiterfahren kann.

  2. Kann mal jemand ein paar Chinesen oder Türken vorbeischicken.. in zwei Wochen steht dann die vierspurige Strecke mit zwei Bahnhöfen inklusive. Und auch noch zum halben Preis

  3. Bei tempo 30 verlängert sich die Fahrtzeit zu Tempo 50 ,um 40 % …viel Spaß mit eurer komplett falschen Verkehrspolitik

    1. Lassen Sie das nicht Ihren alten Mathelehrer:in hören… ;-)
      (Im Stadtverkehr kann nur selten 50 gefahren werden – aber selbst dann wäre es falsch.)

  4. “Schnellbusse” klingt ganz toll – aber ohne Autobahn oder eigene Busspuren sind sie auch nicht schneller als ‘normale’ Busse. Die Linie 1 ist zwar chronisch überfüllt, fährt aber (noch) relativ zuverlässig. Neben Thielenbruch sollte daher auch Refrath bzw. Lustheide in die Ersatzverkehr-Pläne integriert werden.

    Was fehlt (zumindest im Artikel), ist ein Ausbau der Radwege-Verbindungen von Gladbach und Hand/ Paffrath zu den KVB-Haltestellen. Die Idee mit den zusätzlichen E-Leihrädern ist gut gemeint, scheint mir aber nicht zuendegedacht: Erstens stehen diese nicht vor der Haustür der Pendler:innen – und zweitens bringt das schönste Fahrrad nichts, wenn es keine halbwegs schnellen, direkten Radwege gibt. Statt viel Geld in die Anschaffung teurer E-Bikes zu stecken, sollte besser in den Ausbau des Wegenetzes investiert werden – davon haben viel mehr Menschen etwas!

  5. Ich fühle mich echt verraten und verkauft. Erst S1, S6 und nun S 11. Ich muss doch täglich zur Arbeit und dann habe ich noch Kinder und Haushalt. Wie soll das alles gehen?

    1. Jeder möchte eine bessere und pünktliche Bahn, niemand möchte aber Einschränkungen. Jeder möchte Energiewende, niemand möchte aber ein Windrad in seinem Garten. Und so weiter und so fort… Lieber ein kompletter Shutdown und dafür eine grundlegende Sanierung statt Flickenteppich. Haben Sie doch mal Verständnis!

      1. Der Arbeitgeber hat wenig Verständnis dafür, wenn man ständig zu spät zur Arbeit kommt, weil die S11 mal wieder ausgefallen ist.

        Es fällt außerdem schwer, Verständnis aufzubringen, wenn der einzige “Schienenersatzverkehr” für ganze S-Bahnen die regulären Linien 435 und 436 sind, welche bei weitem nicht groß genug für das Fahrgastaufkommen sind und dann eine Sightseeing-Bummeltour durch Bergisch Gladbachs Seitenstraßen machen.

        Ich bin gespannt, ob die Bitten von CDU und Grünen erhört werden. Wenn schon Ersatzverkehr organisiert wurde, waren das stets ein paar wenige Reisebusse, die ebenfalls völlig unterdimensioniert waren. go.Rheinland scheint gar nicht zu begreifen, wie wichtig die S-Bahn für Bergisch Gladbach ist.

  6. Nicht die Verfalls- und Alterungsprozesse von Gleisen, Fahrbahnen und Brücken sind das Hauptproblem. Diese liegen in der Sache ihrer voraussehbaren Natur. Dies sollte jedem Menschen, welcher sich mit Zeitabläufen auskennt, bewusst sein, ohne promoviert zu haben.

    Dass nun die demokratisch gewählten Instanzen – welcher Colleur auch immer – weiter in ihren Politmeinungsblasen verharren, scheint mir das eigentliche Problemlösungshindernis darzustellen.

    Ist es nicht an der Zeit, ein Kompetenzzentrum zu schaffen, welches als Allererstes die Gesamt(!)situation strukturiert? Daraus einen Extrakt des “Nochmöglichen” ableitet und gestaltet? Also die noch funktionierende Restinfrastruktur der einzelnen Mobilitätsangebote in ihrer zeitlichen Abfolge aufeinander abstimmt?

    Insellösungen, welche zeitparallel ohne das Wissen der Konkurrenzstrukturen einzubeziehen, geschaffen werden, führen unaufhaltsam zu einer Art “GAU”. Die Folgen für Wirtschaft und Wohlergehen jedes Betroffenen sollte man sich bereits heute schon ausmalen.

    Dass diese – und dessen sollten sich die politisch Verantwortlichen, aber auch die “Konsumenten” bewusst sein -, nicht zwangsläufig Folge eines “natürlichen” Ablaufs, sondern auch das Ergebnis von Ignoranz, Borniertheit und gewollter Unkenntnis sind, ist letztendlich auch “Futter” für die allseits bekannten Demokratiefeinde. Sind diese nicht sogar auf „Missmanagement“ angewiesen, um zu überleben?

    Mir geht es jetzt nicht darum, Politikverantwortlichen, welche sich tagtäglich mit Tausend unterschiedlichsten Problemen befassen müssen, die Kompetenz abzusprechen. Es sollte jedoch ein Bewusstsein nicht nur vorherrschen, sondern unbedingt kommuniziert werden, welches darauf abzielt, dem Dauerpatienten „Mobilität“ aus seinem „chronischen Zustand“ in einen klar erkennbaren „Heilungsprozess“ über zu führen. Auch wenn es nun wie ein Widerspruch erscheint – meinen Vertrauensvorschuss bekommt Ihr auch weiterhin…

    Respekt und Dank zolle ich all den Menschen vor Ort bei Bahn und KVB, die jeden Tag unter schwierigsten Bedingungen ihren Job machen – mitunter am Rande eines Burnout… Auch wenn der eine oder andere Kunde mitunter grantig wird – sein Zorn der Hilflosigkeit richtet sich nicht gegen Euch, da bin ich mir sicher.

    Pendler i.R. (21 Jahre BGL-Hand – Siegburg, per PKW, Bahn, KVB und Rad) Dieter Richter (74), Bergisch Gladbach

  7. Man kann im Berufsverkehr jeden Morgen auf der Mülheimer/Bergisch Gladbacher Str. über die Autos bis nach Köln laufen, ohne den Boden zu berühren. Da ist Ersatzverkehr mit Bussen keine Alternative. Es geht schneller, vom S-Bahnhof aus mit Bussen an die Linie 1 – Bensberg oder Refrath zu fahren. Der Schnellbus SB40 fährt während des Berufsverkehrs und zu Messezeiten wegen der Überlastung der Zoobrücke mit erheblichen Verspätungen.

    Eine Takterhöhung auf den Line 3, 18 von Thielenbruch scheitert am fehlenden Wagenmaterial/Fahrpersonal. Die KVB kürzt aus diesen Gründen in den letzten Jahren kontinuierlich ihr Angebot.

  8. Thielenbruch – die betreffenden Personen die sowas vorschlagen, nutzen diese Verbindung sicherlich nicht oft. Die Fahrzeit von dort ins Kölner Zentrum ist deutlich länger als von Refrath. Direktbusse nach Refrath benötigen ca. 10 Minuten. Lediglich eine Taktverdichtung der KVB wäre notwendig.

    1. Kommt allerdings auch drauf an, wo man hin muss (vor allem, wenn die Mülheimer Brücke wieder befahren werden kann).
      Mal davon abgesehen, dass vor allem bei der längeren Sperrung ein möglichst breites Angebot ja nicht schaden kann, auch um die Last zu verteilen…

      1. Zumindest alle Ziele zwischen Hbf, Neumarkt und Heumarkt lassen sich über Refrath schneller erreichen als über die Linie 18, die Linie 3 liegt zum Neumarkt und nach Deutz zeitlich ähnlich wie die Linie 1.

        Beide KVB-Strecken anzubinden, ist freilich zweifellos sinnvoll. Lediglich mit Thielenbruch zu planen, wird aber sicherlich zu einer Überlastung der Buslinien 451/452 führen.